Die Rei­se des vor­le­gen­den Rich­ters zum Gerichts­hof der Euro­päi­schen Union

Die Rei­se des vor­le­gen­den Rich­ters zur münd­li­chen Ver­hand­lung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on ist kei­ne Dienst­rei­se. Ein Rich­ter, der ein Ver­fah­ren aus­setzt, um dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on (EuGH) Fra­gen des Uni­ons­rechts zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­zu­le­gen, hat daher kei­nen Anspruch auf Erstat­tung der Kos­ten sei­ner Rei­se zum Besuch der münd­li­chen Ver­hand­lung des EuGH in die­sem Verfahren. 

Die Rei­se des vor­le­gen­den Rich­ters zum Gerichts­hof der Euro­päi­schen Union

In dem jetzt vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Fall hat­te ein Vor­sit­zen­der Rich­ter am Han­sea­ti­schen Ober­lan­des­ge­richt in Bre­men geklagt. Im Jahr 2015 leg­te sein Senat dem Uni­ons­ge­richts­hof meh­re­re Fra­gen zur Vor­ab­ent­schei­dung gemäß Art. 167 AEUV vor. Nach­dem der Uni­ons­ge­richts­hof dem vor­le­gen­den OLG-Senat mit­ge­teilt hat­te, dass Ter­min zur münd­li­chen Ver­hand­lung bestimmt wor­den sei, ent­schloss sich der Vor­sit­zen­de Rich­ter, zur münd­li­chen Ver­hand­lung des Uni­ons­ge­richts­hofs nach Luxem­burg zu rei­sen. Dies zeig­te er der Prä­si­den­tin des Ober­lan­des­ge­richts mit dem Hin­weis an, dass es sich um eine Rei­se im Rah­men rich­ter­li­cher Spruch­tä­tig­keit han­de­le, die kei­ner Anord­nung oder Geneh­mi­gung bedür­fe. Die Prä­si­den­tin lehn­te es ab, eine Dienst­rei­se zu geneh­mi­gen. Zur Begrün­dung führ­te sie aus, eine Anwe­sen­heit des Klä­gers bei der münd­li­chen Ver­hand­lung des Uni­ons­ge­richts­hofs sei weder im Rah­men rich­ter­li­cher Spruch­tä­tig­keit noch aus sons­ti­gen Grün­den gebo­ten. Es wer­de ange­regt, Son­der­ur­laub zu bean­tra­gen. Der Klä­ger bean­trag­te hilfs­wei­se Son­der­ur­laub, der ihm auch gewährt wur­de, und reis­te nach Luxemburg.

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Sein anschlie­ßend gestell­ter Antrag auf Erstat­tung der Rei­se­kos­ten in Höhe von rund 840 € wur­de abge­lehnt. Die Kla­ge auf Erstat­tung der Rei­se­kos­ten und auf Fest­stel­lung, dass es sich bei der Rei­se zum Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on um eine geneh­mi­gungs­freie Dienst­rei­se gehan­delt habe sowie auf wei­te­re Fest­stel­lun­gen ist in den Vor­in­stan­zen vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Bre­men1 und dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Bre­men2 ohne Erfolg geblie­ben. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat nun die Bre­mer Vor­ent­schei­dun­gen bestä­tigt und auch die Revi­si­on des Vor­sit­zen­den Rich­ters zurück­ge­wie­sen; der Rich­ter habe kei­nen Anspruch auf Erstat­tung sei­ner Rei­se­kos­ten, befand das Bundesverwaltungsgericht:

Zwar bedür­fen Dienst­rei­sen zur Durch­füh­rung rich­ter­li­cher Amts­ge­schäf­te kei­ner Geneh­mi­gung. Das Vor­lie­gen einer sol­chen rich­ter­li­chen Amts­hand­lung ist indes nach objek­ti­ven Kri­te­ri­en zu bestim­men. Der Besuch einer münd­li­chen Ver­hand­lung des Uni­ons­ge­richts­hof durch einen Rich­ter des vor­le­gen­den mit­glied­staat­li­chen Gerichts in einem zur Vor­ab­ent­schei­dung nach Art. 267 des Ver­tra­ges über die Arbeits­wei­se der Euro­päi­schen Uni­on (AEUV) aus­ge­setz­ten Ver­fah­ren ist kein rich­ter­li­ches Amts­ge­schäft. Ein sol­cher Besuch kann viel­mehr allein der Fort- und Wei­ter­bil­dung des mit­glied­staat­li­chen Rich­ters die­nen. In dem aus­ge­setz­ten Ver­fah­ren hat der mit­glied­staat­li­che Rich­ter kei­ne Mög­lich­keit, Beweis zu erhe­ben. Außer­dem ist der Anspruch des mit­glied­staat­li­chen Rich­ters auf unmit­tel­ba­re und geneh­mi­gungs­freie Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on und dem natio­na­len Gericht auf schrift­li­chen, tele­fo­ni­schen und digi­ta­len Dia­log ange­legt. Rei­se­tä­tig­kei­ten erfasst die­ser Dia­log nicht.

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Die unterbliebene Anrufung des EuGH im Wege des Vorabentscheidungsverfahrens

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 15. April 2021 – 2 C 13.20

  1. VG Bre­men, Urteil vom 24.04.2018 – 6 K 1528/​16[]
  2. OVG Bre­men, Urteil vom 04.06.2019 – 2 LC 138/​18[]

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