Die Schu­lungs­kos­ten des Per­so­nal­rats

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts bleibt sei­ner bis­he­ri­gen Recht­spre­chungs­li­nie treu: Eine Er­stat­tungs­pflicht für Schu­lungs­kos­ten gemäß § 42 Abs. 1 SA­Pers­VG setzt unter an­de­rem vor­aus, dass der Per­so­nal­rat beim Ent­sen­dungs­be­schluss das Gebot der spar­sa­men Ver­wen­dung öf­fent­li­cher Mit­tel be­ach­tet hat.

Die Schu­lungs­kos­ten des Per­so­nal­rats

Er­weist sich die er­folg­te Durch­füh­rung einer Schu­lungs­ver­an­stal­tung wegen Ver­sto­ßes gegen das Gebot der spar­sa­men Ver­wen­dung öf­fent­li­cher Mit­tel als nicht not­wen­dig im Sin­ne von § 42 Abs. 1 SA­Pers­VG, so lässt dies die Ver­pflich­tung der Dienst­stel­le un­be­rührt, die­je­ni­gen Kos­ten zu er­stat­ten, die bei einer die­ses Gebot be­ach­ten­den Durch­füh­rung der Schu­lungs­ver­an­stal­tung an­ge­fal­len wären. Hier­bei ist auf den­je­ni­gen Ver­an­stal­tungs­ort ab­zu­stel­len, des­sen Wahl die ge­rings­ten Kos­ten ver­ur­sacht hät­te. Et­wai­ge frü­he­re An­ge­bo­te der Dienst­stel­le, deren An­nah­me im Ver­gleich hier­zu hö­he­re Kos­ten ver­ur­sacht hät­ten, blei­ben außer Be­tracht 1.

Eine Erstat­tungs­pflicht gemäß § 42 Abs. 1 SAPers­VG setzt vor­aus, dass die Schu­lung ihrem Inhalt nach für die teil­neh­men­den Per­so­nal­rats­mit­glie­der erfor­der­lich war, d.h. objek­tiv für die Per­so­nal­rats­tä­tig­keit und sub­jek­tiv im Hin­blick auf das Schu­lungs­be­dürf­nis der Mit­glie­der gebo­ten 2. Dass – wie das Ver­wal­tungs­ge­richt Hal­le in der Vor­in­stanz ohne wei­te­res unter­stellt hat 3 – die­se Vor­aus­set­zun­gen in Bezug auf eine Grund­schu­lung im Per­so­nal­ver­tre­tungs­recht vor­lie­gen, steht regel­mä­ßig außer Zwei­fel 4 und befin­det sich vor­lie­gend zwi­schen den Betei­lig­ten auch nicht im Streit. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt sieht kei­nen Anlass, die ange­foch­te­ne Ent­schei­dung inso­weit zu bean­stan­den.

Eine Erstat­tungs­pflicht gemäß § 42 Abs. 1 SAPers­VG setzt fer­ner vor­aus, dass der Per­so­nal­rat bei der – ihm oblie­gen­den – Ent­schei­dung über die Schu­lungs­teil­nah­me (Ent­sen­dungs­be­schluss) das Gebot der spar­sa­men Ver­wen­dung öffent­li­cher Mit­tel beach­tet hat 5. Dies schließt ein, dass kei­ne gleich­wer­ti­ge kos­ten­güns­ti­ge­re – etwa orts­nä­he­re – Durch­füh­rung der Schu­lungs­ver­an­stal­tung mög­lich war 6. Ob die­se Vor­aus­set­zun­gen gege­ben sind, unter­liegt sei­ner­seits der Prü­fung durch die Dienst­stel­le 7.

Auf­grund der Fest­stel­lun­gen des Ver­wal­tungs­ge­richts im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren wie im Ver­fah­ren des einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes geht das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt im vor­lie­gend ent­schie­de­nen Fall davon aus, dass die Mög­lich­keit bestan­den hät­te, die in Rede ste­hen­de Schu­lung kos­ten­güns­ti­ger an einem der vom Betei­lig­ten ange­bo­te­nen Ver­an­stal­tungs­or­te durch­zu­füh­ren. Die Durch­füh­rung der Schu­lung im "Hei­de­ho­tel Lub­ast" in Kem­berg war somit nicht not­wen­dig im Sin­ne von § 42 Abs. 1 SAPers­VG. Die vom Antrag­stel­ler gel­tend gemach­ten Kos­ten hat die Dienst­stel­le dem­nach nicht zu erstat­ten.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt folgt nicht der Ansicht, dass die bei frü­he­ren "Inhouse"-Schulungen zuta­ge getre­te­ne Nei­gung von Per­so­nal­rats­mit­glie­dern, sich durch aktu­el­le Anfor­de­run­gen aus ihren Auf­ga­ben­be­rei­chen von der Schu­lung ablen­ken zu las­sen, die exter­ne Durch­füh­rung der Schu­lung im "Hei­de­ho­tel Lub­ast" gebo­ten hät­te. Von einem Per­so­nal­rats­mit­glied kann – wie von jedem Bediens­te­ten im Rah­men von Fort­bil­dungs­ver­an­stal­tun­gen – ver­langt wer­den, dass er sich auf den Schu­lungs­stoff kon­zen­triert und der Ver­su­chung dienst­be­ding­ter wie sons­ti­ger Ablen­kun­gen stand­hält. Erweist er sich hier­zu nicht hin­rei­chend in der Lage, recht­fer­tigt dies kei­ne höhe­re Inan­spruch­nah­me öffent­li­cher Mit­tel.

Zudem besagt § 45 Satz 1 SAPers­VG, dass die Per­so­nal­rats­mit­glie­der für not­wen­di­ge Schu­lun­gen vom Dienst frei­zu­stel­len sind. Dies bedeu­tet, dass sie wäh­rend des Schu­lungs­zeit­raums voll­stän­dig von ihren dienst­li­chen Ver­pflich­tun­gen ent­bun­den sind, und zwar auch dann, wenn die Schu­lung in den Räu­men der Dienst­stel­le statt­fin­det. Dem­ge­mäß hat der Dienst­stel­len­lei­ter dafür zu sor­gen, dass die Per­so­nal­rats­mit­glie­der unge­stört blei­ben. Dar­auf haben sie einen Rechts­an­spruch. Ange­sichts des­sen kann die Effek­ti­vi­tät einer "haus­in­ter­nen" Schu­lung nicht ver­neint wer­den.

Auch die Erwä­gung, die an exter­nen, ent­fernt lie­gen­den Schu­lungs­or­ten erzeug­te "Klau­sur­at­mo­sphä­re" erhö­he in kom­mu­ni­ka­ti­ver Hin­sicht und unter dem Aspekt der Kon­zen­tra­ti­ons­för­de­rung die Effi­zi­enz der Schu­lung, führt zu kei­nem ande­ren Ergeb­nis. Etwai­ge Vor­tei­le die­ser Art wären jeden­falls nicht hin­rei­chend gewich­tig, um eine höhe­re Belas­tung der öffent­li­chen Haus­hal­te auf­zu­wie­gen.

Nichts ande­res folgt aus einer etwai­gen Pra­xis bei Schu­lun­gen für Lan­des­be­diens­te­te. Sie könn­te Per­so­nal­rat und Dienst­stel­le nicht von ihrer jewei­li­gen Ver­pflich­tung auf das Gebot der spar­sa­men Ver­wen­dung öffent­li­cher Mit­tel ent­bin­den.

Gesichts­punk­te des Ver­trau­ens­schut­zes ste­hen die­sem Ergeb­nis nicht ent­ge­gen. Zur Ver­mei­dung von Unsi­cher­hei­ten steht dem Per­so­nal­rat die Mög­lich­keit zur Ver­fü­gung, die Erstat­tungs­fä­hig­keit vor­aus­sicht­lich anfal­len­der Schu­lungs­kos­ten vor­ab mit der Dienst­stel­le zu klä­ren. Auf hier­bei getrof­fe­ne Aus­sa­gen der Dienst­stel­le darf der Per­so­nal­rat grund­sätz­lich ver­trau­en. Es wäre mit dem Grund­satz der ver­trau­ens­vol­len Zusam­men­ar­beit zwi­schen Dienst­stel­le und Per­so­nal­ver­tre­tung (§ 2 Abs. 1 SAPers­VG) nicht zu ver­ein­ba­ren, wenn die Dienst­stel­le in Kennt­nis zu erwar­ten­der Kos­ten eine Zusa­ge erteilt, die­se aber nach Durch­füh­rung der Schu­lungs­ver­an­stal­tung wider­ruft, weil sie nun­mehr deren Erfor­der­lich­keit und Ange­mes­sen­heit in Zwei­fel zieht 8. Im vor­lie­gen­den Fall hat die Dienst­stel­le die Erstat­tungs­fä­hig­keit der bei Durch­füh­rung der Schu­lungs­ver­an­stal­tung im "Hei­de­ho­tel Lub­ast" zu erwar­ten­den Kos­ten abge­lehnt. Das Ver­wal­tungs­ge­richt hat die­se Ent­schei­dung im Ver­fah­ren des einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes im Ergeb­nis nicht bean­stan­det. Bei die­ser Sach­la­ge han­del­ten der Per­so­nal­rat bzw. sei­ne Mit­glie­der auf eige­nes Risi­ko, als sie sich den­noch für den genann­ten Schu­lungs­ort ent­schie­den.

Erweist sich die erfolg­te Durch­füh­rung einer Schu­lungs­ver­an­stal­tung wegen Ver­sto­ßes gegen das Gebot der spar­sa­men Ver­wen­dung öffent­li­cher Mit­tel als nicht not­wen­dig im Sin­ne von § 42 Abs. 1 SAPers­VG, so lässt dies aller­dings die Ver­pflich­tung der Dienst­stel­le unbe­rührt, die­je­ni­gen Kos­ten zu erstat­ten, die bei einer die­ses Gebot beach­ten­den Durch­füh­rung der Schu­lungs­ver­an­stal­tung ange­fal­len wären. Es ist kein Grund dafür ersicht­lich, dem Per­so­nal­rat bzw. sei­nen Mit­glie­dern einen dahin­ge­hen­den Anspruch zu ver­sa­gen. Das Ver­wal­tungs­ge­richt wird dem­entspre­chend zu prü­fen haben, ob und – falls ja – in wel­cher Höhe Kos­ten ange­fal­len wären, wenn die Schu­lungs­ver­an­stal­tung an einem der vom Betei­lig­ten ange­bo­te­nen Orte statt­ge­fun­den hät­te. Maß­geb­lich ist hier­bei der­je­ni­ge Ort, des­sen Wahl die gerings­ten Kos­ten ver­ur­sacht und somit am wenigs­ten öffent­li­che Mit­tel bean­sprucht hät­te.

Vor­lie­gend hat­te der Dienst­herr dem Per­so­nal­rat neben sei­nem Ver­wal­tungs­ge­bäu­de zwei wei­te­re, in der Umge­bung von Hal­le befind­li­che dienst­stel­len­ei­ge­ne Tagungs­or­te ange­bo­ten. Erwie­se sich – wofür eini­ges spricht – das Ver­wal­tungs­ge­bäu­de der Betei­lig­ten als der kos­ten­güns­tigs­te Ver­an­stal­tungs­ort, dürf­te die Betei­lig­te nicht ver­pflich­tet wer­den, die­je­ni­gen Kos­ten zu erstat­ten, die bei Wahl eines der bei­den ande­ren Tagungs­or­te ange­fal­len wären. Eine Über­tra­gung der oben wie­der­ge­ge­be­nen Grund­sät­ze aus dem Senats­be­schluss vom 07.12.1994 9 über den Schutz des Ver­trau­ens auf ein­schlä­gi­ge Zusa­gen der Dienst­stel­le auf die hier vor­lie­gen­de Kon­stel­la­ti­on schei­det aus. Die­se Ange­bo­te sind aus­ge­schla­gen wor­den und bie­ten daher kei­ne Grund­la­ge für einen (retro­spek­ti­ven) Ver­trau­ens­schutz, der nun­mehr etwa im Rah­men der nach­träg­li­chen Ermitt­lung (fik­ti­ver) Ver­an­stal­tungs­kos­ten zu berück­sich­ti­gen wäre. Es ist zudem auch nicht erkenn­bar, wor­aus sich ein – die Inan­spruch­nah­me öffent­li­cher Mit­tel über das not­wen­di­ge Maß hin­aus recht­fer­ti­gen­der – Schutz­be­darf des Antrag­stel­lers bzw. sei­ner Mit­glie­der ablei­ten soll­te, nach­dem die Schu­lungs­ver­an­stal­tung gegen den erklär­ten, vom Ver­wal­tungs­ge­richt im Ver­fah­ren des einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes gebil­lig­ten Wil­len der Betei­lig­ten in einem exter­nen Tagungs­ho­tel durch­ge­führt wur­de.

Der vor­lie­gen­de Fall gibt kei­ne Ver­an­las­sung, auf die – anders gela­ger­te – Fra­ge ein­zu­ge­hen, unter wel­chen Umstän­den aus­nahms­wei­se die Wahr­neh­mung von Schu­lungs­an­ge­bo­ten exter­ner Trä­ger trotz der Mög­lich­keit einer kos­ten­güns­ti­ge­ren dienst­in­ter­nen Schu­lung erfor­der­lich sein und zu einem Anspruch auf Kos­ten­er­stat­tung füh­ren kann 10.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 12. Novem­ber 2012 – 6 P 4.12

  1. Ab­gren­zung zu BVerwG, Be­schluss vom 07.12.1994 – 6 P 36.93, BVerw­GE 97, 166 ff. = Buch­holz 251.0 § 45 Ba­Wü­Pers­VG Nr. 2[]
  2. stRspr, vgl. BVerwG, Beschluss vom 14.06.2006 – 6 P 13.05, BVerw­GE 126, 122, 125 = Buch­holz 250 § 44 BPers­VG Nr. 35 S. 2 f. Rn. 12[]
  3. VG Hal­le, Urteil vom 17.04.2012 – 11 A 18/​11 HAL[]
  4. vgl. etwa BVerwG, Beschluss vom 26.02.2003 – 6 P 9.02, BVerw­GE 118, 1 S. 1 = Buch­holz 250 § 44 BPers­VG Nr. 31 S. 1, 7[]
  5. stRspr, vgl. etwa BVerwG, Beschluss vom 14.06.2006 a.a.O.[]
  6. vgl. BVerwG, Beschluss vom 07.12.1994 – 6 P 36.93, BVerw­GE 97, 166, 172 = Buch­holz 251.0 § 45 BaWü­Pers­VG Nr. 2 S. 5[]
  7. vgl. BVerwG, Beschluss vom 07.12.1994 a.a.O.[]
  8. vgl. BVerwG, Beschluss vom 07.12.1994, a.a.O. S. 172 f. bzw. S. 6[]
  9. BVe­wrwG, a.a.O.[]
  10. vgl. zu die­sem Pro­blem­kreis etwa BVe­wrwG, Beschluss vom 16.06.2011 – 6 PB 5.11, Buch­holz 251.6 § 37 Nds­Pers­VG Nr. 1[]