Die Täto­wie­rung des Poli­zei­be­wer­bers

Täto­wie­run­gen stel­len grund­sätz­lich kein Hin­de­rungs­grund für die Ein­stel­lung in den Poli­zei­dienst dar.

Die Täto­wie­rung des Poli­zei­be­wer­bers

Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg hat einem Bewer­ber um Ein­stel­lung in den mitt­le­ren Poli­zei­dienst Recht gege­ben, den die Ber­li­ner Poli­zei allein wegen sei­ner Täto­wie­run­gen abge­lehnt hat­te. Der Antrag­stel­ler ist vor­läu­fig wei­ter zum Aus­wahl­ver­fah­ren zuzu­las­sen. Die Poli­zei hat­te die groß­flä­chi­gen, beim Tra­gen von Som­mer­uni­form sicht­ba­ren Täto­wie­run­gen mit Frau­en­schä­deln (das mexi­ka­ni­sche Motiv „La Cat­ri­na“) bean­stan­det.

Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat ent­schie­den, dass die Prü­fung, ob die Täto­wie­run­gen in der Bevöl­ke­rung als bedroh­lich und abschre­ckend wahr­ge­nom­men wer­den könn­ten, nicht von der Poli­zei­be­hör­de vor­ge­nom­men wer­den dür­fe. Das Gericht ist damit einem Urteil des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts vom 17. Novem­ber 2017 gefolgt. Danach sei­en Täto­wie­run­gen bei jun­gen Men­schen weit ver­brei­tet und „in der Mit­te der Bevöl­ke­rung ange­kom­men“. Es oblie­ge des­we­gen dem Ber­li­ner Gesetz­ge­ber, in Grund­zü­gen zu regeln, ob Täto­wie­run­gen, die beim Tra­gen von Uni­form sicht­bar oder auch unsicht­bar sei­en, nach Grö­ße und Gegen­stand der Dar­stel­lun­gen mit den Anfor­de­run­gen an Poli­zei­be­am­tin­nen und -beam­te und mit den berech­tig­ten Erwar­tun­gen der Bevöl­ke­rung an die Poli­zei ver­ein­bar sei­en. Die par­la­men­ta­ri­sche Debat­te dür­fe von der Poli­zei­be­hör­de nicht vor­weg­ge­nom­men wer­den. Behörd­li­che Ableh­nun­gen sei­en nur erlaubt, wenn auf­grund der Täto­wie­run­gen Zwei­fel bestün­den, ob die Bewer­be­rin­nen oder Bewer­ber jeder­zeit für die frei­heit­li­che demo­kra­ti­sche Grund­ord­nung mit­samt den dort gere­gel­ten Men­schen­rech­ten ein­tre­ten oder wenn mit den Täto­wie­run­gen gegen Straf­ge­set­ze ver­sto­ßen wer­de.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Beschluss vom 1. Febru­ar 2019 – OVG 4 S 52.18