Die Ver­set­zung eines Berufs­sol­da­ten – und die erfor­der­li­che Zusatz­aus­bil­dung

Ein Sol­dat hat kei­nen Anspruch auf eine bestimm­te ört­li­che oder fach­li­che Ver­wen­dung oder auf Ver­wen­dung auf einem bestimm­ten Dienst­pos­ten. Ein dahin­ge­hen­der Anspruch lässt sich auch nicht aus der Für­sor­ge­pflicht ablei­ten.

Die Ver­set­zung eines Berufs­sol­da­ten – und die erfor­der­li­che Zusatz­aus­bil­dung

Über die Ver­wen­dung eines Sol­da­ten ent­schei­det der zustän­di­ge Vor­ge­setz­te oder die zustän­di­ge per­so­nal­be­ar­bei­ten­de Stel­le nach pflicht­ge­mä­ßem Ermes­sen 1. Bei die­ser Ent­schei­dung sind zwar aus Für­sor­ge­grün­den sowie wegen der gemäß § 6 Satz 1 SG auch für Sol­da­ten gel­ten­den Schutz­pflich­ten für Ehe und Fami­lie (Art. 6 Abs. 1 GG) auch die per­sön­li­chen und fami­liä­ren Inter­es­sen des Sol­da­ten ange­mes­sen zu berück­sich­ti­gen.

Bei einem Berufs­sol­da­ten und einem Sol­da­ten auf Zeit gehö­ren jedoch sei­ne jeder­zei­ti­ge Ver­setz­bar­keit und damit die Mög­lich­keit, ihn dort ein­zu­set­zen, wo er gebraucht wird, zu den von ihm frei­wil­lig über­nom­me­nen Pflich­ten und zum prä­gen­den Inhalt sei­nes Wehr­dienst­ver­hält­nis­ses. Er muss es des­halb hin­neh­men, wenn sei­ne per­sön­li­chen Belan­ge beein­träch­tigt wer­den und für ihn dar­aus Här­ten ent­ste­hen.

Erst wenn die mit einer kon­kre­ten ört­li­chen Ver­wen­dung ver­bun­de­nen Nach­tei­le für den Sol­da­ten so ein­schnei­dend sind, dass sie ihm unter Für­sor­ge­ge­sichts­punk­ten nicht zuge­mu­tet wer­den kön­nen, muss das grund­sätz­lich vor­ran­gi­ge Inter­es­se des Dienst­herrn, den Sol­da­ten dort zu ver­wen­den, wo er gebraucht wird, im Rah­men des dienst­lich Mög­li­chen aus­nahms­wei­se hint­an­ge­stellt wer­den 2.

Die Ermes­sens­ent­schei­dung über die Ver­wen­dung kann vom Wehr­dienst­ge­richt nur dar­auf über­prüft wer­den, ob der Vor­ge­setz­te bzw. die per­so­nal­be­ar­bei­ten­de Stel­le den Sol­da­ten durch Über­schrei­ten oder Miss­brauch dienst­li­cher Befug­nis­se in sei­nen Rech­ten ver­letzt (§ 17 Abs. 3 Satz 2 WBO) bzw. die gesetz­li­chen Gren­zen des ihm bzw. ihr zuste­hen­den Ermes­sens über­schrit­ten oder von die­sem in einer dem Zweck der Ermäch­ti­gung nicht ent­spre­chen­den Wei­se Gebrauch gemacht hat (§ 23a Abs. 2 WBO i.V.m. § 114 VwGO). Die gericht­li­che Über­prü­fung rich­tet sich auch dar­auf, ob die vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Ver­tei­di­gung im Wege der Selbst­bin­dung in Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten (wie z.B. Erlas­sen oder Richt­li­ni­en) fest­ge­leg­ten Maß­ga­ben und Ver­fah­rens­vor­schrif­ten ein­ge­hal­ten sind 3, wie sie sich hier ins­be­son­de­re aus den Richt­li­ni­en zur Ver­set­zung, zum Dienst­pos­ten­wech­sel und zur Kom­man­die­rung von Sol­da­ten 4 (Ver­set­zungs­richt­li­ni­en) erge­ben.

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts besteht ein dienst­li­ches Bedürf­nis dafür, einen auf einem z.b.V.-Dienstposten ver­wen­de­ten Sol­da­ten bald­mög­lichst wie­der auf einem Dienst­pos­ten gemäß der Stär­ke- und Aus­rüs­tungs­nach­wei­sung (STAN) zu eta­ti­sie­ren. Plan­stel­len z.b.V. oder "dienst­pos­ten­ähn­li­che Kon­struk­te" dür­fen nach der in ent­spre­chen­den Richt­li­ni­en des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Ver­tei­di­gung fest­ge­leg­ten Ver­wal­tungs­pra­xis erst (und nur) in Anspruch genom­men wer­den, wenn es unter Anle­gung eines stren­gen Maß­sta­bes bei Vor­lie­gen eines dienst­li­chen Bedürf­nis­ses für die Erfül­lung von Auf­ga­ben außer­halb ein­ge­rich­te­ter STAN-Dienst­pos­ten unbe­dingt erfor­der­lich ist. Des­halb ver­lan­gen die Grund­sät­ze einer ord­nungs­ge­mä­ßen Per­so­nal­füh­rung, Sol­da­ten und Sol­da­tin­nen nicht über eine län­ge­re Zeit in einer z.b.V.-Verwendung zu belas­sen, son­dern sie sobald wie mög­lich auf einen dienst­grad­ge­rech­ten STAN-Dienst­pos­ten zu ver­set­zen 5.

Das dienst­li­che Bedürf­nis für die Zuver­set­zung liegt regel­mä­ßig vor, wenn ein Dienst­pos­ten frei ist und besetzt wer­den muss 6.

Die Eig­nung als Teil-Vor­aus­set­zung für die Beset­zung des Dienst­pos­tens (vgl. dazu Nr. 5 Buchst. g der Ver­set­zungs­richt­li­ni­en) ist gericht­lich nur ein­ge­schränkt nach­prüf­bar, weil die Ent­schei­dung des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Ver­tei­di­gung, wen es oder die von ihm inso­weit beauf­trag­te Dienst­stel­le für einen zu beset­zen­den Dienst­pos­ten als geeig­net ansieht, im Kern ein ihm vor­be­hal­te­nes Wert­ur­teil dar­stellt. Die gericht­li­che Kon­trol­le ist inso­weit dar­auf beschränkt fest­zu­stel­len, ob bei der Eig­nungs­fest­stel­lung ein unrich­ti­ger oder unvoll­stän­di­ger Sach­ver­halt zugrun­de gelegt wor­den ist, der Begriff der Eig­nung ver­kannt wor­den ist, sach­frem­de Erwä­gun­gen ange­stellt wur­den, all­ge­mein gül­ti­ge Wert­maß­stä­be nicht beach­tet oder Ver­fah­rens­vor­schrif­ten miss­ach­tet wur­den 7.

Die Ein­schät­zung der zustän­di­gen per­so­nal­be­ar­bei­ten­den Stel­le, dass ein Sol­dat für die Wahr­neh­mung eines zu beset­zen­den Dienst­pos­tens grund­sätz­lich geeig­net ist und nur einer wei­ter­ge­hen­den Zusatz­aus­bil­dung bedarf, hält die Gren­zen des Beur­tei­lungs­spiel­raums ein. Wenn ein Sol­dat für bestimm­te Berei­che der auf einem Dienst­pos­ten wahr­zu­neh­men­den Auf­ga­ben nicht in vol­lem Umfang aus­ge­bil­det sein soll­te, kann er damit das dienst­li­che Bedürf­nis für eine Ver­set­zung nicht erfolg­reich in Fra­ge stel­len.

Es ent­spricht der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts, dass es im gericht­lich nicht über­prüf­ba­ren Beur­tei­lungs­spiel­raum der per­so­nal­be­ar­bei­ten­den Stel­le liegt zu ent­schei­den, ob ein Sol­dat die für die künf­ti­ge Ver­wen­dung erfor­der­li­chen fach­li­chen Vor­aus­set­zun­gen in vol­lem Umfang besitzt, oder ob inso­weit noch eine fach­li­che Nach­schu­lung erfor­der­lich ist. Dass die Über­tra­gung eines neu­en Dienst­pos­tens unter Umstän­den eine Ein­ar­bei­tung und gege­be­nen­falls eine Schu­lung erfor­dert, stellt kei­nen Grund dar, von einer dienst­lich gebo­te­nen Ver­set­zungs­ent­schei­dung abzu­se­hen 8.

Ein Sol­dat hat kei­nen Anspruch dar­auf, dass von einer dienst­lich not­wen­di­gen Ver­wen­dung des­halb abge­se­hen wird, weil ihm umfas­sen­de Kennt­nis­se für die Wahr­neh­mung der Auf­ga­be feh­len. Sofern sich ein Sol­dat für die vor­ge­se­he­ne Ver­wen­dung einer zusätz­li­chen Aus­bil­dung unter­zie­hen müss­te, wäre er dazu dienst­lich gemäß § 7 SG ver­pflich­tet 9.

Soweit, wie im vor­lie­gen­den Fall, die Ver­set­zung mit einem Orts­wech­sel ver­bun­den ist, müs­sen – wie bereits oben aus­ge­führt – aus Für­sor­ge­grün­den (§ 10 Abs. 3 SG) sowie wegen der aus § 6 SG fol­gen­den Schutz­pflich­ten für Ehe und Fami­lie (Art. 6 Abs. 1 GG) auch die per­sön­li­chen und fami­liä­ren Inter­es­sen des Sol­da­ten ange­mes­sen berück­sich­tigt und mit dem Grund­satz der jeder­zei­ti­gen Ver­setz­bar­keit und mit den Gren­zen der Zumut­bar­keit abge­wo­gen wer­den. Erfährt die Für­sor­ge­pflicht – wie in Nr. 6 und 7 der Ver­set­zungs­richt­li­ni­en gesche­hen – eine all­ge­mei­ne Rege­lung in Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten, so sind die­se Vor­schrif­ten schon im Hin­blick auf das Gebot der Gleich­be­hand­lung (Art. 3 Abs. 1 GG) grund­sätz­lich für die Bestim­mung der Zumut­bar­keits­gren­zen maß­geb­lich, soweit im Übri­gen der gesetz­li­che Rah­men nicht über­schrit­ten wird.

Die Ent­schei­dung über die gesund­heit­li­che Eig­nung oder Ver­wen­dungs­fä­hig­keit eines Sol­da­ten für eine bestimm­te mili­tä­ri­sche Ver­wen­dung und die Klä­rung der Fra­ge, ob und in wel­chem Umfang eine Stö­rung mit Krank­heits­wert die Eig­nung oder Ver­wen­dungs­fä­hig­keit des Sol­da­ten beein­träch­tigt oder aus­schließt, kommt mit Vor­rang dem Trup­pen­arzt bzw. dem zustän­di­gen Sani­täts­of­fi­zier und nicht einem pri­va­ten (Fach-)Arzt zu. Das mili­tär­ärzt­li­che Unter­su­chungs­er­geb­nis hat hier einen höhe­ren Beweis­wert, weil der Trup­pen­arzt bzw. der zustän­di­ge Sani­täts­of­fi­zier auf­grund sei­ner beson­de­ren Kennt­nis­se der Erfor­der­nis­se des mili­tä­ri­schen Diens­tes über einen spe­zi­el­len zusätz­li­chen Sach­ver­stand ver­fügt, der ihn befä­higt, Fra­gen der gesund­heit­li­chen Eig­nung oder Ver­wen­dungs­fä­hig­keit für bestimm­te Lauf­bah­nen oder Dienst­pos­ten bes­ser beur­tei­len zu kön­nen als ein pri­va­ter (Fach-)Arzt 10.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 2. Febru­ar 2015 – 1 WDR ‑VR 3.2014 -

  1. stRspr, vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 25.09.2002 – 1 WB 30.02, Buch­holz 236.1 § 3 SG Nr. 30 S. 24; und vom 10.10.2002 – 1 WB 40.02 – S. 7, jeweils m.w.N.[]
  2. stRspr, vgl. z.B. BVerwG, Beschluss vom 13.12 2011 – 1 WB 43.11 20 m.w.N.[]
  3. vgl. BVerwG, Beschluss vom 27.02.2003 – 1 WB 57.02, BVerw­GE 118, 25, 27[]
  4. vom 03.03.1988, VMBl. S. 76,in der zuletzt am 09.06.2009, VMBl. S. 86 geän­der­ten Fas­sung[]
  5. stRspr, vgl. z.B. BVerwG, Beschlüs­se vom 22.09.2005 – 1 WB 21.05, Rn. 30 m.w.N.; und vom 24.01.2012 – 1 WB 31.11[]
  6. stRspr, vgl. z.B. BVerwG, Beschluss vom 22.09.2005 – 1 WB 21.05, Rn. 27 m.w.N.; eben­so Nr. 5 Buchst. a der Ver­set­zungs­richt­li­ni­en[]
  7. stRspr; vgl. z.B. BVerwG, Beschlüs­se vom 27.02.2003 – 1 WB 57.02, BVerw­GE 118, 25, 28; und vom 24.01.2012 – 1 WB 31.11[]
  8. vgl. z.B. BVerwG, Beschlüs­se vom 16.06.1994 – 1 WB 42.94 – S. 6 f.; vom 16.05.2002 – 1 WB 11.02 – S. 7 f.; und vom 24.01.2012 – 1 WB 31.11 27[]
  9. BVerwG, Beschluss vom 18.11.1997 – 1 WB 25.97 – S. 11[]
  10. stRspr; vgl. z.B. BVerwG, Beschlüs­se vom 26.10.1999 – 1 WB 45.99, Buch­holz 236.1 § 10 SG Nr. 40 S. 8; vom 21.02.2002 – 1 WB 73.01 – S. 7 f.; und vom 14.11.2002 – 1 WB 33.02 – S. 11 f.[]