Die Wind­park-Ein­künf­te eines Ruhe­stands­be­am­ten

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts gehö­ren Erträ­ge aus der Anla­ge des Kapi­tal­ver­mö­gens nicht zum anre­chen­ba­ren Erwerbs­ein­kom­men, auch wenn es sich bei der Anla­ge um eine Kapi­tal­be­tei­li­gung an einem Gewer­be­be­trieb han­delt. Ein­künf­te aus Gewer­be­be­trieb stel­len nur dann anre­chen­ba­res Erwerbs­ein­kom­men im Sin­ne von § 53a Abs. 6 Satz 1 BeamtVG a.F. (§ 53 Abs. 7 Satz 1 BeamtVG) dar, wenn der Ruhe­stands­be­am­te sei­ne Arbeits­kraft in den Gewer­be­be­trieb ein­bringt. Er muss die Ein­künf­te als Gegen­leis­tung für sei­ne Arbeit in dem Gewer­be­be­trieb erhal­ten.

Die Wind­park-Ein­künf­te eines Ruhe­stands­be­am­ten

Die­se ein­schrän­ken­de Aus­le­gung des gesetz­li­chen Begriffs der Ein­künf­te aus Gewer­be­be­trieb folgt aus dem Zweck des in § 53a BeamtVG a.F. (§ 53 BeamtVG) gere­gel­ten Vor­teils­aus­gleichs. Der vor­zei­tig in den Ruhe­stand ver­setz­te Beam­te muss die Anrech­nung des­je­ni­gen Ein­kom­mens auf das Ruhe­ge­halt hin­neh­men, das er im Ruhe­stand durch den Ein­satz sei­ner Arbeits­kraft erzielt, der durch den Weg­fall sei­ner Dienst­leis­tungs­pflicht vor Errei­chen der all­ge­mei­nen gesetz­li­chen Alters­gren­ze ermög­licht wird. Dage­gen schei­det im Hin­blick auf den Ali­men­ta­ti­ons­grund­satz nach Art. 33 Abs. 5 GG eine Anrech­nung des­je­ni­gen Ein­kom­mens aus, das nicht das Ergeb­nis der vor­zei­tig ander­wei­tig ein­setz­ba­ren Arbeits­kraft des Ruhe­stands­be­am­ten, son­dern Ertrag sei­nes pri­va­ten Ver­mö­gens ist. Hier­zu zäh­len Ein­künf­te aus Kapi­tal­ver­mö­gen, etwa aus Kapi­tal­be­tei­li­gun­gen an Gewer­be­be­trie­ben, in denen der Ruhe­stands­be­am­te nicht mit­ar­bei­tet1.

Auf der Grund­la­ge die­ser Rechts­auf­fas­sung hät­te sich die Auf­klä­rung auf­drän­gen müs­sen, ob die Ein­künf­te der Ruhe­stands­be­am­tin aus dem Betrieb der Wind­kraft­an­la­gen auf dem Ein­satz ihrer Arbeits­kraft beruh­ten oder Erträ­ge einer Kapi­tal­be­tei­li­gung waren. Zwei­fel an einer Arbeits­leis­tung für das Wind­kraft­un­ter­neh­men lagen wegen deren Berufs­tä­tig­keit als Ärz­tin auf der Hand; dass die Ärz­tin dane­ben ihre Arbeits­kraft noch für ein Wind­kraft­un­ter­neh­men hät­te ein­set­zen kön­nen, war eher fern­lie­gend. Um dies auf­zu­klä­ren hät­te es aus­ge­reicht, sie auf­zu­for­dern, die ver­trag­li­chen Unter­la­gen ihres Enga­ge­ments vor­zu­le­gen, sowie bei Bedarf ergän­zend nach­zu­fra­gen. In Anbe­tracht des­sen durf­ten die Anga­ben im Ein­kom­men­steu­er­be­scheid nicht unge­prüft zugrun­de gelegt wer­den. Sie kön­nen ledig­lich bei Feh­len ander­wei­ti­ger Anhalts­punk­te als Indiz her­an­ge­zo­gen wer­den2. Sol­che Anhalts­punk­te lagen hier, wie dar­ge­stellt, auf der Hand.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 13. Novem­ber 2014 – 2 B 72.2014

  1. BVerwG, Urteil vom 25.08.2011 – 2 C 31.10, Buch­holz 239.1 § 53 BeamtVG Nr. 22 Rn. 13; vgl. bereits OVG NRW, Urteil vom 20.06.2007 – 21 A 2664/​05 – IÖD 2007, 213
  2. BVerwG, Urteil vom 28.06.2012 – 2 C 58.11, Buch­holz 239.1 § 53 BeamtVG Nr. 25 Rn. 12