Dienst­li­che Beur­tei­lung – frei von jeder eige­nen Kennt­nis

Die dienst­li­che Beur­tei­lung eines Beam­ten darf auch von einem Beur­tei­ler erstellt wer­den, der die Leis­tung im Beur­tei­lungs­zeit­raum nicht aus eige­ner Anschau­ung kennt. Eine der­ar­ti­ge Ver­fah­rens­wei­se setzt aber ein Beur­tei­lungs­sys­tem vor­aus, das sicher­stellt, dass der Beur­tei­ler über hin­rei­chen­de Kennt­nis von den für die Beur­tei­lung wesent­li­chen Tat­sa­chen ver­fügt.

Dienst­li­che Beur­tei­lung – frei von jeder eige­nen Kennt­nis

Wer­den Ver­gleichs­grup­pen gebil­det, müs­sen die­se aus Beschäf­tig­ten bestehen, die in einem poten­ti­el­len Kon­kur­renz­ver­hält­nis zuein­an­der ste­hen. Für Beam­te aus unter­schied­li­chen Lauf­bah­nen gilt dies grund­sätz­lich nicht, Tarif­be­schäf­tig­te dür­fen dage­gen ein­be­zo­gen wer­den.

Das Beur­tei­lungs­sys­tem der Bun­des­netz­agen­tur für Elek­tri­zi­tät, Gas, Tele­kom­mu­ni­ka­ti­on, Post und Eisen­bah­nen ent­spricht die­sen Vor­ga­ben teil­wei­se nicht.

In dem hier vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig ent­schie­de­neb Fall wand­te sich eine bei der Bun­des­netz­agen­tur ver­wen­de­te Bun­des­be­am­tin gegen eine im Ankreuz­ver­fah­ren erstell­te Regel­be­ur­tei­lung. Sie macht ins­be­son­de­re gel­tend, der Beur­tei­ler sei weder zu einer eigen­stän­di­gen Bewer­tung ihrer Leis­tun­gen in der Lage gewe­sen noch habe er sich aus­rei­chen­de Kennt­nis hier­über ver­schafft. Ihre Her­ab­stu­fung um eine Noten­stu­fe gegen­über den vor­an­ge­gan­ge­nen Beur­tei­lun­gen sei nicht plau­si­bel.

Die Dienst­her­rin ist in den Vor­in­stan­zen vom Ver­wal­tungs­ge­richt Sig­ma­rin­gen und dem Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg in Mann­heim zur Neu­be­ur­tei­lung der Beam­tin ver­pflich­tet wor­den 1. Ange­sichts der unein­heit­li­chen Noten­ver­ga­be in den Ein­zel­merk­ma­len habe es einer Begrün­dung des Gesamt­ur­teils der dienst­li­chen Beur­tei­lung bedurft. Dar­über hin­aus habe die Dienst­her­rin unzu­läs­si­ge Ver­gleichs­grup­pen für die vor­ge­ge­be­nen Quo­ten gebil­det: zum einen habe sie Tarif­be­schäf­tig­te nicht ein­be­zie­hen dür­fen, zum ande­ren dürf­ten in einer Ver­gleichs­grup­pe nicht Beam­te in unter­schied­li­chen Lauf­bah­nen zusam­men­ge­fasst wer­den.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 2. März 2017 – 2 C 21.16

  1. VG Sig­ma­rin­gen, Urteil vom 08.10.2014 – 1 K 1152/​13; VGH Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 15.06.2016 – 4 S 126/​15[]