Dienst­un­fall­für­sor­ge – und das Bei­hilfs­recht

Zur Bestim­mung der Ange­mes­sen­heit der Kos­ten im Rah­men der Dienst­un­fall­für­sor­ge kann auf die Rege­lun­gen des Bei­hilfs­rechts zurück­ge­grif­fen wer­den.

Dienst­un­fall­für­sor­ge – und das Bei­hilfs­recht

Nach § 33 Abs. 1 Nr. 2 BeamtVÜG M‑V umfasst das Heil­ver­fah­ren bei einem Dienst­un­fall die not­wen­di­ge Ver­sor­gung mit Heil­mit­teln. Zu den Heil­mit­teln gehö­ren auch ärzt­lich ver­ord­ne­te phy­sio­the­ra­peu­ti­sche Behand­lun­gen. Nach § 1 Abs. 1 Heil­ver­fah­rens­ver­ord­nung sind die not­wen­di­gen und ange­mes­se­nen Kos­ten zu erstat­ten.

Was ange­mes­sen i. S. v. § 1 Abs. 1 Heil­ver­fah­rens­ver­ord­nung ist, kann im Grund­satz mit Blick auf die Bun­des­bei­hil­fe­ver­ord­nung bestimmt wer­den, die auch nur ange­mes­se­ne Kos­ten berück­sich­tigt. Danach wäre hier gemäß Anla­ge 9 Abs. 1 Nr. 11 zu § 23 BBhV für Manu­el­le The­ra­pie je Ein­heit bei einer Min­dest­be­hand­lungs­dau­er von 30 Minu­ten ein Höchst­be­trag von 22, 50 Euro anzu­set­zen. Dabei ist jedoch zu berück­sich­ti­gen, dass der Anspruch auf Unfall­für­sor­ge – anders als die "ergän­zen­de" Bei­hil­fe – den Zweck erfüllt, den Beam­ten recht­lich und wirt­schaft­lich bei sol­chen Scha­dens­fäl­len zu sichern, die im Dienst ihre Ursa­che haben. Ein Rück­griff auf die Bei­hil­fe­re­ge­lun­gen kommt des­halb nur in Betracht, wenn die Annah­me gerecht­fer­tigt erscheint, dass bei­hil­fe­be­rech­tig­te Beam­te regel­mä­ßig Heil­be­hand­lun­gen zu Ent­gel­ten erhal­ten kön­nen, die die in der Bei­hil­fe­ver­ord­nung fest­ge­schrie­be­nen Ober­gren­zen nicht über­schrei­ten 1. Dies kann im Grund­satz ange­nom­men wer­den, weil sich die Fest­set­zung von Höchst­be­trä­gen in der Bun­des­bei­hil­fe­ver­ord­nung gemäß § 80 Abs. 4 BBG an die Rege­lun­gen im Fünf­ten Buch Sozi­al­ge­setz­buch anleh­nen muss und des­halb nicht in beacht­li­cher Wei­se hin­ter den für gesetz­lich Ver­si­cher­te gel­ten­den Rege­lun­gen zurück­blei­ben darf. Tat­säch­lich wei­sen etwa die gemäß § 125 Abs. 2 SGB V in der Ver­ein­ba­rung zwi­schen dem Ver­band der Ersatz­kas­sen vdek und dem Spit­zen­ver­band der Phy­sio­the­ra­peu­ten ab dem 01.03.2015 fest­ge­leg­ten Höchst­prei­se für die Behand­lung der gesetz­lich Ver­si­cher­ten unter Pos.-Nr. 21201 – Manu­el­le The­ra­pie, Regel­be­hand­lungs­zeit: Richt­wert 15 bis 25 Minu­ten, einen Preis von 16, 93 Euro aus, was umge­rech­net auf 30 Minu­ten Behand­lungs­dau­er 20, 32 Euro ent­spricht. Unge­ach­tet der Fra­ge, ob und inwie­weit die Behand­lungs­ho­no­ra­re für Heil­mit­tel im Bereich der gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen in den letz­ten Jah­ren im Gegen­satz zu den in den Bei­hil­fe­re­ge­lun­gen fest­ge­setz­ten Höchst­be­trä­gen gestie­gen sind, wie von Beam­ten­sei­te vor­ge­tra­gen, lässt der auf­ge­zeig­te Ver­gleich zwi­schen dem Ver­gü­tungs­satz Pos.-Nr. 21201 – Manu­el­le The­ra­pie – in der Ver­ein­ba­rung zwi­schen dem Ver­band der Ersatz­kas­sen vdek und dem Spit­zen­ver­band der Phy­sio­the­ra­peu­ten einer­seits und dem Höchst­be­trag gemäß Anla­ge 9 Abs. 1 Nr. 11 zu § 23 BBhV für Manu­el­le The­ra­pie ande­rer­seits die Annah­me zu, dass ein bei­hil­fe- oder dienst­un­fall­für­sor­ge­be­rech­tig­ter Beam­ter regel­mä­ßig eine Heil­be­hand­lung der vor­lie­gen­den Art zu einem Ent­gelt erhal­ten kann, das die in der Bei­hil­fe­ver­ord­nung fest­ge­schrie­be­ne Ober­gren­ze nicht über­schrei­tet. Es erge­ben sich kei­ne Anhalts­punk­te für die Annah­me, dass sich Phy­sio­the­ra­peu­ten gene­rell wei­gern, eine phy­sio­the­ra­peu­ti­sche Behand­lung eines bei­hil­fe- oder dienst­un­fall­für­sor­ge­be­rech­tig­ten Beam­ten zu den in der Bun­des­bei­hil­fe­ver­ord­nung fest­ge­setz­ten Höchst­sät­zen durch­zu­füh­ren, wäh­rend sie die­sel­be Behand­lung zu einer gerin­ge­ren Ver­gü­tung bei einem gesetz­lich Ver­si­cher­ten durch­füh­ren müs­sen. Dies gilt unge­ach­tet des Umstan­des, dass die behan­deln­den The­ra­peu­ten nicht gehin­dert sind, mit Pri­vat­pa­ti­en­ten, zu denen grund­sätz­lich auch bei­hil­fe- oder dienst­un­fall­für­sor­ge­be­rech­tig­te Beam­te zäh­len, Hono­rar­ver­ein­ba­run­gen abzu­schlie­ßen, die über die­sen Höchst­sät­zen lie­gen, was aus Sicht der Ver­trag­schlie­ßen­den ins­be­son­de­re dann in Betracht kommt, wenn der Pri­vat­pa­ti­ent die Kos­ten der Behand­lung im Ergeb­nis selbst tra­gen will oder muss, oder wenn die ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen des Pati­en­ten mit sei­ner pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung eine Erstat­tung höhe­rer Kos­ten beinhal­ten.

Vor die­sem Hin­ter­grund wäre es Sache des Beam­tens dar­zu­le­gen und nach­zu­wei­sen, dass er gleich­wohl eine not­wen­di­ge Behand­lung zu dem in der Bun­des­bei­hil­fe­ver­ord­nung fest­ge­leg­ten Höchst­satz nicht erlan­gen konn­te. Für eine sol­che Annah­me hat der Beam­te indes nichts vor­ge­tra­gen.

Ver­wal­tungs­ge­richt Greifs­wald, Urteil vom 9. April 2015 – 6 A 540/​13

  1. vgl. OVG NRW, Urteil vom 24.05.2002 – 1 A 5564/​99[]