Dienst­un­fall­ru­he­ge­halt für ehe­ma­li­gen Radar­tech­ni­ker der Bun­des­wehr

Ein Radar­tech­ni­ker, der eine schwe­re Erkran­kung auf sei­ne beruf­li­che Tätig­keit bei der Bun­des­wehr zurück­führt, hat nur dann Anspruch auf ein erhöh­tes Unfall­ru­he­ge­halt, wenn er nach­wei­sen kann, dass die Erkran­kung als Berufs­krank­heit ein­zu­stu­fen ist.

Dienst­un­fall­ru­he­ge­halt für ehe­ma­li­gen Radar­tech­ni­ker der Bun­des­wehr

In einem jetzt vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig ent­schie­de­nen Fall war der Klä­ger, ein Bun­des­be­am­ter, in der Werk­statt eines Mari­ne­flie­ger­ge­schwa­ders mit der War­tung und Repa­ra­tur von Radar­an­la­gen beschäf­tigt. Dabei war er über vie­le Jah­re sowohl der von die­sen Anla­gen aus­ge­hen­den Rönt­gen­strah­lung als auch star­ken hoch­fre­quen­ten Fel­dern aus­ge­setzt. Er ent­wi­ckel­te eine so genann­te elek­tro­ma­gne­ti­sche Hyper­sen­si­bi­li­tät, eine schwe­re Erkran­kung, und bean­trag­te die Gewäh­rung eines erhöh­ten Unfall­ru­he­ge­halts.

Das erst­in­stanz­lich mit sei­ner Kla­ge befass­te Schles­wig-Hol­stei­ni­sche Ver­wal­tungs­ge­richt gab sei­ner Kla­ge statt 1. Auf die Beru­fung des Dienst­herrn hat das Schles­wig-Hol­stei­ni­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt das ver­wal­tungs­ge­richt­li­che Urteil mit der Begrün­dung bestä­tigt, eine all­ge­mei­ne Fol­genab­wä­gung spre­che im vor­lie­gen­den Fall dafür, dem Klä­ger nicht die Beweis­last für das Vor­lie­gen einer Berufs­krank­heit auf­zu­bür­den 2.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat nun jedoch das Urteil des Schles­wig-Hol­stei­ni­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richts auf­ge­ho­ben und die Sache zur erneu­ten Ent­schei­dung an das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt zurück­ver­wie­sen. Zwar muss der Klä­ger nach­wei­sen, dass sei­ne Krank­heit durch ioni­sie­ren­de Strah­len ver­ur­sacht wor­den ist und dass er im Dienst der beson­de­ren Gefahr aus­ge­setzt war, sich die­se Erkran­kung zuzu­zie­hen; zudem muss er die Erkran­kung recht­zei­tig als Dienst­un­fall mel­den. Bei einer neu­ar­ti­gen Erkran­kung mit unkla­rem Erschei­nungs­bild müs­sen die Tat­sa­chen­ge­rich­te jedoch mit beson­de­rer Sorg­falt die Sach­ver­stän­di­gen aus­wäh­len und anlei­ten, derer sie sich zur Auf­klä­rung der maß­geb­li­chen Tat­sa­chen bedie­nen; zu die­sen Tat­sa­chen zählt auch die Fra­ge, wann vom Vor­lie­gen einer sol­chen Krank­heit aus­zu­ge­hen ist. Ohne eine die­sen Anfor­de­run­gen genü­gen­de Sach­auf­klä­rung darf das Gericht nicht von einer Situa­ti­on der Unauf­klär­bar­keit der Tat­sa­chen­grund­la­ge des gel­tend gemach­ten Anspruchs aus­ge­hen. Des­halb war die Sache an das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt zurück­zu­ver­wei­sen.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 28. April 2011 – 2 C 55.09

  1. VG Schles­wig, Urteil vom 19.03.2001 – 11 A 112/​96[]
  2. OVG Schles­wig, Urteil vom 20.08.2008 – 3 LB 59/​01[]