Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren – und der im Straf­be­fehl fest­ge­stell­te Sach­ver­halt

Nach § 16 Abs. 1 Satz 1 ThürDG sind die tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen eines rechts­kräf­ti­gen Urteils im Straf­ver­fah­ren im Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren, das den­sel­ben Sach­ver­halt zum Gegen­stand hat, für die Dis­zi­pli­nar­or­ga­ne bin­dend. Die­se Rege­lung ist bei einem Straf­be­fehl nicht anwend­bar, weil ein rechts­kräf­ti­ger Straf­be­fehl inso­weit einem rechts­kräf­ti­gen Urteil im Straf­ver­fah­ren nicht gleich­ge­stellt ist [1].

Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren – und der im Straf­be­fehl fest­ge­stell­te Sach­ver­halt

Nach § 16 Abs. 2 ThürDG sind die in einem ande­ren gesetz­lich geord­ne­ten Ver­fah­ren getrof­fe­nen tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen nicht bin­dend, kön­nen aber der Ent­schei­dung im Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren ohne noch­ma­li­ge Prü­fung zugrun­de gelegt wer­den. Hier­mit wird dem Anlie­gen, diver­gie­ren­de Ent­schei­dun­gen von Straf- und Dis­zi­pli­nar­ge­rich­ten über die­sel­be Tat­sa­chen­grund­la­ge nach Mög­lich­keit zu ver­mei­den, Rech­nung getra­gen [2].

Wegen des im Wort­laut ange­leg­ten Regel-Aus­nah­me-Ver­hält­nis­ses und des sys­te­ma­ti­schen Zusam­men­hangs mit der gericht­li­chen Auf­klä­rungs­pflicht nach § 53 Abs. 1 Satz 1 und § 60 Abs. 2 Satz 1 ThürDG ist für die Anwen­dung des § 16 Abs. 2 ThürDG nur Raum, wenn die Rich­tig­keit der ander­wei­tig fest­ge­stell­ten Tat­sa­chen vom Beam­ten im gericht­li­chen Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren nicht sub­stan­zi­iert ange­zwei­felt wird [3].

Das pau­scha­le Vor­brin­gen des Beam­ten, der fest­ge­stell­te Sach­ver­halt ent­spre­che nicht dem tat­säch­li­chen Gesche­hens­ab­lauf, reicht nicht aus. Erfor­der­lich ist eine von den gericht­lich getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen abwei­chen­de Schil­de­rung des Lebens­sach­ver­halts, die plau­si­bel und nicht von vorn­her­ein von der Hand zu wei­sen ist.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 30. Juni 2015 – 2 B 31.2014

  1. BVerwG, Urteil vom 29.03.2012 – 2 A 11.10[]
  2. BVerwG, Beschluss vom 15.03.2013 – 2 B 22.12, NVwZ-RR 2013, 557 Rn. 14[]
  3. BVerwG, Urteil vom 29.03.2012 – 2 A 11.10 39 und Beschlüs­se vom 04.09.2008 – 2 B 61.07, Buch­holz 235.1 § 58 BDG Nr. 4 Rn. 8; vom 27.10.2008 – 2 B 48.08, Rn. 3 und zuletzt vom 26.09.2014 – 2 B 14.14, Rn. 10 m.w.N.[]