Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren – und die Auf­klä­rungs­pflicht des Gerichts

Nach § 58 Abs. 1 BDG und § 86 Abs. 1 Satz 1 VwGO obliegt den Tat­sa­chen­ge­rich­ten die Pflicht, die Auf­klä­rung des Sach­ver­halts auch in Bezug auf die bemes­sungs­re­le­van­ten Umstän­de (§ 13 Abs. 1 Satz 2 bis 4 BDG) zu ver­su­chen, soweit dies für die Bestim­mung der Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me erfor­der­lich und nach Lage der Din­ge zumut­bar erscheint.

Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren – und die Auf­klä­rungs­pflicht des Gerichts

Das Gericht darf eine Auf­klä­rungs­maß­nah­me, die sich ihm nach den Umstän­den des Fal­les hat auf­drän­gen müs­sen, nicht des­halb unter­las­sen, weil kein Beweis­an­trag gestellt wor­den ist 1.

Zu den nach § 13 Abs. 1 BDG bemes­sungs­re­le­van­ten Umstän­den gehört auch das Ergeb­nis einer vom Beam­ten im Hin­blick auf das Dienst­ver­ge­hen begon­ne­nen Ver­hal­tens­the­ra­pie. Dies gilt zu Las­ten des Beam­ten wie auch zu sei­nen Guns­ten. Per­sön­lich­keits­bild und Ver­hal­tens­pro­gno­se sind ungüns­tig, wenn eine im Hin­blick auf das Dienst­ver­ge­hen durch­ge­führ­te The­ra­pie ohne Erfolg bleibt. Dage­gen kön­nen nach­träg­li­che The­ra­pie­maß­nah­men bei der Bemes­sung der Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me mil­dernd berück­sich­tigt wer­den, wenn eine güns­ti­ge Zukunfts­pro­gno­se gestellt wer­den kann 2.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 22. März 2016 – 2 B 43.15

  1. stRspr, vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 04.09.2008 – 2 B 61.07, Buch­holz 235.1 § 58 BDG Nr. 4 = NVwZ 2009, 597 jeweils Rn. 7; vom 06.09.2012 – 2 B 31.12 11; und vom 09.10.2014 – 2 B 60.14, Buch­holz 235.1 § 13 BDG Nr. 26 Rn. 36[]
  2. BVerwG, Urtei­le vom 27.11.2001 – 1 D 64.00 35; und vom 19.08.2010 – 2 C 13.10, Buch­holz 235.1 § 13 BDG Nr. 12 Rn. 29 f.[]