Ehe­gat­ten­zu­schlag für Beam­te in ein­ge­tra­ge­ner Lebens­part­ner­schaft

Beam­te, die in einer ein­ge­tra­ge­nen Lebens­part­ner­schaft leben, haben seit Juli 2009 Anspruch auf Zah­lung des Fami­li­en­zu­schlags der Stu­fe 1 (Ehe­gat­ten­zu­schlag).

Ehe­gat­ten­zu­schlag für Beam­te in ein­ge­tra­ge­ner Lebens­part­ner­schaft

In zwei ges­tern vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Fäl­len hat­ten die Klä­ger, ein Beam­ter des Lan­des Schles­wig-Hol­stein und ein Bun­des­be­am­ter, gel­tend gemacht, ihnen ste­he die­ser Zuschlag seit dem 2. Dezem­ber 2003 zu. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat die gel­tend gemach­ten Ansprü­che für die Zeit seit Juli 2009 für gege­ben erach­tet:

Nach dem Wort­laut des § 40 Abs. 1 Nr. 1 BBesG wird der Fami­li­en­zu­schlag der Stu­fe 1 (Ehe­gat­ten­zu­schlag) nur Ehe­leu­ten gewährt. Zeit­lich nach dem Inkraft­tre­ten die­ser Vor­schrift hat der Gesetz­ge­ber im Jah­re 2001 den Fami­li­en­stand der gleich­ge­schlecht­li­chen Lebens­part­ner­schaft geschaf­fen und spä­ter fort­ent­wi­ckelt. Zudem müs­sen Behör­den und Gerich­te in Deutsch­land seit dem 2. Dezem­ber 2003 die Richt­li­nie 2000/​78/​EG zur Fest­le­gung eines all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäf­ti­gung und Beruf hin­sicht­lich der hier maß­geb­li­chen Vor­schrift unge­ach­tet des­sen unmit­tel­bar anwen­den, ob der deut­sche Gesetz­ge­ber die Richt­li­nie voll­stän­dig umge­setzt hat. Die­se Richt­li­nie unter­sagt in ihrem Anwen­dungs­be­reich jede unmit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung u.a. wegen der sexu­el­len Aus­rich­tung einer Per­son. Am 7. Juli 2009 schließ­lich hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zur ein­ge­tra­ge­nen Lebens­part­ner­schaft ent­schie­den, dass der blo­ße Ver­weis auf das Schutz­ge­bot der Ehe (Art. 6 Abs. 1 GG) die Pri­vi­le­gie­rung der Ehe nicht recht­fer­tigt, wenn dies mit einer Benach­tei­li­gung der Lebens­part­ner­schaft ein­her­geht.

Nach Uni­ons­recht liegt eine unzu­läs­si­ge unmit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung vor, wenn die Per­so­nen oder Grup­pen im Hin­blick auf die in Rede ste­hen­de Norm in ver­gleich­ba­rer Lage sind und den­noch unter­schied­lich behan­delt wer­den. Ob dies der Fall ist, haben nach der Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs die Gerich­te der Mit­glied­staa­ten zu ent­schei­den. Nach deut­schem Recht bestand die Ver­gleich­bar­keit von Ehe und ein­ge­tra­ge­ner Lebens­part­ner­schaft im Hin­blick auf den Fami­li­en­zu­schlag der Stu­fe 1 nicht, solan­ge der Gesetz­ge­ber befugt war, die­sen Zuschlag auch im Blick dar­auf zu gewäh­ren, dass Ehe­leu­te in ihrer Erwerbs­bio­gra­fie typi­scher­wei­se Nach­tei­le erlei­den, wenn in der Ehe Kin­der vor­han­den sind. Art. 6 Abs. 1 GG erlaub­te eine der­ar­ti­ge Dif­fe­ren­zie­rung im Sin­ne des Gleich­heits­sat­zes jedoch nur bis zum Juni 2009. Seit Juli 2009 steht auf Grund der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts fest, dass Ehe und Lebens­part­ner­schaft im Hin­blick auf den Fami­li­en­zu­schlag der Stu­fe 1 als ver­gleich­bar anzu­se­hen sind. Seit­dem gebie­tet Euro­päi­sches Gemein­schafts­recht, so das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, den Anspruch auch Beam­ten in einer Lebens­part­ner­schaft zu gewäh­ren.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urtei­le vom 28. Okto­ber 2010 – 2 C 10.09 und 2 C 21.09