Ein­sicht­nah­me des Per­so­nal­rats in Ge­halts­lis­ten

§ 78 Abs. 2 Satz 1 und 2 Hmb­Pers­VG bil­det eine be­reichs­spe­zi­fi­sche Rechts­grund­la­ge für die Ein­sicht­nah­me des Per­so­nal­rats in Lohn- und Ge­halts­lis­ten, die zu dem hier­mit ver­bun­de­nen Ein­griff in das Grund­recht auf in­for­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung er­mäch­tigt und in­so­weit den ver­fas­sungs­recht­li­chen Be­stimmt­heits­an­for­de­run­gen ge­nügt. Die Ein­sicht­nah­me des Per­so­nal­rats in Lohn- und Ge­halts­lis­ten ge­hört nicht zu den Vor­stands­mit­glie­dern vor­be­hal­te­nen lau­fen­den Ge­schäf­ten im Sin­ne von § 33 Abs. 1 Satz 1 Hmb­Pers­VG.

Ein­sicht­nah­me des Per­so­nal­rats in Ge­halts­lis­ten

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts recht­fer­tigt sich das Ver­lan­gen der Per­so­nal­ver­tre­tung, Ein­sicht in Lohn- und Gehalts­lis­ten gewährt zu bekom­men, aus den – in §§ 77 und 78 Abs. 1 Nr. 3 HmbPers­VG inhalts­gleich zu Par­al­lel­be­stim­mun­gen in ande­ren Per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­set­zen nor­mier­ten – Auf­ga­ben der Per­so­nal­ver­tre­tung, dar­über zu wachen, dass alle Ange­hö­ri­gen der Dienst­stel­le nach Recht und Bil­lig­keit behan­delt wer­den und dass die zuguns­ten der Beschäf­tig­ten gel­ten­den Rechts­vor­schrif­ten durch­ge­führt wer­den 1.

Durch die Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts ist fer­ner geklärt, dass die ein­schlä­gi­gen per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­setz­li­chen Anspruchs­nor­men – in Ham­burg § 78 Abs. 2 Satz 1 und 2 HmbPers­VG – die inso­weit maß­geb­li­chen bereichs­spe­zi­fi­schen Rechts­grund­la­gen im Sin­ne des Daten­schutz­rechts bil­den 2 und dass Per­sön­lich­keits­rech­te der Betrof­fe­nen der Ein­sicht­nah­me des Per­so­nal­rats in Unter­la­gen, die per­so­nen­be­zo­ge­ne Daten der Beschäf­tig­ten ent­hal­ten, nicht ent­ge­gen­ste­hen, wenn die Ein­sicht­nah­me unter Beach­tung des Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­grund­sat­zes auf den zur Auf­ga­ben­er­fül­lung erfor­der­li­chen Umfang begrenzt ist und die han­deln­den Per­so­nal­rats­mit­glie­der der Schwei­ge­pflicht unter­lie­gen 3.

Dass die genann­ten Anspruchs­nor­men den ver­fas­sungs­recht­li­chen Bestimmt­heits­an­for­de­run­gen genü­gen, ist in den vor­ge­nann­ten Ent­schei­dun­gen nicht eigens erwähnt, aber vor­aus­ge­setzt wor­den. Inso­weit bedurf­te es kei­ner geson­der­ten Dar­le­gun­gen durch das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, denn es ist offen­kun­dig, dass Ver­stö­ße gegen die­se Anfor­de­run­gen nicht vor­lie­gen. Ihnen genügt eine Ein­griffs­norm nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts dann, wenn sie den Ein­griff für die Betrof­fe­nen vor­her­seh­bar macht und Ver­wal­tung wie Gerich­ten hin­rei­chend prä­zi­se Hand­lungs- bzw. Kon­troll­maß­stä­be ver­mit­telt 4. Dies ist im Hin­blick auf § 78 Abs. 1 Satz 1 und 2 HmbPers­VG augen­schein­lich der Fall. Für die Beschäf­tig­ten ist ohne wei­te­res erkenn­bar, dass die­se Vor­schrift auch die Vor­la­ge sol­cher Unter­la­gen ein­schließt, die – wie Lohn- und Gehalts­lis­ten – per­so­nen­be­zo­ge­ne Daten über die in der Dienst­stel­le geleis­te­ten Ver­gü­tun­gen ent­hal­ten, denn andern­falls könn­te der Per­so­nal­rat die ihm gesetz­lich oblie­gen­de Über­prü­fung, ob bei Bemes­sung der Ver­gü­tung sach­wid­ri­ge Dis­kri­mi­nie­run­gen unter­blei­ben und die ein­schlä­gi­gen Rechts­vor­schrif­ten aus­ge­führt wer­den, über­haupt nicht durch­füh­ren 5. Ver­wal­tung und Gerich­te fin­den in Gestalt des in § 78 Abs. 1 Satz 1 HmbPers­VG fest­ge­leg­ten Erfor­der­nis­ses des Auf­ga­ben­be­zugs sowie des Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­grund­sat­zes hin­rei­chend prä­zi­se Hand­lungs- bzw. Kon­troll­maß­stä­be vor, um im Ein­zel­fall zu grund­rechts­kon­for­men Ent­schei­dun­gen zu gelan­gen. Alles dies erschließt sich auch ohne eine expli­zi­te gesetz­li­che Nor­mie­rung nach Art des § 60 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 Pers­VG ND.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat bereits 6 im Hin­blick auf die (mit § 78 Abs. 2 Satz 1 und 2 HmbPers­VG inhalts­glei­che) Vor­schrift des § 68 Abs. 2 Satz 1 und 2 Pers­VG BW ent­schie­den, dass die Ein­sicht­nah­me in die dort streit­ge­gen­ständ­li­chen Ver­gü­tungs­lis­ten durch den Vor­sit­zen­den und ein wei­te­res sei­ner Mit­glie­der erfol­gen darf, ohne hier­bei die Ein­schrän­kung vor­zu­neh­men, dass letz­te­res dem Vor­stand ange­hö­ren müs­se 7. Glei­ches gilt für sei­nen Beschluss vom 22.04.1998, der zu § 73 Abs. 2 Satz 1 und 2 Pers­VG SN erging 8. Die­se Ent­schei­dun­gen ste­hen im Ein­klang mit der vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt bekräf­tig­ten all­ge­mei­nen Maß­ga­be, dass auch sol­che Mit­glie­der des Per­so­nal­rats, die nicht dem Vor­stand ange­hö­ren und folg­lich nicht mit der lau­fen­den Geschäfts­füh­rung im Sin­ne von § 33 Abs. 1 Satz 1 HmbPers­VG befasst sind, als Beauf­trag­te zur Erle­di­gung bestimm­ter Auf­ga­ben ein­ge­setzt wer­den dür­fen 9.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 16. Mai 2012 – 6 PB 2.12

  1. vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 16.02.2010 – 6 P 5.09, Buch­holz 251.0 § 68 BaWü­Pers­VG Nr. 4 Rn. 9, vom 22.04.1998 – 6 P 4.97, Buch­holz 251.91 § 73 Sächs­Pers­VG Nr. 1 S. 2 und vom 27.02.1985 – 6 P 9.84, Buch­holz 238.3A § 67 BPers­VG Nr. 5 S. 4[]
  2. vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 23.01.2002 – 6 P 5.01, Buch­holz 250 § 68 BPers­VG S. 5 und vom 22.04.1998 a.a.O. S. 5[]
  3. vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 16.02.2010 a.a.O. Rn. 25, vom 26.01.1994 – 6 P 21.92, BVerw­GE 95, 73, 81, 85 = Buch­holz 250 § 68 BPers­VG Nr. 15 S. 8, 11, vom 22.12.1993 – 6 P 15.92, Buch­holz 250 § 68 BPers­VG Nr. 14 S.20 und vom 29.08.1990 – 6 P 30.87, Buch­holz 251.8 § 68 RhPPers­VG Nr. 3 S. 10; fer­ner Beschluss vom 07.03.2011 – 6 P 15.10, Buch­holz 250 § 75 BPers­VG Nr. 113 Rn. 34[]
  4. BVerfG, Beschluss vom 03.03.2004 – 1 BvF 3/​92, BVerfGE 110, 33, 53 ff.[]
  5. vgl. hier­zu BVerwG, Beschlüs­se vom 16.02.2010 a.a.O. S. 2 und vom 22.04.1998 a.a.O. S. 3[]
  6. BVerwG, Beschluss vom 16.02.2010, a.a.O.[]
  7. BVerwG, a.a.O. Rn. 7[]
  8. BVerwG, Beschluss vom 22.04.1998, a.a.O., inso­weit nicht abge­druckt in Buch­holz 251.91 § 73 Sächs­Pers­VG Nr. 1[]
  9. BVerwG, Beschluss vom 13.02.2012 – 6 PB 19.11 – juris Rn. 13[]