Ein­spruch der Gleich­stel­lungs­be­auf­trag­ten

Die Re­ge­lung in § 21 Abs. 3 Satz 1 BGleiG, wo­nach die Dienst­stel­len­lei­tung den Ein­spruch der Gleich­stel­lungs­be­auf­trag­ten, so­fern sie ihn für un­be­grün­det hält, bei selb­stän­di­gen bun­des­un­mit­tel­ba­ren Kör­per­schaf­ten, An­stal­ten und Stif­tun­gen deren Vor­stand un­ver­züg­lich vor­legt, gilt auch für mehr­stu­fig auf­ge­bau­te Kör­per­schaf­ten.

Ein­spruch der Gleich­stel­lungs­be­auf­trag­ten

§ 21 Abs. 3 Satz 1 BGleiG bestimmt im Hin­blick auf Ein­sprü­che der Gleich­stel­lungs­be­auf­trag­ten im Sin­ne von § 21 Abs. 1 BGleiG: „Hält die Dienst­stel­len­lei­tung den Ein­spruch für unbe­grün­det, legt sie die­sen der nächst­hö­he­ren Dienst­stel­len­lei­tung, bei selb­stän­di­gen bun­des­un­mit­tel­ba­ren Kör­per­schaf­ten, Anstal­ten und Stif­tun­gen deren Vor­stand unver­züg­lich vor“.

Für die Annah­me, dass – ent­ge­gen die­sem unzwei­deu­ti­gen Wort­laut – bei bun­des­un­mit­tel­ba­ren Kör­per­schaf­ten mit mehr­stu­fi­gem Auf­bau wie der Bun­des­agen­tur für Arbeit (vgl. § 367 Abs. 2 SGB III) Ein­sprü­che der Gleich­stel­lungs­be­auf­trag­ten im Sin­ne von § 21 Abs. 1 BGleiG nicht dem Vor­stand, son­dern ledig­lich der unmit­tel­bar vor­ge­schal­te­ten Regio­nal­di­rek­ti­on vor­zu­le­gen wären, ist nichts ersicht­lich.

Aus der Ent­ste­hungs­ge­schich­te der Vor­schrift erge­ben sich kei­ne Bele­ge dafür, dass der Gesetz­ge­ber zwi­schen ein­stu­fig und mehr­stu­fig auf­ge­bau­ten bun­des­un­mit­tel­ba­ren Kör­per­schaf­ten hät­te dif­fe­ren­zie­ren wol­len, und es ledig­lich infol­ge eines Redak­ti­ons­ver­se­hens ver­säumt hät­te, dies im Geset­zes­text zum Aus­druck zu brin­gen. Auch für die Annah­me, der Gesetz­ge­ber habe bei Geset­zes­er­lass die Exis­tenz mehr­stu­fig auf­ge­bau­ter Kör­per­schaf­ten über­se­hen, so dass inso­weit eine (ver­steck­te) Rege­lungs­lü­cke vor­lie­gen könn­te, sind kei­ner­lei Anhalts­punk­te ersicht­lich. Bei Erlass des Bun­des­gleich­stel­lungs­ge­set­zes im Jahr 2001 1 ver­füg­te die dama­li­ge Bun­des­an­stalt für Arbeit bekann­ter­ma­ßen über einen drei­stu­fi­gen Auf­bau; bei den Novel­lie­run­gen des Geset­zes in den Jah­ren 2006 2 und 2009 3 galt sodann die noch heu­te in Kraft befind­li­che Rege­lung des § 367 Abs. 2 SGB III.

Auch Sinn und Zweck der Vor­schrift gebie­ten kei­ne ihrem Wort­laut wider­spre­chen­de Normaus­le­gung. § 21 Abs. 3 Satz 1 BGleiG bezweckt aus­weis­lich der Begrün­dung des Gesetz­ent­wurfs, dass bei Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten zwi­schen Gleich­stel­lungs­be­auf­trag­ter und Dienst­stel­len­lei­tung über die Begründ­etheit eines Ein­spruchs ein umfas­sen­der ver­wal­tungs­in­ter­ner Kom­mu­ni­ka­ti­ons­pro­zess ein­ge­lei­tet wird, der der Stel­lung der Gleich­stel­lungs­be­auf­trag­ten ange­mes­sen ist. Durch die Zustän­dig­keits­ver­la­ge­rung soll die Ange­le­gen­heit – inner­halb der Hier­ar­chie der Ver­wal­tung – nach außen getra­gen wer­den und so eine begrenz­te Öffent­lich­keit erlan­gen. Die Dienst­stel­len­lei­tung soll zur Begrün­dung ihrer ableh­nen­den Ent­schei­dung gezwun­gen sein, mit der sich eine drit­te Stel­le aus­ein­an­der­set­zen soll. Zugleich soll dem Inter­es­se an einer ein­heit­li­chen Hand­ha­bung der Gleich­stel­lungs­vor­schrif­ten im Geschäfts­be­reich Rech­nung getra­gen wer­den 4. Es ist nicht ersicht­lich, dass die­se Zie­le dadurch nicht oder auch nur in gerin­ge­rem Maße erreich­bar wären, dass inner­halb von drei­stu­fig auf­ge­bau­ten Kör­per­schaf­ten über Ein­sprü­che der Vor­stand und nicht die Mit­tel­ebe­ne ent­schei­det.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 30. Mai 2012 – 6 B 6.12

  1. BGBl I S. 3234[]
  2. BGBl I S. 1897[]
  3. BGBl I S. 160[]
  4. BT-Drucks 14/​5679 S. 32[]