Einst­wei­li­ger Rechts­schutz gegen Ver­set­zun­gen bei der Bun­des­wehr

Der Gesetz­ge­ber hat dem öffent­li­chen Inter­es­se an der sofor­ti­gen Voll­zieh­bar­keit trup­pen­dienst­li­cher Maß­nah­men grund­sätz­lich den Vor­rang vor den per­sön­li­chen Belan­gen des Sol­da­ten ein­ge­räumt (§ 17 Abs. 6 Satz 1 WBO).

Einst­wei­li­ger Rechts­schutz gegen Ver­set­zun­gen bei der Bun­des­wehr

Die Anord­nung der auf­schie­ben­den Wir­kung kommt des­halb nur in Betracht, wenn sich bereits bei sum­ma­ri­scher Prü­fung durch­grei­fen­de Zwei­fel an der Recht­mä­ßig­keit der ange­foch­te­nen Maß­nah­me erge­ben oder dem Sol­da­ten durch deren sofor­ti­ge Voll­zie­hung unzu­mut­ba­re, ins­be­son­de­re nicht wie­der gut­zu­ma­chen­de Nach­tei­le ent­stün­den 1.

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts hat ein Sol­dat grund­sätz­lich kei­nen Anspruch auf eine bestimm­te ört­li­che oder fach­li­che Ver­wen­dung. Ein dahin­ge­hen­der Anspruch lässt sich auch nicht aus der Für­sor­ge­pflicht ablei­ten. Über die Ver­wen­dung eines Sol­da­ten ent­schei­det der zustän­di­ge Vor­ge­setz­te oder die zustän­di­ge per­so­nal­be­ar­bei­ten­de Stel­le nach pflicht­ge­mä­ßem Ermes­sen 2. Die­se Ermes­sens­ent­schei­dung kann vom Wehr­dienst­ge­richt nur dar­auf über­prüft wer­den, ob der Vor­ge­setz­te oder die per­so­nal­be­ar­bei­ten­de Stel­le den Sol­da­ten durch Über­schrei­ten oder Miss­brauch dienst­li­cher Befug­nis­se in sei­nen Rech­ten ver­letzt (§ 17 Abs. 3 Satz 2 WBO) bzw. die gesetz­li­chen Gren­zen des ihm bzw. ihr zuste­hen­den Ermes­sens über­schrit­ten oder von die­sem in einer dem Zweck der Ermäch­ti­gung nicht ent­spre­chen­den Wei­se Gebrauch gemacht hat (§ 23a Abs. 2 Satz 1 WBO i.V.m. § 114 VwGO).

Die gericht­li­che Über­prü­fung rich­tet sich auch dar­auf, ob die vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Ver­tei­di­gung im Wege der Selbst­bin­dung in Erlas­sen und Richt­li­ni­en fest­ge­leg­ten Maß­ga­ben und Ver­fah­rens­vor­schrif­ten ein­ge­hal­ten sind 3, wie sie sich hier ins­be­son­de­re aus dem Zen­tral­er­lass (ZE) B‑1300/​46 ("Ver­set­zung, Dienst­pos­ten­wech­sel, Kom­man­die­rung"), der Zen­tra­len Dienst­vor­schrift (ZDv) A‑1350/​66 ("Letz­te Ver­wen­dung vor Zur­ru­he­set­zung" und der Bereichs­vor­schrift (BV) C1-1310/0 – 2001 ("Orga­ni­sa­to­ri­sche und per­so­nel­le Umset­zung von Struk­tur­ent­schei­dun­gen in der Luft­waf­fe") erge­ben. Erfährt die Für­sor­ge­pflicht auf die­se Wei­se eine all­ge­mei­ne Rege­lung in Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten, so sind die­se im Hin­blick auf das Gebot der Gleich­be­hand­lung (Art. 3 Abs. 1 GG) grund­sätz­lich für die Bestim­mung der Zumut­bar­keits­gren­zen maß­geb­lich, soweit im Übri­gen der gesetz­li­che Rah­men nicht über­schrit­ten wird 4.

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts begrün­det vor­han­de­nes Wohn­ei­gen­tum kei­nen die Ver­setz­bar­keit begren­zen­den Anspruch dar­auf, an einem bestimm­ten Stand­ort oder in des­sen Nähe zu ver­blei­ben 5. Eben­so­we­nig steht die Ein­schrän­kung von Frei­zeit­ak­ti­vi­tä­ten, auch wenn die­se – wie das beab­sich­tig­te Enga­ge­ment des Antrag­stel­lers als ehren­amt­li­cher Fuß­ball­ju­gend­trai­ner bei sei­nem Hei­mat­ver­ein – gemein­nüt­zig sind, der Ver­set­zung ent­ge­gen.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 13. Dezem­ber 2017 – 1 WDS ‑VR 9.17

  1. stRspr, vgl. z.B. BVerwG, Beschluss vom 02.02.2015 – 1 WDS-VR 3.14 22 m.w.N.[]
  2. stRspr, vgl. BVerwG, Beschluss vom 25.09.2002 – 1 WB 30.02, Buch­holz 236.1 § 3 SG Nr. 30 S. 24 m.w.N.[]
  3. vgl. BVerwG, Beschluss vom 27.02.2003 – 1 WB 57.02, BVerw­GE 118, 25, 27[]
  4. BVerwG, Beschluss vom 30.06.2016 – 1 WB 28.15 29 m.w.N.[]
  5. vgl. BVerwG, Beschluss vom 30.06.2016 – 1 WB 28.15, Rn. 41 m.w.N. sowie zuletzt Beschluss vom 11.04.2017 – 1 WDS-VR 1.17, Rn. 27[]