Ent­las­sung aus dem Frei­wil­li­gen Poli­zei­dienst in Baden-Würt­tem­berg

§ 8 Abs. 1 Satz 1 des baden-würt­tem­ber­gi­schen Geset­zes über den Frei­wil­li­gen Poli­zei­dienst (FPolDG BW) vom 12.04.1985 1 bestimmt, dass Ange­hö­ri­ge des Frei­wil­li­gen Poli­zei­diens­tes von der Auf­stel­lungs­be­hör­de (u.a.) ent­las­sen wer­den, wenn sie den gesund­heit­li­chen Anfor­de­run­gen des Frei­wil­li­gen Poli­zei­diens­tes nicht (mehr) gewach­sen sind 2.

Ent­las­sung aus dem Frei­wil­li­gen Poli­zei­dienst in Baden-Würt­tem­berg

Bei die­ser Vor­schrift han­delt es sich um – auch nicht gemäß § 127 Nr. 2 BRRG revi­si­bles – Lan­des­recht, des­sen Aus­le­gung und Anwen­dung nicht der Nach­prü­fung des Revi­si­ons­ge­richts unter­liegt 2. Dar­an hält der Se­nat fest.

Im Übri­gen liegt es für das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt auf der Hand, dass der Frei­wil­li­ge Poli­zei­dienst schon des­halb nicht an den in Art. 33 Abs. 5 GG ver­an­ker­ten her­ge­brach­ten Grund­sät­zen des Berufs­be­am­ten­tums zu mes­sen ist, weil es sich bei der Auf­nah­me in die­sen vom Land Baden-Würt­tem­berg erst im Jah­re 1963 3 geschaf­fe­nen Dienst um kei­ne im enge­ren Sin­ne beruf­li­che Tätig­keit han­delt, die auf einen beam­ten­recht­li­chen Vor­läu­fer im tra­di­ti­ons­bil­den­den Zeit­raum beruht. Von den her­ge­brach­ten Grund­sät­zen des Berufs­be­am­ten­tums ist allein der Kern­be­stand von Struk­tur­prin­zi­pi­en erfasst, die all­ge­mein oder doch ganz über­wie­gend und wäh­rend eines län­ge­ren tra­di­ti­ons­bil­den­den Zeit­raums, min­des­tens unter der Reichs­ver­fas­sung von Wei­mar, als ver­bind­lich aner­kannt und gewahrt wor­den sind 4. Ein Frei­wil­li­ger Poli­zei­dienst gehört hier­zu nicht.

Nichts ande­res folgt aus dem Beschluss des Ver­fas­sungs­ge­richts­hofs des Lan­des Ber­lin vom 01.11.2004 5 betref­fend den mitt­ler­wei­le auf­ge­lös­ten Frei­wil­li­gen Poli­zei­dienst des Lan­des Ber­lin. In die­ser Ent­schei­dung stellt der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof viel­mehr gera­de dar­auf ab, dass Ange­hö­ri­ge die­ses Frei­wil­li­gen Poli­zei­diens­tes kei­ne Beam­te im Sin­ne des Art. 33 Abs. 4 GG und auch kei­ne Ehren­be­am­te im Sin­ne von § 7 Abs. 2 LBG BE a.F. gewe­sen sei­en. Denn sie sei­en nicht durch förm­li­che Ernen­nung in eines der in § 7 LBG BE a.F. abschlie­ßend auf­ge­zähl­ten Beam­ten­ver­hält­nis­se beru­fen wor­den, son­dern ledig­lich in den Frei­wil­li­gen Poli­zei­dienst "auf­ge­nom­men" wor­den (vgl. §§ 4, 5 Abs. 1, § 13 Abs. 2 FPG BE). Ent­spre­chend regelt § 2 Abs. 1 FPolDG BW, wer in den Frei­wil­li­gen Poli­zei­dienst "auf­ge­nom­men" wer­den kann.

Im Übri­gen eröff­net § 127 Nr. 2 BRRG dem Revi­si­ons­ge­richt die Über­prü­fung von Lan­des­recht nur, soweit es sich bei die­sem Lan­des­recht um mate­ri­el­les Beam­ten­recht han­delt 6. Bei dem hier gel­tend gemach­ten Ver­stoß gegen § 8 Abs. 1 Satz 1 FPolDG BW han­delt es sich indes nicht um mate­ri­el­les Beam­ten­recht.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 24. Janu­ar 2018 – 2 B 38.17

  1. GBl. BW 1985, S. 129[]
  2. BVerwG, Beschluss vom 26.05.2014 – 2 B 69.12, Rn. 11[][]
  3. GBl. BW 1963, S. 75[]
  4. stRspr, vgl. nur BVerfG, Urteil vom 06.03.2007 – 2 BvR 556/​04, BVerfGE 117, 330, , 344 f.[]
  5. VerfGH Ber­lin, Beschluss vom 01.11.2004 – 120/​03LKV 2005, 212 ff.[]
  6. BVerwG, Beschluss vom 07.07.2005 – 2 B 96.04, Buch­holz 230 § 127 BRRG Nr. 61 S. 1 f.[]