Ent­schä­di­gung wegen alters­dis­kri­mi­nie­ren­der Besol­dung

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat zwar auf der Grund­la­ge und in Über­nah­me der Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on1 bereits ent­schie­den, dass die Besol­dung der Beam­ten der Besol­dungs­ord­nung A nach den §§ 27, 28 BBesG a.F. Beam­te unmit­tel­bar auf­grund ihres Lebens­al­ters benach­tei­ligt. Eine Ein­stu­fung der betrof­fe­nen Beam­ten in eine höhe­re oder gar in die höchs­te Dienst­al­ters­stu­fe ihrer Besol­dungs­grup­pe zum Aus­gleich die­ser unge­recht­fer­tig­ten Dis­kri­mi­nie­rung ist jedoch aus­ge­schlos­sen.

Ent­schä­di­gung wegen alters­dis­kri­mi­nie­ren­der Besol­dung

Da von der Dis­kri­mi­nie­rung poten­zi­ell sämt­li­che Beam­te erfasst sind, besteht kein gül­ti­ges Bezugs­sys­tem, das als Grund­la­ge her­an­ge­zo­gen wer­den kann. Ein besol­dungs­recht­li­cher Anspruch des betref­fen­den Beam­ten besteht daher nicht2.

Eben­so wenig steht dem Beam­ten Scha­dens­er­satz zu. Ein sol­cher Anspruch folgt weder aus der Richt­li­nie 2000/​78/​EG des Rates vom 27.11.2000 zur Fest­le­gung eines all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäf­ti­gung und Beruf noch aus dem uni­ons­recht­li­chen Haf­tungs­an­spruch3.

Auch ein Anspruch auf Ent­schä­di­gungs­zah­lung nach § 15 Abs. 2 i.V.m. § 24 Nr. 1 AGG steht dem Beam­ten im hier ent­schie­de­nen Fall nicht zu: Ein sol­cher Anspruch schei­tert vor­lie­gend hier dar­an, dass der Beam­te die gesetz­li­che Aus­schluss­frist des § 15 Abs. 4 AGG von zwei Mona­ten zur schrift­li­chen Gel­tend­ma­chung des Anspruchs nach § 15 Abs. 2 AGG nicht gewahrt hat. Die Frist beginnt nach § 15 Abs. 4 Satz 2 AGG mit dem Zeit­punkt, in dem der Betrof­fe­ne von der Benach­tei­li­gung Kennt­nis erlangt. Ist eine Rechts­la­ge unsi­cher und unklar, beginnt die Aus­schluss­frist des § 15 Abs. 4 AGG mit der objek­ti­ven Klä­rung der Rechts­la­ge durch eine höchst­rich­ter­li­che Ent­schei­dung4.

Die ent­schei­dungs­er­heb­li­che Rechts­la­ge ist hier durch die Ver­kün­dung des Urteils des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on in Sachen Hen­nigs und Mai am 8.09.20115 geklärt wor­den. Denn in die­sem Urteil ist den Mit­glied­staa­ten der Bedeu­tungs­ge­halt von Art. 2 Abs. 2 und Art. 6 Abs. 1 RL 2000/​78/​EG in Bezug auf ein mit den §§ 27 und 28 BBesG a.F. ver­gleich­ba­res Besol­dungs­sys­tem ver­deut­licht wor­den6. Die an die­ses Urteil anknüp­fen­de Zwei-Monats-Frist gemäß § 15 Abs. 4 AGG lief am 8.11.2011 ab.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 20. Mai 2015 – 2 A 9.2013 -

  1. EuGH, Urteil vom 19.06.2014 – C‑501/​12 [ECLI:EU:C:2014:2005], Specht, NVwZ 2014, 1294 []
  2. vgl. im Ein­zel­nen BVerwG, Urteil vom 30.10.2014 – 2 C 6.13ZBR 2015, 160 Rn. 13 ff., 18 ff. []
  3. BVerwG, Urteil vom 30.10.2014 – 2 C 6.13ZBR 2015, 160, Rn. 25 ff. []
  4. BVerwG, Urteil vom 30.10.2014 – 2 C 6.13, Rn. 51 ff. []
  5. EuGH, Urteil vom 08.09.2011 – C‑297/​10 und C‑298/​10, Hen­nigs und Mai, ECLI:EU:C:2011:560 []
  6. EuGH, Urteil vom 19.06.2014 a.a.O. Rn. 104 []