Erst­fest­set­zung von Erfah­rungs­stu­fen

Die bei Beam­tin­nen und Beam­ten auf Pro­be oder auf Lebens­zeit vor­zu­neh­men­de Erst­fest­set­zung von Erfah­rungs­stu­fen (§§ 27, 28 BBesG) unter­fällt nicht dem Mit­be­stim­mungs­tat­be­stand der Ein­stel­lung im Sin­ne von § 76 Abs. 1 Nr. 1 BPers­VG.

Erst­fest­set­zung von Erfah­rungs­stu­fen

Die Erst­fest­set­zung der Erfah­rungs­stu­fen ist gere­gelt in den §§ 27 und 28 des Bun­des­be­sol­dungs­ge­set­zes in der Fas­sung der Bekannt­ma­chung vom 19.06.2009 1, zuletzt geän­dert durch Gesetz vom 11.06.2013 2. Nach § 27 Abs. 1 BBesG wird das Grund­ge­halt, soweit nicht gesetz­lich etwas Ande­res bestimmt ist, nach Stu­fen bemes­sen. Dabei erfolgt der Auf­stieg in eine nächst­hö­he­re Stu­fe nach bestimm­ten Dienst­zei­ten, in denen anfor­de­rungs­ge­rech­te Leis­tun­gen erbracht wur­den (Erfah­rungs­zei­ten). § 27 Abs. 2 Satz 1 BBesG sieht vor, dass mit der ers­ten Ernen­nung mit Anspruch auf Dienst­be­zü­ge im Anwen­dungs­be­reich die­ses Geset­zes ein Grund­ge­halt der Stu­fe 1 fest­ge­setzt wird, soweit nicht bei Beam­ten nach § 28 Abs. 1 Erfah­rungs­zei­ten aner­kannt wer­den. Die Stu­fe wird mit Wir­kung vom Ers­ten des Monats fest­ge­setzt, in dem die Ernen­nung wirk­sam wird (§ 27 Abs. 2 Satz 2 BBesG). Nach § 28 Abs. 1 BBesG wer­den bei der ers­ten Stu­fen­fest­set­zung den Beam­ten als Erfah­rungs­zei­ten im Sin­ne des § 27 Abs. 3 BBesG bestimm­te näher bezeich­ne­te Zei­ten aner­kannt.

Die vor­ge­nann­te besol­dungs­recht­li­che Maß­nah­me der Erst­fest­set­zung von Erfah­rungs­stu­fen nach Maß­ga­be der §§ 27, 28 BBesG fällt ent­ge­gen der Rechts­an­sicht des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts nicht in den Anwen­dungs­be­reich des Mit­be­stim­mungs­tat­be­stands der Ein­stel­lung im Sin­ne von § 76 Abs. 1 Nr. 1 BPers­VG. Das erschließt sich, auch wenn der Wort­laut die­ser Vor­schrift inso­weit offen ist (a), ins­be­son­de­re im Wege ihrer sys­te­ma­ti­schen Aus­le­gung (b) und wird durch ihre Ent­ste­hungs­ge­schich­te bestä­tigt ©. Sinn und Zweck der Rechts­norm ste­hen dem nicht ent­ge­gen (d). Auch eine ver­fas­sungs­kon­for­me Kor­rek­tur des Aus­le­gungs­er­geb­nis­ses ist nicht gebo­ten (e).

Der Begriff der Ein­stel­lung ist als sol­cher für bei­de im Streit ste­hen­den Betrach­tungs­wei­sen offen. Sein Inhalt wird im tra­dier­ten Fach­sprach­ge­brauch des Per­so­nal­ver­tre­tungs­rechts einer­seits unter Rekurs auf den beam­ten­recht­lich defi­nier­ten Begriff der Ein­stel­lung bestimmt und im Wesent­li­chen als Begrün­dung eines Beam­ten­ver­hält­nis­ses im Wege der Ernen­nung ver­stan­den 3. Die­ses Ver­ständ­nis schließt die Ein­be­zie­hung der geson­dert erfol­gen­den besol­dungs­recht­li­chen Erst­fest­set­zung der Erfah­rungs­stu­fen in den Begriff der Ein­stel­lung aus. Ande­rer­seits wird der Mit­be­stim­mungs­tat­be­stand der Ein­stel­lung – abhän­gig vom kon­kre­ten Rege­lungs­zu­sam­men­hang – auch dahin ver­stan­den, dass er die Ein­glie­de­rung der zur Ein­stel­lung vor­ge­se­he­nen Per­son und die von ihr aus­zu­üben­de Tätig­keit sowie deren Ein­grup­pie­rung erfasst 4. Zudem weist der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof zutref­fend dar­auf hin, dass die­ses Ver­ständ­nis des Begriffs der "Ein­stel­lung" bis heu­te zum Per­so­nal­ver­tre­tungs­recht jener Bun­des­län­der vor­herrscht, deren Per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­set­ze einen geson­der­ten Mit­be­stim­mungs­tat­be­stand der Ein­grup­pie­rung nicht ken­nen.

In gewich­ti­ger und für das Aus­le­gungs­er­geb­nis tra­gen­der Wei­se spricht jedoch die Geset­zes­sys­te­ma­tik des Bun­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­set­zes dafür, dass die Erst­fest­set­zung der Erfah­rungs­stu­fen durch den Dienst­stel­len­lei­ter nicht dem Begriff der Ein­stel­lung im Sin­ne von § 76 Abs. 1 Nr. 1 BPers­VG unter­fällt.

Dies erschließt sich zunächst aus dem sys­te­ma­ti­schen Ver­hält­nis, in dem § 75 Abs. 1 Nr. 1 und 2 sowie § 76 Abs. 1 Nr. 1 BPers­VG zuein­an­der ste­hen. Der Gesetz­ge­ber hat mit der Ein­füh­rung des Tat­be­stands der Ein­grup­pie­rung im Rah­men des § 75 Abs. 1 Nr. 2 BPers­VG einen geson­der­ten Mit­be­stim­mungs­tat­be­stand geschaf­fen und die­sen von dem Tat­be­stand der in § 75 Abs. 1 Nr. 1 BPers­VG und § 76 Abs. 1 Nr. 1 BPers­VG nor­mier­ten Ein­stel­lung abge­grenzt. Zudem hat er es in § 76 Abs. 1 Nr. 1 BPers­VG bei dem Mit­be­stim­mungs­tat­be­stand der Ein­stel­lung belas­sen und dar­auf ver­zich­tet, einen sol­chen für die Ein­grup­pie­rung vor­zu­se­hen. Wür­den nun, wofür sich die Vor­in­stan­zen aus­spre­chen, Maß­nah­men, die – wie die Fest­set­zung von Erfah­rungs­stu­fen – der Sache nach unter einen weit ver­stan­de­nen Begriff der Ein­grup­pie­rung fal­len, dem Begriff der Ein­stel­lung im Sin­ne von § 76 Abs. 1 Nr. 1 BPers­VG zuge­ord­net, so wür­de dies sowohl die Ent­schei­dung des Gesetz­ge­bers kon­ter­ka­rie­ren, den Mit­be­stim­mungs­tat­be­stand der Ein­grup­pie­rung nicht in § 76 Abs. 1 BPers­VG auf­zu­neh­men, als auch sei­ne Ent­schei­dung, die­sen als geson­der­ten Tat­be­stand allein in § 75 Abs. 1 Nr. 2 BPers­VG auf­zu­neh­men.

Dies bleibt unbe­rück­sich­tigt, soweit die Vor­in­stan­zen aus­füh­ren, dass im Rah­men des § 76 Abs. 1 Nr. 1 BPers­VG auf den von der frü­he­ren Recht­spre­chung ent­wi­ckel­ten wei­ten Begriff der Ein­stel­lung, der die Ein­grup­pie­rung als Moda­li­tät ent­hal­te, abzu­stel­len sei. Zwar hat die frü­he­re Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts 5 aus­ge­führt, dass sich die Mit­be­stim­mung bei der Ein­stel­lung auf die Ein­glie­de­rung der zur Ein­stel­lung vor­ge­se­he­nen Per­son, die von ihr aus­zu­üben­de Tätig­keit und deren Ein­grup­pie­rung bezie­he. Die­se Recht­spre­chung wur­de ursprüng­lich zu § 70 Abs. 1 Buchst. b Nr. 1 des Per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­set­zes – Pers­VG – vom 05.08.1955 6 ent­wi­ckelt und spä­ter fort­ge­führt. Auf­grund der bun­des­recht­li­chen Neu­re­ge­lung des Bun­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­set­zes vom 15.03.1974 7, die in § 75 Abs. 1 Nr. 2 BPers­VG erst­mals die "Ein­grup­pie­rung" als Alter­na­ti­ve eines Mit­be­stim­mungs­tat­be­stan­des aus­drück­lich ange­führt hat, ist jedoch eine grund­le­gen­de sys­te­ma­ti­sche Wei­chen­stel­lung getrof­fen wor­den, wes­halb sich das zuvor beschrie­be­ne Begriffs­ver­ständ­nis seit­her nicht mehr auf­recht­erhal­ten lässt 8. Denn der Bun­des­ge­setz­ge­ber hat in § 75 Abs. 1 Nr. 1 BPers­VG allein die Ein­stel­lung erwähnt. Erst unter Nr. 2 folgt die Ein­grup­pie­rung, und zwar in einem ande­ren Zusam­men­hang. Das spricht für eine eigen­stän­di­ge Bedeu­tung der Mit­be­stim­mungs­al­ter­na­ti­ve der "Ein­grup­pie­rung". Die­se lässt sich im gel­ten­den Bun­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­setz nicht (mehr) als Teil der Ein­stel­lung bezeich­nen 9.

Für die sys­te­ma­ti­sche Tren­nung des Mit­be­stim­mungs­tat­be­stands der "Ein­stel­lung" und für die Eigen­stän­dig­keit der Alter­na­ti­ve "Ein­grup­pie­rung" in § 75 Abs. 1 Nr. 2 BPers­VG hat­te der Gesetz­ge­ber über­dies gewich­ti­ge Grün­de, die auch noch heu­te tra­gen. Wür­de es sich bei "Ein­stel­lung" und "Ein­grup­pie­rung" um eine ein­heit­lich mit­be­stim­mungs­pflich­ti­ge Maß­nah­me han­deln, so müss­te eine auf die Ein­grup­pie­rung beschränk­te Zustim­mungs­ver­wei­ge­rung auf den "Gesamt­vor­gang Ein­stel­lung" durch­schla­gen. Auch die Ein­glie­de­rung müss­te unter­blei­ben, bis über die Zustim­mungs­ver­wei­ge­rung zum "Gesamt­vor­gang Ein­stel­lung" ent­schie­den wor­den wäre. Das aber wäre sowohl aus der Sicht der Dienst­stel­le als auch aus der Sicht des Ein­zu­stel­len­den ein uner­wünsch­tes, in bei­der­lei Hin­sicht nicht inter­es­sen­ge­rech­tes Ergeb­nis, das dem mit der Schaf­fung des eigen­stän­di­gen Mit­be­stim­mungs­tat­be­stands der Ein­grup­pie­rung ver­folg­ten gesetz­li­chen Anlie­gen wider­sprä­che 10.

Dem­ge­mäß ent­spricht es heu­te der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts, dass die Ein­grup­pie­rung im Sin­ne des § 75 Abs. 1 Nr. 2 BPers­VG einen eige­nen und von der Ein­stel­lung zu tren­nen­den Mit­be­stim­mungs­tat­be­stand ent­hält 11. Dar­in ver­wirk­licht sich zugleich das Prin­zip der Tren­nung von per­so­na­ler Sta­tus- und Ver­wen­dungs­ent­schei­dung und tarif­recht­li­cher Tätig­keits­zu­ord­nung 12. Auch das Schrift­tum spricht sich zu Recht dafür aus, dass nach dem heu­ti­gen Sys­tem des Bun­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­set­zes Ein­stel­lung und Ein­grup­pie­rung mit­be­stim­mungs­recht­lich getrenn­te Maß­nah­men sind, die einen von­ein­an­der zu unter­schei­den­den Inhalt auf­wei­sen und als geson­der­te Tat­be­stän­de aus­ge­stal­tet und zu prü­fen sind 13. Nur solan­ge die vor­ge­nann­te sys­te­ma­ti­sche Grund­ent­schei­dung des Gesetz­ge­bers, die Ein­grup­pie­rung als eigen­stän­di­gen Mit­be­stim­mungs­tat­be­stand im Bun­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­setz aus­zu­ge­stal­ten, noch nicht erfolgt war, konn­te die Ein­grup­pie­rung noch "eine (nicht aus­drück­lich genann­te) Moda­li­tät der Ein­stel­lung" sein 14.

Für die aus dem Vor­ste­hen­den fol­gen­de Annah­me, dass die Erst­fest­set­zung von Erfah­rungs­stu­fen, die sich als Unter­fall der "Ein­grup­pie­rung" dar­stellt, nicht zugleich Inhalt des Ein­stel­lungs­be­griffs des § 76 Abs. 1 Nr. 1 BPers­VG sein kann, spricht ein wei­te­rer gewich­ti­ger geset­zes­sys­te­ma­ti­scher Grund. Das Bun­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­setz wie auch die Lan­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­set­ze über­neh­men grund­sätz­lich die Begrif­fe, die die ein­zel­nen in der Vor­schrift gere­gel­ten Mit­be­stim­mungs­tat­be­stän­de bezeich­nen, aus dem Beam­ten­recht, soweit sie die Mit­be­stim­mungs­be­fug­nis in Per­so­nal­an­ge­le­gen­hei­ten der Beam­ten fest­le­gen, und aus dem Tarif­recht, soweit die ent­spre­chen­den Befug­nis­se in Per­so­nal­an­ge­le­gen­hei­ten der Tarif­be­schäf­tig­ten bestimmt wer­den 15. Ver­wen­det der Gesetz­ge­ber des Per­so­nal­ver­tre­tungs­rechts Begrif­fe aus dem Dienst­recht, ist mit­hin grund­sätz­lich davon aus­zu­ge­hen, dass er sich auf den dienst­recht­li­chen Begriffs­in­halt bezieht. Zwar ist der Gesetz­ge­ber nicht gehin­dert, dienst­recht­li­chen Begrif­fen im Per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­setz eine vom Dienst­recht abwei­chen­de Bedeu­tung bei­zu­mes­sen. Dies kann jedoch nur ange­nom­men wer­den, wenn er hin­rei­chend deut­lich zum Aus­druck gebracht hat, dass er vom dienst­recht­li­chen Begriffs­in­halt abwei­chen will. Feh­len sol­che Anhalts­punk­te, ist grund­sätz­lich auf die dienst­recht­li­che Defi­ni­ti­on abzu­stel­len 16. Für den Begriff der Ein­stel­lung, der hier auf Beam­te bezo­gen ist – kommt es des­halb man­gels ent­spre­chen­der Hin­wei­se des Gesetz­ge­bers auf einen abwei­chen­den Sprach­ge­brauch dar­auf an, wel­chen dienst­recht­li­chen Begriffs­in­halt das Beam­ten­recht inso­weit vor­gibt.

Beam­ten­recht­lich ist unter Ein­stel­lung eine Ernen­nung unter Begrün­dung eines Beam­ten­ver­hält­nis­ses zu ver­ste­hen (§ 10 Abs. 1 Nr. 1 BBG i.V.m. § 2 Abs. 1 Ver­ord­nung über die Lauf­bah­nen der Bun­des­be­am­tin­nen und Bun­des­be­am­ten – Bun­des­lauf­bahn­ver­ord­nung, BLV – in der Fas­sung vom 12.02.2009, BGBl. I S. 284). Dem­entspre­chend ist auch davon aus­zu­ge­hen, dass der Begriff der Ein­stel­lung im Sin­ne von § 76 Abs. 1 Nr. 1 BPers­VG die­sen Begriffs­in­halt auf­ge­nom­men hat und die Ernen­nung unter Begrün­dung eines Beam­ten­ver­hält­nis­ses meint 17. Ob der Ein­stel­lungs­be­griff des § 76 Abs. 1 Nr. 1 BPers­VG – wie teil­wei­se erwo­gen – auch die Ein­glie­de­rung in die Dienst­stel­le in Gestalt der Über­tra­gung eines Amtes im funk­tio­nel­len Sin­ne erfasst 18, bedarf hier kei­ner abschlie­ßen­den Ent­schei­dung. Jeden­falls sind besol­dungs­recht­li­che Fra­gen wie die Erst­fest­set­zung der Erfah­rungs­stu­fen nicht Gegen­stand der Ernen­nung im beam­ten­recht­li­chen Sin­ne und eben­so wenig im Sin­ne des gleich­ge­la­ger­ten per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­li­chen Ein­stel­lungs­be­griffs des § 76 Abs. 1 Nr. 1 BPers­VG. Es ist auch nicht ersicht­lich, dass die Umstel­lung des Stu­fen­sys­tems vom Besol­dungs­dienst­al­ter zu den Erfah­rungs­zei­ten (§§ 27, 28 BBesG) den Gesetz­ge­ber ver­an­lasst hät­te; vom bis­lang beam­ten­recht­lich ver­stan­de­nen Begriff der Ein­stel­lung im Sin­ne von § 76 Abs. 1 Nr. 1 BPers­VG abzu­wei­chen und ihm per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­lich einen völ­lig neu­en Inhalt zu geben. Hier­zu hät­te es der erkenn­ba­ren Betä­ti­gung eines dies­be­züg­li­chen gesetz­ge­be­ri­schen Wil­lens bedurft, an der es fehlt.

Dies bestä­tigt die Ent­ste­hungs­ge­schich­te der Norm. Es gibt kei­ne Anhalts­punk­te dafür, dass mit der besol­dungs­ge­setz­li­chen Ein­füh­rung des Sys­tems der Erfah­rungs­stu­fen in den §§ 27, 28 BBesG durch das Gesetz zur Neu­ord­nung und Moder­ni­sie­rung des Bun­des­dienst­rechts (Dienst­rechts­neu­ord­nungs­ge­setz – DNeuG) vom 05.02.2009 19, mit dem die §§ 27, 28 BBesG novel­liert wur­den, eine sol­che Ände­rung her­bei­ge­führt wer­den soll­te. Viel­mehr ist nicht erkenn­bar, dass der bis­he­ri­ge Inhalt des Mit­be­stim­mungs­tat­be­stands der Ein­stel­lung nach § 76 Abs. 1 Nr. 1 BPers­VG geän­dert oder ein neu­er Mit­be­stim­mungs­tat­be­stand der "Ein­grup­pie­rung" für Beam­te geschaf­fen wer­den soll­te.

Aus­weis­lich der Gesetz­ge­bungs­ma­te­ria­li­en hat der Gesetz­ge­ber im Dienst­rechts­neu­ord­nungs­ge­setz 2009, mit dem die Umstel­lung auf Erfah­rungs­stu­fen ein­ge­führt wor­den ist, auch das Bun­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­setz – und unter ande­rem des­sen § 76 – in den Blick genom­men. Denn bereits im Ent­wurf eines Geset­zes zur Neu­ord­nung und Moder­ni­sie­rung des Bun­des­dienst­rechts wur­den inso­weit Ände­run­gen – wenn auch nur redak­tio­nel­ler Art – vor­ge­se­hen 20. Dage­gen fin­den sich in den Geset­zes­ma­te­ria­li­en kei­ne Hin­wei­se dafür, dass zu irgend­ei­nem Zeit­punkt erör­tert oder vor­ge­se­hen gewe­sen ist, das Per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­setz um einen wei­te­ren Mit­be­stim­mungs­tat­be­stand bei Beam­ten (näm­lich den der "Ein­grup­pie­rung") zu ergän­zen. Der Gesetz­ent­wurf ist inso­weit auch im Aus­schuss­ver­fah­ren nicht geän­dert wor­den 21.

Der Umstand, dass im Rah­men der Neu­re­ge­lun­gen des Dienst­rechts­neu­ord­nungs­ge­set­zes immer­hin redak­tio­nel­le Ände­run­gen in § 76 BPers­VG vor­ge­nom­men wor­den sind, lässt erken­nen, dass der Gesetz­ge­ber ins­ge­samt die Erfor­der­lich­keit von Ände­run­gen des Per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­set­zes erwo­gen und dar­über befun­den hat. Dies spricht dafür, dass er nicht ver­se­hent­lich, son­dern bewusst auf die Ein­füh­rung eines Mit­be­stim­mungs­tat­be­stan­des, der die Erst­fest­set­zung der Erfah­rungs­stu­fen abdeckt – näm­lich des Mit­be­stim­mungs­tat­be­stan­des der "Ein­grup­pie­rung" – ver­zich­tet hat.

Ent­ge­gen der Ansicht der Vor­in­stan­zen gebie­ten auch Sinn und Zweck der Mit­be­stim­mung bei Ein­stel­lun­gen nach § 76 Abs. 1 Nr. 1 BPers­VG nicht, den Ein­stel­lungs­be­griff dahin teleo­lo­gisch zu erwei­tern, dass die­ser auch die besol­dungs­recht­li­che Ein­ord­nung in Gestalt der Erst­fest­set­zung der Erfah­rungs­stu­fen der Beam­ten auf Pro­be und auf Lebens­zeit erfasst. Inso­weit ist zu berück­sich­ti­gen, dass mit der Mit­be­stim­mung bei der Ein­stel­lung einer­seits und der Ein­grup­pie­rung ande­rer­seits unter­schied­li­che Zwe­cke ver­folgt wer­den. Zweck der Mit­be­stim­mung bei Ein­stel­lun­gen nach § 76 Abs. 1 Nr. 1 BPers­VG ist der kol­lek­ti­ve Schutz der in der Dienst­stel­le bereits täti­gen Beschäf­tig­ten und ihrer hier­bei zu berück­sich­ti­gen­den Inter­es­sen 22. Der Per­so­nal­rat kann die Zustim­mung wegen Geset­zes­wid­rig­keit ver­wei­gern, wenn der Zweck der Ver­bots­norm nur dadurch erreicht wer­den kann, dass die Ein­stel­lung ins­ge­samt unter­bleibt. Dem­ge­gen­über soll das Mit­be­ur­tei­lungs­recht des Per­so­nal­rats bei der grund­sätz­lich als Akt strik­ter Rechts­an­wen­dung aus­ge­stal­te­ten Ein­grup­pie­rung sicher­stel­len, dass die Rechts­an­wen­dung mög­lichst zutref­fend erfolgt 23. Beden­ken des Per­so­nal­rats gegen die Rich­tig­keit der vor­ge­se­he­nen Ein­grup­pie­rung stel­len mit­hin kei­nen sach­lich gerecht­fer­tig­ten Grund für einen Wider­spruch gegen die Ein­stel­lung dar 24.

Aus den vor­ste­hen­den Erwä­gun­gen folgt, dass eine erwei­tern­de bzw. exten­si­ve Aus­le­gung des Mit­be­stim­mungs­tat­be­stan­des der Ein­stel­lung gemäß § 76 Abs. 1 Nr. 1 BPers­VG nicht mit der Zweck­set­zung begrün­det wer­den kann, die der Gesetz­ge­ber mit der Ver­wen­dung des Begriffs der Ein­grup­pie­rung (in § 75 Abs. 1 Nr. 2 BPers­VG) ver­folgt. Bei der teleo­lo­gi­schen Aus­le­gung des Begriffs der Ein­stel­lung im Sin­ne von § 76 Abs. 1 Nr. 1 BPers­VG kann allein auf den Zweck einer sys­te­ma­tisch um die Ein­grup­pie­rung redu­zier­ten Ein­stel­lung abge­stellt wer­den. Sinn und Zweck des § 76 Abs. 1 Nr. 1 BPers­VG ver­lan­gen mit­hin nicht, dass sich die Mit­be­stim­mung auf die Erst­fest­set­zung der Erfah­rungs­stu­fen (als Anwen­dungs­fall der Ein­grup­pie­rung) erstreckt.

Das vor­ge­nann­te Aus­le­gungs­er­geb­nis, wonach sich die Erst­fest­set­zung von Erfah­rungs­stu­fen nicht als "Ein­stel­lung" im Sin­ne des § 76 Abs. 1 Nr. 1 BPers­VG dar­stellt und des­halb dem ört­li­chen Per­so­nal­rat – hier dem Antrag­stel­ler – ein Mit­be­stim­mungs­recht nicht zusteht, wenn der Dienst­herr die Erfah­rungs­stu­fen bei Beam­ten auf Pro­be oder auf Lebens­zeit fest­setzt, ist auch nicht durch eine ver­fas­sungs­kon­for­me Aus­le­gung zu kor­ri­gie­ren.

Hier­ge­gen lässt sich nicht mit Erfolg gel­tend machen, das Aus­le­gungs­er­geb­nis ste­he mit dem all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz des Art. 3 Abs. 1 GG nicht in Ein­klang. Ein Ver­stoß gegen den Gleich­heits­satz resul­tiert etwa nicht dar­aus, dass dem Per­so­nal­rat hin­sicht­lich der Stu­fen­zu­ord­nung von Arbeit­neh­mern des öffent­li­chen Diens­tes ein Mit­be­stim­mungs­recht nach § 75 Abs. 1 Nr. 1 BPers­VG unter dem Gesichts­punkt der Ein­grup­pie­rung zusteht, wäh­rend die Erst­fest­set­zung von Erfah­rungs­stu­fen bei den Beam­ten nicht der Mit­be­stim­mung des Per­so­nal­rats unter­liegt. Denn der Gesetz­ge­ber muss die Beam­ten – auch wenn von der Ver­gleich­bar­keit die­ser Sach­ver­hal­te aus­ge­gan­gen wird – nicht in jeder Hin­sicht mit den Tarif­be­schäf­tig­ten des öffent­li­chen Diens­tes gleich­stel­len. Sach­li­che Grün­de, die geeig­net sind, Dif­fe­ren­zie­run­gen zu recht­fer­ti­gen, erge­ben sich aus den grund­le­gen­den struk­tu­rel­len Unter­schie­den zwi­schen Beam­ten- und Arbeits­ver­hält­nis­sen im öffent­li­chen Dienst 25. Ange­sichts die­ser grund­sätz­li­chen Struk­tur­un­ter­schie­de besteht kein Anspruch der Beam­ten, im Hin­blick auf die für Tarif­be­schäf­tig­te bedeut­sa­me­re Mit­be­stim­mung im Bereich der Ein­grup­pie­rung in jeder Hin­sicht mit den Tarif­be­schäf­tig­ten gleich­ge­stellt zu wer­den.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 24. Novem­ber 2015 – 5 P 13.2014 -

  1. BGBl. I S. 1434[]
  2. BGBl. I S. 1514; – BBesG[]
  3. vgl. etwa BVerwG, Beschluss vom 13.09.2002 – 6 P 4.02, Buch­holz 250 § 82 BPers­VG Nr. 17 S. 8[]
  4. BVerwG, Beschluss vom 13.02.1979 – 6 P 48.78, BVerw­GE 57, 280, 281 f. zu § 75 Abs. 1 Nr. 1 BPers­VG; vgl. fer­ner zu § 76 Abs. 1 Nr. 1 BPers­VG – wenn auch teil­wei­se ein­schrän­kend – BVerwG, Beschluss vom 30.09.1983 – 6 P 11.83PersV 1986, 466, 467[]
  5. vgl. dazu BVerwG, Beschluss vom 17.08.1989 – 6 P 11.87, BVerw­GE 82, 288, 291 und die dor­ti­gen Nach­wei­se[]
  6. BGBl. I S. 477[]
  7. BGBl. I S. 693[]
  8. vgl. BVerwG, Beschluss vom 08.12 1999 – 6 P 3.98, BVerw­GE 110, 151, 157[]
  9. BVerwG, Beschluss vom 08.12 1999 – 6 P 3.98, BVerw­GE 110, 151, 158[]
  10. BVerwG, Beschluss vom 08.12 1999 – 6 P 3.98, BVerw­GE 110, 151, 158 f. unter Hin­weis auf die stän­di­ge Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts zu § 99 BetrVG 1972, BAG, Beschlüs­se vom 10.02.1976 – 1 ABR 49/​74 – AP Nr. 4 zu § 99 BetrVG 1972; und vom 20.12 1988 – 1 ABR 68/​87BAGE 60, 330, 333 f.[]
  11. vgl. bereits BVerwG, Beschluss vom 15.11.1995 – 6 P 53.93, Buch­holz 251.2 § 87 Bln­Pers­VG Nr. 4 S. 6, eben­so etwa Beschluss vom 22.10.2007 – 6 P 1.07, Buch­holz 251.92 § 67 SAPers­VG Nr. 1 Rn. 23[]
  12. BVerwG, Beschluss vom 26.05.2015 – 5 P 9.14NZA-RR 2015, 499 Rn. 17[]
  13. vgl. Som­mer, in: Ilbertz/​Widmaier/​Sommer, BPers­VG, 13. Aufl.2014, § 75 Rn. 8; Baden, in: Altvater/​Baden/​Berg/​Kröll/​Noll/​Seulen, BPers­VG, 8. Aufl.2013, § 75 Rn. 36[]
  14. vgl. BVerwG, Beschluss vom 15.11.1995 – 6 P 53.93, Buch­holz 251.2 § 87 Bln­Pers­VG Nr. 4 S. 6[]
  15. stRspr, vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 03.07.1990 – 6 P 10.87, Buch­holz 250 § 76 BPers­VG Nr. 18 S. 9; und vom 12.09.2002 – 6 P 11.01, Buch­holz 251.2 § 86 Bln­Pers­VG Nr. 4 S. 2, eben­so BAG, Beschluss vom 15.08.2012 – 7 ABR 6/​11PersV 2013, 145[]
  16. BVerwG, Beschluss vom 28.10.2002 – 6 P 13.01, NVwZ-RR 2003, 292 m.w.N.[]
  17. BVerwG, Beschluss vom 13.09.2002 – 6 P 4.02, Buch­holz 250 § 82 BPers­VG Nr. 17 S. 8; Fischer/​Goeres/​Gronimus, in: Fürst, Gesamt­kom­men­tar öffent­li­ches Dienst­recht (GKÖD), Bd. 5 – Per­so­nal­ver­tre­tungs­recht des Bun­des und der Län­der (PVR), K § 76 BPers­VG Rn. 6, Stand Febru­ar 2014; Wid­mai­er, in: Ilbertz/​Widmaier/​Sommer, BPers­VG, 13. Aufl.2014, § 76 Rn. 6; Rehak, in: Lorenzen/​Etzel/​Gerhold/​Schlatmann/​Rehak/​Faber, BPers­VG, § 76 Rn. 14, Stand: April 2015; Kers­ten, in: Richardi/​Dörner/​Weber, Per­so­nal­ver­tre­tungs­recht, 4. Auf­la­ge 2012, § 76 BPers­VG Rn. 6[]
  18. vgl. BAG, Beschluss vom 15.08.2012 – 7 ABR 6/​11PersV 2013, 145; wohl auch Baden, in: Altvater/​Baden/​Berg/​Kröll/​Noll/​Seulen, BPers­VG, 8. Aufl.2013, § 76 Rn. 15[]
  19. BGBl. I S. 160, 194 f.[]
  20. BT-Drs. 16/​7076 S. 71[]
  21. vgl. Beschluss­emp­feh­lung und Bericht des Innen­aus­schus­ses vom 12.11.2008, BT-Drs. 16/​10850 S. 143[]
  22. BVerwG, Beschluss vom 21.03.2007 – 6 P 4.06, BVerw­GE 128, 212 Rn. 31[]
  23. BVerwG, Beschluss vom 22.10.2007 – 6 P 1.07, Buch­holz 251.92 § 67 SAPers­VG Nr. 1 Rn. 24 f. m.w.N.[]
  24. BVerwG, Beschluss vom 22.10.2007 – 6 P 1.07, Buch­holz 251.92 § 67 SAPers­VG Nr. 1 Rn. 26[]
  25. BVerfG, Nicht­an­nah­me­be­schlüs­se vom 20.02.2008 – 2 BvR 1843/​06, NVwZ-RR 2008, 506, 507; und vom 21.03.2015 – 1 BvR 2031/​12 – NZA-RR 20125, 669 Rn. 9[]