Gehalts­ein­bu­ße bei Beför­de­rung

Es ist nach Ansicht des Ver­wal­tungs­ge­richts Koblenz ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den, dass Beam­te und Rich­ter in Spit­zen­funk­tio­nen in den ers­ten zwei Jah­ren ihrer Amts­zeit gerin­ge­re Bezü­ge erhal­ten. Die­se gesetz­li­che "War­te­frist" ist nach Ansicht der Koblen­zer Ver­wal­tungs­rich­ter ver­fas­sungs­kon­form.

Gehalts­ein­bu­ße bei Beför­de­rung

Hin­ter­grund der Ent­schei­dung ist die Kla­ge des der­zei­ti­gen Vize­prä­si­den­ten des Koblen­zer Ober­lan­des­ge­richt. Der Klä­ger wur­de im März 2008 zum Vize­prä­si­den­ten des Ober­lan­des­ge­rich­tes Koblenz, einem Amt der Besol­dungs­grup­pe R 4, beför­dert. Nach dem neu­en rhein­land-pfäl­zi­schen Besol­dungs­recht erhal­ten Rich­ter, denen ein Amt ab der Besol­dungs­grup­pe R 3 ver­lie­hen wird, für die Dau­er von zwei Jah­ren das Grund­ge­halt der nächst­nied­ri­ge­ren Besol­dungs­grup­pe. Hier­ge­gen wand­te sich der Klä­ger und mach­te gel­tend, die Rege­lung ver­sto­ße gegen das Grund­ge­setz. Als Rich­ter habe er einen Anspruch auf amts­an­ge­mes­se­ne Bezah­lung, die sich unab­hän­gig von sons­ti­gen Erwä­gun­gen aus­schließ­lich nach dem Inhalt des über­tra­ge­nen Amtes und der damit ver­bun­de­nen Ver­ant­wor­tung bestim­me. Mit der Redu­zie­rung der Besol­dung ver­fol­ge der Gesetz­ge­ber ein­zig das Ziel, Per­so­nal­kos­ten zu redu­zie­ren. Dies sei ver­fas­sungs­recht­lich unzu­läs­sig. Die nach erfolg­lo­sem Wider­spruchs­ver­fah­ren erho­be­ne Kla­ge blieb jetzt zumin­dest erst­in­stanz­lich ohne Erfolg.

Dem Gesetz­ge­ber kom­me, so die Koblen­zer Ver­wal­tungs­rich­ter, bei der Gestal­tung der besol­dungs­recht­li­chen Rege­lun­gen ein wei­ter Spiel­raum zu, der gericht­lich nur ein­ge­schränkt über­prüft wer­den kön­ne. Zwar müs­se der Gesetz­ge­ber den Grund­satz der Amts­an­ge­mes­sen­heit der Ali­men­ta­ti­on beach­ten, es sei ihm jedoch nicht ver­wehrt, auch Leis­tungs­ge­sichts­punk­te in die Besol­dung ein­zu­be­zie­hen und eine neue nied­ri­ge­re Besol­dungs­stu­fe für die ers­ten zwei Jah­re des Amtes ein­zu­füh­ren. Bei den von der Rege­lung erfass­ten Ämtern han­de­le es sich um Spit­zen­funk­tio­nen inner­halb der Jus­tiz, die natur­ge­mäß zusätz­li­che Anfor­de­run­gen an den Rich­ter mit sich bräch­ten. In der Regel sei damit näm­lich (grö­ße­re) Per­so­nal­ver­ant­wor­tung sowie eine her­aus­ge­ho­be­ne Posi­ti­on in der öffent­li­chen Wahr­neh­mung ver­bun­den. Die Annah­me des Gesetz­ge­bers, er bedür­fe hier­für einer Ein­ar­bei­tungs­zeit, sei daher nicht zu bean­stan­den, zumal die­ser Gedan­ke dem Besol­dungs­recht auch sonst nicht fremd sei.

Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz, Urteil vom 17. März 2008 – 6 K 772/​08.KO (nicht rechts­kräf­tig)