Gericht­li­che Auf­klä­rungs­pflicht im Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren – und die Bin­dung an einen Strafbefehl

Die gericht­li­che Auf­klä­rungs­pflicht in Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren ist durch § 41 DiszG i.V.m. § 57 Abs. 1 Satz 1 BDG ein­ge­schränkt. Danach sind – sofern kein Lösungs­be­schluss erfolgt – die tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen eines rechts­kräf­ti­gen Straf­ur­teils für das Dis­zi­pli­nar­ge­richt bin­dend; inso­weit ist jed­we­de neue Ermitt­lungs­tä­tig­keit unzu­läs­sig [1].

Gericht­li­che Auf­klä­rungs­pflicht im Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren – und die Bin­dung an einen Strafbefehl

Sind die tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen in einem ande­ren gesetz­lich geord­ne­ten Ver­fah­ren – etwa in einem Straf­be­fehl – getrof­fen wor­den, kön­nen sie der Ent­schei­dung gemäß § 41 DiszG i.V.m. § 57 Abs. 2 BDG ohne erneu­te Prü­fung zugrun­de gelegt wer­den. Die­ses gericht­li­che Ermes­sen ist beschränkt und hat sich am Zweck der Ermäch­ti­gung zu ori­en­tie­ren. Er besteht dar­in, diver­gie­ren­de Ent­schei­dun­gen von Straf- und Dis­zi­pli­nar­ge­rich­ten über die­sel­be Tat­sa­chen­grund­la­ge nach Mög­lich­keit zu ver­mei­den [2].

Die­se Mög­lich­keit endet, wenn die Indi­zwir­kung des Straf­be­fehls ent­kräf­tet wird und der Vor­trag des ange­schul­dig­ten Beam­ten dem Gericht Anlass zu einer eigen­stän­di­gen Beweis­auf­nah­me gibt [3].

Erfor­der­lich hier­für ist, dass die Tat­sa­chen­fest­stel­lung vom Beam­ten sub­stan­ti­iert in Zwei­fel gezo­gen wor­den ist [4]; hier­zu reicht ein blo­ßes Bestrei­ten grund­sätz­lich nicht aus.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 26. Sep­tem­ber 2014 – 2 B 14.2014 -

  1. vgl. BT-Drs. 14/​4659 S. 41[]
  2. BVerwG, Beschluss vom 15.03.2013 – 2 B 22.12, NVwZ-RR 2013, 557 Rn. 14[]
  3. BVerwG, Beschluss vom 23.01.2013 – 2 B 63.12 23, m.w.N.[]
  4. BVerwG, Urteil vom 29.03.2012 – 2 A 11.10, Dok­Ber 2012, 260 Rn. 39[]