Gewerk­schaf­ten im per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­li­chen Beschluss­ver­fah­ren

Ein Berufs­ver­band für die Sol­da­ten der Bun­des­wehr ist grund­sätz­lich nicht berech­tigt, im per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­li­chen Beschluss­ver­fah­ren fest­stel­len zu las­sen, dass in eine Per­so­nal­rats­wahl bei einer mili­tä­ri­schen Dienst­stel­le Sol­da­ten einer bestimm­ten Unter­glie­de­rung ein­zu­be­zie­hen sind.

Gewerk­schaf­ten im per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­li­chen Beschluss­ver­fah­ren

Gewerk­schaf­ten sind aus­nahms­wei­se befugt, die Per­so­nal­rats­fä­hig­keit einer Dienst­stel­le gericht­lich klä­ren zu las­sen, wenn sich ein rechts­wirk­sa­mes Wahl­an­fech­tungs­be­geh­ren erle­digt hat.

Eine Wahl­an­fech­tung, die hilfs­wei­se im Anschluss an einen abs­trak­ten Sta­tus­fest­stel­lungs­an­trag erklärt wird, ist rechts­un­wirk­sam.

Ein Berufs­ver­band für die Sol­da­ten der Bun­des­wehr ist grund­sätz­lich nicht berech­tigt, im per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­li­chen Beschluss­ver­fah­ren fest­stel­len zu las­sen, dass in eine Per­so­nal­rats­wahl bei einer mili­tä­ri­schen Dienst­stel­le Sol­da­ten einer bestimm­ten Unter­glie­de­rung ein­zu­be­zie­hen sind. Gewerk­schaf­ten sind, auch soweit sie in der Dienst­stel­le ver­tre­ten sind, kei­ne Orga­ne der Per­so­nal­ver­tre­tung, son­dern außer­halb der Dienst­stel­le ste­hen­de Orga­ni­sa­tio­nen. Den in der Dienst­stel­le ver­tre­te­nen Gewerk­schaf­ten sind in einer Rei­he von gesetz­li­chen Bestim­mun­gen spe­zi­el­le per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­li­che Auf­ga­ben und Befug­nis­se ein­ge­räumt, die auf Bil­dung, Unter­stüt­zung und Kon­trol­le einer funk­ti­ons­fä­hi­gen Per­so­nal­ver­tre­tung aus­ge­rich­tet sind 1. Die­se Auf­ga­ben und Befug­nis­se sind abschlie­ßend und erschöp­fend. Aus ihnen kann weder im Wege der Ana­lo­gie noch unter Her­an­zie­hung eines all­ge­mei­nen Rechts­ge­dan­kens ein all­ge­mei­nes Kon­troll­recht der Gewerk­schaf­ten auf Ein­hal­tung der per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­li­chen Bestim­mun­gen her­ge­lei­tet wer­den. Eine § 18 Abs. 2 BetrVG ver­gleich­ba­re Bestim­mung, der es Gewerk­schaf­ten gestat­tet, die Per­so­nal­rats­fä­hig­keit einer Dienst­stel­le gericht­lich klä­ren zu las­sen, ent­hält das Bun­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­setz nicht 2.

Gewerk­schaf­ten sind nur unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen aus­nahms­wei­se befugt, die Per­so­nal­rats­fä­hig­keit einer Dienst­stel­le gericht­lich klä­ren zu las­sen. Sie sind nach Maß­ga­be von § 25 BPers­VG zur Wahl­an­fech­tung berech­tigt. So kön­nen sie z.B. eine Per­so­nal­rats­wahl mit der Begrün­dung anfech­ten, die Dienst­stel­le sei ent­ge­gen der Annah­me des Wahl­vor­stan­des auch für Sol­da­ten per­so­nal­rats­fä­hig oder Sol­da­ten einer bestimm­ten Unter­glie­de­rung hät­ten in die Wahl ein­be­zo­gen wer­den müs­sen 3. Das Wahl­an­fech­tungs­be­geh­ren erle­digt sich mit Ablauf der Amts­zeit des­je­ni­gen Per­so­nal­rats, des­sen Wahl ange­foch­ten war. In sol­chen Fäl­len ist die Zuläs­sig­keit eines abs­trak­ten Fest­stel­lungs­an­tra­ges anzu­er­ken­nen, wenn dabei die den Kern des Rechts­streit bil­den­de Rechts­fra­ge bezeich­net wird, die­ser Antrag wenigs­tens hilfs­wei­se bereits in der Beschwer­de­instanz gestellt wur­de, der Vor­gang, wel­cher die Wahl­an­fech­tung aus­ge­löst hat, sich wie­der­ho­len wird und die an ihn anknüp­fen­den Rechts­fra­gen sich unter den­sel­ben Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten vor­aus­sicht­lich – mit mehr als nur gering­fü­gi­ger Wahr­schein­lich­keit – erneut stel­len wer­den 4. Für die Zuläs­sig­keit des Über­gangs zum abs­trak­ten Sta­tus­fest­stel­lungs­an­trag ist jeden­falls bei einer anfech­tungs­be­rech­tig­ten Gewerk­schaft erfor­der­lich, dass im Zeit­punkt der Erle­di­gung der Wahl­an­fech­tung ein rechts­wirk­sa­mes Anfech­tungs­be­geh­ren vor­lag. Andern­falls lie­fe die Ent­schei­dung des Gesetz­ge­bers zur Begren­zung der per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­li­chen Befug­nis­se der Gewerk­schaf­ten leer.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 13. Juli 2011 – 6 P 16.10

  1. vgl. BVerwG, Beschluss vom 25.07.2006 – 6 P 17.05, Buch­holz 251.7 § 125 NWPers­VG Nr. 1 Rn. 16[]
  2. vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 11.05.1962 – 7 P 6.61, BVerw­GE 14, 153, 155 f. = Buch­holz 238.3 § 22 Pers­VG Nr. 4 S. 7; vom 08.06.1962 – 7 P 7.61, BVerw­GE 14, 241, 243 f. = Buch­holz 238.3 § 22 Pers­VG Nr. 5 S. 10; vom 18.01.1990 – 6 P 8.88, Buch­holz 251.0 § 9 BaWü­Pers­VG Nr. 5 S. 4; vom 27.09. 1990 – 6 P 23.88, Buch­holz 250 § 33 BPers­VG Nr. 4 S. 2; und vom 16.12. 2010 – 6 PB 18.10[]
  3. vgl. BVerwG, Beschluss vom 08.10.2007 – 6 P 2.07, Buch­holz 449.7 § 2 SBG Nr. 6 Rn. 11 ff.[]
  4. vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 26.11.1997 – 6 P 12.95, Buch­holz 250 § 27 BPers­VG Nr. 3 S. 12; vom 08.12.1999 – 6 P 11.98, BVerw­GE 110, 163, 165 = Buch­holz 436.61 § 24 SchwbG Nr. 3 S. 2; vom 23.01.2002 – 6 P 2.01, Buch­holz 252 § 2 SBG Nr. 3 S. 9 f.; und vom 21.01.2008 – 6 P 16.07, Buch­holz 449.7 § 49 SBG Nr. 3 Rn. 47, inso­weit bei BVerw­GE 130, 165 nicht abge­druckt[]

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