Heil­für­sor­ge für Poli­zei­voll­zugs­be­am­te

Die „All­ge­mei­ne Ver­wal­tungs­vor­schrift über die Gewäh­rung von Heil­für­sor­ge für Poli­zei­voll­zugs­be­am­tin­nen und Poli­zei­voll­zugs­be­am­te der Bun­des­po­li­zei nach § 70 Abs. 2 BBesG“ (HfVB­POL) genügt nicht den Anfor­de­run­gen des all­ge­mei­nen Geset­zes­vor­be­halts. Sie ist aber für einen Über­gangs­zeit­raum wei­ter anzu­wen­den, soweit sie nicht aus ande­ren Grün­den gegen höher­ran­gi­ges Recht ver­stößt.

Heil­für­sor­ge für Poli­zei­voll­zugs­be­am­te

Rechts­grund­la­ge für die Gewäh­rung von Heil­für­sor­ge für die Poli­zei­voll­zugs­be­am­ten des Bun­des ist § 70 Abs. 2 BBesG i.V.m. mit der auf der Grund­la­ge des § 71 Abs. 2 BBesG vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um des Innern erlas­se­nen All­ge­mei­nen Ver­wal­tungs­vor­schrift über die Gewäh­rung von Heil­für­sor­ge für Poli­zei­voll­zugs­be­am­tin­nen und Poli­zei­voll­zugs­be­am­te der Bun­des­po­li­zei nach § 70 Abs. 2 BBesG vom 06.11.2005 (HfVB­POL).

Aller­dings bedarf die Aus­ge­stal­tung der Heil­für­sor­ge für Poli­zei­voll­zugs­be­am­te des Bun­des einer gesetz­li­chen oder auf Gesetz beru­hen­den Rege­lung in Gestalt einer Rechts­ver­ord­nung. Eine Aus­ge­stal­tung allein durch Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten genügt – wie im Recht der Bei­hil­fe [1] und der trup­pen­ärzt­li­chen Ver­sor­gung [2] – nicht den Anfor­de­run­gen des rechts­staat­li­chen Geset­zes­vor­be­halts, da jeden­falls die tra­gen­den Struk­tur­prin­zi­pi­en der Heil­für­sor­ge durch den Gesetz­ge­ber selbst gere­gelt wer­den müs­sen [3]. Die­sen Anfor­de­run­gen wird mit der in § 70 Abs. 2 BBesG getrof­fe­nen Rege­lun­gen nur zum Teil ent­spro­chen [4]. § 70 Abs. 2 Satz 1, 1. Halbs. BBesG beschränkt sich auf die Aus­sa­ge, dass den Poli­zei­voll­zugs­be­am­ten des Bun­des Heil­für­sor­ge gewährt wird. Damit sind zwar der anspruchs­be­rech­tig­te Per­so­nen­kreis sowie Art und Wei­se der Ver­sor­gung gesetz­lich fest­ge­legt. Wel­che medi­zi­ni­schen Ein­zel­leis­tun­gen unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen erbracht wer­den, ergibt sich dar­aus jedoch nicht. Dies gilt ins­be­son­de­re für die­je­ni­gen Fäl­le, in denen eine Behand­lung durch Poli­zei­är­z­te nicht in Betracht kommt und des­halb durch exter­ne Ärz­te vor­ge­nom­men wer­den muss. Soweit ersicht­lich stellt dies auch die Beklag­te nicht in Abre­de.

Wie das Ver­wal­tungs­ge­richt ist jedoch auch der Senat der Über­zeu­gung, dass es für die hier streit­ge­gen­ständ­li­chen Heil­für­sor­ge­leis­tun­gen gebo­ten ist, den der­zei­ti­gen Rechts­zu­stand für eine Über­gangs­zeit hin­zu­neh­men [5]. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat in sei­nem Urteil vom 17.06.2004 [6] ange­nom­men, dass trotz des Defi­zits nor­ma­ti­ver Rege­lun­gen von der Wei­ter­gel­tung der frü­he­ren All­ge­mei­nen Ver­wal­tungs­vor­schrift für Bei­hil­fen in Krankheits‑, Pfle­ge- und Geburts­fäl­len für einen Über­gangs­zeit­raum aus­zu­ge­hen sei. Damit sei gewähr­leis­tet, dass die Leis­tun­gen im Fal­le der Krank­heit, Pfle­ge­be­dürf­tig­keit und Geburt nach einem ein­heit­li­chen Hand­lungs­pro­gramm erbracht wür­den, das hin­sicht­lich des Inhalts jeden­falls bis­lang in aller Regel kei­nen Anlass zu Bean­stan­dun­gen aus der Sicht höher­ran­gi­gen Rechts gebo­ten habe. Eine ande­re Beur­tei­lung sei erst dann ange­zeigt, wenn der Gesetz­ge­ber in einem über­schau­ba­ren Zeit­raum sei­ner Nor­mie­rungs­pflicht nicht nach­kom­me [7]. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat aber zugleich betont, die wei­te­re Anwend­bar­keit der betref­fen­den Rege­lun­gen set­ze vor­aus, dass sie nicht aus ande­ren Grün­den gegen höher­ran­gi­ges Recht ver­stie­ßen [8].

Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 22. August 2012 – 2 S 2076/​11

  1. BVerwG, Urteil vom 28.05.2008 – 2 C 24.07, NVwZ 2008, 1378[]
  2. VGH Bad.-Württ., Urteil vom 02.08.2012 – 2 S 786/​12[]
  3. eben­so: VG Würz­burg, Urteil vom 20.07.2010 – W 1 K 10235; VG Düs­sel­dorf, Urteil vom 28.04.2008 – 13 K 435/​07; VG Frank­furt, Urteil vom 25.04.2005 – 9 E 5909/​04; zum Heil­für­sor­ge­recht der Län­der s. VGH Bad.-Württ., Urteil vom 23.06.2009 – 4 S 87/​08; VG Hal­le, Urteil vom 14.09.2011 – 5 A 41/​11[]
  4. vgl. VGH Bad.-Württ., Urteil vom 02.08.2012 – 2 S 786/​12 – zu der ähn­li­chen Rege­lung in § 69 Abs. 2 Satz 1 BBesG; s. auch Nds. OVG, Beschluss vom 30.09.2009 – 5 LA 30/​08[]
  5. eben­so für die trup­pen­ärztl. Ver­sor­gung: VGH Bad.-Württ., Urteil vom 02.08.2012 – 2 S 786/​12[]
  6. BVerwG, Urteil vom 17.06.2004 – 2 C 50.02, BVerw­GE 121, 103[]
  7. eben­so u. a. BVerwG, Urteil vom 28.05.2008 – 2 C 24.07, Buch­holz 232 § 79 BBG Nr. 126; Urteil vom 18.02.2009 – 2 C 23.08, Buch­holz 270 § 6 BhV Nr. 18; Urteil vom 28.05.2009 – 2 C 28.08, Buch­holz 270 § 6 BhV Nr.19[]
  8. BVerwG, Urtei­le vom 24.02.2011 – 2 C 9.10; und vom 28.05.2008, aaO[]