Hin­zu­zie­hung eines Bevoll­mäch­tig­ten im vor­ge­richt­li­chen Wehr­be­schwer­de­ver­fah­ren

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts 1 ist die Not­wen­dig­keit der Hin­zu­zie­hung eines Bevoll­mäch­tig­ten im Vor­ver­fah­ren unter Wür­di­gung der jewei­li­gen Ver­hält­nis­se vom Stand­punkt einer ver­stän­di­gen Par­tei aus zu beur­tei­len.

Hin­zu­zie­hung eines Bevoll­mäch­tig­ten im vor­ge­richt­li­chen Wehr­be­schwer­de­ver­fah­ren

Maß­ge­bend ist, ob sich ein ver­nünf­ti­ger Bür­ger mit glei­chem Bil­dungs- und Erfah­rungs­stand bei der gege­be­nen Sach­la­ge eines Rechts­an­walts oder sons­ti­gen Bevoll­mäch­tig­ten bedient hät­te. Not­wen­dig ist die Zuzie­hung eines Rechts­an­walts dann, wenn es der Par­tei nach ihren per­sön­li­chen Ver­hält­nis­sen und wegen der Schwie­rig­keit der Sache nicht zuzu­mu­ten war, das Vor­ver­fah­ren selbst zu füh­ren.

Die Not­wen­dig­keit der Hin­zu­zie­hung wird auch durch die Bedeu­tung der Streit­sa­che für den Beschwer­de­füh­rer bestimmt. Aus dem Begriff der "Not­wen­dig­keit" der Zuzie­hung eines Rechts­an­walts folgt nicht, dass die Erstat­tungs­fä­hig­keit im Vor­ver­fah­ren eine Aus­nah­me blei­ben müss­te; der Geset­zes­wort­laut gibt für eine sol­che Ein­schrän­kung kei­nen Anhalts­punkt. Inso­weit ist nicht das Begriffs­paar "Regel/​Ausnahme" maß­geb­lich, son­dern viel­mehr die gesetz­ge­be­ri­sche Dif­fe­ren­zie­rung, dass die Erstat­tungs­fä­hig­keit nicht auto­ma­tisch, son­dern je nach Lage des Ein­zel­falls nur unter der Vor­aus­set­zung der kon­kre­ten Not­wen­dig­keit anzu­er­ken­nen ist.

Für die Beur­tei­lung der Not­wen­dig­keit ist auf den Zeit­punkt der Bevoll­mäch­ti­gung abzu­stel­len 2.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 4. Sep­tem­ber 014 – 1 WB 50.2013 -

  1. BVerwG, Beschlüs­se vom 08.12 2009 – 1 WB 61.09, Buch­holz 450.1 § 16a WBO Nr. 2 Rn. 18 = NZWehrr 2010, 123, 124; vom 18.11.2010 – 1 WB 43.10, Rn.19; und vom 20.12 2010 – 1 WB 9.10, Rn. 15[]
  2. stRspr, vgl. z.B. Urteil vom 24.05.2000 – 7 C 8.99, Buch­holz 428 § 38 VermG Nr. 5 S. 4 f., Beschlüs­se vom 01.06.2010 – 6 B 77.09 6 m.w.N.; vom 18.11.2010 – 1 WB 34.10, Rn. 18; und vom 21.12 2011 – 1 WB 51.11, Buch­holz 450.1 § 16a WBO Nr. 3 Rn.20[]