Höchst­al­ters­gren­ze bei der Leh­rer­ein­stel­lung in Nord­rhein-West­fa­len

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig hat über meh­re­re Ver­fah­ren von ange­stell­ten Leh­rern ent­schie­den, die ihre Über­nah­me in ein Beam­ten­ver­hält­nis auf Pro­be im Schul­dienst des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len anstre­ben. Das beklag­te Bun­des­land hat eine Ver­be­am­tung abge­lehnt, weil die Klä­ger bei ihrer Ein­stel­lung die lauf­bahn­recht­li­che Höchst­al­ters­gren­ze von 35 Jah­ren über­schrit­ten hat­ten. Die Kla­gen der Leh­rer sind vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt und dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt erfolg­los geblie­ben. Mit der Revi­si­on haben die Klä­ger gel­tend gemacht, die Höchst­al­ters­gren­ze ver­sto­ße gegen Ver­fas­sungs­recht und gegen das im Jahr 2006 in Kraft getre­te­ne All­ge­mei­ne Gleich­be­hand­lungs­ge­setz; die Höchst­al­ters­gren­ze bedeu­te eine Dis­kri­mi­nie­rung wegen des Alters. Außer­dem haben sie gerügt, dass das beklag­te Land durch ver­schie­de­ne Ver­wal­tungs­er­las­se bei bestimm­ten Bewer­ber­grup­pen mit Man­gel­fä­chern Über­schrei­tun­gen der Höchst­al­ters­gren­ze ermög­licht habe.

Höchst­al­ters­gren­ze bei der Leh­rer­ein­stel­lung in Nord­rhein-West­fa­len

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat die Urtei­le der Vor­in­stan­zen auf­ge­ho­ben und das beklag­te Land zu einer erneu­ten Ent­schei­dung über die Ver­be­am­tung der Klä­ger unter Beach­tung der Rechts­auf­fas­sung des Gerichts ver­pflich­tet. Höchst­al­ters­gren­zen für die Über­nah­me in ein Beam­ten­ver­hält­nis sei­en grund­sätz­lich nicht zu bean­stan­den. Sie dien­ten der Her­bei­füh­rung eines ange­mes­se­nen Ver­hält­nis­ses zwi­schen der akti­ven Dienst­zeit als Beam­ter und den spä­te­ren Ver­sor­gungs­an­sprü­chen, einer aus­ge­wo­ge­nen Alters­struk­tur in den Lauf­bah­nen und der Absi­che­rung des für das Berufs­be­am­ten­tum prä­gen­den Lebens­zeit­prin­zips. Eine Höchst­al­ters­gren­ze von 35 Jah­ren für die Ein­stel­lung in eine Lehr­erlauf­bahn sei fer­ner mit dem All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­setz ver­ein­bar, weil sie legi­ti­men Zie­len die­ne und die Bewer­ber nicht unan­ge­mes­sen beein­träch­ti­ge. Man­gel­haft sei jedoch die kon­kre­te Aus­ge­stal­tung der hier maß­geb­li­chen Höchst­al­ters­gren­ze durch die Lauf­bahn­ver­ord­nung des beklag­ten Lan­des. Das füh­re zu ihrer Unwirk­sam­keit. Der vom Gesetz­ge­ber zu einer Rege­lung der Lauf­bahn­be­stim­mun­gen ermäch­tig­te Ver­ord­nungs­ge­ber müs­se die wesent­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für Über­schrei­tun­gen der Alters­gren­ze selbst regeln und dür­fe dies nicht vor­aus­set­zungs­los der Ver­wal­tung über­las­sen. Durch die an kei­ne Vor­ga­ben gebun­de­ne Aus­nah­me­be­fug­nis in der Lauf­bahn­ver­ord­nung habe er jedoch zuge­las­sen, dass die Höchst­al­ters­gren­ze für Lehr­erlauf­bah­nen in weit­rei­chen­dem Umfang durch Ver­wal­tungs­er­las­se und nicht mehr durch die Ver­ord­nung selbst bestimmt wer­de. Bei den Aus­nah­men für Bewer­ber­grup­pen mit Man­gel­fä­chern sei zudem der für den Zugang zu jedem öffent­li­chen Amt ent­schei­den­de Leis­tungs­grund­satz außer Acht gelas­sen wor­den. Zusätz­lich hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in ein­zel­nen Fäl­len eine unzu­rei­chen­de Berück­sich­ti­gung von Kin­der­er­zie­hungs­zei­ten, von Grund­wehr­dienst­zei­ten und von Schwer­be­hin­de­run­gen bean­stan­det.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urtei­le vom 19. Febru­ar 2009 – 2 C 18.07 u.a.