Höhe­re Pro­fes­so­ren­be­sol­dung in Hes­sen

Die Besol­dung der Pro­fes­so­ren in Hes­sen aus der Besol­dungs­grup­pe W 2 ver­stößt nach einem heu­te ver­kün­de­ten Urteil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts gegen das Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip des Art. 33 Abs. 5 GG und ist daher ver­fas­sungs­wid­rig. Nach dem Urteil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts hat der Gesetz­ge­ber ver­fas­sungs­kon­for­me Rege­lun­gen mit Wir­kung spä­tes­tens vom 1. Janu­ar 2013 zu tref­fen.

Höhe­re Pro­fes­so­ren­be­sol­dung in Hes­sen

Die Pro­fes­so­ren­be­sol­dung im Bund und in Hes­sen[↑]

Mit dem Gesetz zur Reform der Pro­fes­so­ren­be­sol­dung (Pro­fes­so­ren­be­sol­dungs­re­form­ge­setz – Prof­Bes­Re­formG) vom 16. Febru­ar 2002 ord­ne­te der Bun­des­ge­setz­ge­ber die Besol­dung von Pro­fes­so­ren an deut­schen Hoch­schu­len neu. Die im Unter­schied zum frü­he­ren Besol­dungs­sys­tem dienst­al­ters­un­ab­hän­gig aus­ge­stal­te­te W‑Besoldung beruht auf einem zwei­glie­de­ri­gen Ver­gü­tungs­sys­tem, das aus einem fes­ten Grund­ge­halt und varia­blen Leis­tungs­be­zü­gen besteht. § 32 BBesG samt Anla­gen regelt die Grund­ge­häl­ter der aus den Besol­dungs­grup­pen W 1, W 2 und W 3 bestehen­den neu­en Besol­dungs­ord­nung W. Neben dem als Min­dest­be­zug gewähr­ten Grund­ge­halt wer­den nach § 33 BBesG varia­ble Leis­tungs­be­zü­ge ver­ge­ben, und zwar aus Anlass von Beru­fungs- und Blei­be­ver­hand­lun­gen, für beson­de­re Leis­tun­gen in For­schung, Leh­re, Kunst, Wei­ter­bil­dung und Nach­wuchs­för­de­rung sowie für die Wahr­neh­mung von Funk­tio­nen oder beson­de­ren Auf­ga­ben im Rah­men der Hoch­schul­selbst­ver­wal­tung oder der Hoch­schul­lei­tung. Hin­sicht­lich der Aus­ge­stal­tung der Leis­tungs­be­zü­ge wer­den Bund und Län­dern jeweils für ihren Bereich umfang­rei­che Hand­lungs­spiel­räu­me eröff­net.

Das neue Sys­tem gilt seit dem 1. Janu­ar 2005 für alle neu ein­ge­stell­ten Pro­fes­so­ren und eröff­net Opti­ons­mög­lich­kei­ten für bereits ernann­te Pro­fes­so­ren, die zwi­schen dem alten und dem neu­en Sys­tem wäh­len kön­nen. Seit dem 1. Sep­tem­ber 2006 sind infol­ge der soge­nann­ten Föde­ra­lis­mus­re­form I die Län­der für die Besol­dung ihrer Beam­ten und damit auch ihrer Pro­fes­so­ren zustän­dig.

Die Rich­ter­vor­la­ge des Ver­wal­tungs­ge­richts Gie­ßen[↑]

Aus­gangs­punkt der heu­te ver­kün­de­ten Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ist eine Vor­la­ge des Ver­wal­tungs­ge­richts Gie­ßen, dass in einem bei ihm anhän­gi­gen Ver­fah­ren die­se gesetz­li­che Rege­lun­gen für ver­fas­sungs­wid­rig hielt:

Der im Jahr 1965 gebo­re­ne Klä­ger des beim Ver­wal­tungs­ge­richt Gie­ßen anhän­gi­gen Aus­gangs­ver­fah­rens wur­de im Jahr 2005 unter Beru­fung in das Beam­ten­ver­hält­nis auf Lebens­zeit zum Uni­ver­si­täts­pro­fes­sor an der Phil­ipps-Uni­ver­si­tät Mar­burg ernannt und in eine Plan­stel­le der Besol­dungs­grup­pe W 2 der Besol­dungs­ord­nung W ein­ge­wie­sen. Nach erfolg­lo­sem Wider­spruchs­ver­fah­ren erhob er beim Ver­wal­tungs­ge­richt Gie­ßen Kla­ge gegen das Land Hes­sen, mit der er zuletzt im Haupt­an­trag die Fest­stel­lung begehrt, dass sei­ne Ali­men­ta­ti­on aus der Besol­dungs­grup­pe W 2 den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen an eine amts­an­ge­mes­se­ne Besol­dung nicht genügt.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Gie­ßen hat das Ver­fah­ren aus­ge­setzt und dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die Fra­ge zur Ent­schei­dung vor­ge­legt, ob die Besol­dungs­ord­nung W ver­fas­sungs­kon­form ist 1, genau­er: ob § 32 Sät­ze 1 und 2 BBesG in der durch das Gesetz zur Reform der Pro­fes­so­ren­be­sol­dung vom 16. Febru­ar 2002 in Kraft getre­te­nen Fas­sung in Ver­bin­dung mit Anla­ge II (Bun­des­be­sol­dungs­ord­nung W) und Anla­ge IV Zif­fer 3 in der Fas­sung des Anhangs 14 zu Art. 2 Nr. 3 des Bun­des­be­sol­dungs- und ‑ver­sor­gungs­an­pas­sungs­ge­set­zes 2003/​2004 (Grund­ge­halts­sät­ze Bun­des­be­sol­dungs­ord­nung W), letz­te­re Anla­ge ersetzt durch Anla­ge 1 Nr. 3 (Grund­ge­halts­sät­ze Besol­dungs­ord­nung W) des Hes­si­schen Besol­dungs- und Ver­sor­gungs­an­pas­sungs­ge­set­zes 2007/​2008 vom 28. Sep­tem­ber 2007, zuletzt geän­dert durch Anla­ge 1 Nr. 3 (Grund­ge­halts­sät­ze Besol­dungs­ord­nung W) des Hes­si­schen Besol­dungs- und Ver­sor­gungs­an­pas­sungs­ge­set­zes 2009/​2010 vom 18. Juni 2009, mit Art. 33 Abs. 5 GG ver­ein­bar ist.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt ist der Auf­fas­sung, dass die Besol­dung des Klä­gers des Aus­gangs­ver­fah­rens nach der Besol­dungs­grup­pe W 2 gegen das in Art. 33 Abs. 5 GG gewähr­leis­te­te Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip ver­stößt. Das Grund­ge­halt stel­le kei­ne dem Amt des Pro­fes­sors ange­mes­se­ne Ali­men­ta­ti­on dar. Für die Beur­tei­lung der Amts­an­ge­mes­sen­heit kom­me es nur auf die jewei­li­gen Grund­ge­häl­ter, nicht auch auf die in Aus­sicht gestell­ten Leis­tungs­be­zü­ge an. Das dem W 2-Pro­fes­sor zuste­hen­de Grund­ge­halt ent­spre­che weder der vom Amts­in­ha­ber gefor­der­ten Aus­bil­dung, Bean­spru­chung und Ver­ant­wor­tung noch der Bedeu­tung und dem Anse­hen des Amtes in den Augen der Gesell­schaft. Dies erge­be sich aus einem Ver­gleich mit der frü­he­ren Pro­fes­so­ren­be­sol­dung, der Besol­dung ande­rer Beam­ten­grup­pen sowie dem Ein­kom­men ver­gleich­ba­rer Berufs­grup­pen außer­halb des öffent­li­chen Diens­tes. Die Besol­dung eines W 2‑Professors schmel­ze am Ende sei­nes Arbeits­le­bens auf das Niveau eines nach Besol­dungs­grup­pe A 13 besol­de­ten Beam­ten zurück.

Die Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts[↑]

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt folg­te die­ser Ein­schät­zung des Ver­wal­tungs­ge­richts Gie­ßen und urteil­te, daß die Besol­dung der Pro­fes­so­ren in Hes­sen aus der Besol­dungs­grup­pe W 2 gegen das Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip des Art. 33 Abs. 5 GG ver­stößt und daher ver­fas­sungs­wid­rig ist.

Gleich­zei­tig gab das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt dem Gesetz­ge­ber auf, ver­fas­sungs­kon­for­me Rege­lun­gen mit Wir­kung spä­tes­tens vom 1. Janu­ar 2013 zu tref­fen.

Der Dienst­herr ist auf­grund des Ali­men­ta­ti­ons­prin­zips (Art. 33 Abs. 5 GG) ver­pflich­tet, dem Beam­ten amts­an­ge­mes­se­nen Unter­halt zu leis­ten. Dazu gehört die Pflicht, die Bezü­ge ent­spre­chend der unter­schied­li­chen Wer­tig­keit der Ämter abzu­stu­fen. Ver­glei­che sind nicht nur inner­halb einer Besol­dungs­ord­nung, son­dern auch zwi­schen den ver­schie­de­nen Besol­dungs­ord­nun­gen mög­lich und gebo­ten. Dabei ent­spricht dem wei­ten Gestal­tungs­spiel­raum des Gesetz­ge­bers eine zurück­hal­ten­de, auf den Maß­stab evi­den­ter Sach­wid­rig­keit beschränk­te Kon­trol­le der ein­fach­ge­setz­li­chen Rege­lung durch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt.

Die Gestal­tungs­frei­heit des Gesetz­ge­bers deckt grund­sätz­lich auch struk­tu­rel­le Neu­re­ge­lun­gen der Besol­dung in Form von Sys­tem­wech­seln ab, wel­che die Bewer­tung eines Amtes und die damit ein­her­ge­hen­de besol­dungs­recht­li­che Ein­stu­fung betref­fen. Aller­dings muss der Gesetz­ge­ber dafür Sor­ge tra­gen, dass die besol­dungs­recht­li­che Neu­be­wer­tung eines Amtes immer noch den (unver­än­der­ten) Anfor­de­run­gen des Amtes gerecht wird. Führt die gesetz­ge­be­ri­sche Neu­be­wer­tung zu einer deut­li­chen Ver­rin­ge­rung der Besol­dung, bedarf es hier­für sach­li­cher Grün­de.

In der Ent­wick­lungs­fä­hig­keit des Ali­men­ta­ti­ons­prin­zips ist es auch ange­legt, anstel­le eines grund­ge­halts­ori­en­tier­ten, nach Dienst­al­ters­stu­fen geglie­der­ten Besol­dungs­sys­tems ein zwei­glie­de­ri­ges Ver­gü­tungs­sys­tem bestehend aus fes­ten Grund­ge­häl­tern und varia­blen Leis­tungs­be­zü­gen zu schaf­fen. Wenn der Gesetz­ge­ber aber von der einen auf eine ande­re Gestal­tungs­va­ri­an­te über­geht, dann muss er – neben den vom Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip gestell­ten Anfor­de­run­gen – auch den sons­ti­gen ver­fas­sungs­recht­li­chen Vor­ga­ben Genü­ge tun. Leis­tungs­be­zü­ge müs­sen, um das Grund­ge­halt ali­men­ta­tiv auf­sto­cken und dadurch kom­pen­sa­to­ri­sche Wir­kung für ein durch nied­ri­ge Grund­ge­halts­sät­ze ent­stan­de­nes Ali­men­ta­ti­ons­de­fi­zit ent­fal­ten zu kön­nen, für jeden Amts­trä­ger zugäng­lich und hin­rei­chend ver­ste­tigt sein.

Da das grund­rechts­glei­che Recht auf Gewäh­rung einer amts­an­ge­mes­se­nen Ali­men­ta­ti­on kei­ne quan­ti­fi­zier­ba­ren Vor­ga­ben im Sin­ne einer exak­ten Besol­dungs­hö­he lie­fert, bedarf es pro­ze­du­ra­ler Siche­run­gen, damit die ver­fas­sungs­recht­li­che Gestal­tungs­di­rek­ti­ve des Art. 33 Abs. 5 GG tat­säch­lich ein­ge­hal­ten wird. Pro­ze­du­ra­le Anfor­de­run­gen in Form von Begründungs‑, Über­prü­fungs- und Beob­ach­tungs­pflich­ten gel­ten sowohl bei der kon­ti­nu­ier­li­chen Fort­schrei­bung der Besol­dungs­hö­he in Gestalt von regel­mä­ßi­gen Besol­dungs­an­pas­sun­gen als auch bei struk­tu­rel­len Neu­aus­rich­tun­gen in Gestalt von Sys­tem­wech­seln.

Die Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ist mit 6:1 Stim­men ergan­gen. Der Rich­ter Ger­hardt hat ein Son­der­vo­tum abge­ge­ben.

Das Urteil beruht im Wesent­li­chen auf fol­gen­den Erwä­gun­gen:

Das Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip[↑]

Die Neu­re­ge­lung der Pro­fes­so­ren­be­sol­dung ist an den Vor­ga­ben des Art. 33 Abs. 5 GG zu mes­sen. Nach Art. 33 Abs. 5 GG in der bis zum 31.08.2006 gel­ten­den Fas­sung ist das Recht des öffent­li­chen Diens­tes unter Berück­sich­ti­gung der her­ge­brach­ten Grund­sät­ze des Berufs­be­am­ten­tums zu regeln; die­se For­mu­lie­rung wur­de durch Art. 1 Nr. 3 des Geset­zes zur Ände­rung des Grund­ge­set­zes (Art. 22, 23, 33, 52, 72, 73, 74, 74a, 75, 84, 85, 87c, 91a, 91b, 93, 98, 104a, 104b, 105, 107, 109, 125a, 125b, 125c, 143c) 2 um die Wör­ter „und fort­zu­ent­wi­ckeln“ ergänzt.

Ver­fas­sungs­recht­li­che Basis der Beam­ten­be­sol­dung ist das Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip. Es gehört zu den von Art. 33 Abs. 5 GG gewähr­leis­te­ten her­ge­brach­ten Grund­sät­zen des Berufs­be­am­ten­tums, die der Gesetz­ge­ber ange­sichts ihres grund­le­gen­den und struk­tur­prä­gen­den Cha­rak­ters nicht nur berück­sich­ti­gen muss, son­dern zu beach­ten hat 3. Art. 33 Abs. 5 GG ist unmit­tel­bar gel­ten­des Recht und ent­hält einen Rege­lungs­auf­trag an den Gesetz­ge­ber sowie eine insti­tu­tio­nel­le Garan­tie des Berufs­be­am­ten­tums 4. Des Wei­te­ren begrün­det Art. 33 Abs. 5 GG ein grund­rechts­glei­ches Recht der Beam­ten, soweit deren sub­jek­ti­ve Rechts­stel­lung betrof­fen ist 5.

Der Inhalt des Ali­men­ta­ti­ons­prin­zips wird von ver­schie­de­nen Deter­mi­nan­ten geprägt.

Das Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip ver­pflich­tet den Dienst­herrn, den Beam­ten und sei­ne Fami­lie lebens­lang ange­mes­sen zu ali­men­tie­ren und ihm nach sei­nem Dienst­rang, nach der mit sei­nem Amt ver­bun­de­nen Ver­ant­wor­tung und nach der Bedeu­tung des Berufs­be­am­ten­tums für die All­ge­mein­heit ent­spre­chend der Ent­wick­lung der all­ge­mei­nen wirt­schaft­li­chen und finan­zi­el­len Ver­hält­nis­se und des all­ge­mei­nen Lebens­stan­dards einen ange­mes­se­nen Lebens­un­ter­halt zu gewäh­ren 6. Im Rah­men die­ser Ver­pflich­tung zu einer dem Amt ange­mes­se­nen Ali­men­tie­rung hat der Gesetz­ge­ber die Attrak­ti­vi­tät des Beam­ten­ver­hält­nis­ses für über­durch­schnitt­lich qua­li­fi­zier­te Kräf­te, das Anse­hen des Amtes in den Augen der Gesell­schaft, die vom Amts­in­ha­ber gefor­der­te Aus­bil­dung und sei­ne Bean­spru­chung zu berück­sich­ti­gen 7. Die­sen Kri­te­ri­en muss der Gesetz­ge­ber sowohl bei struk­tu­rel­len Neu­aus­rich­tun­gen im Besol­dungs­recht als auch bei der kon­ti­nu­ier­li­chen Fort­schrei­bung der Besol­dungs­hö­he über die Jah­re hin­weg im Wege einer Gesamt­schau der hier­bei rele­van­ten Kri­te­ri­en und anhand einer Gegen­über­stel­lung mit jeweils in Betracht kom­men­den Ver­gleichs­grup­pen Rech­nung tra­gen.

Taug­li­che Ver­gleichs­grup­pen sind pri­mär inner­halb des Besol­dungs­sys­tems zu fin­den. Durch die Anknüp­fung der Ali­men­ta­ti­on an inner­dienst­li­che, unmit­tel­bar amts­be­zo­ge­ne Kri­te­ri­en wie den Dienst­rang soll sicher­ge­stellt wer­den, dass die Bezü­ge ent­spre­chend der unter­schied­li­chen Wer­tig­keit der Ämter abge­stuft sind. Daher bestimmt sich die Amts­an­ge­mes­sen­heit im Ver­hält­nis zur Besol­dung und Ver­sor­gung ande­rer Beam­ten­grup­pen. Gleich­zei­tig kommt dar­in zum Aus­druck, dass jedem Amt eine Wer­tig­keit imma­nent ist, die sich in der Besol­dungs­hö­he wider­spie­geln muss. Die Wer­tig­keit wird ins­be­son­de­re durch die Ver­ant­wor­tung des Amtes und die Inan­spruch­nah­me des Amts­in­ha­bers bestimmt. Die „amts“angemessene Besol­dung ist not­wen­di­ger­wei­se eine abge­stuf­te Besol­dung 8. Ver­glei­che sind daher nicht nur inner­halb einer Besol­dungs­ord­nung, son­dern auch zwi­schen den ver­schie­de­nen Besol­dungs­ord­nun­gen mög­lich und gebo­ten.

Der sys­tem­in­ter­ne Besol­dungs­ver­gleich wird durch den sys­tem­ex­ter­nen Gehalts­ver­gleich mit der Pri­vat­wirt­schaft ergänzt. Die Ali­men­ta­ti­on muss es dem Beam­ten ermög­li­chen, sich ganz dem öffent­li­chen Dienst als Lebens­be­ruf zu wid­men und in recht­li­cher wie wirt­schaft­li­cher Sicher­heit und Unab­hän­gig­keit zur Erfül­lung der dem Berufs­be­am­ten­tum zuge­wie­se­nen Auf­ga­ben bei­zu­tra­gen 9. Die Ali­men­ta­ti­on dient damit nicht allein dem Lebens­un­ter­halt des Beam­ten, son­dern sie hat – ange­sichts der Bedeu­tung des Berufs­be­am­ten­tums für die All­ge­mein­heit – zugleich eine qua­li­täts­si­chern­de Funk­ti­on 10. Damit das Beam­ten­ver­hält­nis für über­durch­schnitt­lich qua­li­fi­zier­te Kräf­te attrak­tiv ist, muss sich die Amts­an­ge­mes­sen­heit der Ali­men­ta­ti­on auch durch ihr Ver­hält­nis zu den Ein­kom­men bestim­men, die für ver­gleich­ba­re und auf der Grund­la­ge ver­gleich­ba­rer Aus­bil­dung erbrach­te Tätig­kei­ten außer­halb des öffent­li­chen Diens­tes erzielt wer­den 11. Dabei dür­fen aller­dings die gegen­über den Bezah­lungs­sys­te­men der Pri­vat­wirt­schaft bestehen­den Beson­der­hei­ten des beam­ten­recht­li­chen Besol­dungs­sys­tems nicht außer Acht gelas­sen wer­den, die auf den Cha­rak­ter des Beam­ten­ver­hält­nis­ses als wech­sel­sei­ti­ges Dienst- und Treue­ver­hält­nis zurück­zu­füh­ren sind. Ange­sichts der zwi­schen Staats­dienst und Pri­vat­wirt­schaft bestehen­den Sys­tem­un­ter­schie­de müs­sen die Kon­di­tio­nen (nur) ins­ge­samt ver­gleich­bar sein 12.

Der Ent­schei­dungs­spiel­raum des Gesetz­ge­bers[↑]

Bei der Kon­kre­ti­sie­rung der aus Art. 33 Abs. 5 GG resul­tie­ren­den Pflicht zur amts­an­ge­mes­se­nen Ali­men­tie­rung besitzt der Gesetz­ge­ber einen wei­ten Ent­schei­dungs­spiel­raum 13. Dies gilt sowohl hin­sicht­lich der Struk­tur als auch hin­sicht­lich der Höhe der Besol­dung 14; die­se ist der Ver­fas­sung nicht unmit­tel­bar, als fes­ter und exakt bezif­fer­ter bezie­hungs­wei­se bezif­fer­ba­rer Betrag, zu ent­neh­men 15. Inso­fern stellt die in Art. 33 Abs. 5 GG ent­hal­te­ne Garan­tie eines „amts­an­ge­mes­se­nen“ Unter­halts ledig­lich eine den Besol­dungs­ge­setz­ge­ber in die Pflicht neh­men­de ver­fas­sungs­recht­li­che Gestal­tungs­di­rek­ti­ve dar 16. Inner­halb sei­nes wei­ten Spiel­raums poli­ti­schen Ermes­sens darf der Gesetz­ge­ber das Besol­dungs­recht den tat­säch­li­chen Not­wen­dig­kei­ten und der fort­schrei­ten­den Ent­wick­lung der all­ge­mei­nen wirt­schaft­li­chen und finan­zi­el­len Ver­hält­nis­se anpas­sen. Zu prü­fen, ob er dabei die gerech­tes­te, zweck­mä­ßigs­te und ver­nünf­tigs­te Lösung gewählt hat, ist nicht Auf­ga­be des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts 17.

Dem wei­ten Gestal­tungs­spiel­raum des Gesetz­ge­bers ent­spricht viel­mehr eine zurück­hal­ten­de, auf den Maß­stab evi­den­ter Sach­wid­rig­keit beschränk­te Kon­trol­le der ein­fach­ge­setz­li­chen Rege­lung durch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt 18. Im Ergeb­nis beschränkt sich die mate­ri­el­le Kon­trol­le auf die Fra­ge, ob die dem Beam­ten gewähr­ten Bezü­ge evi­dent unzu­rei­chend sind. Dies ist der Fall, wenn der unan­tast­ba­re Kern­ge­halt der Ali­men­ta­ti­on als Unter­gren­ze nicht mehr gewahrt ist 19, was anhand einer Gesamt­schau der oben dar­ge­leg­ten Kri­te­ri­en und unter Berück­sich­ti­gung der kon­kret in Betracht kom­men­den Ver­gleichs­grup­pen zu prü­fen ist.

Die Gestal­tungs­frei­heit des Gesetz­ge­bers deckt grund­sätz­lich auch struk­tu­rel­le Neu­re­ge­lun­gen der Besol­dung in Form von Sys­tem­wech­seln ab, wel­che die Bewer­tung eines Amtes und die damit ein­her­ge­hen­de besol­dungs­recht­li­che Ein­stu­fung betref­fen 20. Bei der Ein­stu­fung von Ämtern han­delt es sich zuvör­derst um eine poli­ti­sche, vom par­la­men­ta­ri­schen Gesetz­ge­ber zu ent­schei­den­de Fra­ge, mit deren Beant­wor­tung er selbst die Wer­tig­keit eines bestimm­ten Amtes defi­niert. Dem­entspre­chend kann der Gesetz­ge­ber ein Amt neu und nied­ri­ger bewer­ten, die Struk­tur der Besol­dungs­ord­nung oder die der ein­zel­nen Besol­dungs­grup­pen, die Struk­tur des Beam­ten­ge­halts sowie die Zah­lungs­mo­da­li­tä­ten grund­sätz­lich für die Zukunft ändern 21. Eine ver­än­der­te Bewer­tung unter Abwei­chung von der bis­he­ri­gen Rela­ti­on der Ämter zuein­an­der ist – bei ent­spre­chen­der Besitz­stands­wah­rung – selbst dann denk­bar, wenn sich der Amts­in­halt bezie­hungs­wei­se die Merk­ma­le, nach denen die betref­fen­den Ämter zu beur­tei­len sind, nicht ver­än­dert haben 22.

Aller­dings darf sich der Gesetz­ge­ber bei einer von ihm für not­wen­dig gehal­te­nen Neu­re­ge­lung nicht von unsach­li­chen Erwä­gun­gen lei­ten las­sen 23. Nimmt er auf­grund einer poli­ti­schen Ent­schei­dung bezie­hungs­wei­se einer ver­än­der­ten poli­ti­schen Wert­schät­zung eine besol­dungs­mä­ßi­ge Neu­be­wer­tung eines Amtes vor, ohne die dem Amt zugrun­de lie­gen­den Anfor­de­run­gen zu ver­än­dern, muss er dafür Sor­ge tra­gen, dass eine der­ar­ti­ge besol­dungs­recht­li­che Neu­be­wer­tung immer noch den 24 Anfor­de­run­gen des Amtes und des­sen prä­gen­den Merk­ma­len gerecht wird. Führt die gesetz­ge­be­ri­sche Neu­be­wer­tung zu einer deut­li­chen Ver­rin­ge­rung der Besol­dung, bedarf es hier­für sach­li­cher Grün­de.

Sys­tem­wech­sel im Besol­dungs­recht[↑]

Von dem wei­ten Gestal­tungs­spiel­raum des Gesetz­ge­bers bei der Aus­ge­stal­tung des Ali­men­ta­ti­ons­prin­zips ist grund­sätz­lich auch die Ein­füh­rung neu­er und die Modi­fi­zie­rung bestehen­der Leis­tungs­ele­men­te in der Besol­dung gedeckt.

Der Gesetz­ge­ber kann das beam­ten­recht­li­che Leis­tungs­prin­zip besol­dungs­recht­lich auf unter­schied­li­che Art und Wei­se ver­wirk­li­chen. Das Leis­tungs­prin­zip zählt eben­so wie das Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip zu den vom Gesetz­ge­ber zu beach­ten­den her­ge­brach­ten Grund­sät­zen des Berufs­be­am­ten­tums im Sin­ne von Art. 33 Abs. 5 GG 25. Es bezeich­net in sei­nem Kern zunächst das Prin­zip der Bes­ten­aus­le­se, wie es aus­drück­lich in Art. 33 Abs. 2 GG ver­an­kert ist 26. Das Leis­tungs­prin­zip betrifft nicht nur den erst­ma­li­gen Zugang zu einem öffent­li­chen Amt beim Ein­tritt in das Beam­ten­ver­hält­nis, son­dern beinhal­tet auch die Aner­ken­nung und recht­li­che Absi­che­rung des Beför­de­rungs­er­fol­ges, den der Beam­te bei der Bes­ten­aus­le­se auf­grund von Eig­nung, Befä­hi­gung und fach­li­cher Leis­tung erlangt hat 26. Über das Sta­tus­recht ist das Besol­dungs­recht mit­tel­bar leis­tungs­be­zo­gen, indem Leis­tung mit Beför­de­rung hono­riert wird.

Die mit­tel­ba­re Ver­wirk­li­chung des Leis­tungs­prin­zips im Besol­dungs­recht – über das Sta­tus­recht einer­seits sowie über das her­kömm­li­che Sys­tem der Dienst­al­ters­stu­fen bei der Bemes­sung des Grund­ge­halts ande­rer­seits – schließt aller­dings den Ein­satz unmit­tel­bar von der indi­vi­du­el­len Leis­tung der Beam­ten abhän­gi­ger Besol­dungs­be­stand­tei­le nicht aus. Inso­weit kommt es zu einer Über­schnei­dung des Leis­tungs­prin­zips mit dem Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip, das schon vor Ein­fü­gung der Fort­ent­wick­lungs­klau­sel in Art. 33 Abs. 5 GG eine ste­te Wei­ter­ent­wick­lung des Beam­ten­rechts und des­sen Anpas­sung an ver­än­der­te Umstän­de der Staat­lich­keit ermög­lich­te 27. Eine stär­ke­re Berück­sich­ti­gung des Leis­tungs­ge­dan­kens stellt einen zuläs­si­gen Aspekt der Besol­dungs­ge­setz­ge­bung dar 28. Dabei kann die Bin­dung der Besol­dung an Leis­tungs­ge­sichts­punk­te bei­spiels­wei­se in Gestalt von Leis­tungs­stu­fen, Leis­tungs­prä­mi­en und Leis­tungs­zu­la­gen erfol­gen, wie es im Gesetz zur Reform des öffent­li­chen Dienst­rechts (Reform­ge­setz) 29 der Fall war 30. Dane­ben sind aber auch anders aus­ge­stal­te­te leis­tungs­ba­sier­te Besol­dungs­sys­te­me denk­bar. Dies gilt auch und gera­de bei der Pro­fes­so­ren­be­sol­dung, die seit jeher in beson­de­rem Maße durch leis­tungs­be­zo­ge­ne Ele­men­te gekenn­zeich­net ist 31.

Aller­dings sind Sys­tem­wech­sel im Besol­dungs­recht unter Ein­satz unmit­tel­bar leis­tungs­dif­fe­ren­zie­ren­der Besol­dungs­ele­men­te nicht unbe­schränkt mög­lich. Der Ent­schei­dungs­spiel­raum des Gesetz­ge­bers fin­det auch und gera­de bei Struk­tur­ver­än­de­run­gen sei­ne Schran­ke im Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip des Art. 33 Abs. 5 GG, das nicht nur Grund­la­ge, son­dern auch Gren­ze der gesetz­ge­be­ri­schen Gestal­tungs­frei­heit im Besol­dungs­recht ist 32.

Sys­tem­wech­sel kom­men in ver­schie­de­ner Hin­sicht und Aus­ge­stal­tung in Betracht, wobei Ver­än­de­run­gen inner­halb oder außer­halb des beam­ten­recht­li­chen Besol­dungs­sys­tems vor­stell­bar sind. Hoch­schul­dienst­recht­li­che Refor­men sind, ohne dass Art. 33 Abs. 5 GG betrof­fen wäre, auch dahin­ge­hend denk­bar, dass Neu­ein­stel­lun­gen nicht im Beam­ten, son­dern im Ange­stell­ten­ver­hält­nis erfol­gen 33. Ent­schei­det sich der Gesetz­ge­ber indes für eine Ver­be­am­tung der Pro­fes­so­ren, so unter­liegt das begrün­de­te Beam­ten­ver­hält­nis auch den Bin­dun­gen des Art. 33 Abs. 5 GG. Die Über­nah­me der Pro­fes­so­ren in das Beam­ten­ver­hält­nis hat für den Dienst­herrn vie­le – auch finan­zi­el­le – Vor­tei­le. Sie befreit ihn von dem Zwang, Arbeits- und Ent­gelt­be­din­gun­gen mit den Tarif­par­tei­en aus­zu­han­deln und abzu­stim­men. Die Aus­ge­stal­tung des Beam­ten­ver­hält­nis­ses ist der ein­sei­ti­gen Rege­lungs­kom­pe­tenz des Beam­ten­ge­setz­ge­bers unter­stellt. Der Beam­te ist sei­nem Dienst­herrn zur Treue ver­pflich­tet, was auch Fol­gen für die Aus­ge­stal­tung des Arbeits­kampf­rechts hat. Mit die­sen und wei­te­ren Vor­tei­len für den Dienst­herrn sind umge­kehrt die Bin­dun­gen ver­bun­den, die sich aus Art. 33 Abs. 5 GG erge­ben, ins­be­son­de­re auch die Anfor­de­run­gen des Ali­men­ta­ti­ons­prin­zips. Ein „Rosi­nen­pi­cken“ erlaubt die Ver­schie­den­heit der Beschäf­ti­gungs­sys­te­me dem Gesetz­ge­ber nicht 34.

Die inner­halb des Beam­ten­ver­hält­nis­ses gel­ten­den Bin­dun­gen des Art. 33 Abs. 5 GG zie­hen einem besol­dungs­recht­li­chen Sys­tem­wech­sel ver­fas­sungs­recht­li­che Gren­zen. Zwar ist es in der Ent­wick­lungs- und Anpas­sungs­fä­hig­keit des Ali­men­ta­ti­ons­prin­zips ange­legt, dass es dem Gesetz­ge­ber ver­schie­de­ne Mög­lich­kei­ten zur Rea­li­sie­rung des Anspruchs jedes Beam­ten auf amts­an­ge­mes­se­ne Ali­men­ta­ti­on eröff­net. Hier­zu zählt grund­sätz­lich auch die Mög­lich­keit, anstel­le eines grund­ge­halts­ori­en­tier­ten, nach Dienst­al­ters­stu­fen geglie­der­ten Besol­dungs­sys­tems ein zwei­glie­de­ri­ges Ver­gü­tungs­sys­tem bestehend aus fes­ten Grund­ge­häl­tern und varia­blen Leis­tungs­be­zü­gen als wei­te­ren Gehalts­be­stand­tei­len vor­zu­se­hen. Wenn der Gesetz­ge­ber aber von der einen auf eine ande­re Gestal­tungs­va­ri­an­te über­geht, dann muss er neben den vom Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip gestell­ten Anfor­de­run­gen auch den sons­ti­gen ver­fas­sungs­recht­li­chen Vor­ga­ben Genü­ge tun.

Dazu zählt der Geset­zes­vor­be­halt für die Beam­ten­be­sol­dung 35. Er bedeu­tet, dass die Ali­men­ta­ti­on gene­rell durch Gesetz zu regeln ist und nur nach Maß­ga­be eines Geset­zes zuer­kannt wer­den kann. Die Zuläs­sig­keit leis­tungs­be­zo­ge­ner Bezah­lungs­ele­men­te setzt danach vor­aus, dass ein gesetz­li­cher Rah­men den Anlass und die Mög­lich­kei­ten der Leis­tungs­ge­wäh­rung bestimmt, die Leis­tung auf­grund Ver­wal­tungs­ent­schei­dung bewil­ligt wird und die­se Bewil­li­gungs­ent­schei­dung dann in die Bezü­ge­be­rech­nung ein­geht 36. Der Geset­zes­vor­be­halt ent­fal­tet – inso­weit par­al­lel zum Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip – Schutz­funk­ti­on für den Beam­ten. Die­ser muss sich im Inter­es­se der Garan­tie der Unab­hän­gig­keit des Berufs­be­am­ten­tums – und damit der Siche­rung der Funk­ti­ons­fä­hig­keit der Insti­tu­ti­on – auf ein Ein­kom­men ver­las­sen kön­nen, das sei­ne recht­li­che und wirt­schaft­li­che Sicher­heit und Unab­hän­gig­keit gewähr­leis­tet.

Pro­fes­so­ren­be­sol­dung[↑]

Bezo­gen auf den Per­so­nen­kreis der Pro­fes­so­ren, die Trä­ger des Grund­rechts der Wis­sen­schafts­frei­heit aus Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG sind, genügt ein zwei­glie­de­ri­ges Ver­gü­tungs­sys­tem, bei dem neben fes­te Grund­ge­halts­sät­ze fle­xi­ble Leis­tungs­be­zü­ge tre­ten, den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen nur bei wis­sen­schafts­ad­äqua­ter Aus­ge­stal­tung der Leis­tungs­kom­po­nen­te. Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG ent­hält neben einem indi­vi­du­el­len Frei­heits­recht eine objek­ti­ve, das Ver­hält­nis von Wis­sen­schaft, For­schung und Leh­re zum Staat regeln­de, wert­ent­schei­den­de Grund­satz­norm 37. Sie for­dert, dass in der Hoch­schu­le freie Wis­sen­schaft mög­lich ist und unge­fähr­det betrie­ben wer­den kann. Inso­fern dient Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG dem Schutz vor wis­sen­schafts­i­nad­äqua­ten Ent­schei­dun­gen 38.

Bei der ver­fas­sungs­recht­li­chen Prü­fung der Ver­ein­bar­keit von hoch­schul­recht­li­chen Orga­ni­sa­ti­ons­nor­men mit Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG ist dar­auf abzu­stel­len, ob durch die­se Nor­men die freie wis­sen­schaft­li­che Betä­ti­gung und Auf­ga­ben­er­fül­lung struk­tu­rell gefähr­det wer­den 39. Solan­ge der Gesetz­ge­ber ein hin­rei­chen­des Maß an orga­ni­sa­to­ri­scher Selbst­be­stim­mung der Grund­rechts­trä­ger sicher­stellt, ist er frei, den Wis­sen­schafts­be­trieb nach sei­nem Ermes­sen zu regeln. Der Gesetz­ge­ber darf dabei nicht nur neue Model­le und Steue­rungs­tech­ni­ken ent­wi­ckeln und erpro­ben; viel­mehr ist er sogar ver­pflich­tet, bis­he­ri­ge Orga­ni­sa­ti­ons­for­men kri­tisch zu beob­ach­ten und zeit­ge­mäß zu refor­mie­ren 40. Ihm ste­hen dabei gera­de hin­sicht­lich der Eig­nung neu­er Orga­ni­sa­ti­ons­for­men eine Ein­schät­zungs­prä­ro­ga­ti­ve und ein Pro­gno­se­spiel­raum zu 41.

Bei besol­dungs­recht­li­chen Nor­men gel­ten die­se Erwä­gun­gen ent­spre­chend, so dass es auch inso­weit dar­auf ankommt, ob eine struk­tu­rel­le Gefahr wis­sen­schafts­i­nad­äqua­ter Ent­schei­dun­gen besteht. Dem­entspre­chend sind die der Ver­ga­be leis­tungs­be­zo­ge­ner Besol­dungs­be­stand­tei­le vor­ge­schal­te­ten Leis­tungs­be­wer­tun­gen im Hoch­schul­be­reich grund­sätz­lich zuläs­sig, wenn und soweit sie wis­sen­schafts­ad­äquat aus­ge­stal­tet sind und in einem wis­sen­schafts­ad­äqua­ten Ver­fah­ren erfol­gen. Ein Ver­bot der Bewer­tung wis­sen­schaft­li­cher Qua­li­tät oder ein Ver­bot, an die Bewer­tung Fol­gen bei der Res­sour­cen­ver­tei­lung zu knüp­fen, lässt sich Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG nicht ent­neh­men. For­schungs­leis­tun­gen und For­schungs­vor­ha­ben wer­den seit jeher nicht nur in Prü­fun­gen und Qua­li­fi­ka­ti­ons­ver­fah­ren, son­dern auch in Beru­fungs­ver­fah­ren und bei der Ver­ga­be von Dritt­mit­teln bewer­tet. Eben­so zuläs­sig ist die Bewer­tung im Rah­men hoch­schul­in­ter­ner Res­sour­cen­ver­tei­lung. Die Absicht des Gesetz­ge­bers, Allo­ka­ti­ons­ent­schei­dun­gen mög­lichst ratio­nal und leis­tungs­ori­en­tiert zu steu­ern, ist bei wis­sen­schafts­ad­äqua­ter Bewer­tung der erbrach­ten und zu erwar­ten­den Leis­tun­gen ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den 42.

Leis­tungs­be­zü­ge müs­sen, um kom­pen­sa­to­ri­sche Wir­kung für ein durch nied­ri­ge Grund­ge­halts­sät­ze ent­stan­de­nes Ali­men­ta­ti­ons­de­fi­zit ent­fal­ten zu kön­nen, für jeden Amts­trä­ger zugäng­lich und hin­rei­chend ver­ste­tigt sein. Dies ist etwa der Fall, wenn die Kri­te­ri­en für die Ver­ga­be der Leis­tungs­be­zü­ge vom Gesetz­ge­ber hin­rei­chend bestimmt aus­ge­stal­tet sind und wenn der ein­zel­ne Pro­fes­sor – vor­be­halt­lich unaus­weich­li­cher Beur­tei­lungs­spiel­räu­me zur Wah­rung der Wis­sen­schafts­frei­heit – unter klar defi­nier­ten, vor­her­seh­ba­ren und erfüll­ba­ren Vor­aus­set­zun­gen einen ein­klag­ba­ren Rechts­an­spruch auf die Gewäh­rung von Leis­tungs­be­zü­gen hat. Dabei müs­sen, wenn es um die Pro­fes­so­ren­be­sol­dung geht, die Vor­aus­set­zun­gen und Kri­te­ri­en der Ver­ga­be von Leis­tungs­be­zü­gen, das Ver­fah­ren und die Zustän­dig­keit wis­sen­schafts­ad­äquat aus­ge­stal­tet sein. Zudem müs­sen sich die Leis­tungs­be­zü­ge ange­mes­sen im Ruhe­ge­halt nie­der­schla­gen, weil zur Siche­rung eines ange­mes­se­nen Lebens­un­ter­halts im Sin­ne des Art. 33 Abs. 5 GG auch die Ver­sor­gung des Beam­ten nach sei­nem Aus­schei­den aus dem akti­ven Dienst gehört 43.

Sys­tem­wech­sel sind in beson­de­rem Maße mit Unsi­cher­hei­ten behaf­tet und für Pro­gno­se­irr­tü­mer anfäl­lig. Daher kommt es auf die Ein­hal­tung pro­ze­du­ra­ler Anfor­de­run­gen an, die als „zwei­te Säu­le“ des Ali­men­ta­ti­ons­prin­zips neben sei­ne auf eine Evi­denz­kon­trol­le beschränk­te mate­ri­el­le Dimen­si­on tre­ten und sei­ner Flan­kie­rung, Absi­che­rung und Ver­stär­kung die­nen.

Zwar schul­det der Gesetz­ge­ber von Ver­fas­sungs wegen grund­sätz­lich nur ein wirk­sa­mes Gesetz 44. Da aber das grund­rechts­glei­che Recht auf Gewäh­rung einer amts­an­ge­mes­se­nen Ali­men­ta­ti­on kei­ne quan­ti­fi­zier­ba­ren Vor­ga­ben im Sin­ne einer exak­ten Besol­dungs­hö­he lie­fert, bedarf es pro­ze­du­ra­ler Siche­run­gen, damit die ver­fas­sungs­recht­li­che Gestal­tungs­di­rek­ti­ve des Art. 33 Abs. 5 GG auch tat­säch­lich ein­ge­hal­ten wird 45. Die pro­ze­du­ra­len Anfor­de­run­gen an den Gesetz­ge­ber kom­pen­sie­ren die Schwie­rig­keit, das ver­fas­sungs­recht­lich gebo­te­ne Besol­dungs­ni­veau anhand mate­ri­el­ler Kri­te­ri­en zu bestim­men. Zudem stellt die­se pro­ze­du­ra­le Absi­che­rung einen Aus­gleich dafür dar, dass die Aus­ge­stal­tung des Beam­ten­ver­hält­nis­ses ein­schließ­lich der Fest­le­gung der Besol­dungs­hö­he der Rege­lungs­kom­pe­tenz des Gesetz­ge­bers unter­liegt. Inso­fern ent­fal­tet die pro­ze­du­ra­le Dimen­si­on des Ali­men­ta­ti­ons­prin­zips Schutz- und Aus­gleichs­funk­ti­on.

Pro­ze­du­ra­le Anfor­de­run­gen in Form von Begrün­dungs, Über­prü­fungs- und Beob­ach­tungs­pflich­ten gel­ten sowohl bei der kon­ti­nu­ier­li­chen Fort­schrei­bung der Besol­dungs­hö­he in Gestalt von regel­mä­ßi­gen Besol­dungs­an­pas­sun­gen als auch bei struk­tu­rel­len Neu­aus­rich­tun­gen in Gestalt von Sys­tem­wech­seln. Nimmt der Gesetz­ge­ber eine Umge­stal­tung der Besol­dungs­struk­tur vor, ist zu berück­sich­ti­gen, dass ein sol­cher Wech­sel ver­schie­de­ne Unsi­cher­heits­fak­to­ren birgt und dass sich sei­ne Trag­fä­hig­keit und Aus­wir­kun­gen erst all­mäh­lich her­aus­stel­len. Inso­weit steht dem Gesetz­ge­ber für die Eta­blie­rung neu­er Besol­dungs­mo­del­le ein Ein­schät­zungs- und Pro­gno­se­spiel­raum zu, der bei der Beur­tei­lung der Amts­an­ge­mes­sen­heit in Rech­nung zu stel­len ist 46. Im Gegen­zug tref­fen den Gesetz­ge­ber aber neben einer Begrün­dungs­pflicht eine Beob­ach­tungs- und gege­be­nen­falls eine Nach­bes­se­rungs­pflicht, damit er mög­li­chen Ver­stö­ßen gegen das Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip adäquat begeg­nen kann. Inso­weit ist er gehal­ten, bei einer nicht uner­heb­li­chen Abwei­chung der tat­säch­li­chen von der pro­gnos­ti­zier­ten Ent­wick­lung Kor­rek­tu­ren an der Aus­ge­stal­tung der Bezü­ge vor­zu­neh­men 47.

Die W 2‑Besoldung in Hes­sen[↑]

Hier­an gemes­sen sind die Vor­ga­ben des Art. 33 Abs. 5 GG – sowohl in der bis zum 31.08.2006 gel­ten­den Fas­sung als auch in der ab dem 1.09.2006 gül­ti­gen Fas­sung, die in der hier maß­geb­li­chen Fra­ge kei­ne ande­re Bewer­tung zulässt – nicht erfüllt. Die W 2‑Besoldung ent­spricht in ihrer Gesamt­kon­zep­ti­on nicht den Anfor­de­run­gen, die das Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip an eine amts­an­ge­mes­se­ne Ali­men­tie­rung des betrof­fe­nen Per­so­nen­krei­ses stellt. Eine Gesamt­be­trach­tung der für die Bestim­mung der Besol­dungs­hö­he maß­geb­li­chen Kri­te­ri­en ergibt, dass die gewähr­te Besol­dung evi­dent unzu­rei­chend ist. In der Besol­dungs­grup­pe W 2 sind sowohl die Grund­ge­halts­sät­ze der durch das Pro­fes­so­ren­be­sol­dungs­re­form­ge­setz ein­ge­führ­ten Bun­des­be­sol­dungs­ord­nung W als auch die spä­te­ren Grund­ge­halts­sät­ze der hes­si­schen Besol­dungs­ord­nung W unan­ge­mes­sen 48. Das durch die Grund­ge­halts­sät­ze ent­stan­de­ne Ali­men­ta­ti­ons­de­fi­zit wird durch die Leis­tungs­be­zü­ge in ihrer bis­he­ri­gen Aus­ge­stal­tung nicht kom­pen­siert.

Die fes­ten Grund­ge­halts­sät­ze der Besol­dungs­ord­nung W genü­gen in der Besol­dungs­grup­pe W 2 nicht, um dem Pro­fes­sor nach sei­nem Dienst­rang, nach der mit sei­nem Amt ver­bun­de­nen Ver­ant­wor­tung und nach der Bedeu­tung des Berufs­be­am­ten­tums für die All­ge­mein­heit einen ange­mes­se­nen Lebens­un­ter­halt zu ermög­li­chen. Der Gesetz­ge­ber hat bei der Fest­le­gung der Grund­ge­halts­sät­ze die Siche­rung der Attrak­ti­vi­tät des Pro­fes­so­ren­am­tes für ent­spre­chend qua­li­fi­zier­te Kräf­te, das Anse­hen die­ses Amtes in den Augen der Gesell­schaft, die vom Pro­fes­sor gefor­der­te Aus­bil­dung, sei­ne Ver­ant­wor­tung und sei­ne Bean­spru­chung nicht hin­rei­chend berück­sich­tigt. Dies ergibt sich in ers­ter Linie aus dem Ver­gleich der Grund­ge­halts­sät­ze der Besol­dungs­grup­pe W 2 mit den Grund­ge­halts­sät­zen ande­rer Besol­dungs­ord­nun­gen und wird durch den Ver­gleich mit bestimm­ten Ein­kom­men außer­halb des öffent­li­chen Diens­tes bestä­tigt.

Die Gegen­über­stel­lung mit der am ehes­ten als Ver­gleichs­grup­pe für die W‑Besoldung taug­li­chen Besol­dungs­ord­nung A, die für den direk­ten Zugang zum höhe­ren Dienst ein abge­schlos­se­nes aka­de­mi­sches Stu­di­um vor­aus­setzt, zeigt, dass die Grund­ge­halts­sät­ze der Besol­dungs­grup­pe W 2 – die deut­lich nied­ri­ger als die Grund­ge­halts­sät­ze der frü­he­ren Besol­dungs­grup­pe C 3 aus­fal­len – evi­dent unan­ge­mes­sen sind. Inso­weit muss sich der Gesetz­ge­ber an sei­ner Kon­kre­ti­sie­rung des Ali­men­ta­ti­ons­prin­zips in Gestalt der Besol­dungs­ord­nung A fest­hal­ten las­sen.

Bezo­gen auf den 1. Dezem­ber 2005 – das Ernen­nungs­da­tum des Klä­gers des Aus­gangs­ver­fah­rens – stellt sich die Besol­dungs­si­tua­ti­on fol­gen­der­ma­ßen dar 49: Das Grund­ge­halt der Besol­dungs­grup­pe W 2 BBe­sO (3.890,03 €) liegt zwi­schen der Stu­fe 8 (3.856,31 €) und der Stu­fe 9 (3.978,87 €) von ins­ge­samt zwölf Stu­fen der Besol­dungs­grup­pe A 14 BBe­sO. Das nicht nach Dienst­al­ters­stu­fen gestaf­fel­te Grund­ge­halt eines W 2‑Professors ent­spricht somit im Sys­tem der auf­stei­gen­den Besol­dungs­ord­nung A etwa der Besol­dung eines 40jährigen Ober­re­gie­rungs­ra­tes bezie­hungs­wei­se Ober­stu­di­en­ra­tes. Bezo­gen auf die Besol­dungs­grup­pe A 15 BBe­sO ergibt sich, dass das Grund­ge­halt der Besol­dungs­grup­pe W 2 BBe­sO (3.890,03 €) noch unter der Stu­fe 6 (3.903,77 €) liegt, wel­che die Ein­gangs­be­sol­dung der Besol­dungs­grup­pe A 15 dar­stellt. Damit erreicht das Grund­ge­halt eines W 2‑Professors nicht die Besol­dung eines jun­gen Regie­rungs­di­rek­tors bezie­hungs­wei­se Stu­di­en­di­rek­tors. Ohne Leis­tungs­be­zü­ge liegt die Besol­dung eines W 2‑Professors nicht ein­mal auf dem Niveau des End­grund­ge­halts (Stu­fe 12) der Besol­dung eines Regie­rungs­ra­tes, Stu­di­en­ra­tes oder Aka­de­mi­schen Rates nach A 13 (3.920,58 €), dem Ein­gang­samt des höhe­ren Diens­tes. Das Grund­ge­halt des W 2‑Professors liegt damit unter dem Besol­dungs­ni­veau des Ein­gang­sam­tes des höhe­ren Diens­tes in der End­stu­fe.

Die­ses vom Bun­des­ge­setz­ge­ber begrün­de­te evi­den­te Miss­ver­hält­nis hat der seit der Föde­ra­lis­mus­re­form I für die Besol­dung und Ver­sor­gung sei­ner Beam­ten zustän­di­ge hes­si­sche Lan­des­ge­setz­ge­ber nicht besei­tigt, son­dern bei der Ein­füh­rung der hes­si­schen Lan­des­be­sol­dungs­ord­nun­gen bezie­hungs­wei­se den all­ge­mei­nen Besol­dungs­an­pas­sun­gen fort­ge­schrie­ben. Bei der Ein­füh­rung der hes­si­schen Besol­dungs­ord­nung W betrug der Grund­ge­halts­satz in der Besol­dungs­grup­pe W 2 ab dem 1.04.2008 3.983,39 €. Er lag damit unter der Stu­fe 12 der Besol­dungs­grup­pe A 13 (4.014,67 €) bezie­hungs­wei­se zwi­schen der Stu­fe 8 (3.948,86 €) und der Stu­fe 9 (4.074,36 €) der Besol­dungs­grup­pe A 14 bezie­hungs­wei­se knapp unter der Stu­fe 6 (3.997,46 €) als Ein­gangs­be­sol­dung der Besol­dungs­grup­pe A 15 50. Bei den linea­ren Besol­dungs­an­pas­sun­gen erfolg­te die Erhö­hung der Grund­ge­halts­sät­ze für die WBe­sol­dung und die all­ge­mei­ne Beam­ten­be­sol­dung des höhe­ren Diens­tes jeweils pro­zen­tu­al gleich und nicht etwa für Pro­fes­so­ren über­pro­por­tio­nal 51. Hier­durch konn­te die Dis­pro­por­tio­na­li­tät zwi­schen den Besol­dungs­ord­nun­gen nicht besei­tigt wer­den.

Die­se Ver­glei­che bele­gen, dass die Grund­ge­halts­sät­ze der Besol­dungs­grup­pe W 2 den ali­men­ta­ti­ons­recht­li­chen Deter­mi­nan­ten in Form von Aus­bil­dung, Ver­ant­wor­tung und Bean­spru­chung des Amts­in­ha­bers evi­dent nicht gerecht wer­den.

Die Ämter nicht nur der Besol­dungs­grup­pe W 3, son­dern auch der Besol­dungs­grup­pe W 2 stel­len hohe Anfor­de­run­gen an den aka­de­mi­schen Wer­de­gang und die Qua­li­fi­ka­ti­on ihrer Inha­ber. Die Ein­stel­lungs­vor­aus­set­zun­gen für das Pro­fes­so­ren­amt bele­gen, dass es sich hin­sicht­lich der Aus­bil­dung um eine beson­ders anspruchs­vol­le und her­aus­ge­ho­be­ne Tätig­keit im öffent­li­chen Dienst han­delt. Nach § 44 HRG 52 sind Ein­stel­lungs­vor­aus­set­zun­gen für Pro­fes­so­ren ein abge­schlos­se­nes Hoch­schul­stu­di­um, die päd­ago­gi­sche Eig­nung des Bewer­bers sowie sei­ne beson­de­re wis­sen­schaft­li­che Befä­hi­gung, die in der Regel durch eine qua­li­tät­vol­le Pro­mo­ti­on nach­ge­wie­sen wird. Dar­über hin­aus sind je nach den Anfor­de­run­gen der Stel­le zusätz­li­che wis­sen­schaft­li­che Leis­tun­gen oder beson­de­re Leis­tun­gen bei der Anwen­dung oder Ent­wick­lung wis­sen­schaft­li­cher Erkennt­nis­se und Metho­den in einer mehr­jäh­ri­gen beruf­li­chen Pra­xis erfor­der­lich. Ähn­li­che Bestim­mun­gen ent­hal­ten § 71 des Hes­si­schen Hoch­schul­ge­set­zes in der Fas­sung vom 31.07.2000 53 bezie­hungs­wei­se § 62 des Hes­si­schen Hoch­schul­ge­set­zes 54, die die­se Anfor­de­run­gen in das Lan­des­recht über­neh­men. Eine Pro­fes­sur wird auf­grund des gefor­der­ten Qua­li­fi­ka­ti­ons­we­ges typi­scher­wei­se nicht vor dem 35., oft erst um das 40. Lebens­jahr her­um erreicht. An die­ser gera­de für Habi­li­tan­den lan­gen und mit Unsi­cher­hei­ten behaf­te­ten Qua­li­fi­ka­ti­ons­pha­se – mag sie auch regel­mä­ßig von Ein­künf­ten aus einem Beam­ten­ver­hält­nis auf Zeit oder aus einem Ange­stell­ten­ver­hält­nis beglei­tet sein – kann das Besol­dungs­recht nicht vor­bei­ge­hen.

Mit dem Pro­fes­so­ren­amt sind viel­fäl­ti­ge und anspruchs­vol­le Auf­ga­ben in For­schung und Leh­re sowie admi­nis­tra­ti­ver Art ver­bun­den. Nach § 43 HRG neh­men Hoch­schul­leh­rer die ihrer Hoch­schu­le jeweils oblie­gen­den Auf­ga­ben in Wis­sen­schaft und Kunst, For­schung, Leh­re und Wei­ter­bil­dung in ihren Fächern nach nähe­rer Aus­ge­stal­tung ihres Dienst­ver­hält­nis­ses selb­stän­dig wahr. Die­se Auf­ga­ben der Hoch­schu­len decken ihrer­seits ein brei­tes Spek­trum ab, wie sich aus der Auf­ga­ben­be­schrei­bung in §§ 3 und 4 des Hes­si­schen Hoch­schul­ge­set­zes in der Fas­sung vom 31.07.2000 bezie­hungs­wei­se in §§ 3 und 4 des Hes­si­schen Hoch­schul­ge­set­zes vom 14.12.2009 ergibt. Die Auf­ga­ben­zu­wei­sun­gen unter­strei­chen die gesamt­ge­sell­schaft­li­che Bedeu­tung der Hoch­schu­len und ihre zen­tra­le Stel­lung in der Wis­sens­ge­sell­schaft. Auch aus § 70 Abs. 1 des Hes­si­schen Hoch­schul­ge­set­zes in der Fas­sung vom 31.07.2000 bezie­hungs­wei­se § 61 des Hes­si­schen Hoch­schul­ge­set­zes vom 14.12.2009 erschließt sich die beson­de­re Qua­li­tät der Tätig­keit und der Ver­ant­wor­tung des Pro­fes­so­ren­am­tes. Die­se Tätig­keit ist durch ein ein­zig­ar­ti­ges, ver­fas­sungs­recht­lich durch Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG abge­si­cher­tes Maß an Selbst­be­stimmt­heit und Eigen­ver­ant­wor­tung gekenn­zeich­net, das sich auch bei der Bestim­mung der Wer­tig­keit des Amtes inner­halb des besol­dungs­recht­li­chen Gefü­ges nie­der­schla­gen muss.

Zur Bean­spru­chung des Inha­bers eines Pro­fes­so­ren­am­tes gehört es ins­be­son­de­re, dass er für die Aus­bil­dung der Nach­wuchs­kräf­te in aka­de­mi­schen Beru­fen Sor­ge trägt, die eines Tages ihrer­seits anspruchs- und ver­ant­wor­tungs­vol­le Auf­ga­ben wahr­neh­men sol­len. Dies spricht dafür, dass das dem Pro­fes­so­ren­amt zuge­ord­ne­te Grund­ge­halt nicht im unte­ren Bereich der Besol­dung des höhe­ren Diens­tes (Besol­dungs­ord­nung A) ange­sie­delt sein darf. Ein wei­te­res Indiz für die evi­den­te Unan­ge­mes­sen­heit der Grund­ge­halts­sät­ze ist der Umstand, dass ein W 2‑Professor mög­li­cher­wei­se eine gerin­ge­re Besol­dung als ein der Besol­dungs­ord­nung A zuge­ord­ne­ter wis­sen­schaft­li­cher Beam­ter erhält, der die Qua­li­fi­ka­ti­ons­vor­aus­set­zun­gen für eine Beru­fung zum Pro­fes­sor nicht erfüllt.

Gegen­über­stel­lun­gen mit Ver­gleichs­grup­pen außer­halb des öffent­li­chen Diens­tes füh­ren im Rah­men der erfor­der­li­chen Gesamt­schau zu kei­ner ande­ren Beur­tei­lung, son­dern bekräf­ti­gen die auf­grund des Besol­dungs­ver­gleichs zu ande­ren Beam­ten­grup­pen getrof­fe­ne Fest­stel­lung der evi­den­ten Unan­ge­mes­sen­heit.

Das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt hat in sei­nen Erläu­te­run­gen in der münd­li­chen Ver­hand­lung Daten aus der Ver­dienst­struk­tur­er­he­bung 2006 vor­ge­legt, die es ermög­li­chen, die W 2‑Besoldung mit dem Ver­dienst von aus­ge­wähl­ten, nach Beruf, Uni­ver­si­täts­ab­schluss, Berufs­er­fah­rung und Anfor­de­rungs­ni­veau ver­wand­ten Beschäf­tig­ten­grup­pen in der Pri­vat­wirt­schaft zu ver­glei­chen und die rela­ti­ve Posi­ti­on der W 2‑Professoren in der jewei­li­gen grup­pen­spe­zi­fi­schen Ver­tei­lung der Ver­diens­te zu bestim­men. Ein auf die­ser Grund­la­ge durch­ge­führ­ter Ver­gleich der W 2‑Besoldung mit der Grup­pe aller Voll­zeit­be­schäf­tig­ten in lei­ten­der Stel­lung, die über einen Uni­ver­si­täts­ab­schluss ver­fü­gen, ergibt, dass nur 20 % der Ver­gleichs­grup­pe weni­ger als der W 2‑Professor ver­die­nen, wäh­rend es im Ver­gleich zur frü­he­ren Besol­dungs­grup­pe C 3 (Stu­fe 11) 39 % der Ver­gleichs­grup­pe waren. Die W 2‑Professoren sind danach in der betref­fen­den Ver­dienst­ska­la weit unten ange­sie­delt, und ihre rela­ti­ve Ver­dienst­po­si­ti­on hat sich durch die mit dem Über­gang von der CBe­sol­dung zur WBe­sol­dung ver­bun­de­ne Absen­kung des Grund­ge­halts und die Abschaf­fung der Dienst­al­ters­stu­fen deut­lich ver­schlech­tert.

In der Gesamt­schau ist die­ser Befund ver­fas­sungs­recht­lich nicht mehr akzep­ta­bel. Sach­li­che Grün­de für die vom Gesetz­ge­ber vor­ge­nom­me­ne Ver­än­de­rung der Wer­tig­keit des Pro­fes­so­ren­am­tes sind weder dar­ge­legt noch sonst erkenn­bar. Viel­mehr muss der Gesetz­ge­ber die Attrak­ti­vi­tät des Beam­ten­ver­hält­nis­ses – hier kon­kret des Pro­fes­so­ren­am­tes – für ent­spre­chend qua­li­fi­zier­te Kräf­te im Blick behal­ten, um ins­ge­samt die Qua­li­tät des Berufs­be­am­ten­tums und die Attrak­ti­vi­tät des Wis­sen­schafts­be­rufs sicher­zu­stel­len.

Die evi­den­te Unan­ge­mes­sen­heit der Grund­ge­halts­sät­ze wird nicht durch die vom Gesetz­ge­ber in Aus­sicht gestell­ten Leis­tungs­be­zü­ge auf­ge­ho­ben. Zwar kann der Gesetz­ge­ber dem Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip auch dadurch Rech­nung tra­gen, dass er Tei­le des Gehalts als fest und ande­re Gehalts­be­stand­tei­le als von bestimm­ten Leis­tungs­kri­te­ri­en – etwa der Erzie­lung bestimm­ter Leis­tun­gen in For­schung und Leh­re – abhän­gig aus­ge­stal­tet. Wenn sich der Gesetz­ge­ber aber für eine der­ar­ti­ge Kon­zep­ti­on ent­schei­det, dann müs­sen bei für sich genom­men nicht aus­rei­chen­dem Grund­ge­halt die varia­blen Leis­tungs­be­zü­ge, um das Grund­ge­halt ali­men­ta­tiv auf­sto­cken zu kön­nen, für jeden Amts­trä­ger zugäng­lich und hin­rei­chend ver­ste­tigt sein. Dies ist vor­lie­gend offen­sicht­lich nicht der Fall.

Nach der ein­fach­recht­li­chen Aus­for­mung besteht kein Anspruch auf die Gewäh­rung von Leis­tungs­be­zü­gen, son­dern nur ein Anspruch dar­auf, dass über die Gewäh­rung ermes­sens­feh­ler­frei ent­schie­den wird. Nach dem Wort­laut des § 33 Abs. 1 BBesG sowie der §§ 3 bis 6 HLeist­BVO ist die Ent­schei­dung über das „Ob“ und „Wie“ der Gewäh­rung von Leis­tungs­be­zü­gen als Ermes­sens­ent­schei­dung aus­ge­stal­tet, die gericht­lich (nur) auf Ermes­sens­feh­ler hin über­prüf­bar ist 55.

Auch im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren ging man davon aus, dass kein Anspruch auf die Gewäh­rung von Leis­tungs­be­zü­gen begrün­det wer­den sol­le. Der Stel­lung­nah­me des Bun­des­ra­tes zum Regie­rungs­ent­wurf des Pro­fes­so­ren­be­sol­dungs­re­form­ge­set­zes ist zu ent­neh­men, dass es mit dem Grund­satz indi­vi­du­el­ler Leis­tungs­ho­no­rie­rung nicht ver­ein­bar sei, aus­nahms­los jedem Pro­fes­sor zusätz­lich zum fes­ten Grund­ge­halt Leis­tungs­be­zü­ge in Aus­sicht zu stel­len. Es dür­fe daher kei­nes­wegs der Ein­druck ent­ste­hen, das Gesetz gebe einen Rechts­an­spruch auf bestimm­te Leis­tungs­be­zü­ge; es kön­ne und müs­se auch Pro­fes­so­ren geben, die ledig­lich das Grund­ge­halt ihrer Besol­dungs­grup­pe erhiel­ten 56. Die­se Aus­sa­ge ist in der Gegen­äu­ße­rung der Bun­des­re­gie­rung unwi­der­spro­chen geblie­ben 57. Die­se betont viel­mehr aus­drück­lich, dass die Bezeich­nung des Grund­ge­halts als Min­dest­be­zug kei­nen Rechts­an­spruch auf die Zah­lung von Leis­tungs­be­zü­gen zusätz­lich zum Grund­ge­halt begrün­de. Die fes­ten Grund­ge­häl­ter in den Besol­dungs­grup­pen W 2 und W 3 stell­ten auch ohne zusätz­li­che Leis­tungs­be­zü­ge die amts­an­ge­mes­se­ne Ali­men­ta­ti­on dar.

Die dar­ge­stell­ten Unsi­cher­hei­ten betref­fen nicht nur das „Ob“ der Gewäh­rung von Leis­tungs­be­zü­gen, son­dern set­zen sich bei ihrer höhen­mä­ßi­gen Bemes­sung fort. Auch hier­bei han­delt es sich um eine von nur weni­gen nor­ma­ti­ven Vor­ga­ben ein­ge­heg­te Ermes­sens­ent­schei­dung. Ange­sichts der Mög­lich­keit der Durch­bre­chung der B 10-Ober­gren­ze gemäß § 33 Abs. 2 BBesG ist weder eine strik­te Pla­fon­die­rung nach oben noch – wie auch die Situa­ti­on des Klä­gers des Aus­gangs­ver­fah­rens zeigt – eine nicht unter­schreit­ba­re Unter­gren­ze bei der Ver­ga­be vor­ge­se­hen. Dabei besteht ein Span­nungs­ver­hält­nis zwi­schen der Mög­lich­keit der ein­zel­fall­be­zo­ge­nen Durch­bre­chung der B 10Obergrenze einer­seits und der ins­ge­samt gede­ckel­ten Ver­ga­be der Leis­tungs­be­zü­ge durch den Ver­ga­be­rah­men nach § 34 BBesG ande­rer­seits. Die­se Rah­men­bin­dung bewirkt, dass bei der Ver­ga­be von Leis­tungs­be­zü­gen berück­sich­tigt wer­den muss, in wel­chem Maße der Ver­ga­be­rah­men durch frü­he­re Ver­ga­ben bereits aus­ge­schöpft ist. So kön­nen beson­ders hoch bemes­se­ne Leis­tungs­be­zü­ge für eini­ge weni­ge Spit­zen­kräf­te dazu füh­ren, dass für wei­te­re Ver­ga­ben nur noch ein gerin­ger Teil des Gesamt­vo­lu­mens zur Ver­fü­gung steht. Für die „zu spät gekom­me­nen“ Pro­fes­so­ren kom­men dann allen­falls nied­rig bemes­se­ne Leis­tungs­be­zü­ge in Betracht, ohne dass dies von der indi­vi­du­el­len Leis­tung des Pro­fes­sors abhän­gig oder von ihm in irgend­ei­ner Wei­se beein­fluss­bar wäre. Über­dies ist die Teil­nah­me der Leis­tungs­be­zü­ge an den all­ge­mei­nen Besol­dungs­er­hö­hun­gen nicht gesetz­lich gere­gelt, son­dern der Ent­schei­dung der Hoch­schul­lei­tung über­ant­wor­tet (vgl. § 7 HLeist­BVO).

Auch die sons­ti­gen Moda­li­tä­ten der Ver­ga­be der Leis­tungs­be­zü­ge bele­gen, dass sie in ihrer der­zei­ti­gen Aus­ge­stal­tung ledig­lich addi­ti­ven und kei­nen ali­men­ta­ti­ven Cha­rak­ter auf­wei­sen. Nach § 33 Abs. 1 Satz 2 BBesG kön­nen Leis­tungs­be­zü­ge im Sin­ne des § 33 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 und Nr. 2 BBesG (Beru­fungs- bzw. Blei­be-Leis­tungs­be­zü­ge und beson­de­re Leis­tungs­be­zü­ge) nicht nur unbe­fris­tet, son­dern auch befris­tet oder als Ein­mal­zah­lung ver­ge­ben wer­den. Nach § 33 Abs. 1 Satz 3 BBesG wer­den die Funk­ti­ons­Leis­tungs­be­zü­ge im Sin­ne des § 33 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 BBesG für die Dau­er der Wahr­neh­mung der Funk­ti­on oder Auf­ga­be gewährt und haben damit natur­ge­mäß befris­te­ten Cha­rak­ter. Hier­an anknüp­fend unter­schei­den sich die Leis­tungs­be­zü­ge auch hin­sicht­lich ihrer Ruhe­ge­halt­fä­hig­keit. Aus­weis­lich der kom­ple­xen Rege­lung des § 33 Abs. 3 BBesG hän­gen das „Ob“ und das „Wie“ der Ruhe­ge­halt­fä­hig­keit unbe­fris­te­ter und befris­te­ter Leis­tungs­be­zü­ge von einer Viel­zahl von Fak­to­ren sowie teil­wei­se von einer Ent­schei­dung der zustän­di­gen Uni­ver­si­täts­or­ga­ne ab (vgl. § 7 HLeist­BVO). Sie dürf­ten daher im Ergeb­nis für die Ruhe­stands­ver­sor­gung oft nur in gerin­gem Maße wirk­sam wer­den. Auch aus die­sem Grund sind die Leis­tungs­be­zü­ge in ihrer gegen­wär­ti­gen Aus­ge­stal­tung nicht zur Kom­pen­sa­ti­on evi­den­ter Ali­men­ta­ti­ons­de­fi­zi­te geeig­net.

Bestä­tigt wird die­ser Befund durch die tat­säch­li­che Pra­xis der Ver­ga­be der Leis­tungs­be­zü­ge. Die hier­zu ver­füg­ba­ren Zah­len, die von den Betei­lig­ten und Äuße­rungs­be­rech­tig­ten in ihren schrift­li­chen Stel­lung­nah­men sowie in der münd­li­chen Ver­hand­lung mit­ge­teilt wur­den, diver­gie­ren teils erheb­lich, was nicht zuletzt auf die Schwie­rig­kei­ten bei der Erfas­sung befris­te­ter und ein­ma­li­ger Leis­tungs­be­zü­ge zurück­zu­füh­ren sein dürf­te. Auch Anga­ben zur Höhe der Leis­tungs­be­zü­ge bie­ten kein ver­läss­li­ches Bild. Gleich­wohl zei­gen die Zah­len über­ein­stim­mend, dass in den ver­gan­ge­nen Jah­ren durch­weg nicht alle erfass­ten Pro­fes­so­ren in den Genuss von Leis­tungs­be­zü­gen gekom­men sind. So haben aus­weis­lich des Eva­lua­ti­ons­be­richts des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums des Innern im erfass­ten Zeit­raum 800 Pro­fes­so­ren, also rund 23 % der Pro­fes­so­ren in Ämtern der Besol­dungs­grup­pen W 2 und W 3, kei­ne Leis­tungs­be­zü­ge erhal­ten. Dies gilt ins­be­son­de­re für Erst­be­ru­fe­ne, weil die am stärks­ten von der Nicht­ge­wäh­rung betrof­fe­ne Alters­grup­pe die der Pro­fes­so­ren zwi­schen 36 und 40 Jah­ren ist. Dass Leis­tungs­be­zü­ge in über der Hälf­te der Fäl­le unbe­fris­tet gewährt wur­den, heißt zugleich, dass ein nicht uner­heb­li­cher Teil (etwa 40 %) befris­tet oder ein­ma­lig ver­ge­ben wur­de. Die Höhe der an die Pro­fes­so­ren aus­be­zahl­ten Leis­tungs­be­zü­ge bewegt sich in den ein­zel­nen Kate­go­ri­en in einer wei­ten Band­brei­te. Die so ver­ge­be­nen Leis­tungs­be­zü­ge erfül­len weder nach ihrer Dau­er noch nach ihrer Höhe ali­men­ta­ti­ve Min­dest­an­for­de­run­gen.

Das vom Gesetz­ge­ber geschaf­fe­ne Besol­dungs­ni­veau ver­letzt trotz des ihm zukom­men­den gro­ßen Beur­tei­lungs­spiel­raums den Grund­satz der amts­an­ge­mes­se­nen Ali­men­ta­ti­on. Die besol­dungs­mä­ßi­ge Neu­be­wer­tung des Amtes ist den (unver­än­dert fort­be­stehen­den) amts­prä­gen­den Merk­ma­len und dem Inhalt des Amtes nicht gerecht gewor­den.

Anfor­de­run­gen an eine ver­fas­sungs­mä­ßi­ge Neu­ge­stal­tung[↑]

Zur Besei­ti­gung des als ver­fas­sungs­wid­rig erkann­ten Ali­men­ta­ti­ons­de­fi­zits ste­hen dem Gesetz­ge­ber meh­re­re Mög­lich­kei­ten offen. Die Ver­fas­sung gibt dem Gesetz­ge­ber kei­ne bestimm­te Lösung, etwa eine Rück­kehr zum frü­he­ren Sys­tem der CBe­sol­dung, vor. Es steht ihm frei, ein amts­an­ge­mes­se­nes Ali­men­ta­ti­ons­ni­veau über die Höhe der Grund­ge­halts­sät­ze sicher­zu­stel­len oder etwa die Leis­tungs­be­zü­ge so aus­zu­ge­stal­ten, dass sie ali­men­ta­ti­ven Min­dest­an­for­de­run­gen genü­gen.

Ange­sichts die­ser Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten trifft den Gesetz­ge­ber die Pflicht, nach­dem er sich in Umset­zung der ver­fas­sungs­recht­li­chen Vor­ga­ben für ein bestimm­tes Neu­re­ge­lungs­mo­dell ent­schie­den hat, des­sen Funk­ti­ons­fä­hig­keit und Sys­tem­ge­rech­tig­keit zu beob­ach­ten und gege­be­nen­falls erfor­der­li­che Nach­bes­se­run­gen vor­zu­neh­men. Inso­weit besteht eine Kon­troll- und gege­be­nen­falls eine Nach­bes­se­rungs­pflicht, um mög­li­chen Ver­stö­ßen gegen das Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip adäquat begeg­nen zu kön­nen. Erweist sich das für die Zukunft gewähl­te Modell als nicht trag­fä­hig oder kommt es aus sons­ti­gen Grün­den zu einer nicht uner­heb­li­chen Abwei­chung der tat­säch­li­chen von der pro­gnos­ti­zier­ten Ent­wick­lung, so ist der Gesetz­ge­ber ver­pflich­tet, Kor­rek­tu­ren an der Aus­ge­stal­tung des Besol­dungs­sys­tems bezie­hungs­wei­se der Bezü­ge­hö­he vor­zu­neh­men.

Der Ver­stoß einer Norm gegen das Grund­ge­setz kann ent­we­der zur Nich­tig­erklä­rung (vgl. § 82 Abs. 1 i.V.m. § 78 BVerfGG) oder dazu füh­ren, dass das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die mit der Ver­fas­sungs­wid­rig­keit gege­be­ne Unver­ein­bar­keit der Norm mit dem Grund­ge­setz fest­stellt (vgl. § 82 Abs. 1 i.V.m. § 79 Abs. 1 und § 31 Abs. 2 BVerfGG). Eine Nich­tig­erklä­rung hät­te zur Fol­ge, dass es für die Besol­dung an der gesetz­li­chen Grund­la­ge feh­len wür­de, der es mit Blick auf den ver­fas­sungs­recht­lich vor­ge­ge­be­nen und ein­fach­recht­lich in § 2 Abs. 1 BbesG ange­ord­ne­ten Geset­zes­vor­be­halt bedarf. Damit wür­de ein Zustand geschaf­fen, der von der ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Ord­nung noch wei­ter ent­fernt wäre als der bis­he­ri­ge 58.

Stellt das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die Unver­ein­bar­keit einer Norm oder meh­re­rer Nor­men mit dem Grund­ge­setz fest, folgt dar­aus grund­sätz­lich die Ver­pflich­tung des Gesetz­ge­bers, die Rechts­la­ge rück­wir­kend ver­fas­sungs­ge­mäß umzu­ge­stal­ten. Aus­nah­men von die­ser Regel­fol­ge der Unver­ein­bar­keit hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt wie­der­holt bei haus­halts­wirt­schaft­lich bedeut­sa­men Nor­men bejaht 59. Spe­zi­ell bei besol­dungs­recht­li­chen Nor­men gilt zu beach­ten, dass die Ali­men­ta­ti­on des Beam­ten der Sache nach die Befrie­di­gung eines gegen­wär­ti­gen Bedarfs aus gegen­wär­tig zur Ver­fü­gung ste­hen­den Haus­halts­mit­teln dar­stellt. Eine all­ge­mei­ne rück­wir­ken­de Behe­bung des Ver­fas­sungs­ver­sto­ßes ist daher mit Blick auf die Beson­der­hei­ten des Beam­ten­ver­hält­nis­ses nicht gebo­ten 60. Eine rück­wir­ken­de Behe­bung ist jedoch sowohl hin­sicht­lich des Klä­gers des Aus­gangs­ver­fah­rens als auch hin­sicht­lich etwai­ger Klä­ger erfor­der­lich, über deren Anspruch noch nicht abschlie­ßend ent­schie­den wor­den ist 61.

Son­der­vo­tum des Rich­ters Ger­hardt: [↑]

Die Besol­dung der Hoch­schul­leh­rer folgt seit jeher Grund­sät­zen, die von den­je­ni­gen für die Besol­dung der ande­ren Beam­ten abwei­chen. Zu den cha­rak­te­ris­ti­schen Beson­der­hei­ten des Rechts der Hoch­schul­leh­rer­be­sol­dung gehört unter ande­rem seit je, dass es neben den dem Hoch­schul­leh­rer in jedem Fall zuste­hen­den Bezü­gen fakul­ta­ti­ve Bezü­ge unter­schied­li­cher Art und Aus­ge-stal­tung gibt, dar­un­ter in erheb­li­chem Umfang tätig­keits- und leis­tungs­be­zo­ge­ne, teil­wei­se ver­trag­li­cher Ver­ein­ba­rung zugäng­li­che Ele­men­te. Auch im Hin­blick auf die Höhe der Pro­fes­so­ren­be­sol­dung las­sen sich im tra­di­ti­ons­bil­den­den Zeit­raum kei­ne Struk­tur­prin­zi­pi­en aus­ma­chen, die als her­ge­brach­te Grund­sät­ze des Berufs­be­am­ten­tums gemäß Art. 33 Abs. 5 GG die Gestal­tungs­macht des Gesetz­ge­bers im Hin­blick auf die Pro­fes­so­ren­be­sol­dung beschrän­ken könn­ten. Ins­be­son­de­re gibt es kei­ne ver­fas­sungs­fes­te Tra­di­ti­on eines bestimm­ten Ver­hält­nis­ses zur Ali­men­ta­ti­on der ande­ren Beam­ten.

Die Senats­mehr­heit über­dehnt daher die dem Gesetz­ge­ber durch Art. 33 Abs. 5 GG auf­er­leg­ten Schran­ken, indem sie auf den für die all­ge­mei­ne Beam­ten­schaft gel­ten­den Ali­men­ta­ti­ons­grund­satz zurück­greift und auf der Grund­la­ge eines direk­ten Ver­gleichs von Teil­ele­men­ten der Besol­dungs­ord­nun­gen A und W eine Unte­rali­men­tie­rung einer Grup­pe von Pro­fes­so­ren fest­stellt. Damit bleibt die in der Tra­di­ti­on der Pro­fes­so­ren­be­sol­dung ste­hen­de Grund­ent­schei­dung des Gesetz­ge­bers unre­spek­tiert, näm­lich eine den Chan­cen und Risi­ken in Wer­de­gang und beruf­li­cher Ent­wick­lung der Hoch­schul­leh­rer sowie den spe­zi­fi­schen Auf­ga­ben von Wis­sen­schaft und For­schung gerecht wer­den­de Besol­dung zu schaf­fen, die ein unstrei­tig mode­ra­tes, aber aus­kömm­li­ches Grund­ge­halt mit der Chan­ce auf Tätig­keits- und Leis­tungs­zu­la­gen inte­gral ver­bin­det.

  1. VG Gie­ßen, Aus­set­zungs- und Vor­la­ge­be­schluss vom 07.10.2010 – 5 K 2160/​10.Gl (vor­mals 5 E 248/​07).[]
  2. vom 28.08.2006, BGBl I S.2034[]
  3. vgl. BVerfGE 8, 1, 16; 117, 330, 349; 119, 247, 263, 269; stRspr[]
  4. vgl. BVerfGE 106, 225, 232; 117, 330, 344[]
  5. vgl. BVerfGE 99, 300, 314; 107, 218, 236 f.; 117, 330, 344; 119, 247, 266[]
  6. vgl. BVerfGE 8, 1, 14; 117, 330, 351; 119, 247, 269[]
  7. vgl. BVerfGE 44, 249, 265 f.; 99, 300, 315; 107, 218, 237; 114, 258, 288[]
  8. vgl. BVerfGE 114, 258, 293; 117, 330, 355[]
  9. vgl. BVerfGE 44, 249, 265 f.; 114, 258, 287 f.; 119, 247, 269[]
  10. vgl. BVerfGE 114, 258, 294[]
  11. vgl. BVerfGE 114, 258, 293 f.; 117, 330, 354; 119, 247, 268; BVerfGK 12, 189, 202; 12, 253, 263 f.[]
  12. vgl. BVerfGE 114, 258, 294; 119, 247, 268[]
  13. vgl. BVerfGE 8, 1, 22 f.; 114, 258, 288; 117, 372, 381; 121, 241, 261[]
  14. vgl. BVerfGE 81, 363, 375 f.[]
  15. vgl. BVerfGE 44, 249, 265 ff.; 117, 330, 352[]
  16. vgl. BVerfGE 117, 330, 352[]
  17. vgl. BVerfGE 103, 310, 320; 117, 330, 353; 121, 241, 261[]
  18. vgl. BVerfGE 65, 141, 148 f.; 103, 310, 319 f.; 110, 353, 364 f.; 117, 330, 353[]
  19. vgl. BVerfGE 44, 249, 263, 267 f.; 114, 258, 288 f.[]
  20. vgl. BVerfGE 26, 141, 158 f.; 56, 146, 161 ff.; 64, 367, 379; BVerfG, Beschluss vom 15.07.1999 – 2 BvR 544/​97, NVwZ 1999, S. 1328[]
  21. vgl. BVerfG, Beschluss vom 15.01.1985 – 2 BvR 1148/​84, NVwZ 1985, S. 333; BVerfG, Beschluss vom 15.07.1999 – 2 BvR 544/​97, NVwZ 1999, S. 1328[]
  22. vgl. BVerfGE 26, 141, 158; 56, 146, 163; 64, 367, 379[]
  23. vgl. BVerfGE 26, 141, 158 f.; 56, 146, 163; 64, 367, 379[]
  24. unver­än­der­ten[]
  25. vgl. BVerfGE 121, 205, 226; stRspr[]
  26. vgl. BVerfGE 117, 372, 382; 121, 205, 226[][]
  27. vgl. BVerfGE 119, 247, 262[]
  28. vgl. BVerfGE 110, 353, 365 ff.[]
  29. vom 24.02.1997, BGBl I S. 322[]
  30. vgl. dazu BVerfGE 110, 353, 366 ff.[]
  31. vgl. Battis/​Grigoleit, Mög­lich­keit und Gren­zen leis­tungs­dif­fe­ren­zie­ren­der Besol­dung von Uni­ver­si­täts­pro­fes­so­ren, Rechts­gut­ach­ten, Forum Deut­scher Hoch­schul­ver­band, 1999, S. 21 f.; Leh­rich, Öko­no­mi­sie­rung der Wis­sen­schaft – Recht­li­che Bewer­tung der Refor­men im Bereich der Pro­fes­so­ren­be­sol­dung, 2006, S. 286 ff.[]
  32. vgl. BVerfGE 114, 258, 289; 117, 372, 381; stRspr[]
  33. vgl. BVerfGE 119, 247, 267 für die Berufs­grup­pe der Leh­rer; vgl. auch die Über­le­gun­gen zum Per­so­nal­sta­tut für das wis­sen­schaft­li­che Per­so­nal der Hoch­schu­len und der außer­uni­ver­si­tä­ren For­schungs­ein­rich­tun­gen im Bericht der Exper­ten­kom­mis­si­on „Reform des Hoch­schul­dienst­rechts“ vom 07.04.2000, S. 10 ff.[]
  34. vgl. zum Gan­zen auch BVerfGE 119, 247, 267 f.[]
  35. vgl. ein­fach­recht­lich § 2 Abs. 1 BBesG; zur Ein­stu­fung als her­ge­brach­ten Grund­satz des Berufs­be­am­ten­tums BVerfGE 8, 28, 35; 81, 363, 386; offe­ner BVerfGE 99, 300, 313[]
  36. vgl. Sum­mer, Gedan­ken zum Geset­zes­vor­be­halt im Beam­ten­recht, ZBR 2006, S. 120, 121, 126 f.[]
  37. vgl. BVerfGE 35, 79, 112; 127, 87, 114; stRspr[]
  38. vgl. BVerfGE 35, 79, 116 f.; 127, 87, 115 f.[]
  39. vgl. BVerfGE 111, 333, 355; 127, 87, 116[]
  40. vgl. BVerfGE 35, 79, 117; 111, 333, 355 f.; 127, 87, 116[]
  41. vgl. BVerfGE 111, 333, 356; 127, 87, 116[]
  42. vgl. zum Gan­zen BVerfGE 111, 333, 359[]
  43. vgl. BVerfGE 11, 203, 210; 44, 249, 265; 76, 256, 295 ff., 347; 117, 372, 380 f.[]
  44. vgl. Gei­ger, Gegen­warts­pro­ble­me der Ver­fas­sungs­ge­richts­bar­keit aus deut­scher Sicht, in: Ber­be­rich u. a., Hrsg., Neue Ent­wick­lun­gen im öffent­li­chen Recht, 1979, S. 131, 141[]
  45. vgl. BVerfGE 125, 175, 226 zur Bestim­mung des men­schen­wür­di­gen Exis­tenz­mi­ni­mums; vgl. auch BVerfGE 95, 1, 22 betref­fend pro­ze­du­ra­le Anfor­de­run­gen bei Pla­nungs­maß­nah­men durch Gesetz[]
  46. vgl. auch BVerfGE 111, 333, 360 zur Hoch­schul­or­ga­ni­sa­ti­on[]
  47. vgl. BVerfGE 114, 258, 296 f.; 117, 330, 355[]
  48. anders Bay­VerfGH, Ent­schei­dung vom 28.07.2008 – Vf. 25VII05, NVwZ 2009, S. 46, 48 f. zu den Grund­ge­halts­sät­zen der Besol­dungs­grup­pen W 2 und W 3 gemäß Art. 2 Abs. 1 Nr. 1 i.V.m. Anla­ge 4 des Geset­zes zur Anpas­sung der Bezü­ge 2007/​2008, BayB­VAn­pG 2007/​2008 vom 20.12.2007, GVBl S. 931[]
  49. vgl. zu ent­spre­chen­den Ver­gleichs- und Berech­nungs­bei­spie­len auch Koch, Leis­tungs­ori­en­tier­te Pro­fes­so­ren­be­sol­dung, Recht­li­che Anfor­de­run­gen und Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten für die Gewäh­rung von Leis­tungs­be­zü­gen der WBe­sol­dung, 2010, S. 62 ff.; Wahlers, Das Gesetz zur Reform der Pro­fes­so­ren­be­sol­dung und der Grund­satz der amts­an­ge­mes­se­nen Ali­men­ta­ti­on, ZBR 2006, S. 149, 155[]
  50. vgl. Anla­ge 1 zu § 4 Abs. 1 HBV-AnpG 2007/​2008[]
  51. vgl. § 3 Abs. 1 Nr. 1 HBV-AnpG 2007/​2008, § 1 Abs. 1 HBV-AnpG 2009/​2010 und § 2 Abs. 1 HBV-AnpG 2009/​2010[]
  52. in der Fas­sung des Art. 1 Nr. 5 des Geset­zes zur Ände­rung dienst- und arbeits­recht­li­cher Vor­schrif­ten im Hoch­schul­be­reich (Hda­VÄndG) vom 27.12.2004, BGBl I S. 3835[]
  53. GVBl I S. 374[]
  54. vom 14.12.2009, GVBl I S. 666[]
  55. vgl. Det­mer, Das Recht der, Uni­ver­si­täts­Pro­fes­so­ren, in: Hartmer/​Detmer, Hrsg., Hoch­schul­recht, Ein Hand­buch für die Pra­xis, 2. Aufl.2011, S. 113, 190, Fn. 634; Wahlers, Das Gesetz zur Reform der Pro­fes­so­ren­be­sol­dung und der Grund­satz der amts­an­ge­mes­se­nen Ali­men­ta­ti­on, ZBR 2006, S. 149, 158[]
  56. vgl. BT-Drucks 14/​6852, S. 21[]
  57. vgl. BT-Drucks 14/​6852, S. 25[]
  58. vgl. BVerfGE 119, 331, 382 f.; 125, 175, 255 f.[]
  59. vgl. BVerfGE 93, 121, 148; 105, 73, 134; 117, 1, 70[]
  60. vgl. BVerfGE 81, 363, 383 ff.; 99, 300, 330 f.[]
  61. vgl. BVerfGE 99, 300, 331[]