Infor­ma­ti­on der Bewer­ber bei Beset­zung eines Beför­de­rungs­dienst­pos­tens

Eine brei­te und effi­zi­en­te Infor­ma­ti­on mög­li­cher Bewer­ber ist auch dann gebo­ten, wenn eine Pflicht zur Aus­schrei­bung eines Beför­de­rungs­dienst­pos­tens nach den ein­fach­ge­setz­li­chen Rege­lun­gen, die allen­falls Aus­nah­men von der Pflicht zur Aus­schrei­bung, aber nicht vom Leis­tungs­grund­satz zulas­sen kön­nen, nicht besteht.

Infor­ma­ti­on der Bewer­ber bei Beset­zung eines Beför­de­rungs­dienst­pos­tens

Ein Beam­ter hat grund­sätz­lich kei­nen Rechts­an­spruch auf Beför­de­rung oder auch nur die vor­über­ge­hen­de Über­tra­gung eines höher­wer­ti­gen Dienst­pos­tens (Beför­de­rungs­dienst­pos­tens). Ein Beam­ter, der die Über­tra­gung eines Beför­de­rungs­dienst­pos­tens oder eine Beför­de­rung anstrebt, hat aber Anspruch dar­auf, dass der Dienst­herr das ihm bei der Ent­schei­dung über ein der­ar­ti­ges Begeh­ren ein­ge­räum­te Aus­wahler­mes­sen unter Ein­hal­tung etwai­ger Ver­fah­rens­vor­schrif­ten feh­ler­frei aus­übt. Er kann ins­be­son­de­re ver­lan­gen, dass die Aus­wahl nach Art. 33 Abs. 2 GG, § 9 BeamtStG nach Eig­nung, Befä­hi­gung und fach­li­cher Leis­tung getrof­fen wird. Im Aus­wahl­ver­fah­ren ist der Dienst­herr an das gege­be­nen­falls von ihm ent­wi­ckel­te Anfor­de­rungs­pro­fil gebun­den, mit wel­chem er die Kri­te­ri­en für die Aus­wahl der Bewer­ber fest­legt. Die Ermitt­lung des gemes­sen an den Kri­te­ri­en der Eig­nung, Befä­hi­gung und fach­li­chen Leis­tung am bes­ten geeig­ne­ten Bewer­bers hat stets in Bezug auf das kon­kret ange­streb­te Amt zu erfol­gen 1.

Dem Gebot der Bes­ten­aus­le­se ent­spricht es, zur Ermitt­lung des Leis­tungs­stands der kon­kur­rie­ren­den Bewer­ber in ers­ter Linie auf unmit­tel­bar leis­tungs­be­zo­ge­ne Kri­te­ri­en zurück­zu­grei­fen und den für die Bewer­ber­aus­wahl maß­ge­ben­den Leis­tungs­ver­gleich regel­mä­ßig anhand aktu­el­ler und aus­sa­ge­kräf­ti­ger, d.h. hin­rei­chend dif­fe­ren­zier­ter und auf glei­chen Bewer­tungs­maß­stä­ben beru­hen­der dienst­li­cher Beur­tei­lun­gen vor­zu­neh­men, die mit ihren auf das jeweils inne­ge­hab­te Sta­tus­amt bezo­ge­nen Bewer­tun­gen der Eig­nung, Befä­hi­gung und fach­li­chen Leis­tung vor allem dem Ver­gleich zwi­schen den für die Beset­zung eines Beför­de­rungs­dienst­pos­tens oder für die Ver­lei­hung eines Beför­de­rungs­amts in Betracht kom­men­den Rich­tern oder Beam­ten die­nen 2. Hier­an fehlt es im vor­lie­gen­den Fall.

Über die Eig­nung des Bewer­ber­fel­des kann der Dienst­herr zwar auch in einem gestuf­ten Aus­wahl­ver­fah­ren befin­den. Bewer­ber, die die all­ge­mei­nen Ernen­nungs­be­din­gun­gen oder die lauf­bahn­recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen nicht erfül­len oder die aus sons­ti­gen Eig­nungs­grün­den für die Ämter­ver­ga­be von vorn­her­ein nicht in Betracht kom­men, kön­nen in einer ers­ten Aus­wahl aus­ge­schlos­sen wer­den und müs­sen nicht mehr in den Leis­tungs­ver­gleich ein­be­zo­gen wer­den. Dies gilt grund­sätz­lich auch für Bewer­ber, die in Vor­wir­kungs­fäl­len mit Blick auf das ange­streb­te Sta­tus­amt zwin­gen­de Vor­ga­ben eines recht­mä­ßi­gen Anfor­de­rungs­pro­fils für die­ses Amt nicht erfül­len. Setzt ein Dienst­pos­ten nach sei­ner Funk­ti­ons­be­schrei­bung spe­zi­fi­sche Kennt­nis­se und Fähig­kei­ten vor­aus, die der Inha­ber zur ord­nungs­ge­mä­ßen Wahr­neh­mung der Dienst­auf­ga­ben erfül­len muss und die ein Lauf­bahn­be­wer­ber regel­mä­ßig nicht mit­bringt und sich in ange­mes­se­ner Zeit und ohne unzu­mut­ba­re Beein­träch­ti­gung der Auf­ga­ben­wahr­neh­mung auch nicht ver­schaf­fen kann, kön­nen aus­nahms­wei­se auch die­se Kri­te­ri­en im Rah­men der Stel­len­aus­schrei­bung ver­langt wer­den. Aus der Stel­len­aus­schrei­bung muss sich dabei hin­rei­chend bestimmt erge­ben, wel­che Anfor­de­run­gen von allen Bewer­bern zwin­gend erwar­tet wer­den und wel­che Kri­te­ri­en zwar nicht not­wen­dig für eine Ein­be­zie­hung in das Aus­wahl­ver­fah­ren sind, bei im Wesent­li­chen glei­cher Eig­nung der Bewer­ber aber maß­geb­lich berück­sich­tigt wer­den 3. Eines nähe­ren Ein­ge­hens hier­auf bedarf es indes nicht. Die Antrags­geg­ne­rin ging schon selbst nicht davon aus, dass der Antrag­stel­ler zwin­gen­de Kri­te­ri­en des mit der Aus­schrei­bung fest­ge­leg­ten Anfor­de­rungs­pro­fils für eine Ein­be­zie­hung in das Aus­wahl­ver­fah­ren nicht erfüllt, was sich schon dar­an zeigt, dass er in einer zwei­ten Stu­fe des Aus­wahl­ver­fah­rens der Per­so­nal­aus­wahl­kom­mis­si­on vor­ge­stellt wur­de.

In den danach gebo­te­nen, an Art. 33 Abs. 2 GG zu mes­sen­den Leis­tungs­ver­gleich anhand aktu­el­ler und aus­sa­ge­kräf­ti­ger dienst­li­cher Beur­tei­lun­gen mit der als ein­zi­ge nach einer Vor­auswahl als geeig­ne­te Bewer­be­rin ange­se­he­nen Bei­gela­de­nen wur­de der Antrag­stel­ler zu Unrecht nicht ein­be­zo­gen, nach­dem die bei der Antrags­geg­ne­rin gebil­de­te Per­so­nal­aus­wahl­kom­mis­si­on den Antrag­stel­ler ohne Kennt­nis von des­sen dienst­li­cher Beur­tei­lung allein auf­grund der Ein­drü­cke in einem ca. 40-minü­ti­gen Vor­stel­lungs­ge­spräch als nicht geeig­net für den ange­streb­ten Dienst­pos­ten ange­se­hen hat­te.

Zwar ist im Rah­men eines Stel­len­be­set­zungs­ver­fah­rens die Durch­füh­rung von Aus­wahl- oder Vor­stel­lungs­ge­sprä­chen grund­sätz­lich zuläs­sig und regel­mä­ßig geeig­net, eine brei­te­re Grund­la­ge für eine sach­ge­rech­te Aus­wahl­ent­schei­dung zu schaf­fen, ins­be­son­de­re dann, wenn wie hier ein gro­ßer Bewer­ber­kreis vor­han­den ist. Dabei dürf­te es sich bei einem struk­tu­rier­ten, nach fest­ge­leg­ten Kri­te­ri­en bewer­te­ten Aus­wahl­ge­spräch um eine unmit­tel­bar leis­tungs­be­zo­ge­ne Erkennt­nis­quel­le han­deln, wohin­ge­gen ein Vor­stel­lungs­ge­spräch, bei dem es im Wesent­li­chen um den per­sön­li­chen Ein­druck des Bewer­bers geht, ein Hilfs­kri­te­ri­um dar­stel­len dürf­te; eine trenn­schar­fe Abgren­zung ist jedoch nicht in allen Fäl­len mög­lich. Die Durch­füh­rung von Aus­wahl- oder Vor­stel­lungs­ge­sprä­chen kommt – sofern sie wie hier nicht nor­ma­tiv vor­ge­se­hen sind – ins­be­son­de­re dann in Betracht, wenn ein Qua­li­fi­ka­ti­ons­gleich­stand der Bewer­ber besteht 4. Gera­de mit Blick auf Vor­stel­lungs­ge­sprä­che gewinnt der Aspekt an Bedeu­tung, dass ein sol­ches Gespräch allen­falls eine Moment­auf­nah­me von der Per­sön­lich­keit des Bewer­bers ver­mit­teln kann und der Ein­druck eines sol­chen Gesprächs daher nur eine beschränk­te Aus­sa­ge­kraft hat 5. Kön­nen Aus­wahl­ge­sprä­che danach ande­rer­seits aber auch als leis­tungs­be­zo­ge­ne Ele­men­te in Betracht kom­men 6, so setzt dies vor­aus, dass die Durch­füh­rung eines der­ar­ti­gen Gesprächs den Anfor­de­run­gen des Art. 33 Abs. 2 GG genügt. Dazu ist es erfor­der­lich, dass alle Bewer­ber tat­säch­lich die glei­che Chan­ce haben, ihre fach­li­che und/​oder per­sön­li­che Eig­nung unter Beweis zu stel­len. Dies umfasst ins­be­son­de­re die Befra­gung zu glei­chen oder ver­gleich­ba­ren (leis­tungs­be­zo­ge­nen) The­men­kom­ple­xen in einem for­ma­li­sier­ten Rah­men sowie die Mög­lich­keit, in glei­chem und aus­rei­chend gro­ßem Zeit­raum zu ant­wor­ten. Das setzt wei­ter vor­aus, dass die­se Aus­wahl­ge­sprä­che – für die Bewer­ber erkenn­bar – nach im Vor­hin­ein fest­ge­leg­ten, ein­heit­li­chen Kri­te­ri­en und Maß­stä­ben bewer­tet und die Ergeb­nis­se hin­rei­chend doku­men­tiert wer­den und gericht­lich über­prüf­bar sind 7. Unab­hän­gig von der Art eines sol­chen Gesprä­ches kann sein Ergeb­nis – so wie hier – aber nie allei­ni­ge Grund­la­ge des Leis­tungs­ver­gleichs zwi­schen zwei Beam­ten­be­wer­bern sein, son­dern kann nur ergän­zend zu den dienst­li­chen Beur­tei­lun­gen her­an­ge­zo­gen und gewich­tet wer­den, wobei dem Dienst­herrn ein gewis­ser Beur­tei­lungs­spiel­raum zukommt 8.

Ver­wal­tungs­ge­richt Karls­ru­he, Beschluss vom 8. August 2014 – 1 K 1548/​14

  1. vgl. BVerfG, Beschluss vom 07.03.2013 – 2 BvR 2582/​12, IÖD 2013, 98; BVerwG, Urteil vom 04.11.2010 – 2 C 16.09, BVerw­GE 138, 102; Urteil vom 16.08.2001 – 2 A 3/​00, BVerw­GE 115, 58; Beschluss vom 27.01.2010 – 1 WB 52/​08 m.w.N.[]
  2. vgl. BVerwG, Urtei­le vom 21.08.2003 – 2 C 14.02, BVerw­GE 118, 370; und vom 26.01.2012 – 2 A 7/​09, IÖD 2012, 158; VGH Baden-Würt­tem­berg, Beschluss 21.12.2011 – 4 S 2543/​11, NVwZ-RR 2012, 323 3; Beschluss vom 12.01.2010 – 4 S 2455/​09, jeweils m.w.N.[]
  3. vgl. BVerwG, Beschluss vom 20.06.2013 – 2 VR 1/​13, a.a.O. Rn 25, m.w.N; VGH Baden-Würt­tem­berg, Beschluss vom 12.12.2013 – 4 S 2153/​13, a.a.O. 5[]
  4. vgl. dazu VGH Baden-Würt­tem­berg, Beschlüs­se vom 21.12.2006 – 4 S 2206/​06; vom 27.10.2008 – 4 S 2399/​08; vom 12.01.2010 – 4 S 2455/​09; vom 14.09.2010 – 4 S 1630/​10; vom 20.01.2011 – 4 S 2660/​10, VBlBW 2011, 306[]
  5. vgl. VGH Baden-Würt­tem­berg, Beschlüs­se vom 27.10.2008 – 4 S 2399/​08; und vom 12.01.2010 – 4 S 2455/​09[]
  6. vgl. VGH Baden-Würt­tem­berg, Beschlüs­se vom 20.01.2011 – 4 S 2660/​10, a.a.O.; und vom 12.01.2010 – 4 S 2455/​09[]
  7. vgl. zum Gan­zen: VGH Baden-Würt­tem­berg, Beschluss vom 21.12.2011 – 4 S 2543/​11, a.a.O. 8; zur Doku­men­ta­ti­ons­pflicht vgl. BVerfG, Beschluss vom 11.05.2011 – 2 BvR 764/​11, NVwZ 2011, 1191[]
  8. vgl. BVerfG, Beschluss vom 11.05.2011 – 2 BvR 764/​11, a.a.O.[]