Kam­mer­bei­trä­ge des beam­te­ten Psy­cho­the­ra­peu­ten

Ein Auf­wen­dungs­er­satz­an­spruch aus der Für­sor­ge­pflicht kommt nur in Betracht, wenn die Kos­ten aus­schließ­lich dienst­lich ver­an­lasst sind. Dies ist bei Pflicht­bei­trä­gen zu berufs­stän­di­schen Kam­mern nicht der Fall, weil es sich hier­bei um berufs­be­zo­ge­ne Auf­wen­dun­gen han­delt 1.

Kam­mer­bei­trä­ge des beam­te­ten Psy­cho­the­ra­peu­ten

Eine Auf­wands­ent­schä­di­gung wird neben den Dienst­be­zü­gen gewährt, wobei sie der Dienst­herr nach den Maß­stä­ben des § 3 Abs. 1 LBe­sG RP fest­le­gen kann 2. Nach die­ser Vor­schrift dür­fen Auf­wands­ent­schä­di­gun­gen nur dann gewährt wer­den, wenn aus dienst­li­cher Ver­an­las­sung Auf­wen­dun­gen ent­ste­hen, deren Über­nah­me dem Beam­ten nicht zuge­mu­tet wer­den kann, und wenn der Haus­halts­plan Mit­tel dafür zur Ver­fü­gung stellt; nicht erheb­li­che Auf­wen­dun­gen haben außer Betracht zu blei­ben 3. Die Vor­schrift legt damit nur die (enge­ren) Gren­zen fest, inner­halb deren einem Beam­ten neben sei­nen Dienst­be­zü­gen Zuwen­dun­gen gewährt wer­den dür­fen, die nicht gesetz­lich gere­gelt sind. Sie sagt nichts dar­über aus, unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen ein Anspruch auf sol­che Zuwen­dun­gen besteht. Ein Anspruch wird viel­mehr erst durch eine ent­spre­chen­de Erlass- oder Ver­ord­nungs­la­ge begrün­det, in der im Ein­zel­nen gere­gelt ist, für wel­che Auf­wen­dun­gen die zur Ver­fü­gung gestell­ten Haus­halts­mit­tel gezahlt wer­den sol­len 4. Aller­dings besteht selbst dann, wenn im Haus­halts­plan zweck­be­stimm­te Mit­tel für Auf­wands­ent­schä­di­gun­gen zur Ver­fü­gung gestellt sind, kein Anspruch, wenn die Vor­aus­set­zun­gen des § 3 Abs. 1 LBe­sG RP nicht vor­lie­gen. Ob dies der Fall ist, unter­liegt in vol­lem Umfang gericht­li­cher Über­prü­fung 5.

Sind – wie vor­lie­gend – kei­ne Haus­halts­mit­tel zur Ver­fü­gung gestellt, kann sich ein Anspruch aus­nahms­wei­se unmit­tel­bar aus der Für­sor­ge­pflicht erge­ben. Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts kön­nen zwar aus der Für­sor­ge­pflicht des Dienst­herrn kei­ne Ansprü­che her­ge­lei­tet wer­den, die über die Ansprü­che hin­aus­ge­hen, die im Gesetz selbst spe­zi­ell und abschlie­ßend – hier hin­sicht­lich der Vor­aus­set­zun­gen für die Gewäh­rung einer Auf­wands­ent­schä­di­gung – gere­gelt sind. Nur dann, wenn ohne Für­sor­ge­leis­tung eine uner­träg­li­che Belas­tung der amts­an­ge­mes­se­nen Lebens­füh­rung des Beam­ten ein­tre­ten und dadurch die Für­sor­ge­pflicht in ihrem Wesens­kern beein­träch­tigt wür­de, kämen unmit­tel­bar auf die Für­sor­ge­pflicht gestütz­te Ansprü­che in Betracht 6.

Ein sol­cher Anspruch setzt aber – unab­hän­gig von sei­nen wei­te­ren Vor­aus­set­zun­gen – eben­falls vor­aus, dass die Auf­wen­dun­gen dienst­lich ver­an­lasst sind. Ein irgend­wie gear­te­ter, wei­te­rer Zusam­men­hang mit dem Dienst­ver­hält­nis genügt nicht. Erfor­der­lich ist, dass der Auf­wand unmit­tel­bar durch die Dienst­aus­übung ver­an­lasst wird. Nur der­art dienst­lich beding­te Auf­wen­dun­gen recht­fer­ti­gen die Ent­schä­di­gung, weil dem Beam­ten nicht zuge­mu­tet wird, mit eige­nen Ein­künf­ten in Aus­übung des Diens­tes ent­ste­hen­de Kos­ten zu tra­gen, die zudem bei ande­ren Beam­ten nicht anfal­len 7. Dies ist bei Pflicht­bei­trä­gen zu berufs­stän­di­schen Kam­mern nicht der Fall, weil es sich hier­bei um berufs­be­zo­ge­ne Auf­wen­dun­gen han­delt, auf die der Dienst­herr kei­nen Ein­fluss hat 8.

Die Her­an­zie­hung des beam­te­ten Psy­cho­the­ra­peu­ten zu Kam­mer­bei­trä­gen folgt aus sei­ner Berufs­zu­ge­hö­rig­keit und ist nicht Fol­ge sei­ner Tätig­keit als Beam­ter im Straf­voll­zug. Zu unter­schei­den ist zwi­schen dem Rechts- und Pflich­ten­kreis, in dem der Klä­ger als Beam­ter steht, und den Rech­ten und Pflich­ten, die sich aus sei­ner Zuge­hö­rig­keit zum Berufs­stand der Psy­cho­lo­gi­schen Psy­cho­the­ra­peu­ten erge­ben.

Dienst­lich ver­an­lasst kön­nen nur sol­che Auf­wen­dun­gen sein, die der Beam­te auf­grund sei­ner Dienst­aus­übung leis­ten muss, um sei­ne Dienst­ge­schäf­te ord­nungs­ge­mäß zu erfül­len. Dies setzt vor­aus, dass der Beam­te bereits im Dienst ist, und schließt des­halb sol­che Auf­wen­dun­gen aus, die er leis­ten muss, um die Eig­nungs­vor­aus­set­zun­gen zur Erlan­gung (und Bei­be­hal­tung) des kon­kre­ten Amtes bzw. Dienst­pos­tens zu erfül­len.

Der Kam­mer­bei­trag ist dem­ge­gen­über beruf­lich ver­an­lasst, da der Klä­ger ihn zah­len muss, um den Beruf des Psy­cho­lo­gi­schen Psy­cho­the­ra­peu­ten über­haupt aus­üben zu dür­fen. Durch das zum 1.01.1999 in Kraft getre­te­ne Gesetz über die Beru­fe des Psy­cho­lo­gi­schen Psy­cho­the­ra­peu­ten und des Kin­der- und Jugend­li­chen­psy­cho­the­ra­peu­ten – Psy­cho­the­ra­peu­ten­ge­setz – wur­de ein neu­er Berufs­stand inner­halb der heil­kund­lich täti­gen Beru­fe geschaf­fen. Seit­dem bedarf der­je­ni­ge, der die heil­kund­li­che Psy­cho­the­ra­pie unter der Berufs­be­zeich­nung „Psy­cho­lo­gi­scher Psy­cho­the­ra­peut“ aus­üben will, der Appro­ba­ti­on als Psy­cho­lo­gi­scher Psy­cho­the­ra­peut (vgl. § 1 Abs. 1 PsychThG). Der Beruf des Psy­cho­lo­gi­schen Psy­cho­the­ra­peu­ten unter­schei­det sich durch die Befug­nis zur Aus­übung der Heil­kun­de grund­le­gend von dem­je­ni­gen des Psy­cho­lo­gen. Die Tätig­keit als Psy­cho­lo­gi­scher Psy­cho­the­ra­peut führt gemäß § 1 Abs. 2 HeilBG RP zur Pflicht­mit­glied­schaft in der Kam­mer.

Für den Dienst­pos­ten, den der Klä­ger inne­hat, ist es eine Eig­nungs- oder Qua­li­fi­zie­rungs­vor­aus­set­zung, dass er Psy­cho­lo­gi­scher Psy­cho­the­ra­peut ist. Die Ver­pflich­tung des Klä­gers, auf sei­nem Dienst­pos­ten the­ra­peu­tisch tätig zu sein, beruht auf den Vor­ga­ben des Straf­voll­zugs­ge­set­zes (vgl. ins­be­son­de­re den mit Wir­kung vom 31.01.1998 ein­ge­führ­ten § 9 Abs. 1 Satz 1 StVoll­zG). Hier­aus ergibt sich die Pflicht, Sexu­al­straf­tä­ter bereits im Voll­zug sozi­al­the­ra­peu­tisch zu behan­deln. Ein Beam­ter, der auf dem Dienst­pos­ten des Klä­gers als the­ra­peu­ti­scher Lei­ter im Straf­voll­zug tätig ist, muss daher Psy­cho­lo­gi­scher Psy­cho­the­ra­peut sein und bedarf der Appro­ba­ti­on.

Die Pflicht des Beam­ten, an die Lan­des­psy­cho­the­ra­peu­ten­kam­mer Kam­mer­bei­trä­ge zu leis­ten, knüpft nicht an sei­ne dienst­li­che Stel­lung als Beam­ter an. Ihre Grund­la­ge ist viel­mehr die Aus­übung des Berufs eines Psy­cho­lo­gi­schen Psy­cho­the­ra­peu­ten. Der Gesetz­ge­ber hat als Zulas­sungs­er­for­der­nis für den Beruf eines Psy­cho­lo­gi­schen Psy­cho­the­ra­peu­ten die Appro­ba­ti­on bestimmt, weil die Ange­hö­ri­gen die­ses Berufs­stands in der psy­cho­the­ra­peu­ti­schen Ver­sor­gung Auf­ga­ben der Heil­kun­de wahr­neh­men. Die Appro­ba­ti­on setzt ein mit Diplom abge­schlos­se­nes Stu­di­um der Psy­cho­lo­gie sowie eine Aus­bil­dung in wis­sen­schaft­lich aner­kann­ten psy­cho­the­ra­peu­ti­schen Ver­fah­ren vor­aus. Psy­cho­lo­gi­sche Psy­cho­the­ra­peu­ten müs­sen, wie die Ange­hö­ri­gen ande­rer Heil­be­ru­fe, wäh­rend ihrer Berufs­aus­übung Mit­glied der ent­spre­chen­den Kam­mer als Ein­rich­tung der Selbst­ver­wal­tung sein. Damit gehört die Kam­mer­mit­glied­schaft eines Psy­cho­lo­gi­schen Psy­cho­the­ra­peu­ten eben­so wie die damit ver­bun­de­ne Bei­trags­pflicht zu den Anfor­de­run­gen, die erfüllt sein müs­sen, bevor das ent­spre­chen­de Amt über­tra­gen wer­den kann. Es fehlt an einer unlös­ba­ren Wech­sel­be­zie­hung zwi­schen der Bei­trags­pflicht und der Rechts­stel­lung als the­ra­peu­ti­scher Lei­ter in einer Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt, weil die Bei­trags­pflicht nicht allein mit der Been­di­gung der dienst­recht­li­chen Rechts­stel­lung fort­fie­le. Der Klä­ger bleibt viel­mehr auch bei einem Aus­schei­den aus dem Lan­des­dienst Psy­cho­lo­gi­scher Psy­cho­the­ra­peut und – bei Aus­übung sei­nes Berufs – auch wei­ter­hin Pflicht­mit­glied in der Psy­cho­the­ra­peu­ten­kam­mer.

Dar­auf, ob die Jah­res­bei­trä­ge in der Lan­des­psy­cho­the­ra­peu­ten­kam­mer den Klä­ger in sei­ner amts­an­ge­mes­se­nen Lebens­füh­rung uner­träg­lich oder unzu­mut­bar belas­ten und ob ihnen ein aus­glei­chen­der Vor­teil gegen­über­steht, kommt es danach nicht mehr an.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 25. August 2011 – 2 C 43.10

  1. im Anschluss an BVerwG, Urteil vom 28.12.1982 – 6 C 98.80, BVerw­GE 66, 330 = Buch­holz 235 § 17 BBesG Nr. 3[]
  2. vgl. zur wort­glei­chen Vor­schrift des § 17 BBesG: BVerwG, Urteil vom 08.07.1994 – 2 C 4.93, BVerw­GE 96, 227, 230 = Buch­holz 240 § 17 BBesG Nr. 6 S. 6[]
  3. vgl. BVerwG, Urteil vom 13.09.1984 – 2 C 68.81, BVerw­GE 70, 106, 109 = Buch­holz 235 § 44 BBesG Nr. 1 S. 3[]
  4. vgl. BVerwG, Beschluss vom 29.06.1979 – 6 B 37.79, Buch­holz 235 § 17 BBesG Nr. 1 S. 1[]
  5. BVerwG, Urteil vom 13.07.2000 – 2 C 30.99, BVerw­GE 111, 313, 316 = Buch­holz 240 § 17 BBesG Nr. 8 S. 3[]
  6. vgl. zum Gan­zen: Beschluss vom 08.09.1983 – 2 B 148.82, Buch­holz 235 § 17 BBesG Nr. 4 (nur Leit­satz), m.w.N.[]
  7. vgl. BVerwG, Urteil vom 13.07.2000 a.a.O.[]
  8. vgl. BVerwG, Urteil vom 28.12.1982 – 6 C 98.80, BVerw­GE 66, 330, 334 = Buch­holz 235 § 17 BBesG Nr. 3 S. 4 f. Rn. 24[]