Kei­ne Potenz­mit­tel für Poli­zei­be­am­te

Die freie Heil­für­sor­ge für Poli­zei­be­am­te in Nord­rhein-West­fa­len ist kraft Lan­des­ge­set­zes wirk­sam auf Auf­wen­dun­gen begrenzt, die der Erhal­tung oder Wie­der­her­stel­lung der Poli­zei­dienst­fä­hig­keit die­nen.

Kei­ne Potenz­mit­tel für Poli­zei­be­am­te

In dem hier vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Fall strei­ten die Betei­lig­ten dar­über, ob das beklag­te Land im Rah­men der frei­en Heil­für­sor­ge der Poli­zei ver­pflich­tet ist, dem kla­gen­den Poli­zei­be­am­ten die Auf­wen­dun­gen zu erstat­ten, die ihm für die medi­ka­men­tö­se Behand­lung einer erek­ti­len Dys­funk­ti­on ent­stan­den sind. Der Klä­ger, der als Kri­mi­nal­haupt­kom­mis­sar heil­für­sor­ge­be­rech­tigt ist, erwarb nach ärzt­li­cher Ver­ord­nung das Arz­nei­mit­tel „Cia­lis“ und wand­te hier­für 323,89 € auf.

Nach der Ableh­nungs­ent­schei­dung des Dienst­herrn und erfolg­lo­sem Wider­spruchs­ver­fah­ren hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Köln dem Poli­zei­be­am­ten die­sen Betrag zuge­spro­chen 1. Zwar bezie­he sich die Heil­für­sor­ge nach dem Gesetz auf Auf­wen­dun­gen zur Erhal­tung oder Wie­der­her­stel­lung der Poli­zei­dienst­fä­hig­keit. Dies bedeu­te jedoch kei­ne Ein­schrän­kung im Leis­tungs­um­fang, sofern es – wie hier – um die Behand­lung eines krank­haf­ten Lei­dens gehe, das mit dem Medi­ka­ment jeden­falls gelin­dert wer­den kön­ne. Auf die Beru­fung des Lan­des hat dage­gen das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len in Müns­ter die Ent­schei­dung des Ver­wal­tungs­ge­richts Köln auf­ge­ho­ben und die Kla­ge abge­wie­sen 2. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat nun die Ent­schei­dung der Müns­te­ra­ner Vor­in­stanz bestä­tigt und die Revi­si­on des Poli­zei­be­am­ten zurück­ge­wie­sen:

Der Anspruch auf Heil­für­sor­ge ist nach dem gesetz­li­chen Zweck­vor­be­halt auf Auf­wen­dun­gen zur Erhal­tung oder Wie­der­her­stel­lung der Poli­zei­dienst­fä­hig­keit beschränkt. Die­se Vor­aus­set­zung ist nach den tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts, die für den Senat bin­dend sind, bei dem Medi­ka­ment „Cia­lis“ nicht erfüllt, so dass die­ses nicht von der Heil­für­sor­ge erfasst ist.

Dies steht auch mit höher­ran­gi­gem Recht in Ein­klang. Ins­be­son­de­re ist die ver­fas­sungs­recht­li­che Für­sor­ge­pflicht des Dienst­herrn nicht ver­letzt. Die­se ver­langt kei­ne lücken­lo­se Erstat­tung jeg­li­cher Auf­wen­dun­gen in Krank­heits­fäl­len. Sie ver­pflich­tet den Dienst­herrn, u.a. dafür Sor­ge zu tra­gen, dass der Beam­te in Krank­heits­fäl­len nicht mit finan­zi­el­len Kos­ten belas­tet bleibt, die er durch die Rege­la­li­men­ta­ti­on und eine zumut­ba­re Eigen­vor­sor­ge nicht bewäl­ti­gen kann.

Zu einer sol­chen Belas­tung führt die gesetz­li­che Beschrän­kung der frei­en Heil­für­sor­ge jedoch nicht. Zum einen betrifft die­se nur den ins­ge­samt sehr begrenz­ten Teil der Krank­heits­auf­wen­dun­gen, der für die Erhal­tung oder Wie­der­her­stel­lung der Poli­zei­dienst­fä­hig­keit nicht von Bedeu­tung ist. Zum ande­ren kann nach dem nord­rhein-west­fä­li­schen Lan­des­recht in die­sen Fäl­len auf das sub­si­diä­re Bei­hil­fe­recht zurück­ge­grif­fen wer­den.

Unab­hän­gig davon, ob sich dar­aus im kon­kre­ten Fall ein Bei­hil­fe­an­spruch erge­ben kann, ist der Kri­mi­nal­haupt­kom­mis­sar ange­sichts des rela­tiv gerin­gen Umfangs sei­ner Auf­wen­dun­gen nicht unzu­mut­bar belas­tet. Eine Ver­let­zung des Wesens­kerns der Für­sor­ge­pflicht, aus der im Ein­zel­fall ein Anspruch fol­gen kann, liegt nicht vor.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, urteil vom 28. April 2016 – 5 C 322015 -

  1. VG Köln, Urteil vom 15.10.2012 – 19 K 4525/​11[]
  2. OVG NRW, Urteil vom 27.11.2014 – 6 A 2662/​12[]