Kenn­zeich­nungs­pflicht bei der Bran­den­bur­gi­schen Poli­zei

Die Kenn­zeich­nungs­pflicht für Poli­zei­voll­zugs­be­am­te in Bran­den­burg ist nach zwei aktu­el­len Urtei­len des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts ver­fas­sungs­ge­mäß.

Kenn­zeich­nungs­pflicht bei der Bran­den­bur­gi­schen Poli­zei

Seit dem 1. Janu­ar 2013 schreibt das Poli­zei­ge­setz des Lan­des Bran­den­burg vor, dass uni­for­mier­te Poli­zei­voll­zugs­be­diens­te­te bei Amts­hand­lun­gen an ihrer Dienst­klei­dung ein Namens­schild tra­gen. Wird der Beam­te in einer geschlos­se­nen Ein­heit (Hun­dert­schaft) ein­ge­setzt, wird das Namens­schild durch eine zur nach­träg­li­chen Iden­ti­täts­fest­stel­lung geeig­ne­te Kenn­zeich­nung ersetzt. Die­se gesetz­li­che Rege­lung ist ver­fas­sungs­ge­mäß. Dies hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig heu­te ent­schie­den.

Zwei Poli­zei­be­am­te aus Bran­den­burg, die auch in geschlos­se­nen Ein­hei­ten ver­wen­det wer­den, hat­ten beim Poli­zei­prä­si­di­um erfolg­los bean­tragt, von der Ver­pflich­tung zum Tra­gen des Namens­schilds und des Kenn­zei­chens befreit zu wer­den. Ihre Kla­ge ist in den Vor­in­stan­zen vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Pots­dam 1 und dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg 2 erfolg­los geblie­ben. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat nun auch die Revi­si­on Poli­zei­be­am­ten zurück­ge­wie­sen:

Zwar greift die Ver­pflich­tung zum Tra­gen des Namens­schilds in das auch Beam­ten unge­schmä­lert zuste­hen­de Recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung ein, weil sie ver­pflich­tet sind, ihren Nach­na­men gegen­über Drit­ten im Rah­men von Amts­hand­lun­gen zu offen­ba­ren. Die­ser Ein­griff ist aber ver­fas­sungs­ge­mäß. Er beruht auf einer hin­rei­chend bestimm­ten gesetz­li­chen Grund­la­ge. Der Gesetz­ge­ber hat die wesent­li­chen Ent­schei­dun­gen – auch über Aus­nah­men von der Ver­pflich­tung – nach einer par­la­men­ta­ri­schen Debat­te selbst getrof­fen. Die Ver­pflich­tung genügt dem Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit. Sie dient zum einen der Stär­kung der Bür­ger­nä­he und der Trans­pa­renz der Arbeit der Poli­zei. Zum ande­ren gewähr­leis­tet sie die leich­te­re Auf­klär­bar­keit etwai­ger Straf­ta­ten oder nicht uner­heb­li­cher Dienst­pflicht­ver­let­zun­gen von Poli­zei­voll­zugs­be­am­ten und beugt damit sol­chen vor.

Auch die Ver­pflich­tung zum Tra­gen des Kenn­zei­chens bei einem Ein­satz in geschlos­se­nen Ein­hei­ten greift in das Recht des Beam­ten auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung ein. Anhand die­ses Kenn­zei­chens kann der Beam­te spä­ter iden­ti­fi­ziert wer­den. Bei der Ver­pflich­tung zum Tra­gen der Kenn­zeich­nung tritt der Gedan­ke der leich­te­ren Auf­klär­bar­keit von Straf­ta­ten oder Dienst­pflicht­ver­let­zun­gen von uni­for­mier­ten Poli­zei­be­am­ten und damit auch der Gesichts­punkt der Prä­ven­ti­on in den Vor­der­grund. Wegen der Mög­lich­keit der Iden­ti­fi­zie­rung ist auch gewähr­leis­tet, dass die Viel­zahl recht­mä­ßig han­deln­der Beam­ter von einer Ein­be­zie­hung in Ermitt­lun­gen ver­schont bleibt. Die Kenn­zeich­nungs­pflicht ist zudem eine Mög­lich­keit, der Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te Rech­nung zu tra­gen. Die ergän­zend her­an­zu­zie­hen­den daten­schutz­recht­li­chen Vor­schrif­ten des Lan­des Bran­den­burg sichern die zweck­ent­spre­chen­de Ver­wen­dung der Daten über die Zuord­nung der Kenn­zeich­nung.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urtei­le vom 26. Sep­tem­ber 2019 – 2 C 32.18 und 2 C 33.18

  1. VG Pots­dam, Urtei­le vom 08.12.2015 – 3 K 2258/​13 und 3 K 3564/​13[]
  2. OVG Ber­lin-Bran­den­burg, Urtei­le vom 05.09.2018 – 4 B 3.17 und 4 B 4.17[]