Kin­des­miss­brauch durch Beam­te

Der außer­dienst­li­che sexu­el­le Miss­brauch eines Kin­des (§§ 174, 176 StGB) durch einen Beam­ten ist ein beson­ders schwe­res Dienst­ver­ge­hen, das in der Regel die dis­zi­pli­na­re Höchst­maß­nah­me, also die Ent­fer­nung aus dem Dienst bzw. die Aberken­nung des Ruhe­ge­halts, recht­fer­tigt. Dies ent­schied ges­tern das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig im Fall eines im Ruhe­stand befind­li­chen Jus­tiz­voll­zugs­be­am­ten und bestä­tig­te damit ein gleich­lau­ten­des Urteil des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Ber­lin-Bran­den­burg [1]

Kin­des­miss­brauch durch Beam­te

Maß­ge­ben­des Bemes­sungs­kri­te­ri­um für die Bestim­mung einer Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me ist die Schwe­re des Dienst­ver­ge­hens. Der straf­ba­re sexu­el­le Miss­brauch eines Kin­des ver­letzt in beson­ders schwe­rem Maße des­sen Men­schen­wür­de und Per­sön­lich­keits­recht. Ein sexu­el­ler Miss­brauch greift in den Rei­fe­pro­zess des Kin­des ein und gefähr­det die Ent­wick­lung sei­ner Per­sön­lich­keit, da ein Kind wegen sei­ner feh­len­den Rei­fe das Erleb­te intel­lek­tu­ell und gefühls­mä­ßig nicht oder nur sehr schwer ver­ar­bei­ten kann. Dem­ge­gen­über benutzt der Täter sein Opfer als Mit­tel zur Befrie­di­gung sei­nes Geschlechts­triebs. Ange­sichts des­sen kann auch ein außer­halb des Diens­tes began­ge­ner sexu­el­ler Miss­brauch eines Kin­des durch einen Beam­ten das Ver­trau­en in die Inte­gri­tät des Beam­ten­tums unzu­mut­bar belas­ten.

Für die Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me im Ein­zel­fall müs­sen die gesetz­li­chen Bemes­sungs­kri­te­ri­en mit dem ihnen kon­kret zukom­men­den Gewicht ermit­telt und gewür­digt wer­den. Die Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me muss unter Berück­sich­ti­gung aller belas­ten­den und ent­las­ten­den Umstän­de des Ein­zel­falls in einem gerech­ten Ver­hält­nis zur Schwe­re des Dienst­ver­ge­hens und zum Ver­schul­den des Beam­ten ste­hen.

Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat zwar ein Dienst­ver­ge­hen ange­nom­men, das wegen sei­ner Schwe­re im Aus­gangs­punkt zur Aberken­nung des Ruhe­ge­halts des Beklag­ten füh­ren kann. Sein Urteil beruht aber auf einer man­gel­haf­ten oder feh­len­den Ermitt­lung und Bewer­tung aller belas­ten­den und ent­las­ten­den Umstän­de des Ein­zel­falls. Ins­be­son­de­re ist die Klä­rung einer mög­li­cher­wei­se erheb­li­chen Ver­min­de­rung der Schuld­fä­hig­keit des Beam­ten unter­blie­ben. Die Sache muss­te des­halb unter Auf­he­bung des ange­grif­fe­nen Urteils zur erneu­ten Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt zurück­ver­wie­sen wer­den.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 25. März 2010 – 2 C 83.08

  1. OVG Ber­lin – 80 D 4.06[]