Kon­kur­ren­ten­strei­tig­kei­ten – und die Beschwer­de­frist der Wehr­be­schwer­de­ord­nung

Nach § 6 Abs. 1 WBO darf die Beschwer­de frü­hes­tens nach Ablauf einer Nacht und muss inner­halb eines Monats ein­ge­legt wer­den, nach­dem der Beschwer­de­füh­rer von dem Beschwer­de­an­lass Kennt­nis erhal­ten hat. Kennt­nis vom Beschwer­de­an­lass hat ein Sol­dat, wenn ihm die Umstän­de bekannt sind, aus denen sich die von ihm emp­fun­de­ne Beein­träch­ti­gung ergibt 1.

Kon­kur­ren­ten­strei­tig­kei­ten – und die Beschwer­de­frist der Wehr­be­schwer­de­ord­nung

Bei Kon­kur­ren­ten­strei­tig­kei­ten bedeu­tet dies, dass der Sol­dat von der end­gül­tig getrof­fe­nen Aus­wahl­ent­schei­dung zuguns­ten des Kon­kur­ren­ten oder davon Kennt­nis erhält, dass er selbst nicht auf dem ange­streb­ten Dienst­pos­ten ver­wen­det wer­den soll 2.

Anders als § 17 Abs. 4 Satz 1 WBO, der den Beginn der gericht­li­chen Antrags­frist an die Zustel­lung des zurück­wei­sen­den Beschwer­de­be­scheids knüpft, setzt § 6 Abs. 1 WBO für den Beginn der Beschwer­de­frist nur die tat­säch­li­che, posi­ti­ve Kennt­nis vom Beschwer­de­an­lass vor­aus.

Etwas ande­res gilt (nur) dann, wenn für eine trup­pen­dienst­li­che Maß­nah­me eine bestimm­te Art der Bekannt­ga­be durch eine spe­zi­el­le gesetz­li­che Rege­lung oder durch eine Ver­wal­tungs­vor­schrift vor­ge­schrie­ben ist oder in stän­di­ger Ver­wal­tungs­pra­xis durch­ge­führt wird; dann beginnt die Frist für die Ein­le­gung des Rechts­be­helfs erst mit die­ser förm­li­chen Bekannt­ga­be zu lau­fen 3.

ine beson­de­re Form der Bekannt­ga­be ist für die Mit­tei­lung einer Aus­wahl­ent­schei­dung über eine höher­wer­ti­ge Ver­wen­dung nicht vor­ge­schrie­ben. Sie ergibt sich für die hier in Rede ste­hen­de Aus­wahl­ent­schei­dung auch nicht aus der "Richt­li­nie zur Aus­wahl von mili­tä­ri­schem Per­so­nal für die Beset­zung von Dienst­pos­ten der Besol­dungs­grup­pen A 16 und B 3 sowie Dienst­pos­ten für Obers­te der Reser­ve" 4 vom 07.05.2012 (Aus­wahl­richt­li­nie).

Für den Beginn der Beschwer­de­frist maß­geb­lich und aus­rei­chend ist mit­hin die vom Antrag­stel­ler im Tele­fon­ge­spräch erlang­te posi­ti­ve Kennt­nis, dass die Aus­wahl für den strit­ti­gen Dienst­pos­ten nicht zu sei­nen Guns­ten aus­ge­fal­len ist und er nicht auf die­sem Dienst­pos­ten ver­wen­det wer­den soll.

Uner­heb­lich ist, ob der Antrag­stel­ler zu die­sem Zeit­punkt bereits die Per­son des aus­ge­wähl­ten Bewer­bers und die der Aus­wahl­ent­schei­dung im Ein­zel­nen zugrun­de lie­gen­den Erwä­gun­gen kann­te und ob ihm inso­weit noch ein schrift­li­cher Bescheid in Aus­sicht gestellt wor­den ist. Ein Sol­dat, der sich die Mög­lich­keit der Über­prü­fung in einem Rechts­be­helfs­ver­fah­ren offen­hal­ten möch­te, ist nach sei­ner erst­ma­li­gen Kennt­nis­nah­me vom Beschwer­de­an­lass grund­sätz­lich gehal­ten, zunächst ohne Infor­ma­ti­on über die nähe­re Begrün­dung der Aus­wahl­ent­schei­dung frist­wah­rend Beschwer­de ein­zu­le­gen. Dar­in liegt kei­ne unzu­mut­ba­re Erschwe­rung des Rechts­schut­zes, weil die Beschwer­de auch ohne Begrün­dung wirk­sam ein­ge­legt wer­den kann und mit ihr – im Fall des spä­te­ren Miss­erfolgs oder der Rück­nah­me – kei­ne Kos­ten­ri­si­ken ver­bun­den sind 5.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 11. Dezem­ber 2014 – 1 WB 21.2014 -

  1. stRspr, vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 14.12 2010 – 1 WB 26.10, Rn.20; und vom 29.01.2013 – 1 WB 5.12 27, jeweils m.w.N.[]
  2. stRspr, vgl. z.B. BVerwG, Beschlüs­se vom 13.08.2008 – 1 WB 45.07, Buch­holz 450.1 § 6 WBO Nr. 5 Rn. 21; und vom 12.08.2014 – 1 WB 51.13, Rn. 17[]
  3. stRspr, vgl. z.B. BVerwG, Beschluss vom 16.07.2013 – 1 WB 43.12, Buch­holz 450.1 § 17 WBO Nr. 87 Rn. 30[]
  4. BMVg P II 1 (40) – Az 16 – 30-00/10[]
  5. stRspr, vgl. z.B. BVerwG, Beschlüs­se vom 01.03.2011 – 1 WB 57.10, Rn. 13; vom 12.07.2013 – 1 WDS-VR 12.13, Rn. 26; und vom 12.08.2014 – 1 WB 51.13, Rn. 21[]