Kon­sti­tu­ti­ve Anfor­de­rungs­merk­ma­le für die Beset­zung einer Schul­lei­ter­stel­le

Erfüllt eine Bewerberin/​ein Bewer­ber ein kon­sti­tu­ti­ves Anfor­de­rungs­merk­mal nicht, so bleibt ihre/​seine Bewer­bung von vorn­her­ein unbe­rück­sich­tigt 1. Als "kon­sti­tu­tiv" ein­zu­stu­fen sind dabei die­je­ni­gen Merk­ma­le des Anfor­de­rungs­pro­fils, die zwin­gend vor­ge­ge­ben und anhand objek­tiv über­prüf­ba­rer Kri­te­ri­en, also ins­be­son­de­re ohne gebo­te­ne Rück­sicht­nah­me auf Wer­tungs­spiel­räu­me des Dienst­herrn, als tat­säch­lich gege­ben letzt­lich ein­deu­tig und unschwer fest­zu­stel­len sind.

Kon­sti­tu­ti­ve Anfor­de­rungs­merk­ma­le für die Beset­zung einer Schul­lei­ter­stel­le

Dem­ge­gen­über kenn­zeich­net das "beschrei­ben­de", nicht kon­sti­tu­ti­ve Anfor­de­rungs­pro­fil sol­che Qua­li­fi­ka­ti­ons­merk­ma­le, die ent­we­der aus­drück­lich nicht zwin­gend vor­lie­gen müs­sen oder die schon von ihrer Art her nicht allein anhand objek­tiv über­prüf­ba­rer Fak­ten – beja­hend oder ver­nei­nend – fest­ge­stellt wer­den kön­nen. Bei Letz­te­ren geht es um Merk­ma­le, die sich erst auf der Grund­la­ge eines per­sön­lich­keits­be­ding­ten, das betref­fen­de Ele­ment des Eig­nungs- und Befä­hi­gungs­pro­fils näher in den Blick neh­men­den Wert­ur­teils erschlie­ßen 2.

Der Dienst­herr muss aus Grün­den der Rechts­si­cher­heit und Rechts­klar­heit sowie der einer poten­ti­el­len spä­te­ren Ernen­nung vor­ge­la­ger­ten Für­sor­ge­pflicht den Unter­schied zwi­schen kon­sti­tu­ti­ven Anfor­de­rungs­merk­ma­len einer­seits und dekla­ra­to­ri­schen Anfor­de­rungs­merk­ma­len ande­rer­seits in der Aus­schrei­bung unmiss­ver­ständ­lich deut­lich machen 3.

Ver­blei­ben­de Zwei­fel dar­an, ob ein Merk­mal des Anfor­de­rungs­pro­fils als kon­sti­tu­tiv oder dekla­ra­to­risch ein­zu­stu­fen ist, müs­sen durch eine ent­spre­chend § 133 BGB am Emp­fän­ger­ho­ri­zont poten­ti­el­ler Bewerberinnen/​Bewerber ori­en­tier­te Aus­le­gung besei­tigt wer­den 4. Die Aus­le­gung hat trotz des in § 133 BGB ent­hal­te­nen Ver­bots der (allei­ni­gen) Buch­sta­ben­in­ter­pre­ta­ti­on vom Wort­laut der Erklä­rung aus­zu­ge­hen 5.

Bei einer am objek­ti­ven Emp­fän­ger­ho­ri­zont poten­ti­el­ler Bewerberinnen/​Bewerber ori­en­tier­ten Aus­le­gung sind kei­ne hin­rei­chen­den Anhalts­punk­te dafür erkenn­bar, dass dem in Fra­ge ste­hen­den Merk­mal "Erwar­tet wird ein berufs­päd­ago­gi­sches Stu­di­um" mit Blick auf den "Kon­text der For­mu­lie­rung" abwei­chend vom Wort­laut­ver­ständ­nis eine ledig­lich dekla­ra­to­ri­sche Bedeu­tung zukä­me.

Denn trotz der Wen­dung "Erwar­tet wer­den vor allem" han­delt es sich bei den dor­ti­gen Kri­te­ri­en – mög­li­cher­wei­se mit Aus­nah­me des Kri­te­ri­ums "Mehr­jäh­ri­ge Erfah­run­gen in der Schul­ver­wal­tung in lei­ten­der Posi­ti­on" – offen­sicht­lich um dekla­ra­to­ri­sche Anfor­de­rungs­merk­ma­le, weil deren Vor­lie­gen nicht objek­tiv über­prüf­bar ist, son­dern dem Dienst­herrn inso­weit Wer­tungs­spiel­räu­me zuste­hen.

Dem­ge­gen­über han­delt es sich bei dem Merk­mal "Erwar­tet wird ein berufs­päd­ago­gi­sches Stu­di­um" um ein sol­ches, wel­ches anhand objek­tiv über­prüf­ba­rer Kri­te­ri­en ein­deu­tig und unschwer fest­ge­stellt wer­den kann. Das wei­ter­ge­hen­de dies­be­züg­li­che Beschwer­de­vor­brin­gen des Antrags­geg­ners ent­hält kei­ne Gesichts­punk­te, die sich auf den Kon­text gera­de des Anfor­de­rungs­pro­fils der aus­ge­schrie­be­nen Stel­le bezö­gen. Auch dem erken­nen­das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt drän­gen sich mit Blick auf den "Kon­text der For­mu­lie­rung" im vor­lie­gen­den Fall kei­ne Umstän­de auf, mit denen sich ein vom Wort­laut­ver­ständ­nis des Merk­mals "Erwar­tet wird ein berufs­päd­ago­gi­sches Stu­di­um" abwei­chen­des Aus­le­gungs­er­geb­nis begrün­den lie­ße.

Schles­wig ‑Hol­stei­ni­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 22. August 2014 – 2 MB 17/​14

  1. vgl. BayVGH, Beschluss vom 10.09.2013 – 3 CE 13.1592 30[]
  2. VGH Baden-Würt­tem­berg, Beschluss vom 7.12.2010 – 4 S 2057/​10, NVwZ-RR 2011, 290; OVG NRW, Beschluss vom 14.03.2014 – 6 B 93/​14, IÖD 2014, 130, 131 f.[]
  3. vgl. Baßl­sper­ger, Per­so­nal­aus­wahl­in­stru­men­te, ZBR 2014, 73, 75[]
  4. vgl. BVerwG, Beschluss vom 20.06.2013 – 2 VR 1/​13 32[]
  5. vgl. Palandt/​Ellenberger, BGB, Komm., 73. Aufl., § 133 Rdnr. 14[]
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