Krebs durch Flug­zeug­ra­dar

Der Lock­heed F 104‑G Star­figh­ter, Abfang­jä­ger der Bun­des­wehr ab 1960, mach­te sei­ner­zeit Schlag­zei­len durch eine enorm hohe Zahl an Abstür­zen, bei denen mehr als 110 Pilo­ten ums Leben kamen. Offen­bar war das Flug­zeug aber nicht nur für das flie­gen­de, son­dern auch für das Boden­per­so­nal nicht unge­fähr­lich: Die tech­ni­sche Aus­rüs­tung des Jägers, ins­be­son­de­re der Vor­wärts­sicht­ra­dar NASARR, war für die dar­an arbei­ten­den Flug­zeug­me­cha­ni­ker mit Rönt­gen­stör­strah­lung ver­bun­den. Das Sozi­al­ge­richt sprach des­halb jetzt der Wit­we eines Bun­des­wehr­sol­da­ten eine Wit­wen­ren­te zu. Der 1993 an einer Unter­kie­fer­krebs­er­kran­kung ver­stor­be­ne Ehe­mann der Klä­ge­rin war als Sol­dat 23 Jah­re lang als Ers­ter Flug­zeug­me­cha­ni­ker­meis­ter u.a. für die Vor- und Nach­kon­trol­le bei star­ten­den und lan­den­den Star­figh­tern zustän­dig und muss­te sich zu die­sem Zweck mehr­mals täg­lich in unmit­tel­ba­re Nähe der ein­ge­schal­te­ten Radar­ge­rä­te bege­ben. Er kam außer­dem in nähe­ren Kon­takt mit einem Ölstands­mes­ser und mit Leucht­stoff­far­ben auf Instru­men­ten, von denen radio­ak­ti­ve Strah­lung aus­ging.

Krebs durch Flug­zeug­ra­dar

Das Gericht kam nach Anhö­rung eines sach­ver­stän­di­gen Zeu­gen zu dem Ergeb­nis, dass die­se Belas­tun­gen so erheb­lich waren, dass auch unter Berück­sich­ti­gung der Fest­stel­lun­gen einer bei der Bun­des­wehr gebil­de­ten „Arbeits­grup­pe Auf­klä­rung zu den Arbeits­platz­ver­hält­nis­sen Radar" vom 17.1.2002 die von dem ver­stor­be­nen Ehe­mann der Klä­ge­rin ver­rich­te­ten Tätig­kei­ten zu einer Organ­do­sis führ­ten, die wahr­schein­lich als Ursa­che der Krebs­er­kran­kung anzu­se­hen war. Die Klä­ge­rin hat des­halb Anspruch auf Ver­sor­gung nach dem Sol­da­ten­ver­sor­gungs­ge­setz.

Sozi­al­ge­richt Aachen, Urteil vom 29. Sep­tem­ber 2008 – S 25 (18) VS 192/​07 (nicht rechts­kräf­tig)