Lehr­ver­pflich­tung eines aka­de­mi­schen Ober­rats

Die Lehr­ver­pflich­tung eines aka­de­mi­schen Ober­rats, dem der Titel eines „außer­plan­mä­ßi­gen Pro­fes­sors“ ver­lie­hen wur­de, bemisst sich, auch wenn er kor­po­ra­ti­ons­recht­lich der Grup­pe der Pro­fes­so­ren zuzu­ord­nen sein soll­te, nach sei­nem beam­ten­recht­li­chen Sta­tus und ist aus § 4 Abs. 2 Nr. 2 LVVO abzu­lei­ten.

Lehr­ver­pflich­tung eines aka­de­mi­schen Ober­rats

Die Höhe der Lehr­ver­pflich­tung fin­det (in Nie­der­sach­sen) ihre Rechts­grund­la­ge in § 4 Abs. 2 Nr. 2 der Ver­ord­nung über die Lehr­ver­pflich­tung an Hoch­schu­len (Lehr­ver­pflich­tungs­ver­ord­nung – LVVO -) [1]. Danach beträgt die Höchst­lehr­ver­pflich­tung für wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter zehn LVS. Die genann­te Norm bestimmt eben­so wie die wei­te­ren Rege­lun­gen des § 4 LVVO den Umfang der Lehr­ver­pflich­tung des beam­te­ten wis­sen­schaft­li­chen und künst­le­ri­schen Hoch­schul­per­so­nals und fin­det ihre Ermäch­ti­gung in § 21 Abs. 2 Satz 1 NHG, wonach der durch­schnitt­li­che Umfang der Lehr­ver­pflich­tung des wis­sen­schaft­li­chen und künst­le­ri­schen Per­so­nals im Beam­ten­ver­hält­nis, die Gewich­tung der Lehr­ver­an­stal­tungs­ar­ten sowie beson­de­re Betreu­ungs­pflich­ten durch Ver­ord­nung gere­gelt wer­den kön­nen. Wäh­rend dem im Ange­stell­ten­ver­hält­nis beschäf­tig­ten Per­so­nal ent­spre­chen­de Ver­pflich­tun­gen durch Ver­trag auf­zu­er­le­gen sind (§ 21 Abs. 2 Satz 2 NHG), wer­den die das beam­te­te wis­sen­schaft­li­che und künst­le­ri­sche Per­so­nal betref­fen­den und auf den Umfang der Leh­re bezo­ge­nen Dienst­pflich­ten durch § 4 LVVO gere­gelt; danach legt die­se Vor­schrift die beam­ten- oder dienst­recht­lich geschul­de­te Lehr­ver­pflich­tung der ein­zel­nen Mit­glie­der des Lehr­per­so­nals einer Hoch­schu­le gesetz­lich fest.

Folg­lich bestimmt sich auch die Lehr­ver­pflich­tung trotzt des ver­lie­he­nen Titels eines „außer­plan­mä­ßi­gen Pro­fes­sors“ nach dem dienst­recht­li­chen Sta­tus, mit­hin vor­lie­gend nach der der­zei­ti­gen beam­ten­recht­li­chen Stel­lung eines aka­de­mi­schen Ober­rats. Als sol­cher gehört er dienst­recht­lich zum Per­so­nal der wis­sen­schaft­li­chen Mit­ar­bei­ter, deren Lehr­ver­pflich­tung sich – wie oben aus­ge­führt – nach § 4 Abs. 2 Nr. 2 LVVO mit zehn LVS bemisst.

An der Maß­geb­lich­keit die­ser für wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­ter dienst­recht­lich fest­ge­setz­ten Höchst­lehr­ver­pflich­tung ändert sich auch nichts dadurch, dass die Uni­ver­si­tät den Antrag­stel­ler unge­ach­tet sei­nes beam­ten­recht­li­chen Sta­tus als aka­de­mi­scher Ober­rat im Hin­blick auf sei­ne Betei­li­gung an der aka­de­mi­schen Selbst­ver­wal­tung kor­po­ra­ti­ons­recht­lich bis­her der Grup­pe der Hoch­schul­leh­rer zuge­ord­net hat. Auch die kor­po­ra­ti­ons­recht­li­che Zuge­hö­rig­keit zur Grup­pe der Hoch­schul­leh­rer über­la­gern die beam­ten­recht­li­chen Auf­ga­ben oder sta­tus­recht­li­chen Dienst­pflich­ten im Hin­blick auf die Höhe des vor­lie­gend streit­be­fan­ge­nen Lehr­de­pu­tats nicht. Das ergibt sich für das Nie­der­säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt aus fol­gen­den Erwä­gun­gen:

Die mit­glied­schafts­recht­li­che Zuord­nung zur Grup­pe der Hoch­schul­leh­rer folgt aus dem vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ent­wi­ckel­ten „mate­ri­el­len Hoch­schul­leh­rer­be­griff“. Danach ist als Hoch­schul­leh­rer, unab­hän­gig von sei­ner dienst­recht­li­chen Stel­lung, der aka­de­mi­sche For­scher und Leh­rer zu ver­ste­hen, der auf­grund einer Habi­li­ta­ti­on oder eines sons­ti­gen gleich­be­wer­te­ten Qua­li­fi­ka­ti­ons­be­wei­ses mit der selb­stän­di­gen Ver­tre­tung eines wis­sen­schaft­li­chen Faches in For­schung und Leh­re betraut ist. Wer als haupt­amt­li­cher Bediens­te­ter einer Hoch­schu­le die­se Vor­aus­set­zun­gen erfüllt, hat einen aus Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG abzu­lei­ten­den Anspruch dar­auf, der Grup­pe der Hoch­schul­leh­rer und nicht einer ande­ren Grup­pe zuge­ord­net zu wer­den [2]. Nach die­ser Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts kommt mit dem Begriff der „Betrau­ung mit der selb­stän­di­gen Ver­tre­tung eines wis­sen­schaft­li­chen Faches in For­schung und Leh­re“ zum Aus­druck, dass das Merk­mal des „Betrau­ens“ gera­de kei­ne der mate­ri­el­len Stel­lung als Hoch­schul­leh­rer ent­spre­chen­de förm­li­che beam­ten­recht­li­che Beru­fung in das Amt eines Hoch­schul­leh­rers vor­aus­setzt. Mit dem Begriff der „Betrau­ung“ ist aller­dings nicht eine blo­ße fak­ti­sche, gedul­de­te oder gar usur­pier­te Über­nah­me von Funk­tio­nen aus eige­ner Macht­voll­kom­men­heit eines Hoch­schul­be­diens­te­ten gemeint, son­dern es wird eine aus­drück­li­che Ein­räu­mung einer Rechts­stel­lung bzw. Befug­nis durch die zustän­di­gen Orga­ne im Hin­blick auf die selb­stän­di­ge Wahr­neh­mung von For­schung und Leh­re gefor­dert. Ist danach maß­geb­lich auf die tat­säch­li­che Wahr­neh­mung von Pro­fes­so­ren­auf­ga­ben abzu­stel­len, kann in der beam­ten­recht­li­chen Rechts­stel­lung eines haupt­amt­li­chen wis­sen­schaft­li­chen Mit­ar­bei­ters gera­de kein Hin­der­nis für sei­ne Qua­li­fi­zie­rung als Hoch­schul­leh­rer im mate­ri­el­len Sin­ne gese­hen wer­den.

Das bedeu­tet indes für den oder die der Grup­pe der Pro­fes­so­ren zuzu­ord­nen­den wis­sen­schaft­li­chen Mit­ar­bei­ter nicht, dass die mit der dienst­recht­li­chen Stel­lung – wie hier eines aka­de­mi­schen Ober­rats – ver­bun­de­nen Pflich­ten obso­let wür­den. Die dem haupt­be­ruf­lich beam­te­ten Hoch­schul­be­diens­te­ten oblie­gen­den Auf­ga­ben blei­ben durch die kor­po­ra­ti­ons­recht­li­che Zuord­nung in eine ande­re Grup­pe prin­zi­pi­ell viel­mehr unbe­rührt [3]. Soweit aller­dings die einem wis­sen­schaft­li­chen Mit­ar­bei­ter für das von ihm ver­tre­te­ne Fach ver­lie­he­ne Lehr­be­fug­nis reicht, drängt die damit ver­bun­de­ne umfas­sen­de Selb­stän­dig­keit in For­schung und Leh­re die prin­zi­pi­el­le Wei­sungs­ge­bun­den­heit als wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter, hier als aka­de­mi­scher Ober­rat zurück [4]. Inso­weit über­la­gert also die Befug­nis zur selb­stän­di­gen For­schung und Leh­re die sich aus dem Dienst­rechts­ver­hält­nis erge­ben­de Wei­sungs­ge­bun­den­heit. Wei­te­re, im Sta­tus­amt wur­zeln­de dienst­recht­li­che Pflich­ten blei­ben von die­ser Über­la­ge­rung unbe­rührt. Zu die­sen Pflich­ten zäh­len auch die gesetz­lich näher aus­ge­stal­te­ten Rege­lun­gen über den Zeit­um­fang der Dienst­leis­tung, wie vor­lie­gend den Umfang der Lehr­ver­pflich­tung, die ein haupt­amt­lich täti­ger Hoch­schul­be­diens­te­ter, sei er auch wei­sungs­un­ab­hän­gig, zu erfül­len hat [5]. Danach blei­ben die Rege­lun­gen der LVVO, die für in ein Beam­ten­ver­hält­nis beru­fe­ne wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­ter ein Lehr­de­pu­tat von zehn LVS vor­se­hen, auch in Anbe­tracht der in Anspruch genom­me­nen kor­po­ra­ti­ons­recht­li­chen Zuge­hö­rig­keit zur Grup­pe der Hoch­schul­leh­rer maß­ge­bend. Von der vor­ste­hend ange­spro­che­nen Über­la­ge­rung aus­ge­nom­men blie­be im Übri­gen auch der Besol­dungs­an­spruch des Antrag­stel­lers, der sich auch in Anbe­tracht einer zu sei­nen Guns­ten ange­nom­me­nen Wei­sungs­un­ge­bun­den­heit in For­schung und Leh­re wei­ter­hin nach sei­nem Sta­tus als aka­de­mi­scher Ober­rat und damit nach der Besol­dungs­grup­pe A 14 BBe­sO rich­tet.

Nie­der­säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 7. Okto­ber 2010 – 2 ME 368/​09

  1. vom 02.08.2007, NdsGVBl. 2007, 408[]
  2. vgl. BVerfG, Beschluss vom 11.02.1981 – 1 BvR 303/​78, BVerfGE 56, 192, 208 ff.; Beschluss vom 26.02.1997 – 1 BvR 864/​94 u. a., BVerfGE 95, 193, 209 ff; fer­ner BVerwG, Urteil vom 13.12.1995 – 6 C 7.94, BVerw­GE 100, 160, 164 ff; Nds. OVG, Beschluss vom 23.08.2002 – 10 ME 118/​02; Ipsen, NdsVBl. 2006, 185 ff.[]
  3. vgl. BVerwG, a. a. O., S. 169; fer­ner auch Hartmer/​Detmer, Hoch­schul­recht, Rnr. 88; Ipsen, a. a. O., S. 188 f.[]
  4. so aus­drück­lich BVerwG, a. a. O.[]
  5. eben­so OVG NRW, Beschluss vom 13.11.2007 – 6 A 1588/​06[]