Leis­tungs­be­zo­ge­ne Besol­dung – und das vom Dienst frei­ge­stell­te Per­so­nal­rats­mit­glied

Ein ganz vom Dienst frei­ge­stell­tes Per­so­nal­rats­mit­glied hat nach einer aktu­el­len Ent­schei­dung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts in aller Regel kei­nen Anspruch auf Ein­be­zie­hung in die Ent­schei­dung des Dienst­herrn über die Gewäh­rung leis­tungs­be­zo­ge­ner Besol­dungs­ele­men­te.

Leis­tungs­be­zo­ge­ne Besol­dung – und das vom Dienst frei­ge­stell­te Per­so­nal­rats­mit­glied

Dies ent­schied jetzt das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt auf die Kla­ge eines Poli­zei­haupt­kom­mis­sars, der im Dienst der Bun­des­po­li­zei steht und wegen sei­ner Tätig­keit als Per­so­nal­rat ganz von sei­ner dienst­li­chen Tätig­keit frei­ge­stellt ist. Er begehrt, bei der leis­tungs­be­zo­ge­nen Besol­dung wäh­rend sei­ner Frei­stel­lung berück­sich­tigt zu wer­den. Leis­tungs­be­zo­ge­ne Besol­dung kann in Form der Leis­tungs­stu­fe als befris­te­te Vor­weg­nah­me der nächst­hö­he­ren Grund­ge­halts­stu­fe, in Form der Leis­tungs­prä­mie als Ein­mal­zah­lung oder in Form der Leis­tungs­zu­la­ge als monat­li­che Zah­lung längs­tens für einen zusam­men­hän­gen­den Zeit­raum von einem Jahr gewährt wer­den.

Das erst­in­stanz­lich hier­mit befaß­te Ver­wal­tungs­ge­richt des Saar­lands hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben und den Dienst­herrn ver­pflich­tet, über die Ver­ga­be einer leis­tungs­be­zo­ge­nen Besol­dung an den Poli­zei­haupt­kom­mis­sar unter Berück­sich­ti­gung der Rechts­auf­fas­sung des Gerichts neu zu ent­schei­den [1]. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt des Saar­lands hat die­ses erst­in­stanz­li­che Urteil bestä­tigt [2]. Dage­gen hat nun das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt der Revi­si­on des Dienst­herrn statt­ge­ge­ben, die Ent­schei­dun­gen der saar­län­di­schen Vor­in­stan­zen auf­ge­ho­ben und die Kla­ge abge­wie­sen:

Ein ganz vom Dienst frei­ge­stell­tes Per­so­nal­rats­mit­glied hat in aller Regel kei­nen Anspruch auf Ein­be­zie­hung in die Ermes­sens­ent­schei­dung über die Gewäh­rung leis­tungs­be­zo­ge­ner Besol­dungs­ele­men­te, weil dies vor­aus­setzt, dass der betrof­fe­ne Beam­te – wäre er nicht frei­ge­stellt – eine her­aus­ra­gen­de beson­de­re Leis­tung (per­sön­lich oder als Team­mit­glied) erbracht hät­te. Für die­se Annah­me bedarf es einer belast­ba­ren Tat­sa­chen­grund­la­ge. Eine sol­che erscheint bei ganz vom Dienst frei­ge­stell­ten Per­so­nal­rats­mit­glie­dern nahe­zu aus­ge­schlos­sen. Aner­kann­te fik­tio­na­le beam­ten­recht­li­che Instru­men­te kön­nen sie nicht erset­zen. Das per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­li­che Benach­tei­li­gungs­ver­bot fin­det hier sei­ne Gren­ze. Ande­res kommt aus­nahms­wei­se nur dann in Betracht, wenn der Beam­te in der Zeit vor sei­ner Frei­stel­lung wie­der­holt her­aus­ra­gen­de beson­de­re Leis­tun­gen erbracht hat und die­se mit einer Form der Leis­tungs­be­sol­dung hono­riert wur­den.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 23. Janu­ar 2020 – 2 C 22.18

  1. VG Saar­land, Urteil vom 22.11.2016 – 2 K 812/​15[]
  2. OVG Saar­land, Urteil vom 05.06.2018 – 1 A 727/​16[]