Medi­zin­pro­fes­sor als Ex-Chef­arzt

Einem Medi­zin­pro­fes­sor kann die Lei­tung einer Kli­nik­ab­tei­lung ("Chef­arzt­stel­le") ent­zo­gen wer­den, ent­schied jetzt der baden-würt­tem­ber­gi­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof in Mann­heim.

Medi­zin­pro­fes­sor als Ex-Chef­arzt

Hoch­schul­leh­rer der medi­zi­ni­schen Fakul­tät wer­den, so die Begrün­dung des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs, grund­sätz­lich zur Ver­tre­tung ihres Fachs in For­schung und Leh­re beru­fen; die Über­tra­gung einer Chef­arzt­stel­le – und das damit ver­bun­de­ne Recht der Pri­vat­li­qui­da­ti­on – sind damit nicht zwin­gend ver­bun­den. Eine Beru­fungs­ver­ein­ba­rung, mit der dem Hoch­schul­leh­rer die Stel­lung als lei­ten­der Kli­nik­arzt zuge­sagt wor­den war, kann gekün­digt wer­den, wenn der Hoch­schul­leh­rer die­ser Lei­tungs­funk­ti­on in schwer­wie­gen­der Wei­se nicht gerecht wird. Damit lehn­te der VGH den Antrag eines Medi­zin­pro­fes­sors auf Zulas­sung der Beru­fung gegen ein Urteil des Ver­wal­tungs­ge­richts Frei­burg ab, mit dem eine vom Minis­te­ri­um für Wis­sen­schaft, For­schung und Kunst Baden-Würt­tem­berg aus­ge­spro­che­ne Kün­di­gung der Beru­fungs­ver­ein­ba­rung aus wich­ti­gem Grund gebil­ligt wor­den ist.

Vor sei­ner Beru­fung an die Uni­ver­si­tät Frei­burg schloss der Klä­ger mit dem Wis­sen­schafts­mi­nis­te­ri­um eine Beru­fungs­ver­ein­ba­rung, in der u.a. fest­ge­legt wur­de, dass er die Pro­fes­sur für Unfall­chir­ur­gie ver­bun­den mit der Lei­tung der Abtei­lung Unfall­chir­ur­gie an der Chir­ur­gi­schen Uni­ver­si­täts­kli­nik über­neh­men soll. Der Klä­ger wur­de dar­auf­hin unter Beru­fung in das Beam­ten­ver­hält­nis auf Lebens­zeit zum Uni­ver­si­täts­pro­fes­sor ernannt. In den Jah­ren 1999/​2000 ereig­ne­ten sich in der vom Klä­ger gelei­te­ten Abtei­lung ver­schie­de­ne Vor­fäl­le, die zur Ein­lei­tung eines förm­li­chen Dis­zi­pli­nar­ver­fah­rens wegen des Vor­wurfs der schuld­haft feh­ler­haf­ten medi­zi­ni­schen Behand­lung meh­re­rer Pati­en­ten führ­ten. Mit Ver­fü­gung vom 24.10.2000 wur­de der Klä­ger vor­läu­fig vom Dienst sus­pen­diert. Das Land­ge­richt Frei­burg ver­ur­teil­te den Klä­ger wegen vor­sätz­li­cher Kör­per­ver­let­zung und wegen fahr­läs­si­ger Kör­per­ver­let­zung in drei Fäl­len zu einer Gesamt­geld­stra­fe von 270 Tages­sät­zen. Das Land kün­dig­te dar­auf­hin die Beru­fungs­ver­ein­ba­rung, soweit dem Klä­ger die Lei­tung einer Abtei­lung der Chir­ur­gi­schen Uni­ver­si­täts­kli­nik zuge­sagt wor­den war. Die dage­gen gerich­te­te Kla­ge hat­te vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt kei­nen Erfolg. Über den Antrag des Klä­gers auf Zulas­sung der Beru­fung hat der VGH erst jetzt ent­schie­den, da das Ver­fah­ren wegen des anhän­gi­gen Dis­zi­pli­nar­ver­fah­rens län­ge­re Zeit ruh­te.

Der VGH war der Auf­fas­sung, dass eine Beru­fungs­ver­ein­ba­rung zwar auch bei nach­träg­li­cher Ver­än­de­rung der Sach- und Rechts­la­ge berück­sich­tigt wer­den muss, ein abso­lu­ter Bestands­schutz aber nicht ange­nom­men wer­den kann. Ein Fest­hal­ten an der ver­ein­bar­ten Stel­len­über­tra­gung sei dem Land hier unzu­mut­bar, da der Klä­ger sei­ne Lei­tungs­funk­ti­on durch bewusst pflicht­wid­ri­ge Wei­sun­gen an unter­ge­be­nes Per­so­nal miss­braucht und erheb­li­che Straf­ta­ten zu Las­ten der ihm anver­trau­ten Pati­en­ten began­gen habe. Maß­geb­li­cher Gesichts­punkt bei der Orga­ni­sa­ti­on der uni­ver­si­tä­ren Kran­ken­ver­sor­gung müs­se die best­mög­li­che Pati­en­ten­be­hand­lung sein; das pri­va­te Inter­es­se des Klä­gers an der Auf­recht­erhal­tung sei­ner Stel­lung und den damit ver­bun­de­nen wirt­schaft­li­chen Vor­tei­len müs­se dahin­ter zurück­tre­ten.

Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg, Beschluss vom 24. April 2009 – 9 S 603/​09