Min­dest­grö­ße für Poli­zei­be­wer­ber

Das Land Nord­rhein-West­fa­len muss die Anfor­de­run­gen an die kör­per­li­che Min­dest­grö­ße für Poli­zei­be­wer­be­rin­nen und –bewer­ber über­ar­bei­ten.

Min­dest­grö­ße für Poli­zei­be­wer­ber

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Gel­sen­kir­chen hat die Ent­schei­dung des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len für rechts­wid­rig erklärt, mit der die Bewer­bung eines Man­nes auf Zulas­sung zum Aus­wahl­ver­fah­ren zur Ein­stel­lung in den geho­be­nen Poli­zei­voll­zugs­dienst wegen zu gerin­ger Kör­per­grö­ße abge­lehnt wor­den ist. Der mann hat­te sich im Okto­ber 2013 um Ein­stel­lung in den Poli­zei­dienst des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len bewor­ben. Bei der Taug­lich­keits­un­ter­su­chung wur­de eine Kör­per­grö­ße des Bewer­bers von 166, 2 cm fest­ge­stellt. Dar­auf­hin lehn­te das beklag­te Land die begehr­te Ein­stel­lung in den Poli­zei­dienst ab, weil der Bewer­ber die vor­ge­schrie­be­ne Min­dest­kör­per­grö­ße für männ­li­che Bewer­ber von 168 cm nicht errei­che. In der Kla­ge ging es nach dem Ver­strei­chen des Ein­stel­lungs­ter­mins nicht mehr um die Ein­stel­lung des Bewer­bers, son­dern nur noch um die Recht­mä­ßig­keit der Ableh­nungs­ent­schei­dung des Lan­des. Das Ver­wal­tungs­ge­richt gab dem Bewer­ber Recht:

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Gel­sen­kir­chen ist es zwar mög­lich, Min­dest­an­for­de­run­gen für die Kör­per­grö­ße von Bewer­be­rin­nen und Bewer­bern für den Poli­zei­voll­zugs­dienst auf­zu­stel­len. Denn die Tätig­keit im Poli­zei­voll­zugs­dienst erfor­dert in ver­schie­de­nen Berei­chen eine bestimm­te kör­per­li­che Min­dest­grö­ße. Das Land kann sol­che Vor­schrif­ten durch Erlass des zustän­di­gen Minis­te­ri­ums schaf­fen und muss dafür kei­ne gesetz­li­che Rege­lung erlas­sen. Außer­dem ist es zuläs­sig, hin­sicht­lich der Min­dest­kör­per­grö­ße zwi­schen Män­nern und Frau­en zu unter­schei­den. Denn wegen ihrer durch­schnitt­lich gerin­ge­ren Kör­per­grö­ße wären Frau­en gegen­über Män­nern ins­ge­samt benach­tei­ligt, wenn es eine ein­heit­li­che Min­dest­grö­ße für die Ein­stel­lung von Bewer­be­rin­nen und Bewer­bern gäbe.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt hat aller­dings bemän­gelt, dass die der­zeit gel­ten­den Ein­stel­lungs­gren­zen von 163 cm Min­dest­kör­per­grö­ße für Frau­en und 168 cm Min­dest­kör­per­grö­ße für Män­ner nicht auf einer aus­rei­chen­den Befas­sung mit vor­han­de­nem sta­tis­ti­schem Mate­ri­al beru­he und wei­ter nicht aus­rei­chend zu den Anfor­de­run­gen an die Tätig­keit im Poli­zei­voll­zugs­dienst gesetzt wor­den sei. Es sei nicht erkenn­bar, dass die bereits im Jahr 2006 fest­ge­setz­ten Min­dest­grö­ßen für heu­ti­ge Anfor­de­run­gen tat­säch­lich erfor­der­lich sei­en. Das Land müs­se künf­tig über­prü­fen, ob die der­zeit gel­ten­den Min­dest­grö­ßen den tat­säch­li­chen Ver­hält­nis­sen in der Bevöl­ke­rung ent­spre­chen.

Ver­wal­tungs­ge­richt Gel­sen­kir­chen, Urteil vom 14. März 2016 – 1 K 3788/​14