Minis­ter­pen­si­on und Beam­ten­ru­he­ge­halt

Bei dem Bezug einer Minis­ter­pen­si­on ist dane­ben die Aus­zah­lung eines Ruhe­ge­halts auf Grund eines frü­he­ren Dienst­ver­hält­nis­ses als Beam­ter aus­ge­schlos­sen, § 20 Abs. 1 des Bun­des­mi­nis­ter­ge­set­zes, BMinG.

Minis­ter­pen­si­on und Beam­ten­ru­he­ge­halt

In dem hier vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Fall war der Klä­ger, Hans Eichel, von Okto­ber 1975 bis April 1991 Ober­bür­ger­meis­ter der beklag­ten Stadt Kas­sel, von April 1991 bis April 1999 Minis­ter­prä­si­dent des bei­gela­de­nen Lan­des Hes­sen und von April 1999 bis Novem­ber 2005 Mit­glied der Bun­des­re­gie­rung. Die aus die­sen Ämtern erdien­ten Ruhe­ge­häl­ter wur­den – jeweils bestands­kräf­tig – auf 6 344,81 €, 7 175,94 € bzw. 7 144,73 € fest­ge­setzt. Aus­ge­zahlt wur­de dem Klä­ger wegen des zeit­gleich ange­ord­ne­ten Ruhens sei­ner Ver­sor­gungs­be­zü­ge aus den bei­den erst­ge­nann­ten Ämtern allein sein Ruhe­ge­halt als frü­he­rer Bun­des­mi­nis­ter der Finan­zen. Gegen das Ruhen der bei­den erst­ge­nann­ten Ruhe­ge­häl­ter wen­det sich der Klä­ger in zwei Kla­ge­ver­fah­ren. Er ist der Auf­fas­sung, dass ihm Ver­sor­gungs­be­zü­ge in Höhe von min­des­tens 9 646,31 € aus­zu­zah­len sei­en. Die­ser Betrag ent­spre­che dem "Gesamt­ver­sor­gungs­an­spruch", der ihm bei Aus­schei­den aus dem Amt des Minis­ter­prä­si­den­ten zuge­stan­den habe.

Nach Auf­fas­sung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts hat die beklag­te Stadt das Ruhe­ge­halt des Klä­gers als frü­he­rer Ober­bür­ger­meis­ter zu Recht nicht aus­zahlt. Das ergibt sich aus § 20 Abs. 1 BMinG. Hier­nach ist fest­ge­legt, dass wenn "einem … ehe­ma­li­gen Mit­glied der Bun­des­re­gie­rung auf Grund eines frü­he­ren Dienst­ver­hält­nis­ses als Beam­ter … ein Anspruch auf Ruhe­ge­halt … zusteht, so ruht die­ser Anspruch für einen Zeit­raum, für den … Über­gangs­geld oder Ruhe­ge­halt aus dem Amts­ver­hält­nis (§§ 14, 15, 17) zu zah­len sind, bis zur Höhe die­ser Bezü­ge." Die Rege­lung gilt für alle Beam­ten und damit auch für frü­he­re Ober­bür­ger­meis­ter. Ihr liegt die Idee der Ver­mei­dung einer Über­ver­sor­gung zugrun­de. Dies steht in Ein­klang mit dem von Art. 33 Abs. 5 GG geschütz­ten Anspruch auf amts­an­ge­mes­se­ne Ver­sor­gung. Der Gesetz­ge­ber durf­te bei der Bemes­sung der Ver­sor­gung ehe­ma­li­ger Mit­glie­der der Bun­des­re­gie­rung davon aus­ge­hen, die Aus­übung eines Minis­ter­am­tes bil­de einen not­wen­dig vor­über­ge­hen­den Ein­schnitt in das Berufs­le­ben, der es gebie­te, den Amts­in­ha­ber in beson­de­rer Wei­se wirt­schaft­lich abzu­si­chern. Auch der all­ge­mei­ne Gleich­heits­satz nach Art. 3 Abs. 1 GG wird durch § 20 Abs. 1 BMinG nicht ver­letzt.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat­te nicht dar­über zu ent­schei­den, ob und in wel­cher Höhe das Land Hes­sen dem Klä­ger Ruhe­ge­halt als frü­he­rer Minis­ter­prä­si­dent aus­zah­len muss. Es ist aller­dings der Auf­fas­sung, dass eine ruhen­de Beam­ten­pen­si­on nicht im Sin­ne des § 9 Abs. 4 Satz 1 des hes­si­schen Geset­zes über die Bezü­ge der Mit­glie­der der Lan­des­re­gie­rung, LRBezG, bezo­gen wird und daher der antei­li­gen Aus­zah­lung des Ruhe­ge­halts aus einem frü­he­ren Amts­ver­hält­nis als Minis­ter­prä­si­dent nicht ent­ge­gen­steht.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 24. Novem­ber 2011 – 2 C 57.09