Mit­be­stim­mung bei Über­tra­gung einer höher zu be­wer­ten­den Tä­tig­keit

Ob die Über­tra­gung einer be­stimm­ten Tä­tig­keit auf eine Ar­beit­neh­me­rin nach dem 1. Ok­to­ber 2005 mit einer Hö­her­grup­pie­rung ver­bun­den ist und des­we­gen zur Mit­be­stim­mung bei Über­tra­gung einer höher zu be­wer­ten­den Tä­tig­keit führt, ist an Hand der An­la­ge 3 TVÜ-VKA zu be­ant­wor­ten.

Mit­be­stim­mung bei Über­tra­gung einer höher zu be­wer­ten­den Tä­tig­keit

Eine höher zu bewer­ten­de Tätig­keit im Sin­ne des genann­ten Mit­be­stim­mungs­tat­be­stan­des liegt vor, wenn die neue Tätig­keit nach dem anzu­wen­den­den kol­lek­ti­ven Ent­gelt­sche­ma einer höhe­ren Ent­gelt­grup­pe zuge­ord­net ist als die bis­he­ri­ge 1. Unter der Gel­tungs­dau­er des BAT war in der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung aner­kannt, dass auch der mit einem künf­ti­gen Ver­gü­tungs­grup­pen­auf­stieg ver­bun­de­ne Fall­grup­pen­wech­sel mit­be­stim­mungs­pflich­tig war 2.

Nun­mehr bestimmt jedoch § 17 Abs. 5 Satz 1 Halbs. 1 TVÜ-VKA, dass es ab dem 1.10.2005 Bewährungs‑, Fall­grup­pen- und Tätig­keits­auf­stie­ge nicht mehr gibt. Zwar besagt § 17 Abs. 5 Satz 1 Halbs. 2 TVÜ-VKA, dass § 8 TVÜ-VKA unbe­rührt bleibt. Die­se Bestim­mung ist aber auf die vor­lie­gen­de Fall­ge­stal­tung nicht anwend­bar.

Nach § 8 Abs. 1 Satz 1 TVÜ-VKA sind aus dem Gel­tungs­be­reich des BAT in eine der Ent­gelt­grup­pen 3, 5, 6 oder 8 über­ge­lei­te­te Arbeit­neh­mer, die am 1.10.2005 bei Fort­gel­tung des bis­he­ri­gen Tarif­rechts die für eine Höher­grup­pie­rung erfor­der­li­che Zeit der Bewäh­rung oder Tätig­keit zur Hälf­te erfüllt haben, zu dem Zeit­punkt, zu dem sie nach bis­he­ri­gem Recht höher­grup­piert wor­den wären, in die nächst höhe­re Ent­gelt­grup­pe des TVöD ein­grup­piert. Hier­bei han­delt es sich nach ein­deu­ti­gem Wort­laut, sys­te­ma­ti­scher Stel­lung sowie Sinn und Zweck um eine Besitz­stands­re­ge­lung. Geschützt wer­den die „Exspekt­an­zen“ von Arbeit­neh­mern, deren Auf­stieg vor der Über­lei­tung in den TVöD nach frü­he­rem Recht des BAT begon­nen hat­te 3.

Die­se all­ge­mei­ne Vor­aus­set­zung – der Auf­stiegs­be­ginn vor dem 1.10.2005 – gilt auch für die Rege­lung im § 8 Abs. 3 Satz 1 TVÜ-VKA, wonach § 8 Abs. 1 Satz 1 TVÜ-VKA auf schrift­li­chen Antrag ent­spre­chend gilt für über­ge­lei­te­te Arbeit­neh­mer, die bei Fort­gel­tung des BAT bis spä­tes­tens 29.02.2012 wegen Erfül­lung der erfor­der­li­chen Zeit der Bewäh­rung oder Tätig­keit höher­grup­piert wor­den wären, unab­hän­gig davon, ob die Hälf­te der erfor­der­li­chen Bewäh­rungs- oder Tätig­keits­zeit am Stich­tag erfüllt ist. Damit soll­ten die betrof­fe­nen Arbeit­neh­mer unter den in der Vor­schrift genann­ten Vor­aus­set­zun­gen vom Hälf­tig­keits­prin­zip des § 8 Abs. 1 Satz 1 TVÜ-VKA befreit wer­den. Auch die­se Vor­schrift hat den Cha­rak­ter einer Besitz­stands­re­ge­lung, wel­che an den vor dem 1.10.2005 begon­ne­nen Fall­grup­pen­auf­stieg anknüpft 4.

Aus dem Vor­ste­hen­den ergibt sich, dass die genann­ten Rege­lun­gen in § 8 TVÜ-VKA aus­schließ­lich Über­tra­gungs­ak­te betref­fen, die vor dem 1.10.2005 statt­ge­fun­den haben. Der im vor­lie­gen­den Fall strei­ti­ge Über­tra­gungs­akt datiert jedoch vom 17.08.2009.

Auf mit sol­chen Über­tra­gungs­ak­ten ver­bun­de­ne Ein­grup­pie­rungs­vor­gän­ge ist zunächst bis zum Inkraft­tre­ten der neu­en Ent­gelt­ord­nung die Ver­gü­tungs­ord­nung des BAT wei­ter anzu­wen­den (§ 17 Abs. 1 Satz 1 TVÜ-VKA). Die sich dar­aus erge­ben­den Ver­gü­tungs­grup­pen wer­den gemäß Anl. 3 TVÜ-VKA den Ent­gelt­grup­pen des TVöD zuge­ord­net (§ 17 Abs. 7 Satz 1 TVÜ-VKA). Die Fra­ge, ob die Über­tra­gung einer bestimm­ten Tätig­keit nach dem 1.10.2005 mit einer Höher­grup­pie­rung ver­bun­den ist und des­we­gen zur Mit­be­stim­mung bei Über­tra­gung einer höher zu bewer­ten­den Tätig­keit führt, ist daher an Hand der Anl. 3 TVÜ-VKA zu beant­wor­ten. Die­se regelt in einer Rei­he von Fäl­len, dass eine Ver­gü­tungs­grup­pe „mit Auf­stieg“ einer höhe­ren Ent­gelt­grup­pe zuzu­ord­nen ist als die­sel­be Ver­gü­tungs­grup­pe „ohne Auf­stieg“. Für die hier in Rede ste­hen­de Ver­gü­tungs­grup­pe V c gilt jedoch ein­heit­lich die Zuord­nung zu Ent­gelt­grup­pe 8.

Frei­lich ist es den Tarif­ver­trags­par­tei­en grund­sätz­lich nicht ver­wehrt, zuguns­ten von Arbeit­neh­mern – auch mit Rück­wir­kung – Rege­lun­gen zu tref­fen, die im Ver­gleich zum bis­he­ri­gen tarif­li­chen Rechts­zu­stand güns­ti­ger sind. Das Inkraft­tre­ten einer der­ar­ti­gen den strei­ten­den Über­tra­gungs­akt erfas­sen­den Rege­lung war jedoch in dem für die Mit­be­stim­mung hier maß­geb­li­chen Zeit­punkt – Som­mer 2009 – völ­lig unge­wiss. Der dama­li­ge Über­tra­gungs­akt ist mit ver­gleich­ba­ren Vor­gän­gen unter der Gel­tung des alten Tarif­rechts nicht gleich­zu­set­zen, weil es für die Annah­me, die Arbeit­neh­me­rin wer­de zu einem bestimm­ten Zeit­punkt in die höhe­re Ent­gelt­grup­pe auf­rü­cken, an jeg­li­cher ver­läss­li­chen Grund­la­ge fehl­te.

Die Rege­lung in § 17 Abs. 3 Satz 1 TVÜ-VKA gibt kei­nen Anlass für eine abwei­chen­de Beur­tei­lung. Danach sind – von hier nicht inter­es­sie­ren­den Aus­nah­men abge­se­hen – alle Ein­grup­pie­rungs­vor­gän­ge zwi­schen dem 1.10.2005 und dem Inkraft­tre­ten der neu­en Ent­gelt­ord­nung vor­läu­fig und begrün­den weder Ver­trau­ens­schutz noch Besitz­stand. Die­se Rege­lung rich­tet sich an die von den jewei­li­gen Ein­grup­pie­rungs­vor­gän­gen betrof­fe­nen Arbeit­neh­mer. Sie ent­fal­tet für per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­li­che Betei­li­gungs­rech­te kei­ne Aus­sa­ge­kraft. Die­se knüpft an gel­ten­de gesetz­li­che und tarif­ver­trag­li­che Rege­lun­gen der Arbeits­be­din­gun­gen an. Erst die ent­spre­chen­de nor­ma­ti­ve Ände­rung ist geeig­net, für bestimm­te arbeits­recht­li­che Vor­gän­ge bis­her nicht bestehen­de Betei­li­gungs­rech­te zu begrün­den. Die mehr oder weni­ger vage Erwar­tung künf­ti­ger Rege­lun­gen kommt dafür nicht in Betracht.

Nur der Voll­stän­dig­keit hal­ber sei erwähnt, dass Über­tra­gungs­ak­te der hier in Rede ste­hen­den Art seit Inkraft­tre­ten des Geset­zes zur Ände­rung des Lan­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­set­zes vom 05.07.2011, GV.NRW. S. 348, nach § 72 Abs. 1 Satz 1 Nr. 5 Alt. 2 NWPers­VG unter dem Gesichts­punkt der Umset­zung – wie­der – mit­be­stim­mungs­pflich­tig sind 5. Bei Umset­zun­gen, die mit einer Bewer­ber­aus­wahl ver­bun­den sind, hat der Per­so­nal­rat zu prü­fen, ob die schüt­zens­wer­ten Belan­ge der Mit­be­wer­ber hin­rei­chend Beach­tung gefun­den haben 6. Ange­sichts des­sen erscheint frag­lich, ob die vom Antrag­stel­ler auf­ge­wor­fe­ne Fra­ge für die aktu­el­le per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­li­che Pra­xis im Gel­tungs­be­reich des nord­rhein­west­fä­li­schen Lan­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­set­zes noch von nen­nens­wer­ter Bedeu­tung ist. Ob auch dar­aus durch­grei­fen­de Beden­ken gegen den Erfolg der Grund­satz­rü­ge her­zu­lei­ten sind, kann auf sich beru­hen 7.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 16. Mai 2012 – 6 PB 4.12

  1. vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 28.08.2008 – 6 P 12.07, Buch­holz 251.91 § 80 Sächs­Pers­VG Nr. 2 Rn. 13 und vom 27.05.2009 – 6 P 17.08, Buch­holz 250 § 75 BPers­VG Nr. 109 Rn. 25[]
  2. vgl. Beschlüs­se vom 08.10.1997 – 6 P 5.95, BVerw­GE 105, 241 = Buch­holz 250 § 75 BPers­VG Nr. 94, vom 27.05.2009 a.a.O. Rn. 28 und vom 07.03.2011 – 6 P 15.10, Buch­holz 250 § 75 BPers­VG Nr. 113 Rn. 36[]
  3. vgl. Breier/​Dassau/​Kiefer/​Lang/​Langenbrinck, TVöD, § 8 TVÜ-VKA Rn. 1, 11 und 18; Lit­schen, in: Adam u.a., TVöD, § 8 TVÜ-VKA Rn. 1 und 3; Fie­berg, in: GKÖD Bd. IV, F § 8 Rn. 1 f.[]
  4. vgl. Brei­er u.a., a.a.O. § 8 TVÜ-VKA Rn. 1, 30, 32 und 41 f.; Lit­schen, a.a.O. § 8 TVÜ-VKA Rn. 1 und 15; Fie­berg, a.a.O. F § 8 Rn. 11[]
  5. vgl. zum per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­li­chen Umset­zungs­be­griff: BVerwG, Beschlüs­se vom 22.07.2003 – 6 P 3.03, Buch­holz 251.7 § 72 NWPers­VG Nr. 30 S. 44; und vom 08.11.2011 – 6 P 23.10[]
  6. vgl. BVerwG, Beschluss vom 22.07.2003 a.a.O. S. 48[]
  7. vgl. zum aus­lau­fen­den Recht: BVerwG, Beschluss vom 15.05.2008 – 6 PB 20.07, Buch­holz 251.21 § 13 Brbg­Pers­VG Nr. 1 Rn. 10; BAG, Beschlüs­se vom 24.03.1993 – 4 AZN 5/​93BAGE 73, 4, 9 und vom 21.10.1998 – 10 AZN 588/​98 – AP Nr. 55 zu § 72a ArbGG 1979 Grund­satz[]