Mit­be­stim­mung beim Abse­hen von Stel­len­aus­schrei­bun­gen im öffent­li­chen Dienst

Beab­sich­tigt der Dienst­stel­len­lei­ter, von einer Aus­schrei­bungs­pra­xis gene­rell oder für den Ein­zel­fall abzu­wei­chen, muss er den Per­so­nal­rat im Wege der Mit­be­stim­mung betei­li­gen.

Mit­be­stim­mung beim Abse­hen von Stel­len­aus­schrei­bun­gen im öffent­li­chen Dienst

Danach setzt die Mit­be­stim­mung beim Abse­hen von der Aus­schrei­bung von Dienst­pos­ten vor­aus, dass zu beset­zen­de Stel­len übli­cher­wei­se aus­ge­schrie­ben wer­den. Eine sol­che Übung kann einer grund­sätz­li­chen Ver­pflich­tung fol­gen, die sich aus Rechts- oder Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten ergibt, oder auf stän­di­ger Ver­wal­tungs­pra­xis beru­hen 1. Die Mit­be­stim­mung nach § 75 Abs. 3 Nr. 14 BPers­VG knüpft dem­nach an gene­rel­le Vor­ga­ben in spe­zi­el­len Rechts- und Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten oder an eine regel­mä­ßi­ge Aus­schrei­bungs­pra­xis in der Dienst­stel­le an und ermäch­tigt den Per­so­nal­rat, mit Blick dar­auf die aus­nahms­wei­se Nicht­vor­nah­me der Aus­schrei­bung auf ihre Recht- und Zweck­mä­ßig­keit hin zu über­prü­fen 2. Die Mit­be­stim­mung greift unab­hän­gig davon ein, ob die Nicht­vor­nah­me der Aus­schrei­bung nach dem zugrun­de zu legen­den spe­zi­el­len Regel­werk auf einer zwin­gen­den Aus­nah­me beruht oder ins Ermes­sen des Dienst­stel­len­lei­ters gestellt ist 3. Ist die zustän­di­ge Dienst­be­hör­de befugt, für ihren Geschäfts­be­reich durch Ver­wal­tungs­vor­schrift Fall­ge­stal­tun­gen zu bestim­men, in denen von einer Aus­schrei­bung abge­se­hen wird oder wer­den kann, so hat sie dabei gemäß § 75 Abs. 3 Nr. 14 BPers­VG das Mit­be­stim­mungs­recht der zustän­di­gen Per­so­nal­ver­tre­tung zu beach­ten. In die­sem Fall erstreckt sich die Mit­be­stim­mung des Per­so­nal­rats im Zusam­men­hang mit der kon­kre­ten Stel­len­be­set­zung dar­auf, ob ein Aus­nah­me­fall nach der Ver­wal­tungs­vor­schrift gege­ben ist 4. Ent­spre­chen­des muss gel­ten, wenn die Aus­schrei­bung auf stän­di­ger Ver­wal­tungs­pra­xis beruht. Der Dienst­stel­len­lei­ter ist berech­tigt, eine sol­che Pra­xis gene­rell oder für den Ein­zel­fall zu ändern. Er muss dabei aber den Per­so­nal­rat im Wege der Mit­be­stim­mung betei­li­gen.

9 Das demo­kra­ti­sche Prin­zip steht nicht ent­ge­gen. Da Aus­schrei­bun­gen die per­so­nel­len Aus­wahl­ent­schei­dun­gen vor­be­rei­ten, bei denen das Modell der ein­ge­schränk­ten Mit­be­stim­mung gilt, ist es fol­ge­rich­tig, dass auch in den Mit­be­stim­mungs­ver­fah­ren nach § 75 Abs. 3 Nr. 14 BPers­VG die obers­te Dienst­be­hör­de das letz­te Wort hat 5. Hält die Dienst­stel­le somit nach ord­nungs­ge­mä­ßer Ver­hand­lung mit dem Per­so­nal­rat an ihrer Absicht fest, die frag­li­che Stel­le nicht aus­zu­schrei­ben, so kann sie sich damit im Rah­men des Letzt­ent­schei­dungs­rechts durch­set­zen. Ihr Recht zur Abkür­zung von Fris­ten und zu Eil­ent­schei­dun­gen bleibt ohne­hin unbe­rührt (§ 69 Abs. 1 Satz 5, Abs. 5 BPers­VG).

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 4. Febru­ar 2014 – 6 PB 36.2013

  1. vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 14.01.2010 a.a.O. Rn. 12; und vom 04.05.2012 a.a.O. Rn. 4[]
  2. vgl. BVerwG, Beschluss vom 14.01.2010 a.a.O. Rn.19[]
  3. vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 14.01.2010 a.a.O. Rn. 22; und vom 04.05.2012 a.a.O. Rn. 6[]
  4. vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 14.01.2010 a.a.O. Rn. 25; und vom 04.05.2012 a.a.O. Rn. 7[]
  5. vgl. BVerwG, Beschluss vom 14.01.2010 a.a.O. Rn. 26 m.w.N.[]