Mit­be­stim­mung des Per­so­nal­rats bei wis­sen­schaft­li­chen Mit­ar­bei­tern

Hat die Dienst­stel­le einen Be­schäf­tig­ten mit über­wie­gend wis­sen­schaft­li­cher Tä­tig­keit nicht dar­auf hin­ge­wie­sen, dass er in sei­ner Per­so­nal­an­ge­le­gen­heit die Mit­be­stim­mung des Per­so­nal­rats be­an­tra­gen kann, so ist der Per­so­nal­rat gleich­wohl nicht zur Mit­be­stim­mung be­ru­fen, so­lan­ge der Be­schäf­tig­te den An­trag nicht ge­stellt hat.

Mit­be­stim­mung des Per­so­nal­rats bei wis­sen­schaft­li­chen Mit­ar­bei­tern

In dem hier vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Rechts­streit war Streit­ge­gen­stand die Ver­pflich­tung des Dienst­herrn, das Mit­be­stim­mungs­ver­fah­ren in Bezug auf die Ein­grup­pie­rung des betrof­fe­nen Beschäf­tig­ten fort­zu­set­zen. Bei bei dem in Rede ste­hen­den Mit­ar­bei­ter han­delt um einen Beschäf­tig­ten mit über­wie­gend wis­sen­schaft­li­cher Tätig­keit im Sin­ne von § 77 Abs. 1 Satz 1 Alt. 3 BPers­VG. In Per­so­nal­an­ge­le­gen­hei­ten der­ar­ti­ger Mit­ar­bei­ter bestimmt der Per­so­nal­rat nur mit, wenn sie es bean­tra­gen. Die Ein­lei­tung eines Mit­be­stim­mungs­ver­fah­rens und die Fort­set­zung eines abge­bro­che­nen Mit­be­stim­mungs­ver­fah­rens setzt daher in einem sol­chen Fall vor­aus, dass der betrof­fe­ne Beschäf­tig­te einen Antrag auf Mit­be­stim­mung durch den Per­so­nal­rat stellt. Dar­an fehl­te es vor­lie­gend.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt lässt es daher dahin­ste­hen, ob die Dienst­stel­le den Beschäf­tig­ten auf sein per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­li­ches Antrags­recht hät­te hin­wei­sen müs­sen. Denn die Ver­let­zung einer etwai­gen Hin­weis­pflicht ersetzt nicht im Wege einer Fik­ti­on den feh­len­den Antrag des Beschäf­tig­ten als Vor­aus­set­zung für die Ein­lei­tung oder Fort­set­zung des Mit­be­stim­mungs­ver­fah­rens. Der Zweck der antrags­ab­hän­gi­gen Mit­be­stim­mung besteht in den Fäl­len des § 77 Abs. 1 Satz 1 Alt. 3 BPers­VG dar­in, durch die Beschrän­kung der Per­so­nal­rats­be­tei­li­gung bei per­so­nel­len Maß­nah­men die Frei­heit von Wis­sen­schaft, For­schung und Leh­re zu gewähr­leis­ten. Der Gesetz­ge­ber woll­te ange­sichts des beson­de­ren Pro­fils von Per­so­nen mit wis­sen­schaft­li­cher Tätig­keit es die­sen über­las­sen, ob sie den per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­li­chen Schutz wün­schen oder eine von der Per­so­nal­ver­tre­tung völ­lig unbe­ein­fluss­te Ent­schei­dung vor­zie­hen 1. Die­se Ent­schei­dungs­frei­heit wür­de ver­letzt, wenn der Per­so­nal­rat allein den Ver­stoß gegen eine etwai­ge Hin­weis­pflicht der Dienst­stel­le zum Anlass neh­men könn­te, ohne oder gar gegen den Wil­len des betrof­fe­nen Beschäf­tig­ten in des­sen Per­so­nal­an­ge­le­gen­heit das Mit­be­stim­mungs­ver­fah­ren durch­zu­füh­ren.

Davon unbe­rührt bleibt, dass bei Ver­let­zung einer – unter bestimm­ten tat­säch­li­chen oder recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen anzu­neh­men­den – Hin­weis­pflicht belas­ten­de Maß­nah­men gegen­über dem Beschäf­tig­ten sich als rechts­wid­rig oder unwirk­sam erwei­sen kön­nen 2. In der vor­lie­gen­den Sache geht es jedoch nicht um die Recht­mä­ßig­keit bzw. Rechts­wirk­sam­keit per­so­nel­ler Maß­nah­men, son­dern um das Mit­be­stim­mungs­recht des Per­so­nal­rats in Per­so­nal­an­ge­le­gen­hei­ten. Die­ses kann der Per­so­nal­rat in den Fäl­len des § 77 Abs. 1 Satz 1 BPers­VG nur wahr­neh­men, wenn der betrof­fe­ne Beschäf­tig­te den Antrag auf Betei­li­gung stellt.

Die­se Auf­fas­sung weicht nicht ab vom dem Beschluss des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts vom 20.03.2002 3 ab. Dort fin­det sich ledig­lich die Aus­sa­ge, dass die Dienst­stel­le zweck­mä­ßig und im Ein­klang mit § 77 Abs. 1 Satz 1 BPers­VG han­delt, wenn sie zu Beginn eines Stel­len­be­set­zungs­ver­fah­rens sämt­li­che Bewer­ber danach befragt, ob sie den Mit­be­stim­mungs­an­trag stel­len 4. Damit ist nicht zugleich gesagt, dass die Dienst­stel­le den von der per­so­nel­len Maß­nah­me betrof­fe­nen Bewer­ber bzw. Beschäf­tig­ten über das Antrags­recht beleh­ren muss, schon gar nicht, dass bei Nicht­be­fol­gung der Hin­weis­pflicht der Per­so­nal­rat ohne Antrag­stel­lung das Recht auf Durch­füh­rung bzw. Fort­set­zung des Mit­be­stim­mungs­ver­fah­rens hat.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 27. Febru­ar 2013 – 6 PB 3.13

  1. vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 07.10.1988 – 6 P 30.85, BVerw­GE 80, 265, 267 = Buch­holz 251.2 § 89 Bln­Pers­VG Nr. 1 S. 3 und vom 20.03.2002 – 6 P 6.01, Buch­holz 250 § 77 BPers­VG Nr. 16 S. 6 f.[]
  2. vgl. in Beam­ten­an­ge­le­gen­hei­ten: BVerwG, Urtei­le vom 24.11.1983 – 2 C 27.82, BVerw­GE 68, 197 = Buch­holz 237.0 § 38 LBG BW Nr. 4, vom 23.02.1989 – 2 C 76.86, BVerw­GE 81, 277, 279 = Buch­holz 232 § 31 BBG Nr. 46 S. 5 f. und vom 09.12.1999 – 2 C 4.99, BVerw­GE 110, 173, 177 ff. = Buch­holz 232 § 35 BBG Nr. 4 S. 3 ff.; in Arbeit­neh­mer­an­ge­le­gen­hei­ten: BAG, Urtei­le vom 26.08.1993 – 2 AZR 376/​93BAGE 74, 158, 161 ff., vom 03.11.1999 – 7 AZR 880/​98 – AP Nr. 1 zu § 5 LPVG NW Bl. 1369 und vom 06.03.2003 – 2 AZR 50/​02[]
  3. BVerwG, Beschluss vom 20.03.2002, a.a.O.[]
  4. BVerwG, a.a.O. S. 9[]