Namens­schil­der und Dienst­num­mern­schil­der für Poli­zis­ten

Das Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt Sach­sen-Anhalt hat die am 21.07.2017 bzw. 01.07.2018 in Kraft getre­te­nen Rege­lun­gen des § 12 Abs. 2 bis 5 des Geset­zes über die öffent­li­che Sicher­heit und Ord­nung des Lan­des Sach­sen-Anhalt (SOG) zur Pflicht der Poli­zei­be­am­ten zum Tra­gen von Namen­s­und Dienst­num­mern­schil­dern für ver­fas­sungs­ge­mäß erklärt.

Namens­schil­der und Dienst­num­mern­schil­der für Poli­zis­ten
  1. Die Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz des Lan­des umfasst die Rege­lung einer Kenn­zeich­nungs­pflicht für Poli­zei­be­am­te zu Zwe­cken der Straf­ver­fol­gungs­vor­sor­ge.
  2. Die Ver­pflich­tung von Poli­zei­be­am­ten zum Tra­gen eines Namens­schil­des gemäß § 12 Abs. 2 S. 1 SOG LSA greift in das Recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung aus Art. 6 Abs. 1 LVerf ein, ist jedoch ver­fas­sungs­recht­lich gerecht­fer­tigt. Das Inter­es­se an der Auf­klä­rung mög­li­cher Pflicht­ver­let­zun­gen begrün­det ein hin­rei­chend gewich­ti­ges All­ge­mein­wohl­in­ter­es­se an der Kenn­zeich­nung von Poli­zei­be­am­ten.
  3. Es kann dahin­ste­hen, ob die Pflicht zur pseud­ony­men Kenn­zeich­nung mit einem Dienst­num­mern­schild und einer tak­ti­schen Kenn­zeich­nung in das Grund­recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung aus Art. 6 Abs. 1 LVerf ein­greift. Ein Ein­griff wäre jeden­falls aus den glei­chen Grün­den ver­fas­sungs­recht­lich gerecht­fer­tigt wie die Pflicht zur nament­li­chen Kenn­zeich­nung.

Das Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt Sach­sen-Anhalt hat damit einen Nor­men­kon­troll­an­trag der Mit­glie­der einer Frak­ti­on im Land­tag von Sach­sen-Anhalt zurück­ge­wie­sen. Gegen­stand des Ver­fah­rens war die Fra­ge der Ver­ein­bar­keit des § 12 Abs. 2 bis 5 des Geset­zes über die öffent­li­che Sicher­heit und Ord­nung des Lan­des Sach­sen-Anhalt mit Art. 72 Abs. 1 GG, Art. 2 Abs. 1 GG i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG/​Art. 5 Abs. 1 i.V.m. Art. 4 Abs. 1 der Ver­fas­sung des Lan­des Sach­sen-Anhalt. Der Inhalt der ange­grif­fe­nen Norm umfasst die nament­li­che Kenn­zeich­nungs­pflicht, ins­be­son­de­re die Rege­lun­gen zur nach­träg­li­chen Iden­ti­täts­fest­stel­lung mit­tels Dienst­num­mer, und Erhe­bung sowie Spei­che­rung der per­so­nen­be­zo­ge­nen Daten der betrof­fe­nen Poli­zei­be­am­ten. Die Antrag­stel­ler ver­tre­ten die Auf­fas­sung, dem Land feh­le bereits die Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz. Inhalt­lich grei­fe die Kenn­zeich­nungs­pflicht zudem als Aus­druck eines Gene­ral­ver­dachts in unzu­läs­si­ger Wei­se in das Per­sön­lich­keits­recht der Beam­ten, ins­be­son­de­re in deren Grund­recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung, ein.

Die ange­grif­fe­nen Nor­men sei­en, so das Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt, der Straf­ver­fol­gungs­vor­sor­ge im Vor­feld eines Straf­tat­ver­dachts zuzu­ord­nen und unter­fie­len damit der soge­nann­ten kon­kur­rie­ren­den Gesetz­ge­bung nach Art. 74 des Grund­ge­set­zes. Da der Bund inso­weit kei­ne Rege­lun­gen getrof­fen habe, sei der Lan­des­ge­setz­ge­ber befugt, Rege­lun­gen zur Straf­ver­fol­gungs­vor­sor­ge durch Kenn­zeich­nungs­pflich­ten für Poli­zei­be­am­te zu tref­fen. Das Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt bejah­te einen Ein­griff in das Recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung durch die Ver­pflich­tung zum Tra­gen des Namens­schil­des. Jener sei jedoch unter Berück­sich­ti­gung der Ein­schät­zungs­prä­ro­ga­ti­ve des Gesetz­ge­bers ver­fas­sungs­recht­lich durch das All­ge­mein­in­ter­es­se an der Auf­klä­rung mög­li­cher Pflicht­ver­let­zun­gen gerecht­fer­tigt. Eine Rest­ge­fahr aus einer Kennt­nis von Drit­ten vom Namen eines Poli­zei­be­am­ten gehe nicht über die Risi­ken des Berufs hin­aus, die jedem Poli­zei­be­am­ten, der die­sen Beruf ergreift, bekannt und im Rah­men sei­nes Dienst­ver­hält­nis­ses zumut­bar sei­en. Ob die Pflicht zum Tra­gen eines Dienst­num­mern­schil­des und der tak­ti­schen Kenn­zeich­nung einen Ein­griff in das Recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung dar­stel­le, ließ das Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt offen. Ein sol­cher wäre jeden­falls eben­falls gerecht­fer­tigt, weil eine Pflicht zu einer sol­chen pseud­ony­men Kenn­zeich­nung von gerin­ge­rem Gewicht im Ver­gleich mit der nament­li­chen Kenn­zeich­nung sei. Einen Ein­griff in die Men­schen­wür­de der betrof­fe­nen Poli­zei­be­am­ten durch die Kenn­zeich­nungs­pflicht hat das Gericht ver­neint; die Anony­mi­tät gehö­re nicht zu dem durch Art. 4 der Lan­des­ver­fas­sung geschütz­ten Bereich der Men­schen­wür­de.

Die ange­grif­fe­ne Rege­lung ist for­mell und mate­ri­ell mit der Lan­des­ver­fas­sung ver­ein­bar. Das Land ist zur Gesetz­ge­bung über die in § 12 Abs. 2 – 5 SOG LSA gere­gel­te Kenn­zeich­nungs­pflicht für Poli­zei­be­am­te zustän­dig. Weder die Ver­pflich­tung zum Tra­gen eines Namens­schil­des noch die zum Tra­gen eines Dienst­num­mern­schil­des oder einer tak­ti­schen Kenn­zeich­nung ver­let­zen das Daten­schutz­grund­recht aus Art. 6 Abs. 1 LVerf. Die Kenn­zeich­nungs­pflicht ver­letzt auch nicht die Men­schen­wür­de gem. Art. 4 LVerf.

Die ange­grif­fe­ne Rege­lung über­schrei­tet nicht die auf in der lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt­li­chen Nor­men­kon­trol­le zu über­prü­fen­de Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz des Lan­des aus Art. 30, 70 Abs. 1 GG.

Kon­troll­maß­stab in den Ver­fah­ren der Nor­men­kon­trol­le vor dem Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt ist gem. Art. 75 Nr. 3 LVerf die Lan­des­ver­fas­sung. Soweit das Feh­len einer Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz des Lan­des als Grund für die Ver­fas­sungs­wid­rig­keit einer Norm gel­tend gemacht wird, kön­nen auch die Kom­pe­tenz­ver­tei­lungs­re­ge­lun­gen des Grund­ge­set­zes in die Prü­fung des Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richts ein­be­zo­gen wer­den. Lan­des­ver­fas­sungs­recht­li­cher Anknüp­fungs­punkt der Prü­fung ist in die­sen Fäl­len das in Art. 2 Abs. 1 LVerf ver­an­ker­te Rechts­staats­prin­zip, das auch ver­langt, dass der Lan­des­ge­setz­ge­ber nur im Rah­men sei­ner Gesetz­ge­bungs­zu­stän­dig­kei­ten Geset­ze erlässt. Da nach der Rege­lungs­sys­te­ma­tik der föde­ra­len Ord­nung des Grund­ge­set­zes das Bestehen einer Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz der Län­der nur mit Blick auf die Ver­tei­lung der Gesetz­ge­bungs­kom­pe­ten­zen in den Art. 70 ff. GG sowie die dar­auf beru­hen­de Gesetz­ge­bungs­tä­tig­keit des Bun­des bestimmt wer­den kann, erweist sich die Ein­be­zie­hung der ein­schlä­gi­gen Nor­men des Grund­ge­set­zes sowie der Gesetz­ge­bungs­tä­tig­keit des Bun­des als uner­läss­lich, um die von der Lan­des­ver­fas­sung auf­er­leg­te Rechts­bin­dung zu über­prü­fen 1. Soweit es dabei um die Aus­le­gung von Vor­schrif­ten des Grund­ge­set­zes geht, ist die vor­ran­gi­ge Inter­pre­ta­ti­ons­zu­stän­dig­keit des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts für das Grund­ge­setz zu beach­ten und in Zwei­fels­fäl­len eine Vor­la­ge nach Art. 100 Abs. 3 GG erfor­der­lich. Die in Bezug auf die zur Prü­fung gestell­te Norm gerüg­te feh­len­de Gesetz­ge­bungs­zu­stän­dig­keit des Lan­des kann – und muss – inner­halb die­ses recht­li­chen Rah­mens durch das Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt geprüft wer­den.

Die Zustän­dig­keit des Lan­des­ge­setz­ge­bers für die ange­grif­fe­ne Rege­lung ist nicht durch eine Bun­des­kom­pe­tenz ver­drängt, Art. 70 Abs. 1 GG.

Der Zweck der Rege­lung fällt zwar zumin­dest auch in den Bereich der Vor­sor­ge für die Ver­fol­gung von Straf­ta­ten und damit in den Bereich der kon­kur­rie­ren­den Gesetz­ge­bung des Bun­des nach Art. 74 Abs. 1 Nr. 1 GG. Durch die­se Vor­schrift des Grund­ge­set­zes ist aber nicht jede gesetz­li­che Rege­lung durch die Län­der aus­ge­schlos­sen, die sich auf Tat­be­stän­de im Vor­feld einer (mög­li­chen) Straf­tat bezieht. Nur dann, wenn der Lan­des­ge­setz­ge­ber eine der ver­beu­gen­den Straf­ver­fol­gung die­nen­de Rege­lung erlas­sen hät­te, für die der Bun­des­ge­setz­ge­ber eine abschlie­ßen­de Rege­lung getrof­fen hat, wäre die­se unzu­läs­sig, Art. 72 Abs. 1 GG 2.

Für das Recht der Straf­ver­fol­gung hat der Bun­des­ge­setz­ge­ber sei­ne Kom­pe­tenz aus Art. 74 Abs. 1 Nr. 1 GG mit dem Erlass der Straf­pro­zess­ord­nung Gebrauch gemacht. Deren Rege­lun­gen knüp­fen über­wie­gend an einen Straf­tat­ver­dacht an. Rege­lun­gen zur Straf­ver­fol­gungs­vor­sor­ge im Vor­feld eines Straf­tat­ver­dachts sind nur punk­tu­ell im Zusam­men­hang mit bestimm­ten Befug­nis­sen gere­gelt 3. Pflich­ten von Beam­ten mit dem Zweck, für den Fall einer Straf­tat ihre Iden­ti­fi­zie­rung als Täter zu ermög­li­chen oder zu erleich­tern, sieht die Straf­pro­zess­ord­nung nicht vor. Der Ver­zicht des Bun­des­ge­setz­ge­bers auf sol­che Rege­lun­gen soll sie nicht abschlie­ßend aus den Mit­teln der Straf­ver­fol­gungs­vor­sor­ge fern­hal­ten, son­dern läßt sie dem Lan­des­ge­setz­ge­ber für die betref­fen­den Rege­lungs­zu­sam­men­hän­ge, hier das Recht der Gefah­ren­ab­wehr durch die Poli­zei, offen. Da der Bun­des­ge­setz­ge­ber sei­ne Kom­pe­tenz inso­weit also nicht aus­ge­schöpft hat, kann der Lan­des­ge­setz­ge­ber Rege­lun­gen zur Straf­ver­fol­gungs­vor­sor­ge durch Kenn­zeich­nungs­pflich­ten für Poli­zei­be­am­te tref­fen.

Soweit die nament­li­che Kenn­zeich­nung mit­tels der Straf­ver­fol­gungs­vor­sor­ge einen prä­ven­ti­ven Effekt ver­spricht, indem sie durch die Auf­he­bung der Anony­mi­tät die han­deln­den Poli­zei­be­am­ten von – unter Umstän­den straf­ba­ren – Pflicht­ver­let­zun­gen abzu­hal­ten geeig­net ist, über­schnei­det sich ihre Wir­kung mit dem gene­ral­prä­ven­ti­ven Zweck der jeweils in Rede ste­hen­den Straf­nor­men. Aber sie bleibt im Rah­men einer mit­tel­ba­ren Wir­kung der Straf­ver­fol­gungs­vor­sor­ge und tritt nicht der­art als ein eigen­stän­di­ger Zweck dane­ben, dass sie in die Bun­des­kom­pe­tenz aus Art. 74 Abs. 1 Nr. 1 GG über­grif­fe.

Die Ver­pflich­tung zum Tra­gen eines Namens­schil­des greift in das Recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung aus Art. 6 Abs. 1 LVerf ein.

Auf die­ses Recht kön­nen sich auch Beam­te beru­fen. Der Grund­rechts­schutz im Beam­ten­ver­hält­nis ist aner­kannt 4. Pflich­ten aus dem Beam­ten­ver­hält­nis kön­nen in Grund­rech­te ein­grei­fen, soweit sie über die all­ge­mei­ne Ver­pflich­tung zur Aus­übung des Diens­tes hin­aus grund­recht­lich geschütz­te Inter­es­sen des Amts­wal­ters beein­träch­ti­gen 5.

Der Name ist ein per­so­nen­be­zo­ge­nes Datum im Sin­ne des Art. 6 Abs. 1 LVerf.

Die Ver­pflich­tung des Beam­ten zum Tra­gen eines Namens­schil­des bedeu­tet, dass er den Bür­gern gegen­über mit sei­nem Namen auf­zu­tre­ten hat, die­se somit als Drit­te von sei­nem Namen Kennt­nis erhal­ten. Dies wirkt als eine Wei­ter­ga­be des per­so­nen­be­zo­ge­nen Datums an Drit­te und damit als "Ver­ar­bei­tung" im Sin­ne des Art. 6 Abs. 1 S. 3 LVerf, die dem grund­rechts­ge­bun­de­nen Dienst­herrn zuzu­rech­nen ist.

Die­ser Ein­griff in das Grund­recht aus Art. 6 Abs. 1 LVerf ist ver­fas­sungs­recht­lich gerecht­fer­tigt.

Gemäß Art. 6 Abs. 1 S. 2 LVerf unter­liegt das Recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung einem Geset­zes­vor­be­halt. Dem Erfor­der­nis der gesetz­li­chen Ermäch­ti­gung ist durch § 12 Abs. 2 SOG LSA genügt. Die Rege­lung erfüllt auch die beson­de­ren Anfor­de­run­gen des Art. 6 Abs. 1 S. 3 LVerf, wonach Inhalt, Zweck und Aus­maß der Erhe­bung, Ver­ar­bei­tung und Nut­zung der per­so­nen­be­zo­ge­nen Daten zu bestim­men und das Recht auf Aus­kunft, Löschung und Berich­ti­gung näher zu regeln sind. Es bestehen kei­ne Beden­ken dage­gen, dass der Gesetz­ge­ber in § 12 Abs. 5 SOG LSA das zustän­di­ge Minis­te­ri­um ermäch­tigt hat, Inhalt, Umfang und Aus­nah­men von der Kenn­zeich­nungs­pflicht durch Rechts­ver­ord­nung näher zu bestim­men. Der Gesetz­ge­ber hat die wesent­li­chen Rege­lun­gen im Gesetz selbst bestimmt. Soll­te eine ent­spre­chen­de Ver­ord­nung den Bestim­mun­gen des § 12 Abs. 2 – 4 SOG LSA zuwi­der­lau­fen, wür­de dies zur Unwirk­sam­keit der ent­spre­chen­den Rege­lung der Ver­ord­nung füh­ren; eine dar­auf gestütz­te Wei­sung wäre rechts­wid­rig. Die Ver­fas­sungs­ge­mäß­heit der bean­stan­de­ten Vor­schrift wür­de davon nicht berührt.

Die Pflicht zur nament­li­chen Kenn­zeich­nung ist ver­hält­nis­mä­ßig.

Die Lan­des­re­gie­rung hat zum gesetz­ge­be­ri­schen Zweck in der Begrün­dung des Ent­wurfs der Lan­des­re­gie­rung vom 02.12.2016, Sei­te 9, Drs. 7/​685 aus­ge­führt:

"[…] das Tra­gen von Namens­schil­dern bzw. einer indi­vi­du­el­len Kenn­zeich­nung ist in einer moder­nen, welt­of­fe­nen und bür­ger­na­hen Poli­zei ein maß­geb­li­ches Ele­ment der Bür­ger­ori­en­tie­rung, das von den Bür­ge­rin­nen und Bür­gern erwar­tet wird. Es trägt zur Stär­kung des Ver­trau­ens in die Poli­zei bei, wenn die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger nicht einer anony­men Staats­macht gegen­über ste­hen, son­dern einer dia­log­be­rei­ten und indi­vi­du­ell ver­ant­wort­lich han­deln­den Poli­zei. Die Poli­zei des Lan­des Sach­sen-Anhalt hat einen sehr hohen Stel­len­wert bei den Bür­ge­rin­nen und Bür­gern des Lan­des. Grund­la­ge für das ent­ge­gen­ge­brach­te Ver­trau­en in die Arbeit der Poli­zei sind Pro­fes­sio­na­li­tät, eine gute Aus­bil­dung sowie moder­ne Aus­stat­tung und hohe Moti­va­ti­on. Zu einer bür­ger­na­hen und bür­ger­ori­en­tier­ten Poli­zei gehört aber ins­be­son­de­re auch die Mög­lich­keit, den ein­zel­nen Poli­zei­voll­zugs­be­am­ten im täg­li­chen Dienst­ge­sche­hen per­sön­lich anspre­chen zu kön­nen. Dies ist Aus­druck eines moder­nen staat­li­chen Selbst­ver­ständ­nis­ses und öffent­li­chen Diens­tes."

Im Inter­es­se der Ver­trau­ens­wür­dig­keit und indi­vi­du­el­len Ver­ant­wort­lich­keit der Poli­zei soll die Kenn­zeich­nungs­pflicht ins­be­son­de­re auch einer schnel­len und ver­läss­li­chen Auf­klä­rung im Fal­le etwai­ger Pflicht­ver­let­zun­gen die­nen.

Das Inter­es­se an der Auf­klä­rung von Pflicht­ver­let­zun­gen begrün­det ein All­ge­mein­wohl­in­ter­es­se an der nament­li­chen Kenn­zeich­nung von Poli­zei­be­am­ten. Ein sol­ches Inter­es­se ist nicht nur dann gege­ben, wenn ein beson­de­res Inter­es­se des Staa­tes besteht bzw. eine ori­gi­nä­re staat­li­che Auf­ga­be erfüllt wird. Ein All­ge­mein­wohl­in­ter­es­se liegt auch dann vor, wenn sich dies aus dem Inter­es­se des Bür­gers ablei­ten lässt. Dies kann sich z. B. aus dem Inter­es­se des Bür­gers auf die Gewähr­leis­tung effek­ti­ven Rechts­schut­zes erge­ben 6. Die in Art. 4 bis 23 LVerf genann­ten Grund­rech­te bin­den nach Art. 3 Abs. 1 LVerf Gesetz­ge­bung, voll­zie­hen­de Gewalt und Recht­spre­chung. Zu dem hier­aus fol­gen­den Gemein­wohl­auf­trag gehört es daher, die recht­li­chen Inter­es­sen und grund­recht­lich geschütz­ten Belan­ge des Bür­gers bei der Amts­füh­rung durch Beam­te zu berück­sich­ti­gen und Vor­keh­run­gen zu deren Schutz zu tref­fen 7.

Zu die­sem Zweck ist die Kenn­zeich­nungs­pflicht geeig­net, erfor­der­lich und ange­mes­sen.

Von Poli­zei­be­am­ten wird erwar­tet, dass sie ein rechts­kon­for­mes Ver­hal­ten an den Tag legen. Die­se Erwar­tung wird zwar in aller Regel erfüllt. Fehl­ver­hal­ten ist aber nicht grund­sätz­lich aus­zu­schlie­ßen. Für den Fall einer Pflicht­ver­let­zung oder auch des blo­ßen Vor­wurfs einer sol­chen kann eine nament­li­che Kenn­zeich­nung dazu bei­tra­gen, die indi­vi­du­el­le Ver­ant­wort­lich­keit zu klä­ren und damit all­ge­mein sowie im Ein­zel­fall die Erwar­tung pflicht­ge­mä­ßen Ver­hal­tens zu bestä­ti­gen und zu sichern. Ins­be­son­de­re erleich­tert sie es den von einer poli­zei­li­chen Maß­nah­me betrof­fe­nen Bür­gern, ihre Grund­rech­te durch­zu­set­zen.

Die nament­li­che Kenn­zeich­nung ist zu dem mit ihr ver­folg­ten Zweck erfor­der­lich. Die Erfor­der­lich­keit eines vom Gesetz­ge­ber als erfor­der­lich ange­se­he­nen Mit­tels ent­fällt nicht bereits dann, wenn ein ande­res mil­de­res Mit­tel denk­bar erscheint, son­dern erst dann, wenn ein mil­de­res gleich wirk­sa­mes Mit­tel zur Ver­fü­gung steht 8. Eine gegen­über der nament­li­chen Kenn­zeich­nung mil­de­re, eben­so geeig­ne­te Maß­nah­me stellt das Tra­gen einer Zif­fer­no­der Buch­sta­ben­kom­bi­na­ti­on nicht dar. Nur durch die nament­li­che Kenn­zeich­nung weiß der betrof­fe­ne Bür­ger, wer ihm gegen­über­steht. Ein Name lässt sich eher mer­ken als die Abfol­ge von Zif­fern. Auch die Ver­pflich­tung der Poli­zei­be­am­ten in § 12 Abs. 1 SOG LSA, sich auf Ver­lan­gen aus­zu­wei­sen, ist nicht so geeig­net wie die nament­li­che Kenn­zeich­nung. Sie setzt vor­aus, dass der Bür­ger danach fragt. Das ist eine Hür­de, die bei einer nament­li­chen Kenn­zeich­nung nicht über­wun­den wer­den muss. Vor einer sol­chen Fra­ge wird der betrof­fe­ne Bür­ger mög­li­cher­wei­se Scheu emp­fin­den. Zudem wird in vie­len Situa­tio­nen die Beant­wor­tung der Fra­ge nicht mög­lich sein.

Die nament­li­che Kenn­zeich­nung ist auch ange­mes­sen. Das Inter­es­se der Poli­zei­be­am­ten dar­an, dass ihr Name nicht auf die­se Wei­se kennt­lich wird, über­wiegt das All­ge­mein­wohl­in­ter­es­se an der nament­li­chen Kenn­zeich­nung nicht.

Die Beein­träch­ti­gung des Rechts auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung aus Art. 6 Abs. 1 LVerf durch die Pflicht zur nament­li­chen Kenn­zeich­nung ist von ver­gleichs­wei­se gerin­gem Gewicht.

Die gesetz­li­che Rege­lung mil­dert die Reich­wei­te des Ein­griffs dadurch ab, dass sie Aus­nah­men von der Pflicht zum Tra­gen des Namens­schil­des vor­sieht. Bei Ein­sät­zen in Ein­satz­ein­hei­ten ent­fällt die Pflicht zur nament­li­chen Kenn­zeich­nung voll­stän­dig. Die Ver­pflich­tung zur nament­li­chen Kenn­zeich­nung besteht wei­ter­hin dann nicht, wenn hier­durch der Zweck der Amts­hand­lung oder über­wie­gen­de schutz­wür­di­ge Belan­ge des Beam­ten beein­träch­tigt wer­den. Dabei konn­te der Gesetz­ge­ber all­täg­lich auf­tre­ten­de Gefähr­dun­gen der Inter­es­sen von Poli­zei­be­am­ten als zumut­bar anse­hen. Wenn aus bekann­ten Tat­sa­chen oder Umstän­den Anhalts­punk­te für eine dar­über hin­aus­ge­hen­de Gefähr­dung für den Poli­zei­be­am­ten durch die nament­li­che Kenn­zeich­nung vor­lie­gen und in die­ser spe­zi­el­len Situa­ti­on die Annah­me gerecht­fer­tigt ist, es soll­ten auf­grund des Namens wei­te­re außer­dienst­li­che Daten des Beam­ten erlangt wer­den, besteht die nament­li­che Kenn­zeich­nungs­pflicht nicht. Der Ein­griff durch die gesetz­li­che Ver­pflich­tung zum Tra­gen eines Namens­schil­des wird auch dadurch erheb­lich abge­mil­dert, dass der Poli­zei­be­am­te über die Aus­nah­me selbst ent­schei­den kann, ohne vor­ab eine Ver­wal­tungs­ent­schei­dung oder die Ent­schei­dung eines Vor­ge­setz­ten ein­zu­ho­len; viel­mehr beur­teilt der betrof­fe­ne Beam­te den Aus­nah­me­tat­be­stand vor Ort selbst. Hier­zu ist ein Poli­zei­be­am­ter auch in der Lage. Das geht nicht dar­über hin­aus, was von ihm im Übri­gen für die Ein­schät­zung von Gefah­ren abver­langt wird. In Anbe­tracht der Viel­ge­stal­tig­keit und Unvor­her­seh­bar­keit von Ein­satz­la­gen bedurf­te es hier­zu kei­ner wei­ter­ge­hen­den Rege­lun­gen durch den Gesetz­ge­ber.

Das Gewicht eines Ein­griffs in die infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung hängt des wei­te­ren u. a. davon ab, wel­che Inhal­te von dem Ein­griff erfasst wer­den, ins­be­son­de­re wel­chen Grad an Per­sön­lich­keits­re­le­vanz die ent­spre­chen­den Infor­ma­tio­nen für sich und in ihrer Ver­knüp­fung mit ande­ren Infor­ma­tio­nen auf­wei­sen 9. Infor­ma­ti­ons­be­zo­ge­ne Grund­rechts­ein­grif­fe wie­gen umso schwe­rer, je nach­dem wel­che Nach­tei­le den Betrof­fe­nen auf­grund des Ein­griffs dro­hen oder nicht ohne Grund befürch­tet wer­den 10.

Der Name eines Poli­zei­be­am­ten stellt für sich genom­men kei­ne inti­me Infor­ma­ti­on dar. Aller­dings kön­nen durch wei­te­re Recher­chen zumin­dest bei eher sel­te­ne­ren Namen wei­te­re Daten des Poli­zei­be­am­ten in Erfah­rung gebracht wer­den. Damit ist es – soweit nicht eine Aus­nah­me von der Kenn­zeich­nungs­pflicht greift – nicht aus­zu­schlie­ßen, dass für die Beam­ten oder Per­so­nen aus ihrem sozia­len Umfeld Gefähr­dun­gen ent­ste­hen.

Im Ergeb­nis der öffent­li­chen Anhö­rung des Land­ta­ges von Sach­sen-Anhalt von sach­kun­di­gen Per­so­nen, Ver­tre­tern von Inter­es­sen­grup­pen und der Wis­sen­schaft hat der Gesetz­ge­ber die Gefähr­dung jedoch gerin­ger gewich­tet. Da die­se Risi­ken nicht exakt abschätz­bar sind, steht dem Gesetz­ge­ber die­se Ein­schät­zungs­prä­ro­ga­ti­ve zu 11. Dem Gesetz­ge­ber sind Über­grif­fe auf Poli­zei­be­am­te im pri­va­ten Bereich nicht bekannt. Zu die­sem Ergeb­nis kam im Rah­men der vor­ge­nann­ten Anhö­rung auch Prof. Dr. Cle­mens Arzt vom For­schungs­in­sti­tut für öffent­li­che und pri­va­te Sicher­heit in der Anhö­rung des Innen­aus­schus­ses des Land­ta­ges von Sach­sen-Anhalt am 16.02.2018.

Dass bestimm­te Grup­pen von Links­o­der Rechts­ex­tre­mis­ten oder kri­mi­nel­le Ban­den ver­su­chen, – auch – Poli­zei­be­am­te ein­zu­schüch­tern, ist bekannt. Dies betrifft jedoch Ver­su­che der Ein­schüch­te­rung wäh­rend der Dienst­aus­übung. Dass es tat­säch­lich zu Über­grif­fen außer­halb des dienst­li­chen Bereichs gekom­men wäre, ist nicht bekannt und auch von den Antrag­stel­lern nicht dar­ge­legt. Die­se Gefähr­dun­gen unter­schei­den sich auch nicht von denen für ande­re Berufs­grup­pen des öffent­li­chen Diens­tes. Soweit Tätig­kei­ten ent­fal­tet wer­den, bei denen der öffent­lich Bediens­te­te mit Bür­gern in Kon­takt kommt, wird nahe­zu aus­nahms­los sein Name bekannt. Dabei ist zu berück­sich­ti­gen, dass auch ande­re Berufs­grup­pen des öffent­li­chen Diens­tes sich ohne wei­te­res dem Unmut von betrof­fe­nen Bür­gern aus­ge­setzt sehen kön­nen. So sind jeden­falls öffent­lich­keits­wirk­sam in der jün­ge­ren Ver­gan­gen­heit eher Mit­ar­bei­ter von Job­cen­tern Opfer von Angrif­fen gewor­den, wobei die­se Angrif­fe regel­mä­ßig im Dienst erfolg­ten und damit nicht Fol­ge einer nament­li­chen Kenn­zeich­nung waren.

Oft­mals wer­den die Namen der han­deln­den Poli­zei­be­am­ten ohne­hin bekannt, weil sie Berich­te oder Anzei­gen fer­ti­gen und mit ihrem Namen unter­zeich­nen. Aber auch Poli­zei­be­am­te, die über län­ge­re Zeit im länd­li­chen Bereich tätig sind oder als Kon­takt­be­reichs­be­am­te ein­ge­setzt sind, sind oft­mals nicht nur mit Nach­na­men, son­dern auch mit Vor­na­men und ihrem sozia­len Umfeld bekannt. Dass es bei die­sen Beam­ten zu Über­grif­fen im pri­va­ten Bereich gekom­men wäre, ist nicht bekannt.

Die ver­blei­ben­de Rest­ge­fahr aus einer Kennt­nis von Drit­ten vom Namen eines Poli­zei­be­am­ten geht nicht über die Risi­ken des Berufs hin­aus, die jedem Poli­zei­be­am­ten, der die­sen Beruf ergreift, wie ent­spre­chend auch ande­ren Berufs­grup­pen, bekannt sind und im Rah­men des Dienst­ver­hält­nis­ses zuge­mu­tet wer­den kön­nen.

Dem ver­gleichs­wei­se gering­fü­gi­gen Ein­griff in das infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mungs­recht der betrof­fe­nen Poli­zei­be­am­ten steht ein über­wie­gen­des All­ge­mein­wohl­in­ter­es­se gegen­über. Die Ver­hin­de­rung und Auf­klä­rung von Straf­ta­ten ist ein wesent­li­cher Auf­trag des rechts­staat­li­chen Gemein­we­sens 12. Dies gilt umso mehr im Hin­blick auf das Auf­tre­ten des Poli­zei­be­am­ten als Organ der Staats­macht, der im beson­de­ren Maße an Recht und Gesetz gebun­den ist. Die sach­ge­rech­te und rechts­kon­for­me Erle­di­gung staat­li­cher Auf­ga­ben bean­sprucht eben­falls Ver­fas­sungs­rang (Art.20 Abs. 3 GG; Art. 2 Abs. 4 LVerf). Eben­so gewähr­leis­tet die nament­li­che Kenn­zeich­nung des Beam­ten auch die effek­ti­ve Durch­setz­bar­keit von Ansprü­chen des von einer poli­zei­li­chen Maß­nah­me betrof­fe­nen Bür­gers.

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat deut­lich tie­fer ein­grei­fen­de Trans­pa­renz­pflich­ten zuguns­ten von Geset­zes­zwe­cken ohne Ver­fas­sungs­rang als ange­mes­sen beur­teilt 13.

Ange­sichts der Ver­ein­bar­keit der Pflicht zur nament­li­chen Kenn­zeich­nung mit Art. 6 Abs. 1 LVerf kann die Pflicht zur pseud­ony­men Kenn­zeich­nung mit einem Dienst­num­mern­schild und einer tak­ti­schen Kenn­zeich­nung erst recht nicht als Grund­rechts­ver­let­zung erkannt wer­den.

Es kann dahin­ste­hen, ob sie über­haupt in das Grund­recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung aus Art. 6 Abs. 1 LVerf ein­greift. Zwar ist auch ein Pseud­onym ein per­so­nen­be­zo­ge­nes Datum, solan­ge es sich – wie hier – durch die Ver­knüp­fung mit den Daten über die Zuord­nung zum ein­zel­nen Poli­zei­be­am­ten ent­schlüs­seln lässt. Zwei­fel­haft ist aber, ob die Wei­ter­ga­be eines blo­ßen Iden­ti­fi­zie­rungs­merk­mals in einer Situa­ti­on, in der der Poli­zei­be­am­te ohne­hin unaus­weich­lich als Indi­vi­du­um – etwa mit sei­nem Gesicht und auch sonst in sei­nem äuße­ren Erschei­nungs­bild – erkenn­bar und zure­chen­bar han­delt, die für eine Beein­träch­ti­gung der infor­ma­tio­nel­len Selbst­be­stim­mung ent­schei­den­de, zumin­dest poten­ti­el­le, Risi­ko­er­hö­hung für die freie Ent­fal­tung der Per­sön­lich­keit 14 bewirkt.

Jeden­falls wäre eine Ein­griffs­wir­kung der Pflicht zur pseud­ony­men Kenn­zeich­nung ver­fas­sungs­recht­lich gerecht­fer­tigt. Hier­für gilt nichts ande­res als für die Ver­pflich­tung zur nament­li­chen Kenn­zeich­nung. Im Ver­gleich mit die­ser ist die Pflicht zur pseud­ony­men Kenn­zeich­nung von noch gerin­ge­rem Gewicht. Die indi­vi­du­el­le Zuord­nung der Dienst­num­mer oder tak­ti­schen Kenn­zeich­nung zum ein­zel­nen Beam­ten ist nur dem Dienst­herrn mög­lich. Wird sie nach außen wei­ter­ge­ge­ben, liegt hier­in ein recht­lich selb­stän­dig zu beur­tei­len­der Akt der Daten­wei­ter­ga­be, der sich an den jeweils ein­schlä­gi­gen Vor­schrif­ten mes­sen las­sen muss.

Die Kenn­zeich­nungs­pflicht gem. § 12 Abs. 2 – 4 SOG LSA berührt die Men­schen­wür­de der betrof­fe­nen Poli­zei­be­am­ten gem. Art. 4 LVerf nicht.

Die Antrag­stel­ler sehen eine sol­che Ver­let­zung dar­in, dass durch die Kenn­zeich­nung der Poli­zei­be­am­ten die­se zum blo­ßen Objekt der Straf­ver­fol­gung degra­diert wer­den. Eine sol­che Degra­die­rung zu einem Objekt der Straf­ver­fol­gung ist aber nicht allein dar­in zu sehen, dass ein mög­li­cher Täter einer Straf­tat nam­haft gemacht wer­den kann. Ein Ver­stoß gegen die Men­schen­wür­de liegt nur dann vor, "wenn der Staat das Recht für sich in Anspruch neh­men könn­te, den Men­schen in sei­ner gan­zen Per­sön­lich­keit zu regis­trie­ren und zu kata­lo­gi­sie­ren […]. Ein sol­ches Ein­drin­gen in den Per­sön­lich­keits­be­reich durch eine umfas­sen­de Ein­sicht­nah­me in die per­sön­li­chen Ver­hält­nis­se sei­ner Bür­ger ist dem Staat auch des­halb ver­sagt, weil dem Ein­zel­nen um der frei­en und selbst­ver­ant­wort­li­chen Ent­fal­tung sei­ner Per­sön­lich­keit wil­len ein ‚Innen­raum‘ ver­blei­ben muss, in dem er ‚sich selbst besitzt‘ und ‚in den er sich zurück­zie­hen kann, zu dem die Umwelt kei­nen Zutritt hat, in dem man in Ruhe gelas­sen wird und ein Recht auf Ein­sam­keit genießt‘" 15. Vor­lie­gend wird durch die Kenn­zeich­nungs­pflicht ledig­lich die nach­träg­li­che Fest­stel­lung der Iden­ti­tät ermög­licht. Die Anony­mi­tät gehört aber nicht zu dem durch Art. 4 LVerf geschütz­ten Bereich der Men­schen­wür­de.

Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt Sach­sen ‑Anhalt, Urteil vom 7. Mai 2019 – LVer­wal­tungs­ge­richt 4/​18

  1. LVerfG, Urteil vom 12.07.2005 – LVG 6/​04, Rn. 58, LVerfGE 16, 583 f. m. w. N.[]
  2. BVerfG, Urteil vom 27.05.2005 – 1 BvR 668/​04BVerfGE 113, 348, 369 – 375[]
  3. so für die Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­über­wa­chung BVerfGE 113, 348, 372 – 375[]
  4. vgl. BVerfG, Beschluss vom 21.04.2015 – 2 BvR 1322/​12, Rn. 57, m. w. N.[]
  5. zur Abgren­zung von ein­griffs­lo­sen Dienst­aus­übungs­vor­schrif­ten vgl. BVerwG, Urteil vom 17.11.2017 – 2 C 25.17, Rn. 34; Urteil vom 19.11.2015 – 2 A 6.13, Rn. 18; Beschluss vom 23.02.2017 – 2 B 14.15, Rn. 13[]
  6. OVG Ber­lin­Bran­den­burg, Urteil vom 05.09.2018 – 4 B 4.17, Rn. 47[]
  7. vgl. OVG Ber­lin­Bran­den­burg, a. a. O.[]
  8. st. Rspr.; statt vie­ler: BVerfG, Beschluss vom 22.08.2012 – 1 BvR 199/​11, Rn. 18[]
  9. vgl. BVerfG, Urteil vom 14.07.1999 – 1 BvR 2226/​94, Rn. 221; Urteil vom 03.03.2004 – 1 BvR 2378/​98, Rn. 263[]
  10. BVerfG, Urteil vom 14.07.1999, a. a. O., Rn. 221; Urteil vom 12.03.2003 – 1 BvR 330/​96, Rn. 75; Beschluss vom 04.04.2006, a. a. O., Rn. 108[]
  11. vgl. BVerfG, Urteil vom 24.11.2010 – 1 BvF 2/​05, Rn. 140[]
  12. BVerfG, Urteil vom 14.07.1999 – 1 BvR 2226/​94, Rn. 260 m. w. N.[]
  13. vgl. BVerfG, Beschluss vom 25.02.2008 – 1 BvR 3255/​07, Rn. 24, zur Ver­öf­fent­li­chung der Bezü­ge von Vor­stands­mit­glie­dern einer Kran­ken­kas­se im Inter­es­se der Trans­pa­renz hin­sicht­lich der Kos­ten im Gesund­heits­we­sen[]
  14. vgl. BVerfG, Urteil vom 15.12.1983 – 1 BvR 209, 269, 362, 420, 440, 484/​83, BVerfGE 65, 1, 42 f.[]
  15. BVerfG, Beschluss vom 16.07.1969 – 1 BvL 19/​63, BVerfGE 27, 1, 6[]