Öffent­li­cher Dienst – und die Alters­höchst­gren­zen für die Ein­stel­lung

Für die Bestim­mung einer Alters­höchst­gren­ze für die Ein­stel­lung in den öffent­li­chen Dienst in Nord­rhein-West­fa­len in der Lauf­bahn­ver­ord­nung 2009 fehlt es auf­grund der Ver­fas­sungs­wid­rig­keit von § 5 Abs. 1 Lan­des­be­am­ten­ge­setz an einer Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge.

Öffent­li­cher Dienst – und die Alters­höchst­gren­zen für die Ein­stel­lung

Leh­rer an öffent­li­chen Schu­len wer­den in Nord­rhein-West­fa­len, sofern die lauf­bahn- und sons­ti­gen beam­ten­recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen vor­lie­gen, in der Regel ver­be­am­tet (§ 57 Abs. 4 Satz 2 SchulG NRW [1]). Sie kön­nen auch als Tarif­be­schäf­tig­te nach dem Tarif­ver­trag für den öffent­li­chen Dienst der Län­der (TV‑L) ange­stellt wer­den [2]. Die Über­nah­me in das Beam­ten­ver­hält­nis auf Pro­be rich­tet sich unter ande­rem nach den Vor­schrif­ten der Ver­ord­nung über die Lauf­bah­nen der Beam­tin­nen und Beam­ten im Lan­de Nord­rhein-West­fa­len (Lauf­bahn­ver­ord­nung – LVO).

Auf­grund von § 5 Abs. 1 LBG [3] beschloss die Lan­des­re­gie­rung mit Wir­kung zum 18.07.2009 in Arti­kel 1 der Ver­ord­nung zur Ände­rung der Lauf­bahn­ver­ord­nung und ande­rer dienst­recht­li­cher Vor­schrif­ten [4] eine teil­wei­se Neu­re­ge­lung der Lauf­bahn­ver­ord­nung (im Fol­gen­den LVO 2009). Sie hob die Alters­gren­ze zur Ein­stel­lung oder Über­nah­me in das Beam­ten­ver­hält­nis auf Pro­be an; in das Beam­ten­ver­hält­nis konn­te danach beru­fen wer­den, wer das 40. Lebens­jahr noch nicht voll­endet hat­te. Zugleich nor­mier­te sie die Mög­lich­kei­ten des Über­schrei­tens der Höchst­al­ters­gren­ze neu.

Da das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in sei­nem Beschluss vom 21.04.2015 – 2 BvR 1322/​12 und 2 BvR 1989/​12 – fest­ge­stellt hat, dass die durch die Ver­ord­nung des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len in der Fas­sung vom 30.06.2009 auf der Grund­la­ge des § 5 Abs. 1 Satz 1 LBG fest­ge­leg­ten Höchst­al­ters­gren­zen für die Ein­stel­lung in das Beam­ten­ver­hält­nis auf Pro­be mit dem Grund­ge­setz nicht ver­ein­bar sind, fehlt es auch für den ableh­nen­den Bescheid gegen­über dem Beschwer­de­füh­rer an einer Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge. Die Rege­lun­gen der § 6 Abs. 1 Satz 1, § 52 Abs. 1 und § 84 Abs. 2 LVO 2009, nach denen die Ein­stel­lung auf­grund des erreich­ten Lebens­al­ters ver­wei­gert wer­den kann, ver­sto­ßen inso­weit gegen Art. 33 Abs. 2 GG. Die auf die­sen Vor­schrif­ten beru­hen­den gericht­li­chen und behörd­li­chen Ent­schei­dun­gen ver­let­zen daher den Beschwer­de­füh­rer in sei­nem grund­rechts­glei­chen Recht aus Art. 33 Abs. 2 GG.

Gemäß § 95 Abs. 2 BVerfGG sind die ange­grif­fe­nen Ent­schei­dun­gen des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts für das Land Nord­rhein-West­fa­len und des Ver­wal­tungs­ge­richts Müns­ter auf­zu­he­ben. Die Sache wird an das Ver­wal­tungs­ge­richt zurück­ver­wie­sen, weil zu erwar­ten ist, dass der Ver­wal­tungs­rechts­streit dort auf der Grund­la­ge des vor­lie­gen­den Urteils zum Abschluss gebracht wer­den kann. Bei einer Zurück­ver­wei­sung an das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt müss­te die­ses, bevor es zu einer das Ver­fah­ren been­den­den Ent­schei­dung gelan­gen könn­te, erst über den Antrag des Beschwer­de­füh­rers befin­den, die Beru­fung gemäß §§ 124 ff. VwGO zuzu­las­sen [5].

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 6. Okto­ber 2015 – 2 BvR 2113/​11

  1. Schul­ge­setz für das Land Nord­rhein-West­fa­len vom 15.02.2005 in der Fas­sung des Geset­zes vom 25.06.2015, GVBl S. 499[]
  2. Rund­erlass des Minis­te­ri­ums für Schu­le und Wei­ter­bil­dung vom 23.04.2007 – BASS 21–01 Nr. 11[]
  3. Lan­des­be­am­ten­ge­setz in der Fas­sung vom 21.04.2009, GVBl S. 224[]
  4. GVBl S. 381[]
  5. vgl. BVerfGE 104, 337, 356[]