Ortho­pä­di­sche Hilfs­mit­tel nach einem Dienst­un­fall

Bei der Bestim­mung des Gra­des der Min­de­rung der Erwerbs­fä­hig­keit (MdE) bei einem Beam­ten ist im Rah­men der Unfall­für­sor­ge auch zu berück­sich­ti­gen, inwie­weit der Ein­satz eines ortho­pä­di­schen Hilfs­mit­tels die Dienst­un­fall­fol­gen kom­pen­siert.

Ortho­pä­di­sche Hilfs­mit­tel nach einem Dienst­un­fall

In dem hier vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Fall erlitt der kla­gen­de Beam­te im Jahr 2002 beim Dienst­sport einen Unfall, der zu einer Fuß­he­ber­läh­mung sowie zu einem weit­ge­hen­den Ver­lust des Fuß­he­ber­mus­kels führ­te. Der Grad der MdE wur­de nach ärzt­li­cher Begut­ach­tung zunächst auf 30 v.H. fest­ge­setzt. Auf die­ser Grund­la­ge erhielt der Beam­te Unfall­für­sor­ge­leis­tun­gen, zunächst Unfall­aus­gleich und nach sei­ner Ent­las­sung aus dem Beam­ten­ver­hält­nis Unter­halts­bei­trag. Nach­dem der Dienst­herr eini­ge Jah­re spä­ter Kennt­nis davon erlangt hat­te, dass der Beam­te an einem Fuß­ball­spiel teil­ge­nom­men hat­te, ver­an­lass­te er eine erneu­te ärzt­li­che Unter­su­chung. Die­se kam zu dem Ergeb­nis, dass der Grad der MdE noch immer mit 30 v.H. zu bewer­ten sei, bei Berück­sich­ti­gung der vom Klä­ger ver­wen­de­ten Pero­neus-Schie­ne (ein ortho­pä­di­sches Hilfs­mit­tel, das das "Her­ab­fal­len" des Fußes ver­hin­dert) jedoch nur mit 15 v.H. Der Dienst­herr stell­te dar­auf­hin fest, dass kei­ne erwerbs­min­dern­den Unfall­fol­gen beim Klä­ger vor­lä­gen.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Chem­nitz hat die hier­ge­gen gerich­te­te Kla­ge des Beam­ten abge­wie­sen 1; das Säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat dage­gen den Dienst­herrn ver­pflich­tet, beim Klä­ger einen Grad der MdE von min­des­tens 30 v.H. fest­zu­stel­len 2. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat nun auf die Revi­si­on des Dienst­herrn die Ent­schei­dung des Säch­si­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richts auf­ge­ho­ben und die Beru­fung des Beam­ten gegen das kla­ge­ab­wei­sen­de Urteil des Ver­wal­tungs­ge­richts zurück­ge­wie­sen:

Bei der Fest­stel­lung des Gra­des der MdE ist der Ein­satz ortho­pä­di­scher Hilfs­mit­tel zu berück­sich­ti­gen, soweit die­ser zumut­bar ist und Unfall­fol­gen tat­säch­lich min­dert. Nach den Vor­schrif­ten über den Unfall­aus­gleich und den hier rele­van­ten Unter­halts­bei­trag ist der Grad der MdE zu ermit­teln, um das Maß der Unfall­für­sor­ge­leis­tun­gen zu bestim­men. Der Unter­halts­bei­trag stellt eine Ent­schä­di­gung dafür dar, dass der frü­he­re Beam­te infol­ge des Dienst­un­falls nur noch ein­ge­schränkt in der Lage ist, sich im all­ge­mei­nen Arbeits­le­ben einen Erwerb zu ver­schaf­fen. Dar­aus folgt, dass der zumut­ba­re Ein­satz ortho­pä­di­scher Hilfs­mit­tel den Grad der MdE absenkt, soweit er die­se Fähig­keit wie­der stei­gert.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 25. Febru­ar 2016 – 2 C 14.2014 -

  1. VG Chem­nitz, Urteil vom 12.03.2010 – 3 K 413/​09[]
  2. Sächs. OVG, Urteil vom 11.03.2014 – 2 A 862/​11[]