Per­so­nal­ver­ant­wort­lich­keit kraft befris­te­ter Abord­nung – und die Zustän­dig­keit des Per­so­nal­rats

§ 62 Abs. 4 Halbs. 2 Bbg­Pers­VG ver­langt, dass der Betrof­fe­ne auf Dau­er in einer Funk­ti­on ver­wen­det wird, die mit Per­so­nal­ent­schei­dungs­be­fug­nis­sen im Sin­ne die­ser Vor­schrift aus­ge­stat­tet ist. Beruht die Ver­wen­dung eines Betrof­fe­nen auf zeit­lich befris­te­ten Abord­nun­gen, kommt § 62 Abs. 4 Halbs. 2 Bbg­Pers­VG nicht zur Anwen­dung.

Per­so­nal­ver­ant­wort­lich­keit kraft befris­te­ter Abord­nung – und die Zustän­dig­keit des Per­so­nal­rats

Nach § 62 Abs. 4 Halbs. 2 Bbg­Pers­VG bestimmt der Per­so­nal­rat in Per­so­nal­an­ge­le­gen­hei­ten von Beschäf­tig­ten, die auf Dau­er zu Ein­stel­lun­gen, Ent­las­sun­gen oder sons­ti­gen Ent­schei­dun­gen, die den Sta­tus der Beschäf­tig­ten ver­än­dern, befugt sind, nur auf Antrag des Betrof­fe­nen mit. Aus Sicht des Betei­lig­ten bedarf der Klä­rung, ob das Tat­be­stands­merk­mal "auf Dau­er" vor­aus­setzt, dass die Über­tra­gung einer mit Per­so­nal­ent­schei­dungs­be­fug­nis­sen im Sin­ne der Vor­schrift ver­bun­de­nen Funk­ti­on an den Betrof­fe­nen unbe­fris­tet erfolgt ist bzw. erfol­gen soll. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg 1 hat dies bejaht und infol­ge­des­sen die Anwend­bar­keit der Vor­schrift mit der Begrün­dung ver­neint, dass im vor­lie­gen­den Fall die Ver­wen­dung des Betrof­fe­nen in einer Funk­ti­on mit Per­so­nal­ent­schei­dungs­be­fug­nis­sen auf zeit­lich befris­te­ten Abord­nun­gen beruht habe. Die­ses Norm­ver­ständ­nis erweist sich bei Zugrun­de­le­gung der gän­gi­gen Aus­le­gungs­re­geln ein­deu­tig als zutref­fend, so dass es nicht eigens der Durch­füh­rung eines Rechts­be­schwer­de­ver­fah­rens bedarf.

Schon der Wort­laut der Vor­schrift steht einem abwei­chen­den Norm­ver­ständ­nis ent­ge­gen. Die Rede ist von "Beschäf­tig­ten", die auf Dau­er zu Ein­stel­lun­gen usw. "befugt" sind. Hier­mit wird auf die dau­er­haf­te Ent­schei­dungs­be­fug­nis gera­de der Per­son abge­stellt. Die vom Betei­lig­ten offen­bar bevor­zug­te Aus­le­gung, wonach es auf die dau­er­haf­te Aus­stat­tung einer Funk­ti­on mit Per­so­nal­ent­schei­dungs­be­fug­nis­sen und nicht auf die Dau­er­haf­tig­keit der Ver­wen­dung des Betrof­fe­nen in einer sol­chen Funk­ti­on ankom­men soll, ist vom Wort­laut der Vor­schrift nicht gedeckt. Hät­te der Gesetz­ge­ber eine dahin­ge­hen­de Rege­lung tref­fen wol­len, hät­te er der Vor­schrift bei Beach­tung der übli­chen geset­zes­re­dak­tio­nel­len Gepflo­gen­hei­ten einen ande­ren Wort­laut gege­ben. Ent­ste­hungs­ge­schicht­li­che oder geset­zes­sys­te­ma­ti­sche Umstän­de, die zu einer Aus­le­gung der Norm ent­ge­gen ihrem Wort­laut zwän­gen, sind nicht ersicht­lich. Auch der Zweck der Vor­schrift recht­fer­tigt kei­ne ande­re Sicht­wei­se. Die Vor­schrift soll die Unab­hän­gig­keit des von ihr erfass­ten Per­so­nen­krei­ses gegen­über dem Per­so­nal­rat sicher­stel­len 2. Der Gesetz­ge­ber hat die­sem Gesichts­punkt aber kei­nen abso­lu­ten Stel­len­wert ein­ge­räumt. Andern­falls hät­te er Trä­ger zeit­lich befris­te­ter Per­so­nal­ent­schei­dungs­be­fug­nis­se – die gleich­falls in ihrer Unab­hän­gig­keit gefähr­det sein könn­ten – ein­be­zo­gen. Eben hier­ge­gen hat er sich durch Auf­nah­me des Tat­be­stands­merk­mals "auf Dau­er" ent­schie­den. Die­se Ent­schei­dung ent­wer­tet, wer für unbe­acht­lich hält, ob eine mit Per­so­nal­ent­schei­dungs­be­fug­nis­sen aus­ge­stat­te­te Funk­ti­on einem Betrof­fe­nen befris­tet oder unbe­fris­tet über­tra­gen wird.

Unab­hän­gig davon ist dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg 1 dar­in bei­zu­pflich­ten, dass die vom Betei­lig­ten bevor­zug­te Normaus­le­gung viel­fach zu Abgren­zungs­schwie­rig­kei­ten füh­ren müss­te, was dem erkenn­ba­ren Wil­len des Gesetz­ge­bers zuwi­der­lie­fe, flä­chen­de­ckend eine rei­bungs­freie, mög­lichst wenig streit­an­fäl­li­ge Geset­zes­an­wen­dung zu ermög­li­chen.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 24. April 2014 – 6 PB 2.2014

  1. OVG Ber­lin-Bran­den­burg, Beschluss vom 21.11.2013 – 61 PV 2.13[][]
  2. vgl. zu § 77 Abs. 1 Satz 1 BPers­VG: BVerwG, Beschluss vom 20.03.2002 – 6 P 6.01, Buch­holz 250 § 77 BPers­VG Nr. 16 S. 5[]