Poli­zei­be­wer­ber mit gro­ßen Tat­toos

Der gene­rel­le Aus­schluss eines Bewer­bers vom Aus­wahl­ver­fah­ren für den Poli­zei­dienst auf­grund von Täto­wie­run­gen an bei­den Armen ver­sto­ßen gegen des­sen Grund­rech­te.

Poli­zei­be­wer­ber mit gro­ßen Tat­toos

So das Ver­wal­tungs­ge­richt Aachen in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines Bewer­bers für den Poli­zei­dienst, der wegen gro­ßer Täto­wie­run­gen an bei­den Armen von der Schul­ter bis zu den Unter­ar­men abge­lehnt wor­den war. Das Lan­des­amt für die Poli­zei­aus­bil­dung im Kreis Unna hat­te den Klä­ger wegen der Täto­wie­run­gen für unge­eig­net gehal­ten und sich u.a. dar­auf beru­fen, dass deut­lich sicht­ba­re Täto­wie­run­gen mit der Neu­tra­li­tät eines Poli­zei­be­am­ten nicht in Ein­klang zu brin­gen sei­en. Nach einem Erlass des Innen­mi­nis­te­ri­ums aus dem Jah­re 1995, bestä­tigt durch einen Erlass vom August 2012, stell­ten Täto­wie­run­gen, die beim Tra­gen von Hem­den mit kur­zen Ärmeln zu sehen sei­en, einen Eig­nungs­man­gel dar.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Aachen kön­ne der Klä­ger sich auf sein Per­sön­lich­keits­recht aus Art. 2 Abs. 1 GG und das Recht auf Zugang zum öffent­li­chen Dienst nach Art. 33 Abs. 2 GG beru­fen. Zwar könn­ten Grund­rech­te ein­ge­schränkt wer­den, um die Funk­ti­ons­fä­hig­keit der Poli­zei zu erhal­ten. Im Fal­le des Klä­gers gehe die Ein­schrän­kung aber zu weit. Als mil­de­res Mit­tel käme z.B. in Betracht, den Klä­ger auch im Som­mer ver­pflich­tend ein Hemd mit lan­gen Ärmeln tra­gen zu las­sen.

Der Klä­ger darf nun, wenn er sich im kom­men­den Jahr wie­der für den Poli­zei­dienst bewer­ben soll­te, nicht wegen sei­ner Täto­wie­run­gen zurück­ge­wie­sen wer­den.

Ver­wal­tungs­ge­richt Aachen, Urteil vom 29. Novem­ber 2012 – 1 K 1518/​12