Rechts­aus­künf­te des Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­ums an Sol­da­ten

Rechts­aus­künf­te des BMVg (hier: des Bun­des­am­tes für das Per­so­nal­ma­nage­ment der Bun­des­wehr) an Sol­da­ten sind kei­ne an­fecht­ba­ren dienst­li­chen Maß­nah­men.

Rechts­aus­künf­te des Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­ums an Sol­da­ten

Die Aus­füh­run­gen des Bun­des­amts für das Per­so­nal­ma­nage­ment zu die­sen bei­den The­men erfül­len nicht die Merk­ma­le einer wehr­dienst­ge­richt­lich anfecht­ba­ren dienst­li­chen Maß­nah­me im Sin­ne des § 17 Abs. 3 Satz 1 WBO (hier i.V.m. § 21 Abs. 2 Satz 1 WBO); sie sind des­halb einer gericht­li­chen Über­prü­fung nicht zugäng­lich.

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts kann mit dem Antrag auf gericht­li­che Ent­schei­dung gemäß § 17 Abs. 1, Abs. 3 Satz 1 WBO (gege­be­nen­falls i.V.m. § 21 Abs. 2 Satz 1 WBO) nur gel­tend gemacht wer­den, dass eine dienst­li­che Maß­nah­me oder die Unter­las­sung einer sol­chen Maß­nah­me rechts­wid­rig sei. Der Begriff der Maß­nah­me im Sin­ne die­ser Vor­schrift setzt dabei eine dem öffent­li­chen Recht zuge­hö­ri­ge Hand­lung eines Vor­ge­setz­ten oder einer Dienst­stel­le der Bun­des­wehr vor­aus, die im Ver­hält­nis der Über- und Unter­ord­nung getrof­fen oder erbe­ten wird; dabei kommt es nicht dar­auf an, ob sie auch auf die Her­bei­füh­rung von Rechts­wir­kun­gen abzielt. An ein­zel­ne Sol­da­ten gerich­te­te Äuße­run­gen des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Ver­tei­di­gung oder einer Dienst­stel­le der Bun­des­wehr zu bestimm­ten Rechts­fra­gen erfol­gen dage­gen nicht in die­sem Sin­ne auf der Grund­la­ge eines mili­tä­ri­schen Über- oder Unter­ord­nungs­ver­hält­nis­ses. Der­ar­ti­ge Rechts­aus­künf­te oder recht­li­che Infor­ma­tio­nen im Sin­ne eines Rechts­ra­tes beinhal­ten kei­ne trup­pen­dienst­li­che Maß­nah­men, die in kon­kre­te indi­vi­du­el­le Rech­te des jewei­li­gen Sol­da­ten ein­grei­fen oder die­se unmit­tel­bar betref­fen könn­ten 1.

Das Ant­wort­schrei­ben des Bun­des­amts für das Per­so­nal­ma­nage­ment vom 29.07.2016 auf die Anfra­ge des Sol­da­ten vom 07.07.2016 stellt vor die­sem Hin­ter­grund eine Rechts­aus­kunft an den Sol­da­ten, hin­ge­gen kei­ne trup­pen­dienst­li­che Maß­nah­me dar. Das Bun­des­amt für das Per­so­nal­ma­nage­ment hat in die­sem Schrei­ben schon im Betreff und erneut im Ein­gangs­satz betont, dass es die Anfra­ge des Sol­da­ten ledig­lich als ein Aus­kunfts­er­su­chen qua­li­fi­ziert. Nach­dem der Sol­dat sei­ne Beschwer­de vom 01.09.2016 vor­ge­legt hat­te, wie­der­hol­te und unter­strich das Bun­des­amt für das Per­so­nal­ma­nage­ment in sei­nem Ant­wort­schrei­ben vom 19.10.2016, dass die Mit­tei­lung vom 29.07.2016 noch kei­ne Maß­nah­me dar­stel­le, die in recht­lich geschütz­te Inter­es­sen des Sol­da­ten ein­grei­fe, son­dern viel­mehr – wie aus­drück­lich erwähnt – ein rei­nes Auf­klä­rungs- bzw. Aus­kunfts­schrei­ben, das noch kei­ne rechts­er­heb­li­chen Aus­wir­kun­gen aus­lö­se.

Abge­se­hen davon ist ein förm­li­cher Rege­lungs­ge­halt, wie ihn der Sol­dat gel­tend macht, dem Schrei­ben vom 29.07.2016 auch des­halb abzu­spre­chen, weil der Sol­dat in sei­ner Anfra­ge vom 07.07.2016 nur um eine Äuße­rung gebe­ten hat­te, wie die ihm aus sei­ner Sicht ent­stan­de­nen Lauf­bahn­nach­tei­le geheilt wer­den könn­ten. Er hat­te dabei nicht von sich aus kon­kre­te Instru­men­te oder Maß­nah­men einer Schad­los­stel­lung benannt, über die er einen defi­ni­ti­ven Bescheid erwar­te­te; viel­mehr hat er bei sach­ge­rech­ter Aus­le­gung sei­nes Anfra­ge­be­geh­rens eine dies­be­züg­li­che Bera­tung und Aus­kunft des Bun­des­amts für das Per­so­nal­ma­nage­ment erbe­ten.

Selbst wenn das Ant­wort­schrei­ben des Bun­des­amts für das Per­so­nal­ma­nage­ment vom 29.07.2016 als rechts­ver­bind­li­che Ankün­di­gung einer Ableh­nung jeg­li­cher Schad­los­stel­lung zu qua­li­fi­zie­ren wäre, wäre es gegen­über dem Sol­da­ten noch nicht als anfecht­ba­re dienst­li­che Maß­nah­me zu qua­li­fi­zie­ren. Das Bun­des­amt für das Per­so­nal­ma­nage­ment hat den auf bestimm­te For­men der Schad­los­stel­lung kon­kre­ti­sier­ten Antrag des Sol­da­ten vom 01.09.2016 erst mit dem geson­der­ten Bescheid vom 11.07.2017 beschie­den und abge­lehnt, ohne dem Sol­da­ten an die­ser Stel­le – in Gestalt einer wie­der­ho­len­den Ver­fü­gung – ent­ge­gen zu hal­ten, dass eine defi­ni­ti­ve Ableh­nung schon zuvor mit dem Schrei­ben vom 29.07.2016 erfolgt sei.

Abge­se­hen von die­sen recht­li­chen Erwä­gun­gen ent­fal­tet das Aus­kunfts­schrei­ben vom 29.07.2016 zu Fra­gen einer Schad­los­stel­lung auch kei­ne Rechts­schein­wir­kung, die mit dem Auf­he­bungs­an­trag bekämpft wer­den könn­te. Der Bescheid vom 11.07.2017 wie­der­holt nicht den Inhalt die­ses Aus­kunfts­schrei­bens, son­dern trifft hin­sicht­lich des dezi­dier­ten Schad­los­stel­lungs­an­trags des Sol­da­ten vom 01.09.2016 eine eigen­stän­di­ge Sach­ent­schei­dung.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 14. Dezem­ber 2017 – 1 WB 10.17

  1. vgl. dazu BVerwG, Beschlüs­se vom 27.05.2009 – 1 WB 18.09, Rn.19, 20; und vom 22.03.2011 – 1 WB 9.11, Rn. 31 jeweils m.w.N.[]