Rei­se­kos­ten für frei­ge­stell­te Per­so­nal­rats­mit­glie­der

§ 45 Abs. 1 Satz 2 i.V.m. § 8 Sächs­Pers­VG ge­bie­ten nicht, dass über­wie­gend frei­ge­stell­te Mit­glie­der von Per­so­nal­ver­tre­tun­gen, die vom Sitz der Per­so­nal­ver­tre­tung au­ßer­halb ihres Dienst- und Wohn­orts täg­lich mit ihrem Per­so­nen­kraft­wa­gen an ihren Wohn­ort zu­rück­keh­ren, Weg­stre­cken­ent­schä­di­gung in einer Höhe er­hal­ten, mit der die Kos­ten der Kraft­fahr­zeug­hal­tung voll­um­fäng­lich ab­ge­deckt wer­den.

Rei­se­kos­ten für frei­ge­stell­te Per­so­nal­rats­mit­glie­der

§ 5 Abs. 3 Sächs­RKG gilt aus­weis­lich sei­nes Sat­zes 1 für "typi­scher­wei­se im Außen­dienst aus­ge­üb­te Tätig­kei­ten". Gemäß Satz 2 der Vor­schrift wird eine Tätig­keit typi­scher­wei­se im Außen­dienst aus­ge­übt, wenn die Arbeits­in­hal­te durch nicht nur gele­gent­li­chen Außen­dienst bestimmt wer­den oder die Wahr­neh­mung der Dienst­auf­ga­ben regel­mä­ßig nur außer­halb der Dienst­stel­le mög­lich ist. Es liegt auf der Hand, dass die­se Vor­aus­set­zun­gen bei der Tätig­keit der Mit­glie­der von Per­so­nal­ver­tre­tun­gen im All­ge­mei­nen nicht erfüllt sind.

Eine ent­spre­chen­de Anwen­dung von § 5 Abs. 3 Sächs­RKG ist nicht im Lich­te des in der Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts­recht­spre­chung ent­wi­ckel­ten Grund­sat­zes gebo­ten, wonach bei Anwen­dung rei­se­kos­ten­recht­li­cher Bestim­mun­gen über die Fahrt­kos­ten­er­stat­tung auf­grund des per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­li­chen Benach­tei­li­gungs­ver­bots (§ 8 Sächs­Pers­VG) zu ver­mei­den ist, dass Mit­glie­der von Per­so­nal­ver­tre­tun­gen man­dats­be­ding­te, unver­meid­ba­re Auf­wen­dun­gen selbst tra­gen und auf die­se Wei­se als Fol­ge des Per­so­nal­rats­amts einen Teil ihres Ein­kom­mens "zuschie­ßen" müs­sen 1. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat in sei­nem Beschluss vom 28. Janu­ar 2010 2 im Detail aus­ge­führt, dass die Weg­stre­cken­ent­schä­di­gung nach § 6 Abs. 1 Sächs­RKG a.F., die in ihrem Kern in § 5 Abs. 2 Sächs­RKG über­führt wor­den ist, auf einen pau­scha­li­sier­ten Auf­wen­dungs­er­satz zielt, der die durch­schnitt­li­chen Kos­ten des Betriebs und der Instand­hal­tung voll, dage­gen die­je­ni­gen der Kraft­fahr­zeug­hal­tung nur antei­lig abde­cken soll 3. Dem­ge­gen­über zielt die Weg­stre­cken­ent­schä­di­gung nach § 6 Abs. 2 Satz 1 Sächs­RKG a.F., an die § 5 Abs. 3 Sächs­RKG wer­tungs­mä­ßig anknüpft, auf die vol­le Berück­sich­ti­gung der Anschaffungs‑, Unter­hal­tungs- und Betriebs­kos­ten und der Abnut­zung des Kraft­fahr­zeugs, schließt also auch die Betriebs­kos­ten über­stei­gen­de Kos­ten wie bei­spiels­wei­se die­je­ni­gen für Ver­si­che­rung, Kraft­fahr­zeug­steu­er und Gara­ge ein 4. Die ver­gleichs­wei­se gerin­ge­re Höhe des Ent­schä­di­gungs­sat­zes nach § 6 Abs. 1 Sächs­RKG a.F. bzw. § 5 Abs. 2 Sächs­RKG folgt der Erwä­gung, dass ein pri­va­tes Kraft­fahr­zeug unge­ach­tet sei­ner peri­odi­schen Nut­zung zu dienst­li­chen Zwe­cken sei­nem Hal­ter regel­mä­ßig pri­va­ten Nut­zen stif­tet, der es recht­fer­tigt, die­sem einen Teil der Hal­tungs­kos­ten zu belas­sen 5. Aus­ge­hend hier­von begeg­net es kei­nen Beden­ken, dass das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt mit § 5 Abs. 2 Sächs­RKG die­je­ni­ge Rege­lung für anwend­bar gehal­ten hat, die für sämt­li­che Bediens­te­ten gilt, die aus trif­ti­gen Grün­den – d.h. aus drin­gen­den dienst­li­chen oder in Aus­nah­me­fäl­len drin­gen­den per­sön­li­chen Grün­den (vgl. § 5 Abs. 2 Satz 2 Sächs­RKG) – Dienst­fahr­ten mit pri­va­ten Kraft­fahr­zeu­gen zurück­le­gen. Es ist nicht zu erken­nen, inwie­fern Mit­glie­dern von Per­so­nal­ver­tre­tun­gen ent­ge­gen § 8 Sächs­Pers­VG spe­zi­fisch man­dats­be­ding­te Nach­tei­le gegen­über ande­ren Bediens­te­ten­grup­pen zuge­fügt wer­den könn­ten, wenn die Fahrt­kos­ten­er­stat­tung wie im Fal­le gewöhn­li­cher Dienst­fahr­ten der Maß­ga­be folgt, dass im Gegen­satz zu den durch die Fahrt ver­ur­sach­ten Betriebs- und Instand­hal­tungs­kos­ten, die voll­stän­dig abge­deckt wer­den, die antei­lig auf die Weg­stre­cke berech­ne­ten Hal­tungs­kos­ten, bei denen es sich in wesent­li­chen Tei­len um Fix­kos­ten han­delt, nicht in vol­ler Höhe zu berück­sich­ti­gen sind. Die­se Maß­ga­be erscheint ins­be­son­de­re auch nicht geeig­net, qua­li­fi­zier­te Per­so­nen von der Wahr­neh­mung per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­li­cher Ämter abzu­hal­ten 6.

Eine grund­sätz­li­che Bedeu­tung der Rechts­sa­che ergibt sich fer­ner nicht aus dem von der Beschwer­de ange­spro­che­nen Beschluss des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts vom 12. Novem­ber 2009 7; eben­so wenig ergibt sich hier­aus eine Diver­genz im Sin­ne von § 72 Abs. 2 Nr. 2 ArbGG. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat dort für den Fall, dass dem Per­so­nal­rats­mit­glied die täg­li­che Rück­kehr zu sei­nem Wohn­ort zuzu­mu­ten ist, die Benut­zung öffent­li­cher Ver­kehrs­mit­tel jedoch aus­schei­det, die auf einen Ent­schä­di­gungs­satz in Höhe von 0,30 €/​Kilometer zie­len­de Rege­lung des § 5 Abs. 2 BRKG – anders als die mit § 5 Abs. 1 BRKG eröff­ne­te Rege­lungs­al­ter­na­ti­ve (0,20 €/​Kilometer) – für geeig­net ange­se­hen, ent­spre­chend den Vor­ga­ben des per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­li­chen Benach­tei­li­gungs­ver­bots den Beschäf­tig­ten vor der Tra­gung von Kos­ten zu bewah­ren, die er bei ord­nungs­ge­mä­ßer Wahr­neh­mung sei­nes Per­so­nal­ratman­dats nicht ver­mei­den kann 8. Damit ist nicht zum Aus­druck gebracht wor­den, Ent­schä­di­gungs­sät­ze unter­halb die­ser Höhe wür­den die­ses Gebot ver­let­zen. Wel­che kon­kre­te Höhe Ent­schä­di­gungs­sät­ze der hier in Rede ste­hen­den Art auf­wei­sen müs­sen, um Bediens­te­ten ent­ste­hen­de Fahrt­kos­ten hin­rei­chend aus­zu­glei­chen, obliegt in ers­ter Linie der Ent­schei­dung des Gesetz­ge­bers, der bei Erlass rei­se­kos­ten­recht­li­cher bzw. tren­nungs­geld­recht­li­cher Vor­schrif­ten über beträcht­li­che Ein­schät­zungs- und Typi­sie­rungs­spiel­räu­me ver­fügt. Daher ist auch hin­zu­neh­men, dass bun­des­weit kei­ne ein­heit­li­chen Sät­ze gel­ten.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 19. Juni 2013 – 6 PB 18.12

  1. vgl. hier­zu im Ein­zel­nen BVerwG, Beschlüs­se vom 28.11.2012 – 6 P 3.12; vom 21.05.2007 – 6 P 5.06, Buch­holz 251.5 § 42 HePers­VG Nr. 1 Rn. 24 ff. und vom 27.01.2004 – 6 P 9.03, Buch­holz 250 § 44 BPers­VG Nr. 33 S. 14 f.[]
  2. BVerwG, Beschluss vom 28.01.2010 – 6 P 1.09, Buch­holz 251.91 § 45 Sächs­Pers­VG Nr. 1[]
  3. BVerwG, a.a.O. Rn. 31[]
  4. vgl. BVerwG, a.a.O. Rn. 32[]
  5. vgl. BVerwG, a.a.O. Rn. 31[]
  6. vgl. hier­zu BVerwG, Beschluss vom 28.11.2012 a.a.O. Rn. 18[]
  7. BVerwG, Beschluss vom 12.11.2009 – 6 PB 17.09, Buch­holz 251.92 § 42 SAPers­VG Nr. 1[]
  8. BVerwG, a.a.O. Rn.19[]