Rich­ter­li­che Unab­hän­gig­keit – und die For­mu­lie­rung im Geschäfts­prü­fungs­be­richt

Im Ver­fah­ren nach § 80 Nr. 1 NRiG ist die Über­prü­fung einer Maß­nah­me der Dienst­auf­sicht dar­auf beschränkt ist, ob sie in die rich­ter­li­che Unab­hän­gig­keit aus Art. 97 Abs. 1 GG ein­greift. Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Dienst­ge­richts des Bun­des befin­den die Rich­ter­dienst­ge­rich­te nach § 26 Abs. 3 DRiG hin­ge­gen nicht dar­über, ob eine Maß­nah­me der Dienst­auf­sicht auch aus ande­ren Grün­den rechts­wid­rig und damit unzu­läs­sig ist 1.

Rich­ter­li­che Unab­hän­gig­keit – und die For­mu­lie­rung im Geschäfts­prü­fungs­be­richt

Zu dem damit der Prü­fung der Rich­ter­dienst­ge­rich­te ent­zo­ge­nen Bereich der all­ge­mei­nen Recht­mä­ßig­keit der dienst­auf­sichts­recht­li­chen Maß­nah­men zählt auch die Fra­ge, ob die vom Prä­si­den­ten des Land­ge­richts in sei­nem Geschäfts­prü­fungs­be­richt getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen sach­lich rich­tig sind; dies ist nicht von den Rich­ter­dienst­ge­rich­ten zu prü­fen, viel­mehr ist inso­weit der Rechts­weg zu den Ver­wal­tungs­ge­rich­ten eröff­net 2.

Soweit also die Rich­te­rin wei­ter­hin dar­auf abstellt, sie habe ent­ge­gen den Fest­stel­lun­gen in dem Geschäfts­prü­fungs­be­richt ihre Amts­ge­schäf­te ord­nungs­ge­mäß erle­digt, wes­halb ihr die ord­nungs­wid­ri­ge Art der Aus­füh­rung der Amts­ge­schäf­te nicht habe vor­ge­hal­ten wer­den dür­fen, kann sie damit im Prü­fungs­ver­fah­ren nicht durch­drin­gen.

Die Kri­tik, die Antrag­stel­le­rin arbei­te nicht zügig, för­de­re die Ver­fah­ren nicht und ihre Akten­füh­rung sei man­gel­haft, bezieht sich ein­deu­tig nicht auf Inhal­te von Ent­schei­dun­gen oder ent­schei­dungs­vor­be­rei­ten­der Ver­fah­rens­schrit­te, son­dern nur auf die Art und Wei­se, wie die Antrag­stel­le­rin die Akten führt und den ord­nungs­ge­mä­ßen Geschäfts­ab­lauf sicher­stellt. Die inso­weit gerüg­ten rich­ter­li­chen Tätig­kei­ten der Antrag­stel­le­rin ist als dem Bereich der äuße­ren Ord­nung zuge­hö­rig anzu­se­hen, in dem einem Rich­ter die ord­nungs­wid­ri­ge Art der Aus­füh­rung eines Amts­ge­schäfts vor­ge­hal­ten und er zur ord­nungs­ge­mä­ßen Erle­di­gung gemahnt wer­den kann 3.

Rich­ter­li­che Unab­hän­gig­keit bedeu­tet in ers­ter Linie Wei­sungs­frei­heit. Die bean­stan­de­te Äuße­rung ent­hält dem­ge­gen­über kei­ne kon­kre­te, ver­fah­rens- oder fall­be­zo­ge­ne Anwei­sung. Es liegt mit­hin nur eine im Sin­ne von § 26 Abs. 2 DRiG zuläs­si­ge Ermah­nung der Antrag­stel­le­rin vor, ihre Amts­ge­schäf­te ord­nungs­ge­mäß zu erle­di­gen.

Die Auf­fas­sung, dass eine Maß­nah­me, die nicht geeig­net ist, einen Rich­ter auf direk­te oder indi­rek­te Wei­se zu ver­an­las­sen, eine Ver­fah­rens- oder Sach­ent­schei­dung künf­tig in einem ande­ren Sin­ne zu tref­fen, die­sen nicht in sei­ner rich­ter­li­chen Unab­hän­gig­keit ver­letzt, ent­spricht der stän­di­gen Recht­spre­chung des Dienst­ge­richts des Bun­des 4.

Die Mit­tei­lung, der Prä­si­dent des Land­ge­richts habe kei­nen Anlass für ein dis­zi­pli­nar­recht­li­ches Vor­ge­hen gese­hen, stellt kei­ne Maß­nah­me der Dienst­auf­sicht son­dern eine blo­ße Infor­ma­ti­on dar, zu der der Land­ge­richts­prä­si­dent, der bei Vor­lie­gen von dienst­li­chem Fehl­ver­hal­ten dis­zi­pli­nar­recht­li­che Fol­gen zu prü­fen hat­te, jeden­falls befugt war. Die Erklä­rung, die Antrag­stel­le­rin sei mit den Fest­stel­lun­gen zu kon­fron­tie­ren, ist schließ­lich ersicht­lich nicht geeig­net, der Antrag­stel­le­rin in irgend­ei­ner Wei­se nahe zu legen, wie sie in Zukunft ver­fah­ren oder ent­schei­den sol­le, und stellt des­halb eben­falls kei­ne unzu­läs­si­ge Maß­nah­me der Dienst­auf­sicht dar.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 3. Dezem­ber 2014 – RiZ ® 1/​14

  1. vgl. BGH, Urtei­le vom 31.01.1984 RiZ ® 3/​83, BGHZ 90, 41, 48 ff.; vom 27.01.1995 – RiZ ® 3/​94, DRiZ 1995, 352, 353; vom 14.04.1997 RiZ ® 1/​96, DRiZ 1997, 467, 468[]
  2. vgl. BGH, Urtei­le vom 31.01.1984 RiZ ® 3/​83, BGHZ 90, 41, 48; vom 14.04.1997 – RiZ ® 1/​96, DRiZ 1997, 467, 468[]
  3. vgl. inso­weit Schmidt-Räntsch, DRiG, 6. Aufl. § 26 Rn. 24 f. mwN[]
  4. vgl. etwa BGH, Urtei­le vom 23.10.1963 RiZ 1/​62, BGHZ 42, 163, 169 ff.; vom 17.10.1977 RiZ ® 2/​77, BGHZ 70, 1, 4; vom 31.01.1984 RiZ ® 3/​83, BGHZ 90, 41, 44 mwN[]