Rück­wir­ken­de Her­ab­set­zung des Ruhe­ge­halt­an­spruchs eines Beam­ten

Die rück­wir­ken­de Auf­he­bung der Rege­lung zur vor­über­ge­hen­den Erhö­hung des Ruhe­ge­halts auf der Grund­la­ge des Min­destru­he­ge­halts­sat­zes ist nach einer Ent­schei­dung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts ver­fas­sungs­wid­rig. Die Rück­wir­kungs­an­ord­nung ver­letzt nach Ansicht des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts die ver­fas­sungs­recht­lich gewähr­leis­te­ten Grund­sät­ze des Rück­wir­kungs­ver­bots und des Ver­trau­ens­schut­zes, die Ver­sor­gungs­emp­fän­ger vor nach­träg­li­chen und sach­lich nicht begrün­de­ten Kür­zun­gen ihrer Ver­sor­gungs­an­sprü­che bewah­ren sol­len. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat des­halb das Ver­fah­ren aus­ge­setzt, um im Rah­men einer Rich­ter­vor­la­ge die Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zur Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der Rege­lung ein­zu­ho­len.

Rück­wir­ken­de Her­ab­set­zung des Ruhe­ge­halt­an­spruchs eines Beam­ten

Mit zwei Urtei­len aus den Jah­ren 2005 1 und 2009 2 hat­te das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­den, dass gemäß § 14a Abs. 1 BeamtVG auch der sog. amts­be­zo­ge­ne Min­destru­he­ge­halts­satz von 35% (§ 14 Abs. 4 Satz 1 BeamtVG) auf Antrag vor­über­ge­hend zu erhö­hen ist. § 14a Abs. 1 BeamtVG wur­de durch das Dienst­rechts­neu­ord­nungs­ge­setz vom 5. Febru­ar 2009 dahin geän­dert, dass der amts­be­zo­ge­ne Min­destru­he­ge­halts­satz nicht mehr Grund­la­ge einer vor­über­ge­hen­den Erhö­hung sein kann. Die Ände­rung wur­de rück­wir­kend ab 24. Juni 2005 in Kraft gesetzt.

Die vor­über­ge­hen­de Erhö­hung des Ruhe­ge­halts­sat­zes nach § 14a Abs. 1 BeamtVG gilt für Beam­te, die vor Errei­chen der gesetz­li­chen Regel­al­ters­gren­ze in den Ruhe­stand tre­ten, einen bestimm­ten Ruhe­ge­halts­satz infol­ge spä­ter Ver­be­am­tung noch nicht erreicht haben und die Aus­zah­lung der von ihnen erwor­be­nen Ansprü­che aus der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung erst mit Voll­endung des gesetz­li­chen Regel­al­ters ver­lan­gen kön­nen. Die Rege­lung war 1985 in das Beam­ten­ver­sor­gungs­ge­setz ein­ge­fügt wor­den, um Ein­schrän­kun­gen im Recht der Ren­ten­ver­si­che­rung durch das Haus­halts­be­gleit­ge­setz vom 22. Dezem­ber 1983 für die vor Voll­endung des 65. Lebens­jah­res in Ruhe­stand tre­ten­den Beam­ten ent­ge­gen­zu­wir­ken.

Der Klä­ger des jetzt vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Ver­fah­rens war Bun­des­grenz­schutz­be­am­ter. Er trat nach Voll­endung sei­nes 60. Lebens­jah­res am 1. März 2008 in den Ruhe­stand. Sein Ruhe­ge­halts­satz von 32,64% lag unter­halb des gesetz­li­chen Min­destru­he­ge­halts­sat­zes. Die Ver­sor­gungs­be­hör­de erhöh­te nur den nach der Dienst­zeit berech­ne­ten Ruhe­ge­halts­satz (§ 14 Abs. 1 Satz 1 BeamtVG) vor­über­ge­hend auf 57,22%. Eine vor­über­ge­hen­de Erhö­hung auf der Grund­la­ge des amts­be­zo­ge­nen Min­destru­he­ge­halts­sat­zes lehn­te sie ab. Die­se hät­te beim Klä­ger zu einer Erhö­hung des monat­li­chen Ruhe­ge­halts um rund 70 € und damit bis zur Voll­endung des 65. Lebens­jah­res zu einem ins­ge­samt um fast 4.200 € höhe­ren Ruhe­ge­halt geführt. Das erst­in­stanz­lich mit der dar­auf­hin von dem BGS-Beam­ten erho­be­nen Kla­ge befass­te Ver­wal­tungs­ge­richt Mag­de­burg gab der Kla­ge statt 3, das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Sach­sen-Anhalt wies sie auf die Beru­fung der Ver­sor­gungs­be­hör­de nach der Geset­zes­än­de­rung ab 4. Über die Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der Anord­nung der Rück­wir­kung die­ser Geset­zes­än­de­rung wird nun das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zu ent­schei­den haben.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 19. August 2010 – 2 C 34.09

  1. BVerwG, Urteil vom 23.06.2005 – 2 C 25.04[]
  2. BVerwG, Urteil vom 12.11.2009 – 2 C 29.08[]
  3. VG Mag­de­burg – 5 A 248/​08[]
  4. OVG LSA – 1 L 28/​09[]