Rüst­zei­ten von Poli­zis­ten – und der Zeit­aus­gleich

Nord­rhein-west­fä­li­sche Poli­zis­ten, die vor dem Jahr 2017 ent­ge­gen der damals bestehen­den Erlass­la­ge ihre Aus­rüs­tung bereits vor Beginn der Dienst­schicht auf­ge­nom­men und erst nach Been­di­gung der Dienst­schicht wie­der abge­legt haben, kön­nen hier­für kei­nen Zeit­aus­gleich erhal­ten.

Rüst­zei­ten von Poli­zis­ten – und der Zeit­aus­gleich

Das hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig auf die Kla­ge meh­re­rer Poli­zei­be­am­ter ent­schie­den, die im Diens­te des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len ste­hen. In ihren Dienst­stel­len bestand in den ver­gan­ge­nen Jah­ren eine weit ver­brei­te­te Pra­xis, nach der sich zahl­rei­che Poli­zei­be­am­te ver­pflich­tet fühl­ten, bereits vor Schicht­be­ginn mit Dienst­waf­fe, Mehr­zweck­stock etc. aus­ge­rüs­tet zu sein und erst nach Schich­ten­de die Aus­rüs­tung wie­der abzu­le­gen. So soll­te nach Ansicht der Poli­zei­be­am­ten die unein­ge­schränk­te Ein­satz­fä­hig­keit der Beam­ten zu Beginn und am Ende der sich nicht über­schnei­den­den Schich­ten gewähr­leis­tet wer­den. Nach ihrer Dar­stel­lung umfas­sen die sog. Rüst­zei­ten pro Schicht etwa 15 Minu­ten. Mit ihren Kla­gen streb­ten sie einen Zeit­aus­gleich für die­se Rüst­zei­ten seit dem Jahr 2008 an.

Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len in Müns­ter hat die Rüst­zei­ten der Poli­zei­be­am­ten als geleis­te­ten Dienst aner­kannt1. Es hat aus­ge­führt, dass die außer­halb der Schich­ten lie­gen­den Zei­ten zwar kei­ne regu­lä­re Arbeits­zeit sei­en; den Klä­gern kön­ne jedoch ein Aus­gleichs­an­spruch nach dem Grund­satz von Treu und Glau­ben zuste­hen. Dabei sei einer­seits zu berück­sich­ti­gen, dass sie nicht ein­sei­tig vom Dienst­herrn ver­pflich­tet wor­den sei­en, die Rüst­tä­tig­kei­ten außer­halb der Schicht durch­zu­füh­ren. Ande­rer­seits habe das beklag­te Land die ent­spre­chen­de Pra­xis in zahl­rei­chen Poli­zei­be­hör­den des Lan­des gekannt und hin­ge­nom­men. Der kon­kre­te Umfang die­ses Anspruchs sei aller­dings in einem geson­der­ten Ver­wal­tungs­ver­fah­ren fest­zu­stel­len. Auf die Revi­si­on des beklag­ten Lan­des hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt die statt­ge­ben­den Ent­schei­dun­gen der Vor­in­stan­zen auf­ge­ho­ben und die Kla­gen abge­wie­sen:

Es ist allein Auf­ga­be des Dienst­herrn, kraft sei­ner Orga­ni­sa­ti­ons­ge­walt die kon­kre­ten Arbeits­zei­ten für die Beam­ten fest­zu­le­gen. Inso­weit hat das beklag­te Land in meh­re­ren Erlas­sen bestimmt, dass die Poli­zei­be­am­ten inner­halb der Dienst­schich­ten die Aus­rüs­tung an- und abzu­le­gen haben. Die Gewähr­leis­tung der all­ge­mei­nen Sicher­heit wäh­rend des Schicht­wech­sels ist allein Auf­ga­be des beklag­ten Lan­des. Es steht den ein­zel­nen Poli­zei­be­am­ten nicht zu, eigen­mäch­tig von der Erlass­la­ge abzu­wei­chen und dafür einen Aus­gleich zu bean­spru­chen. Aus den tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts erge­ben sich auch kei­ne Anhalts­punk­te, dass in den ein­zel­nen Poli­zei­dienst­stel­len gegen­tei­li­ge Wei­sun­gen erteilt wor­den sind. Sol­che Anhalts­punk­te erge­ben sich ins­be­son­de­re nicht dar­aus, dass zumin­dest teil­wei­se auch die unmit­tel­ba­ren Vor­ge­setz­ten der Klä­ger die beschrie­be­ne Pra­xis als dienst­li­che Not­wen­dig­keit emp­fun­den haben. Dies ver­mag über die kla­re Erlass­la­ge nicht hin­weg­zu­hel­fen.

Die nach Gesprä­chen mit den Poli­zei­ge­werk­schaf­ten im Jahr 2017 geän­der­te Arbeits­zeit­ver­ord­nung Poli­zei im Land Nord­rhein-West­fa­len, die nun­mehr vor­sieht, 12 Minu­ten pro Schicht für die Rüst­tä­tig­kei­ten dem Arbeits­zeit­kon­to der Poli­zei­be­am­ten gut­zu­schrei­ben, ist auf die frü­he­ren Sach­ver­hal­te und auf die hier allein im Raum ste­hen­den Ansprü­che aus Treu und Glau­ben nicht anwend­bar.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urtei­le vom 20. Sep­tem­ber 2018 – 2 C 44.17; 2 C 45.17; 2 C 46.17 und 2 C 47.17

  1. OVG NRW, Urtei­le vom 03.11.2016 – 6 A 1903/​14, 6 A 2250/​14, 6 A 2251/​14 und 6 A 127/​15 []